British Ghost Stories 2
June 16th, 2009
Matt Elliott – Something about Ghosts
Als Matt Elliott beim zwanzigminütigen Schlußstück ‘The Maid We Messed’ nochmals in die Rolle (des einzigen Mitglieds) der Third Eye Foundation schlüpfte, konnte man die Entstehung elektronischer Musik in Echtzeit mitverfolgen. Beginnend mit unstrukturiert scheinendem, im Saal kaum wahrnehmbarem, Surren und Klicken wurden Layer um Layer mit Melodien und Beats zu einer melancholischen, immer dichter werdenden Himmelsfanfare übereinandergeschichtet, bis alles irgendwo unter der Hallendecke zerbarst. Ein Fehler in der Konzentration und das Stück wäre implodiert.
British Ghost Stories 5
June 13th, 2009
The Wild Swans – English Electric Lightning
Liverpool ist seit jeher berühmt dafür, dass Aufstieg und Niedergang nicht weit auseinanderliegen und auch Lebensläufe sich plötzlich radikal verändern können. Auf die Musik bezogen, gehört es dort zum guten Stil hoch talentiert zu sein, kommerziell unter seinen Möglichkeiten zu bleiben und bezüglich aktuellen Moden auf einem anderen Planeten zu wandeln.
The Drowned World – ein Nachruf
June 10th, 2009
J. G. Ballard
‘I sometimes think that in a sense we’re entering a New Dark Age. The lights are full on, but there’s an inner darkness…because we’re retreating into a sort of mind-set of our pre-rational forebears who lived in a kind of animist world where everything had a spirit – every twig, every stone in a stream… where questions of guilt and anxiety and fear and aggression ruled our reflexes.
It’s an extraordinary development that someone working on the forefront of advanced science and technology should on Sunday put on a different hat, go off and listen to fables spun about a Palestinian resurrection cult 2000 years ago. It’s bizarre, in a way.’ (JGB, conversation with V. Vale, Graeme Revell)

Mansfield TYA
May 16th, 2009
MANSFIELD TYA – ‘Seules au bout des 23 secondes’
Das Duo aus Nantes – Julia Lanoë und Carla Pallone – beruft sich auf June Mansfield, Ehefrau von Henry Miller und Freundin von Anais Nin. Nach dem erfrischenden Debut von 2005, ausgiebigen Konzertreisen und Gastauftritten (u.a. auf Francoiz Breuts letztem Album) ist auf dem zweiten Album zur gekonnt inszenierten Ungekümmertheit der Songs noch eine Spur Abgeklärtheit gekommen. Ihr minimalistischer Kammer-Pop – Lanoë spielt Gitarre, Piano und singt, Pallone spielt Geige und singt – erinnert an sympathisch-verquere Bands wie Dolly Mixture oder Mary & The Atom aus einer anderen Zeit auf längst verblichenen Labels; die süße Schwermut der meisten Songs ist in ihrer Dramatik beinahe klassisch arrangiert und lehnt sich nicht nur im Bandnamen an literarische Vorbilder an. Im Gegensatz zu den vielen Neo-Hippie – Damen, die derzeit hoch gehandelt werden und deren waidwunden Blicke Beschützerinstinkte zu wecken scheinen, geben sich Mansfield TYA in ihrer Attitüde vielmehr (anarcho-) punkig und düster. Eine gute Platte! (viciouscircle)
Bandes Sonores Françaises 2
April 12th, 2009
Les Disques Du Soleil Et L’Acier
Eines Tages, so die Anekdote, betraten zwei gestylte Jugendliche den sagenumwobenen Wave – Plattenladen in der Rue De Soeurs Macaron in Nancy, um vielleicht nach dem neuesten Hype zu suchen. Im Geschäft lief gerade die CD einer japanischen Noise-Band und die Disharmonien veranlasste einen der Beiden zu der Bemerkung, was das denn für eine Scheiße sei? Woraufhin der Ladeninhaber die Lautstärke bis zur Unerträglichkeit hochdrehte, bis die Beiden die Flucht ergriffen. Der Ladeninhaber war und ist Gérard Nyuyen, 1951 als Sohn eines vietnamesischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren und schon früh vom Morbus Musica Experimentalis befallen.


