Ripples

May 26th, 2020

Aksak Maboul – Figures

Das Konzert hätte in einem der derzeitigen Kreativlabors der belgischen Hauptstadt stattfinden sollen: den Ateliers de Claus, im elegant verwitterten Jugendstil-Stadtteil Saint Gilles gelegen.
Die Präsentation des dritten offiziellen Aksak Maboul Albums zum vierzigjährigen Jubiläum musste aus naheliegenden Gründen um unbestimmte Zeit verschoben werden.
Rückblick, Ende der 1970er Jahre:
Trotz nicht unbedeutender Konkurrenz beeinflusste Marc Hollanders Band, die er mit dem späteren World Music- Produzenten Vincent Kenis gründete und sein Label – Crammed Disc – die traditionell offene und heterogene musikalische Szene Brüssels nachhaltig. Kasai Allstars, Konono N°1, Juliana Molina, Bebel Gilberto oder Yasmine Hamdan sind zweifellos die Namen, die für die internationale Ausrichtung des Labels im vergangenen Jahrzehnt standen und deren Musik den Sprung vom Außenseitertum zum Mainstream meisterte. Die sperrigen Urgesteine Tuxedomoon, die jahrelang Brüssel zu ihrem Refugium machten, die Soundkünstlerin Bérangère Maximin, die exzentrische Hermine, Minimal Compact und Aksak Maboul / Honeymoon Killers sind aber mindestens genauso bedeutend für die Labelhistorie.
Die Blaupause für Crammed Discs Onze Danses Pour Combattre Le Migraine von Aksak Maboul erschien ursprünglich aber auf Kamikaze Records, einem Brüsseler Label, das von dem Radio-DJ Marc Moulin mit einem Faible für das Abseitige ins Leben gerufen wurde und … genau für vier Alben existierte. In einer Zeit in den 1970ern als die Sex Pistols gerade begannen das tröge Musikgeschäft mit inszinierter Bad Boy-Attitüde aufzumischen und Munich Disco und bombastischen Prog Rock nach Jahren des Stillstands endlich in die Schranken wiesen, beriefen sich Marc Hollander und Vincent Kenis hingegen auf satieeske Minimalismen, Jazz, osteuropäische Folklore, Neue Musik und you name it. Eine Musik, die melancholisch, verspielt und auf verblüffende Art neu und subversiv klang. Das zweite Album Un Peu de l’âme des Bandits stand dagegen ganz im Geiste des intellektuellen Art Rocks; kein Wunder, spielten doch Mitglieder von Henry Cow und Univers Zero eine prägende Rolle.

Die anschließende Fusion mit der Band von Yvon Vromman und Véronique Vincent The Honeymoon Killers zu einer Avant-Pop-Supergroup ergab sich dann von selbst, erschien doch deren Album Les Tueurs de la Lune de Miel auf Crammed Discs. Die Formation löste sich aber dann nach ausgiebigen Tourneen durch Europa doch vorschnell auf. Hollander komponierte mit Véronique Vincent fleißig neue Stücke, die aber nie fertiggestellt wurden und erst 2014 erschienen (Ex-Futur Album).
Nun also Figures: ein Doppelalbum, das mit Hollander und Vincent als Kerngruppe, verstärkt um die nervösen, hyperaktiven Mitglieder von Aquaserge, Faustine Hollander, Steven Brown, Michel Berckmans und anderen älteren und jüngeren Weggefährten das ganze eklektische Univerum der Band vereint. Figures ist ein Album, das zwar nicht zu neuen Ufern aufbricht, aber die ursprüngliche Idee auf charmanteste Art weiterträgt.
Wie schon beim Ex-Futur-Album gibt die Künstlerin Véronique Vincent, gespeist mit einer nicht zu knappen Dosis Surrealismus, der Literatur der Morderne und einer Menge anderer, oft belgischer, Querverweise eine intellektuelle Version von Lio und Françoise Hardy. Hollanders, so verschachtelt wie melodische Kompositionen sind von Tasteninstrumenten und Drum Programming geprägt, darüber entfalten sich die von Aksak Maboul gewohnten Abzweigungen und Verirrungen und Verwirrungen in alle denkbaren musikalische Stilrichtungen von Belang.
Ein Pop-Album zwischen der eckigen Tradition des New Waves und den frankophonen, poetischen Höhenflügen von Sophie Jausserand und Guigou Chenevier (A L’Abri Des Micro-Climats).

http://www.crammed.be

Ripples

April 24th, 2020

Delphine Dora – L’Inattingible / Brigitte Fontaine – Terre Neuve

“Alles trägt zur Isolation bei: voneinander unabhängige Home-Studios, Telefon und Fax, Sampling und Synthesizer, Computer, willkürliche Klassifizierung der Musikarten, Verschwinden der kleinen, spezialisierten Schallplattenhändler, kleinbürgerliche Streitereien, fehlende Gesprächspartner innerhalb der Institutionen, gleichsam ein Nichtexistieren der Kritik…”
So hieß es in den Linernotes zur Urgent Meeting – Serie, die das intellektuell und künstlerisch in alle Richtungen offene Musikerkollektiv Un Drame Musical Instantané zu Beginn der 1990er Jahre, als neue Technologien zugleich Fluch und Segen für die unabhängigen Musikfirmen und Musiker wurden, veröffentlichte: ein Ausruf zur Zusammenarbeit Angesicht zu Angesicht.

Gerade jetzt tragen auch nicht selbst bestimmbare Begebenheiten zur Isolation bei, aber beim Hören von Delphine Doras neuer Platte L’Inattingible, die in Zusammenarbeit mit befreundeten Musikern bei geplanten oder spontaner Treffen in verschiedenen europäischen Städten oder vielleicht auch per Mail entstand, kommen einen die Pariser Pioniere der multidisziplinären Avantgarde in den Sinn, und vor allem die unkonventionell denkende und spontan handelnde Hélène Sage.

Delphine Dora veröffentlichte in den vergangenen Jahren auf eigenen Mikrolabels oder denen von Freunden und Gleichgesinnten ausgiebig Musik. Ob auf Kassette, CD-R, File oder Schallplatte bei engagierten Labels wie Okraina oder Three:Four Records; ihrer Musik immer eigen ist eine unbefangene Spontanität bei gleichzeitig leidenschaftlicher Ernsthaftigkeit, ganz im Sinne von Eriks Saties Definition des Amateurs. Bislang waren alle ihre Veröffentlichungen Solo- oder Duoaufnahmen, oft entstanden mit seelenverwandten und befreundeten Musikern wie Mocke, Sophie Cooper, Valerie Leclercq, Eloise Decazes und einigen anderen feinen Zeitgenossen. Zuletzt erschien die hervorragende Solo-LP Eudaimon mit Lyrics der außerhalb Großbritanniens kaum auf Aufmerksamkeit gestoßenen Poetin aus Northumberland Kathleen Raine.
Auf ihrem zweiten Album für das Lausanner Label three:four records L’Inattingible singt die auf dem Land lebende Pariserin nun zum ersten Mal auschließlich Songs in ihrer Muttersprache und Lyrics, die sie selbst verfasste. L’Inattingible entstand auch nicht aus dem Stehgreif, sondern über mehrere Jahre mit der Idee von einem Konzeptablum im Kopf. Bemerkenswerterweise zähmte diese Arbeitsweise keinesfalls den ihr innewohnenden wilden Geist. Die durchwegs melancholisch aufgeladene Musik pendelt stilsicher zwischen spirituellen, traumähnlichen, zwischenweltlich-geisterhaften und surrealen Aggregatzuständen. Stimme und Klavier bleiben auch auf dieser Platte, bei der bei jedem Song zahlreiche Gäste mitwirken – von Nau Nau, Aby Vulliamy, Adam Caddell, Gayle Brogan über Valérie Leclercq, Susan Mathews bis zu Paulo Chagas, Sylvia Hallett und Le Fruit Vert – die wichtigsten Gestaltungsmittel für eine gleichzeitig freie wie strenge, immer noch karg auf das Notwendigste reduzierte Musik. Delphine Dora beherrscht meisterhaft, sie prägende oder stimulierende musikalische Stile wie Free Folk, Klavier – und Kammermusik, Drone oder Liedformen oder wegweisende Figuren wie Nico, Brigitte Fontaine, Schubert oder Satie subtil zu zitieren. Die meist kurzen Stücke, bei denen Dora singt, wirken oft etwas windschief an der Harmonie vorbeigehangelt. Bei den anderen rezitiert sie Gedichte, Fragmente und Kurzgeschichten und beschwört eine mysteriöse Atmosphäre herauf, was mich irgendwie an das wunderbare Projekt von Alain Neffe und Nadine Bal Cortex aus den 1980ern denken lässt.

Auf ihre ganz eigene Art wagt sich Delphine Dora auch mit dem zentralen Stück des Albums – dem aus vier Teilen bestehenden und auf der Platte verteilten Lumière Aveugle – in eine abstrakte und wacklig-brüchige Welt der Kammermusik vor.

Brigitte Fontaine wird dieses Jahr 81 Jahre alt! Mit ihrem zu Beginn des Jahres erschienenen neuen Album unterstreicht sie wieder einmal aufs Neue ihren absoluten Sonderstatus, selbst in der an Exzentrik nicht armen experimentellen Künstlerszene von Paris. Ihr anarchistischer Geist muss sowieso nicht extra befeuert werden. Terre Neuve klingt wie eh und je schräg, spleenig, kratzbürstig, weise und künstlerisch absolut auf der Höhe der Zeit. Schon der Titel ihres ersten Albums – Brigitte Fontaine …est folle -, das zusammen mit Jean-Claude Vannier entstand und mit verschiedenen Formen des Chansons experimentierte, gilt sowohl bei den ihr zugeneigten wie sie ablehnenden Musikliebhabern als Blaupause für ihre weitere Karriere, die außer der Musik auch Theater, Literartur und Filmrollen umfasst. Ende der 1960er Jahre lernt sie auch Areski Belkacem kennen, eine künstlerische wie private Verbindung fürs Leben und nimmt mit dem zweiten Album Comme a la Radio, das zusammmen mit dem Art Ensemble Of Chicago eingespielt wird, einen absoluten Meilenstein der experimentellen Musik auf. Neben politischen Aktivitäten veröffentlicht sie mit Areski in den 1970ern und 80ern auf kleinen Labels intime Alben, die mit einer eigenwilligen Mischung aus Chanson, traditioneller nordafrikanischer Musik und Jazz erst zeitversetzt als wichtige Zeugnisse der unabhängigen französischen Untergrund – Chansonszene, deren andere stilprägende Vertreter Catherine Ribeiro (& Alpes) und Albert Marcoeur sind, anerkannt werden.

Nach einem Beitrag für das Projekt Blow-Up von Un Drame Musical Instantané startet sie mit ihrem 1995er – Album Genre Humain und einer Zusammenarbeit mit Etienne Daho musikalisch voll durch: Elektro-Punk und eine aktualisierte Version von Comme A La Radio läßt auch eine jüngere Generation aufhorchen und Madame Fontaine kann ab dann für ihre Alben neben ihrem Weggefährten Areski immer die Creme de la Creme der französischen und internationalen Avantgarde – Rock – Szene gewinnen: Jim O’Rourke, Sonic Youth und Noir Desir für Kékéland (2001), das Gotan Projet und Zebda für Rue Saint Louis en L’ile (2004) oder Katerine und Grace Jones für Prohibition (2009). Im Film von Gustave Kervern Le Grand Soir gibt sie in einer kleinen Nebenrolle sich selbst und die Mutter zweier missratener Söhne (der eine Punk, der andere Spießer), die in der Einkaufscenter-Ödnis einer französichen Kleinstadt die Revolution üben.
Auf Terre Neuve, einem musikalisch spartanischen und ungemein direkten Album, spielt Yan Péchin eine knorztrockene Rock/Punk-Gitarre oder wahlweise den Depro-Blues, ab und an illustriert Areski gekonnt die Stücke zusätzlich mit Streicherarrangements. Brigitte Fontaine haucht, flüstert, schreit, rezitiert und gestaltet mit schwer nikotingeschwängerter Stimme ihre aktuellen Songs. Die Lyrics auf Terre Neuve sind entweder parolenhaft (Je Vous Déteste, Destroy Nihilisme, God Go To Hell…) oder subjektive, ironische oder schlicht poetische Betrachtungen (Vendetta, Les Beaux Animaux, Terre Neuve, Hermaphrodite…) über den Weltenlauf im Allgemeinen und die aktuelle Lage im Besonderen.

three:four records

verycords

Kraak Festival 2020

April 11th, 2020

Kraak Festival 2020

Die zwanzigste Ausgabe des Kraak Festivals, die die umtriebige Genter Crew erneut in der geschichtsträchtigen Beurschouwburg in der belgischen Metropole veranstaltete, war, besonders natürlich jetzt im Rückblick gesehen, eine besondere.
Auf der Hinfahrt aus dem Süden konnte man an diesem vorletzten Tag im Feburar schon eine latente Anspannung und ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis in den Zügen ausmachen (wohl aber nicht der Beweggrund dafür, warum sich die Spur meiner Festivalbegleitung schon vorab irgendwo im Nirgendwo verlor); in Brüssel wiederum gab man sich noch locker und ausgehfreudig, was sich dann schon eine Woche später grundlegend ändern sollte.
Auch im Schaltjahr 2020 herrschte aber wie immer an einem gewöhnlichen Freitagabend in der Brüsseler Innenstadt Hochbetrieb. Der sich nach und nach von einer Rennstrecke zu einer lauschigen Fußgängerzone verwandelnde Boulevard Anspach verliert auf dem Weg zur Gare Du Midi nun auch einige seiner grandios verwittereten Lagerhallen und Herrschaftshäuser. Die dafür hochgezogenen trögen Funktionalbauten mit ihren Late Night Supermarktshops sind da kein wirklicher Trost. Vor zwei Jahren herrschte in der Stadt während des Festivals aufgrund der Antiterroraktionen noch eine gewisse Nervosität, die etwas andere Seuche dagegen bleibt – für den Moment wenigstens – eine noch diffusere Bedrohung.


Nach dem 24-Stunden – Marathon-Wahnsinn von 2019 vertraut man dieses Jahr wieder darauf, dass die gewünschte Bewußtseinserweiterung schon alleine aufgrund des hochkarätigen Programms auch ausgedehnt auf den Freitagabend und den Samstag zustande kommt. Der Freitag  ist diesesmal den Musikern vorbehalten, die 2020 Alben auf dem Label veröffentlichen.
McCloud Zicmuse von der Herberg Rustiek, einem schrägen Kollektiv, das in Brüssel einerseits ausgesuchte Gäste beherbergt, aber auch Konzerte veranstaltet, Ausstellungen organisiert, Fanzines produziert oder Kunstobjekte herstellt, führt ganz in der Tradition der vergangenen Moderationen und doch auf seine eigene eigenwillige Art und mit dem Anspruch, noch exzentrischer als die Musik sein zu wollen, souverän durch das Programm.

Von der lauschigen Bar der Beurschouwburg wird man zum Auftakt des Festivalls von Mr. McCloud Zicmuse also direkt auf die Straße in den Nieselregen gebeten, wo der eigentlich visuelle Künstler Stijn Wybouw, seine andere, musikalische Ader als Kramp in einer zehnminütigen Kakaphonie von Noise und Punk kanalisiert. Länger wäre das Eindreschen auf eine Schlagzeugtrommel und das gegen eine Krachkollage Anschreien auch wohl physisch nicht möglich gewesen.

Als erfahrener Kraak Festival-Besucher weiß man natürlich, dass die musikalische Schattierung sich schon beim folgenden Konzert wieder verschieben wird und die einzige Konstante ein Faible für die inzwischen rare Spezies der verqueren, freigeistigen Einzelgänger zu sein scheint. Eva Van Deuren ist da z.B. ein Prototyp: Unter dem Namen Orphan Fairytale wird sie ihrem Künstlernamen mehr als gerecht. Mit Harfe, low-fi-electronics, Keyboards und Tape Loops gestaltet, suggerieren ihre verspielten, langen Kompositionen die Illusion, alleine, der Welt entrissen, auf einem fliegenden Teppich über psychedelisch-verschwurbelte Klanglandschaften zu schweben.

Nachdem die Antwerperin auf unterschiedlichen Labels Kassetten veröffentlicht hat, war ihre Doppel-LP auf Aguirre – Records ein starkes Statement. Nun darf man gespannt sein, was sie für die Kraak-Veröffentlichung plant.
Vica Pacheco aus Oaxaca, Mexiko lässt mit ihrer akademisch geprägten elektronischen Musik unweigerlich Erinnerungen an die große Tradition von radiophonischen Hörspielkomponisten, elektroakustische und acousmatische Musik wach werden. Ihre dynamischen Kompositionen wirken (und sind wahrscheinlich) wie aus tausend Partikeln zusammengesetzt. Aus der jüngeren Generation kommt einem die unkonventionelle Bérangére Maximin in den Sinn, deren “Dangerous Orbits” auch mächtig Eindruck hinterlassen.

Jonna Karanka bewegt sich anschließend in einer ähnlichen musikalischen Welt, lässt aber gerne und immer wieder ihren Punk-Gen aufblitzen. Der hyperaktiven finnischen Undergroundszene um Fonal Records entsprungen, kennt man sie schon von der dronig-lärmigen Frauenband Olimpia Splendid, und wird nun von Kuupuu, ihrem Soloprojekt, ebenfalls angenehm überrascht. Sie spielt melodisch-krachig und mit trockenem Humor dann überraschend fein gesponnene Songs. Maria Rossi aka Cucina Povera, trotz des Namens ebenfalls Finnin und in Glasgow residierend, ist von ähnlich genialen Kaliber und könnte die Schwester von Jonna Karanka sein.

Crash Toto, zusammengesetzt aus Mitgliedern von Lemones, die vor zwei Jahren schon als Lokalmatatoren einen Auftritt beim Festival hatten, Carrageenan und Christophe Clébard, klingen dann wie …. die Lemones: die bewährten Mittel – auf das Grundgerüst reduzierter Rock, parolenschreiender Nichtgesang, tribalistisches Schlagzeug, und das alles inmitten des Publikums zelebrierend – sorgen dann neben dem Spaßfaktor auch für eine gewisse gemeinsame Entrückheit, manche würden es Magie nennen.

Nach dem beinahe schon traditionellen Spaziergang zum Wiels Museum für Moderne Kunst (die Ausstellungen -Thao Nguyen Phans – Monsoon Melody und Wolfgang Tillmans’ Today Is The First Day – haben es gewohnt schwer mit der Architekur der ehemaligen Brauerei und dem Ausblick von der Dachterrasse mitzuhalten) startet das Samstagsprogramm des Festivals am Nachmittag mit Fiesta en el Vacío.

Luna Cedron lebte, von ihrer umtriebigen Mutter ins Schlepptau genommen, schon in Frankreich, Mexiko, Kuba, Spanien und Argentinien; ein Überschwall von prägenden Einflüssen und Eindrücken, der sich auch in ihrer von Cold Wave -, Synthie-Pop -, Ambient – bis zu Flamenco -versatzstückelnden Musik ausdrückt. Die argentisch-jüdische Poetin Alejandra Pizarnik, die von ihren aus der UDSSR geflohenen Eltern und ihrer Geschichte auch die Schwermut vererbt bekommen hat, wird von Luna Cedron in der Festivalausgabe des Avant – Guardian auch als wichtiger Einfluss genannt. Eine schöne Verbindung zu ihren subtil melancholischen Songs, bei denen es im Gegensatz zu ätherischeren Vertretern ihrer Zunft durchaus auch hin und wieder gesanglich zur Sache geht. Eine Single von Fiesta En El Vacío ist auf dem für Synthie/Cold-Wave – Musik bekannten Brüsseler Label Lexi-Records, das uns auch schon solche Perlen wie Capelo oder ELG bescherte, erschienen.

Bei Siet Raeymaekers und Tomas Dittborn ist dann im Gouden Zaal Multidisziplinarität angesagt, bzw. unter dem Projektnamen Quanto Qualia die Live-Vertonung von Computeranimationen von Landschaften auf der Leinwand. Zusammen mit Lizzy Vandierendonk zeigte sich das Duo auch für die filigrane visuelle Gestaltung mit Objekten und Videos der Festivalräumlichkeiten verantwortlich.

Die Vergleiche mit Jandek und anderen verschrobenen, zurückgezogenen Außenseitern der Gitarrenmusik ehren ihn sicherlich, doch Gaute Granli, seines Zeichens Norweger, wirkt auf der Bühne überhaupt nicht von mangelndem Selbstbewusstsien geplagt und Geheimniskrämerei scheint auch nicht seine Sache zu sein. Souverän unprätentiös sorgt er mit seinen kompakten, dann plötzlich in bizarre Gefilde und ins Ungewisse ausscherenden Songs zwischen stoischer nordischer Unterkühltheit, exotischen oder irgendwie zusammengeleimten Samples der Sparte Fake-Ethno und knorzigem Gesang für inspirierende Verwirrtheit unter dem Publikum.

Christina Gusimano machte sich in Rom und auch teilweise in den ausländischen alternativen Szenen als Maria Violenza als genresprengende Multiinstrumentalistin mit herzerwärmenden Songs, die von nervöser Energie und außer von italienischen auch von nordafrikanischen Quellen inspiriert sind, einen Namen. Nach schon manch kopflastiger Performance bei diesem Festival trifft ihre Musik straight into the heart.
Man hätte vermutet, dass man gerade in Stuttgart duchaus des Zählens mächig ist, aber die Großformation, die da auf der Bühne der Bar als Yürgen Karle Trio stand, sprengt im wahrsten Sinne des Wortes den Rahmen.

Vor zwei Jahren bekam man an gleicher Stelle den krautisch-verspacten Freak Out von Transport, die auch als eine junge Großkommune anreisten, offeriert; die Szene um die Neue Schachtel am Nordbahnhof in der Baden Württembergischen Hauptstadt ist mehr mit der Free Form Impro-Szene liiert. Da passen Jazz, dissonante Jams, Rhythmusorgien mit selbstgebauten, so schönen wie obskuren Perkussionsinstrumenten und feiner Humor perfekt zusammen.

Mit Fuji wird nach der Pause die bewusstseinserweiternde Freakschraube noch um einige entscheidende Umdrehungen angezogen.
Die belgischen Urgesteine Ware Fungus, Gast Sloow und Louis Frerès treffen hier mit dem japanischen Gitarrenmeister Junzo Suzuki und Mik Quantius, der vom Metal kommend irgendwann bei Embryo landete und sich dann aber als Mann vom Outer Space offenbarte, zusammen.
Fuji heben die Erdenwelt mit einer nur schwer nachvollziehbaren musikalischen Könnerschaft und einer verqueren Mixtur aus pulsierendem Jazz-Kraut-Rock, einer Überholspurenergie und den kryptischen Intonationen des im Schneidersitz auf dem Boden sitzenden und kettenrauchenden Sängers im No-Smoking-Café aus den Angeln und katapultieren sie in ein anderes Universum.
So kann man sich täuschen; normalerweise hätte ich die Band wahrscheinlich ignoriert, aber das sind die unerwarteten Überraschungen, die man auf Festivals erlebt.

 

Zurück im Gouden Zaal wird mit der Aufführung von Mesias Maihuastacas Kompostition Holz arbeitet II die Tradition des Festivals fortgeführt, wichtige Pioniere der Avantgarde, deren Musik immer noch von Relevanz ist, in diesem Rahmen zu präsentieren. Der 1938 in Quito in Equädor geborene Musiker gehörte in den 1960er mit Mauricio Kagel, César Bolanos oder Beatriz Ferreyra (die 2018 beim Festival anwesend war) zu den wenigen Nicht-Europäern, die eigene Akzente in der Neuen Musik setzten. Im Gegensatz zu den oft sehr theoretischen Ansätzen der Avantgarde, ist Maiguashcas nach den wilden, mit Sound experimentiereden Jahren, daran gelegen, die Geschichte seines Landes und seiner eigenen Herkunft als Abkömmling von nativen Intellektuellen zu reflektieren. Das einerseits introspektive, andererseits mit folkloristischen Versatzstücken durchzogene Stück Holz Arbeitet II spiegelt dies wieder und stach auch choreographisch aus dem Festivalprogramm heraus.
Eine andere, junge, Südamerikanerin, Ailin Grad aus Buenos Aires offeriert dann unter dem Künstlernamen Aylu einen Einblick in ihre aktuelle Musik, die einerseits eine zeitgenössiche Version elektroakustischer Musik sein könnte, aber selbstredend genreübergreifend angelegt ist und mit melodischen Gitarrensamples und lupfigen Melodien angereichert, federleicht ist.

Mit Radioactive Sparrow, der legendären Untergrundband um den aus Wales stammenden, aber nun in  Newcastle residierenden und dort die Szene aufmischenden Will Edmondes aka Gwilly Edmondez, begibt sich dann nochmals eine Formation auf die Bühne, die sich die Spontaneität und Unberechenbarkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Die Sparrows können schon auf über neunzig Veröffentlichungen zurückblicken, mit einer Musik, die in der besten britischen DIY-Tradition steht. Alle Sparten der Musikgeschichte werden geplündert, um daraus exzentrische Songs zu basteln, die mit der Kompromisslosigkeit von Punk gespielt werden. Manche dauern nur einige Sekunden, andere ufern komplett und in ungeahnte Richtungen aus.
Vor einigen Jahren, 2016 genauer, spielte Edmondes aka Gustav Thomas mit seiner Tochter Freya aka Elvin Brandhi als Yeah You! eine ganz andere Musik….

Guilhelm All läutet dann mit seinen Plastic Turntabels die Schlussrunde im Gouden Zaal ein, bevor DJ Werner nochmals ins Café zum Kehraus bittet.
Da schon einige Tage später auch in Belgien der Shutdown auch aller kulturellen Aktivitäten in kraft tritt, wird das zwanzigste Kraak-Festival nicht nur wegen der wieder ausgesucht guten Konzerte in besonderer Erinnerung bleiben. Zum Glück ist der Mailorder-Versand weiterhin aktiv.

kraak.net

Kankyo Ongaku / Vanity Records

Die Olympiade in Tokio 1964 bringt Japan zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg und der Katastrophe des US-amerikanischen Atomschlags in positiver Weise zurück auf die Weltbühne. Diejenigen, die schon über ein Fernsehgerät verfügen, können sich neben den sportlichen Wettbewerben auch sprichwörtlich ein Bild davon machen wie sich der Moloch Tokio vom Trümmerhaufen beim Kriegsende zur modernen Metropole neu am erfinden ist.

Die Brachflächen und Lücken im Stadtbild schließen sich Stück für Stück und die Metropole verdichtet sich zu dieser gleichermassen hässlichen wie endlos faszinierenden Mischung aus gesichtslosen
Zweck- neben Prachtbauten, Autobahnausfahrten neben Gassengewirr, breiten Einkaufsstraßen neben schwer zugänglichen Spezialitätenläden in den Hinterhöfen, Tempelanlagen und traditionellen Häusern. Aber die Stadt und das Land sollen auch mit avantgardistischen und visionären Gebäuden bestückt werden. So jedenfalls, wenn es nach den Plänen einer Architekten- und Designergruppe um Kenzo Tange gehen soll. Zur Aufbruchsstimmung passen auch die ikonischen roten Trainingsanzüge mit weissem Nippon-Schriftzug der japanischen Sportler. In den ästhetisch minimalistischen und reduzierten Filmen der japanischen Neuen Welle von Nagisa Oshima und vor allem Kiju Yoshida sind auch die Architektur und avantgardistische Spielformen der Musik wichtige Stilelemente.

Arata Izozaki, Toshiko Kato, Noboru Kawazal oder Kisho Kurokawa fühlen sich beflügelt unter dem Namen Metabolism ihre Ideen von einer modernen Architektur, die sich nicht an statischen, dafür an ständig sich verändernden organischen Strukturen orientiern sollen, gegen die Bedenken einer konservativen Bevölkerung, zu realisieren. Obwohl dann letzten Endes nur wenige Projekte tatsächlich verwirklicht werden – Kurakawas Nakagin Capsule Tower, der Hiroshima Peace Memorial Park oder das Yoyogi National Gymnasium – und viel mehr über Marxismus, Science Fiction und die Veränderung der Welt philosophiert und diskutiert als gebaut wird, beeinflussen die avantgardistischen Pläne von Metabolism auch Stadtplaner und andere Architekten. Das modernistische Juwel namens Hotel Okura oder Tara Okamotos Tower of the Sun zur Weltausstellung 1970 in Osaka sind da nur die leuchtesten Beispiele.

Die wegweisenden Vertreter der Neuen Musik stoßen in dieser Zeit in Tokio und Osaka ebenfalls auf positive Resonanz mit ihren Vorstellungen von zeitgemäßen Kompositionen. Legendär sind die Aufnahmen von den John Cage Tagen – John Cage Shock! – 1961 und 1962, die außer Werken von Cage selbst, Stockhausen, Michael von Biel, Christain Wolff und den japanischen Pionieren Toshi Ichiyanagi und Toru Takemitsu präsentieren.
Die unakademische, aber nicht minder gebildete Underground-Szene zeigt sich außer von den Neutönern in den 1970ern von Brian Enos Ambientalben und dem schrägen Humor Erik Saties, der neben der Schönheit seiner Musik auch mit der Funktionalität der Kunst spielte, z.B. Music For Furniture, inspiriert.
Kuniharu Akiyama veranstaltet zusammen mit seiner Frau Aki Takahashi, beides aktive Künstler der Fluxus-Bewegung, 1975 in Shibuya eine Konzertserie mit Werken von Erik Satie, die in Insiderkreisen sehr angesagt sind und noch Jahre später junge Musiker beinflussen. So berufen sich die unterschiedlichsten Musiker auf Satie und abstrahieren dessen künstlerischen Ansatz – z.B. die legendäre Frauen – New Wave- Band Saboten: Floor et Satie ist eine brilliante, “tongue in cheek” – Hommage an den französischen Visionär des Skurrilen.

Akiyama selbst komponiert schon für die Olympiade 1964 ein Stück, das als Blueprint für die in den 1980ern in Japan populären werdenden Environmental Music gilt. Cage und Satie passen mit ihren Konzepten von Zen, Funktionalität und Innehalten durchaus gut in die japanische Edo- Tradition und zur kaiserlichen Hofmusik Gagaku.
In einer vom Wirtschaftswunder beflügelten Gesellschaft entdecken in den 1980ern selbst große Auto- und High Tech-Firmen ihre Ader für die (abseitige) Kunst und vergeben Auftragsarbeiten an Avantgardemusiker, Designer und Künstler, um Werbespots zu gestalten. Hintergrundsmusik, die in modernen Museen oder öffentlichen Bauten bis zu Departmentstores verwendet wird, hat Konjunktur und musikalisch futuristische Ideen sind nicht nur im Konzertsaal angesagt.

Das vom amerikanischen Light In The Attic-Label veröffentlichte Album Kankyo Ongaku – Japanese Ambient, Environmental & New Age Music 1980-1990 kompiliert nun Stücke aus dieser merkwürdigen Phase der scheinbar grenzenlosen Freiheit des musikalischen Ausdruck. Das Doppel-Album enthält Stücke von unter anderem so unterschiedlichen Musikern wie Satoshi Ashikawa, der an Kunst und Design und der Diskrepanz zwischen modernem Lebenstil und der japanischen traditionellen Verbindung zur Natur, interessiert war, dem der Minimal Music verbundenen und für Anime-Soundtracks bekannten Joe Hisaishi, dem aus der Prog-Rock-Szene entsprungenen Masashi Kitamura, der Pianistin Shiho Yabuki, die Tradition mit modernem Synthesizer-Equipment verbindet, dem Tausendsassa Yasuaki Shimizu, der auch eine legendäre LP für die Made To Measure – Serie von Crammed Discs veröffentlichte und nicht zuletzt vom Yellow Magic Orchestra. Heute befinden sich Musiker wie Midori Takada, Hiroshi Yoshimura oder Yasuaki Shimizu überraschenderweise wieder auf der Höhe der Zeit und tragen den Geist, Schönheit, Abstraktion und Vision im Sinne eines künstlerischen Außenseitertums zu vereinen, wunderbar weiter.

Gar nichts mit funktionaler Musik hatte Agi Yuzuru am Hut. Als Herausgeber der legendären japanischen Musikzeitschrift Rock Magazine und Betreiber des enorm einflussreichen, aber ganz im Geist des (Prä-) Punk, kurzlebigen Vanity Records Label (1978-81) kommt es einer kleinen Sensation gleich, dass die von Liebhabern der japanischen Außenseitermusik oft vergeblich gesuchten LPs, Singles und Kassetten nun als Boxen wieder verfügbar sind. Bitter nur, dass Agi Yuzuru vor der Veröffentlichung des mehrere Jahre erarbeiteten Projekts verstarb. In den 1960ern war Agi Yuzuro selbst ein leidlich erfolgreicher Popsänger in Japan, fand aber das Business widerwärtig und versuchte sich – wesentlich erfolgreicher – als Radiomoderator. Im höchst empfehlenswerten Buch von Kato David Hopkins über die japanische Indie-Musik von 1976 – 1989 Dokkiri (Public Bath Press) erzählt er im Interview, dass er seine Sendung sogar völlig selbständig zusammenstellen konnte – unvorstellbar heutzutage – und diese entsprechend mit abseitiger Musik füllte. Als Anhänger der britischen und deutschen Avantgarde-, Prog – und Elektronikbands war er selbstredent auch stark von Brian Enos Ambient-Alben beeindruckt.

Er war wohl der erste, der diese Musik dem aufgeschlossenen Teil des japanischen Publikums nahebrachte. Inspiriert von den britischen Weeklys startete er dann mit Rock Magazine 1976 auch eine Zeitschrift, die eine andere Form des üblichen PR-Musikjournalismus präsentieren sollte. Da er aufgrund seiner relativen Popularität und seines Musikbusiness – Know Hows auch die großen Firmen für Anzeigen gewinnen konnte, war ein Artikel über Lou Reed neben einem Inserat für die Bay City Rollers nicht unüblich. Japanische Musiker waren im Heft seltsamerweise kaum bis gar nicht präsent, erst das Aufkommen von Punk und New Wave und nach Besuchen in New York und London fand ein Umdenken statt.
Agi Yuzuru war weniger an der Attitüde und dem Stil von Punk und New Wave als an der Aufbruchstimmung und dem DIY-Gedanken interessiert. Die Gründung eines eigenen Labels und Idee von einer eigenständigen Szene in der Kansei Präfektur waren dann nur die logischen nächsten Schritte. Die ersten Veröffentlichungen auf dem Vanity-Label, Dada und SAB sind minimalistische, aber sphärische Ambient – Synth – Electronics – Platten, die ganz dem Geschmack des Labelschefs entsprachen und die damals, gerade weil sie sich nicht der aktuellen Mode unterwarfen, der Zeit voraus waren und heute immer noch frisch klingen. Und das sollte auch das erklärte Ziel für die noch kommenden Veröffentlichungen sein. Aunt Sally, die Band von Phew und Bikke, produzierte mit ihrem Debut im Grunde schon den Schwanengesang der noch kaum spürbaren Punks/New Wave-Bewegung in Japan. Immer schon einen Blick in die Zukunft werfend, war Phew nach der Auflösung der Sex Pistols, für die sie als Schülerin alleine nach London gereist war, klar, dass Punk schon Geschichte war. Die Band schlägt auf ihrem Album schon eine experimentellere, new wavigere Richtung ein – einige einschlägigen Coverversionenund gibt es als Zugabe.

Kurz danach löste Phew die Band auf, um sich der elektronischen Musik zu widmen. Agata Morio sprengt mit seiner Veröffentlichung auf Vanity Records ebenfalls das Label-Raster: Ein alternativer Folk-Sänger aus den Sechzigern, der sich aber nie von der Plattenindustrie hatte vereinnahmen lassen, zeigte sich auch auf diesem Album resistent gegenüber neuen Einflüssen. Phew und Morio waren auch die beiden einzigen Künstler, die neben der Großzahl der unbekannten oder anonymen Musiker der Platten so etwas wie Undergroundstars waren. Die anderen Veröffentlichungen: R.N.A. Organism aka Sato Kaoru und Sympathy Nervous dürfen sich auf die Fahnen schreiben, schon 1980 eine proto-elektronische-Tanzmusik kreiert und zuvor vielleicht schon mal von Cabaret Voltaire gehört zu haben; BGM und Sympathy Nervous experimentieren mit reduzierten Synthieschlaufen und Beats.
Yukio Fujimoto aka Normal Brains‘ Lady Maid ist eines der ungewöhnlichsten Alben des Labels. Beeinflusst von Stockhausen, Cage, Cluster bis zu Bowie entdeckte er wie manch anderer in Japan den Korg MS 20 – Synthesizer. Hier komponierte er für die erste Seite Cutting Edge Wave-Electronic – Songs, die durch eine billige Sprechcomputerstimme an Schrägheit gewinnen, nur um die zweite Seite mit einer zwanzigminütigen meditativen Ambient-Komposition zu bestücken.

Die beiden Alben von Tolerance aka Junko Tang sind zwei weitere herausstechende Alben, die gut in die Ambient – Serie von Brian Eno gepasst hätten, insbesondere Anonym offeriert einen brilliant eklektischen Mix und eine Stilvielfalt zwischen klassischer, elektronischer Musik und Versatzstücken des Populären, die auch für das offene Vanity-Raster eher ungewöhnlich ist und die Spannbreite der Musikerin unterstreichen.
Die Wiederveröffentlichung des Vanity Records – Outputs umfasst eine Box mit den 11 Alben und Singles, eine mit 6 CDs, die die obskureren, nicht minder interessanten und nicht von der Labellinie abweichenden Tapes umfasst und ein Sampler mit 2 CDs, der, obwohl wieder andere Musiker als auf den Alben präsentierend und bewusst Verwirrung stiftend, die experimentelle Ausrichtung nochmals auf den Punkt bringt.

Vanity Records Box Set

Light In The Attic

Best of 2019

January 6th, 2020

Music

Clothilde – Twitcher (Cassette)


 

Raw Forest – Post Scriptum (Cassette)


 

Carla Dal Forno – Look up Sharp


 

Σωτηρία Λεονάρδου – Δεν Έχω Χρόνο Μάτια Μου


 

Pere Ubu – The Long Goodbye


 

Laurie Spiegel – Unseen Worlds


 

Nilüfer Yanya – Miss Universe


 

Kali Malone – The Sacrificial Code


 

Labrinth – Imagination & the Misfit Kid


 

Sarathy Kowar – More Arriving


 

V.A. – Rembetika – Greek Music From The Underground – 1925-1947


 

Vanity Records – Box Set


 

Sunn o))) – Life Metal


 

The Specials – Encore


 

Kankyo Ongaku – Japanese Ambient Music 1980 – 1990


 

Little Simz – Grey Area


 

Θάνος Μικρούτσικος – Ο σταυρός του νότου


 

Film/TV

Andreas Goldstein – Der Funktionär


 

 Bong Joon Ho – Parasite


 

Bertrand Bonello – Zombi Child


 

Ori Elon, Yehonatan Indursky – Shtisel


 

Ladj Li – Les Misérables


 

Craig Mazin – Chernobyl


 

Pedro Costa – Vitalina Varela


 

Babis Makridis – Pity


 

Romain Laguna – Les Météorites


 

Alec Berg, Bill Hader – Barry, S.2


 

Mati Diop – Atlantics


 

Sam Levinson – Euphoria


 

Kazuya Shiraishi – Dare To Stop Us


 

Ronan Bennett – Top Boy, S.2


 

Kosai Sekine – Love At Least


 

Davey Holmes – Get Shorty


 

Christian Petzold – Transit


 

Hirobumi Watanabe – Life Finds A Way


 

Jordan Peele – Us


 

Books

Luc Boltanski – Bereicherung


 

Yuval Noah Harari – Homo Deus: A Brief History of Tomorrow


 

Martin Sonneborn – Herr Sonneborn geht nach Brüssel


 

 Yanis Varoufakis – Adults in the Room: My Battle with Europe’s Deep Establishment


 

Han Kang – Die Vegetariererin


 

Maria Judite De Carvalho – Obras Completas


 

Hermann L. Gremliza – Haupt- und Nebensätze


 

Νίκος Δήμου – Η Δυστυχία του να είσαι Έλληνας


 

Simon Hughes – There She Goes


 

Benjamin Piekut – Henry Cow, The World Is A Problem


 

Darren Ambrose – K-punk: The Collected and Unpublished Writings of Mark Fisher


 

Martha Wells – All systems red


 

Nicolas Mathieu – Leurs Enfants Après eux / Wie später ihre Kinder


 

Carolyn Burke – Lee Miller, A Life


 

Daniel Kahneman – Thinking, Fast and Slow


 

Titanic – Das Endgültige Titelbuch / 40 Jahre