Bandes Sonores Françaises 4
January 10th, 2010
Thierry Müller – Hors temps/Out of time
Mitte der 1980er kursierte im Bekanntenkreis eine merkwürdig aufgemachte Platte: Ilitch – 10 Suicides. Die collagenhaft aufgemachte Hülle und das Beiheft spielten ironisch mit der dunkel-romantischen Idee, dem Leben irgendwie zu entkommen. Die Musik, eine schräge Mèlange von kautrockigen Elektronikpassagen, improvisatorisch anmutende Gitarrenstücken und unterkühltem New Wave Disco. Musik, Bezugspunkte und Intellektualität passten gut in den Kreis der anderen geschätzten Vertretern der ‘New French Music’ – Berrocal, Marcoeur, Ribeiro, Tazartès, Heldon, DDAA etc.

O Futuro da Saudade 3
January 10th, 2010
MECANOSPHERE
Mécanosphère ist das Projekt des Franzosen Benjamin Brejon und des Portugiesen Adolfo Luxúria Canibal und steht, so ihr unmissverständliches Statement, „für eine systematisch anti-postmoderne kritische musikalische Plattform“.
Mécanosphère rezyklieren auf ihren mittlerweile drei Alben die Hinterlassenschaften und Inhalte, für die einst Bewegungen wie Dub, experimenteller Hip Hop, Musique Concrète, Free Jazz oder Sound Poetry standen. Reduziert, ohne Computer, Beat Box oder Memory Sampler filtrieren sie die Essenz dieser Sub-Genres zu einer verdichteten, beinahe kathartisch anmutenden musikalischen und textlichen Sprache. Die Stücke leben vom Aneinanderreiben der knochentrockenen, spröden Drums Brejons, dessen free-jazzige Ausuferungen – er war nicht umsonst Schüler Sunny Murrays – immer wieder das ansonsten monoton-tribalistische Grundgerüst durchbrechen mit den französisch und portugiesisch, stark von der experimentellen Literatur geprägten, meist fragmentarischen Texten Canibals, die dieser in heißererem Sprechgesang herauspresst, flüstert, gurgelt.

O Futuro da Saudade 2
January 9th, 2010
Gustavo Costa – no noise
Als Anarcosatanic Jazz bezeichnen die Lost Gorbachews – Gustavo Costa, Drums, João Martins, Saxophones und Henrique Fernandes, Doublebass – ihre Musik ,”…weil es eine subversive und anarchistische Weise ist, Jazz zu spielen”. Dies im Hinterkopf, wird man beim Beiwohnen eines Liveauftritts trotzdem heftig von einer scheinbar aus Partikeln von Naked City, Ruins, Ground Zero, God, Keiji Haino und Napalm Death zuammengesetzten, verdichteten Energie getroffen, die immer wieder explosionsartig die klaustrophobischen Kellergewölbe zu bekämpfen scheint.

O Futuro da Saudade 1
January 8th, 2010
David Maranha
Die Stilmittel von Drones und Obertönen in der aktuellen Musik wurde nun sogar von einer dem Metal entsprungenen Band wir Sunn O>> mit Monoliths & Dimensions auf intelleltuell anspruchsvolles Niveau gehievt. Ein Jahrzehnt zurück, hat eine Weiterentwicklung dessen, was Underground-Größen wie Tony Conrad, Maryanne Amacher, La Monte Young oder Neutöner wie Charlemagne Palestine und Scelsi in seinen Streichquartetten in den 1950ern und 60ern entwickelt hatten, außer einigen verstreuten Post-Industrialisten kaum jemanden interessiert.

Bandes Sonores Françaises 3
January 7th, 2010
DEFICIT DES ANNEES ANTERIEURES
Mit einem vierzehntägigen, jeweils zweistündigem musikalischen Hörspiel für das franzsösiche Radio Libertaire – 700 000 tonnes à 100km/h dans le broullard – sorgte das legendäre Musikkunstkollektiv DDAA – laut zuverlässigen Quellen – für einen der Höhepunkte des Jahres 2009. Auf Fractal wurde zudem ihr, nicht nur für die franzsösiche Außenseiter-Avantgarde wegweisendes Album, Action And Japanese Demonstrations wiederveröffentlicht. Erfreulich, dass die drei Kunststudenten, die sich 1979 an der Kunstakademie in Caen trafen – Jean-Luc André, Sylvie Martineau und Jean-Philippe Fée – sich weiterhin, wenn auch sporadisch, an den zeitgemäßen Schnittstellen von Musik, Kunst und Avantgarde bewegen, ob das Performances, Seminare oder ausgesuchte Veröffentlichungen sind.
