Ripples Mai 2014

May 22nd, 2014

Lissabonner April: Francesconi, Dirty Beaches, Excepter

Das 1969 erbaute Veranstaltungshaus der Fundação Gulbenkian ist wie auch das Museum, das sich in einen gleichzeitig angelegten Park einfügt, ein Meisterwerk an modernistischer Schlichtheit und Klarheit. Im “Grande Auditório” wurde am 1. und 2. April Luca Francesconis Oper Quartett aufgeführt, die in Mailand Premiere hatte und in einer reduzierten Version auch in Portos Casa Da Música in der Inszenierung von Nuno Carinhas präsentiert wurde. Francesconi, ehemals Berio- und Stockhausenschüler, zeichnet sich schon für diverse zeitgenössiche Opern verantwortlich.

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Bruxelles Soundscapes

April 26th, 2014

Das belgische Label Okraina

Philippe Delvosalles Label Okraina bezieht sich auf Boris Barnets gleichnamigen Film von 1933, einem, was Bildschnitt und Tonstruktur anbelangt, wegweisenden Werk. Der sowjetische Regiesseur erzählt Alltagsbegebenheiten, die sich in einem Quatier am Rande einer Großstadt abspielen, während im Hintergrund der 1. Weltkrieg ausbricht. Okraina bedeutet im Deutschen auch Stadtrand oder Peripherie. Dies ist neben der cineastischen Inspiration auch der Link bei der Namensfindung des Labels gewesen, wurden doch die Aufnahmen für die bisherigen drei ausgezeichneten Veröffentlichungen, unter anderem in der als Künstlerresidenz fungierenden Caveau Sauvage vor den Toren Brüssels in Leuwen und in Ghent während Liveauftritten eingespielt.

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Ripples März 2014

March 2nd, 2014

Neue Produktionen aus Portugal: Joana Sá, Filho Da Mãe, Noiserv, Putas Bêbadas, Yong Yong

Die wundervolle, so geheimnisvoll wie abstrakte Musik, die Joana Sá auf ziemlich schwer zugänglichen Alben wie Through The Looking Glass, eine sehr freie Adaption Lewis Carrolls, mit Reverenzen an Robert Schumann und Literaten der Moderne, oder Almost A Song, mit dem Gitarristen Luís José Martins dem geneigten Zuhörer bescherte, findet auf dem aktuellen – Elogio Da Desordem – seinen, mit Sicherheit nur vorläufigen, Höhepunkt an mysteriöser Verzauberung. Die Adaption/Kombination/Einbettung diverser Texte des momentan wohl interessantesten literarischen Allrounders Lusitaniens Gonçalo M. TavaresRosinda Costa zitiert Fragmente aus animalescos, o senhor Swedenborg, investigações geométricas, um viagem à ´India – in die spröden Pianokompositionen üben eine unwiderstehliche Faszination aus. erforscht das semi-präpariertes Klavier auf der Suche nach dem idealen Klang zwischen Lärm und Stille und konfrontiert/ergänzt das Instrument mit einer Sirenen/Glocken-Installation, Toy Piano, Harmonium, Tubes und Noise-Boxes. Auch die Texte sind nur ein Bestandteil des großen Ganzen und vollständig in die Komposition eingebettet, wie auch die Kategorisierungen wie Pianistin, Improvisatorin, Komponistin aufgehoben werden.

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Ripples August 2013

August 15th, 2013

Saboten – Floor et Satie

Mit der Wiederveröffentlichung des ersten Saboten-Albums auf Vinyl nach schlappen 31 Jahren ist einer der Meilensteine der damals (wie heute) an Kreativität und Orginalität blühenden japanischen Do It Yourself-Szene endlich wieder erhältlich. Die drei, bzw. vier Frauen sorgten in den Achzigern für einen ganz speziellen Farbtupfer in der an Ungewöhnlichem und Exzentrik nicht armen Post-Punk-Bewegung.

Nachdem japanische Gruppen wie After Dinner oder Wah Ha Ha via Recommended Records London in den Kanon der “Anderen Musik” aufgenommen und einem, überschaubaren, internationalem Avantgardepublikum nähergebracht wurden, und spätenstens der von Fred Frith produzierte Welcome To Dreamland – Sampler (Celluloid) auch uns anfixte, gab es einen kleinen Run auf die sündhaft teuren 12″ Inch-Importe von z.B. Luna Park Ensemble, A-Musik oder eben Saboten, die aber neben der exquisiten Musik dafür auch japanische Verpackungskunst par excellence boten.

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Ripples Juli 2013

July 22nd, 2013

These New Puritans – Field Of Reeds
Diese Wandlungsfähigkeit hätte man einer Band names These New Puritans – die sich frei nach einem alten Mark E. Smith – Song taufte – eher nicht zugetraut. Allerdings, schon beim Debut – Beat Pyramid, 2008 – war schnell klar, dass TNP nicht einfach noch eine jener Bands waren, die ihr Seelenheil im Plündern von Post-Punk-Referenzen suchten: Numerologie als theoretischer Überbau, die Musik fragmentarisch, abstrahierend, gebrochen. Sie schafften es, die Subkulturmusiken der Großstädte mit Avantgarde in Einklang zu bringen bzw. gleich wieder in Frage zu stellen. Hidden von 2010 ließ dann gekonnt Stilmittel der klassischen Musik mit den Rhythmen und der Düsterniss von Dub Step, Minimal Techno und Dancehall aufeinanderprallen. Ständiges Säbelrasseln und spröde Krachgitarren.


Field Of Reeds ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte; obwohl, Mastermind Jack Barnett komponierte in den letzten Jahren weiter fleißig und schrieb Partituren. Die Keyboarderin Sophie Sleigh-Johnson hat die Band (vorüberghehend?) verlassen und mit der portugiesischen Sängerin Elisa Rodrigues, die eigentlich vom Jazz kommt, aber hier, meist im Duett mit Barnett, etwas ganz anderes versucht, driftet die Band wieder in bislang unbekannte Gefielde ab. Die schroffen Rhythmen sind gänzlich verschwunden und die Melodien, meist von Streichern gespielt/getragen, stehen im Vordergrund. Als Produzent konnte Graham Sutton gewonnen werden, dessen schon einige Zeit zurückliegende Alben mit Bark Psychosis, eine logische Seelenverwandtschaft mit Field Of Reeds aufweisen. Barnett äußerte in einem Interview mit der portugiesischen Tageszeitung Público, dass er sich schon immer für andere Länder und Sprachen begeistern konnte und ihn die portugiesische, ohne sie zu verstehen, besonders anspräche. So sieht er die Interpretationen von Elisa Rodrigues auch im weitesten Sinne, d.h. ohne die charakteristischen Stilmittel zu kopieren, mit der luziden Entrückheit des Fados im Einklang.
These New Puritans, obwohl noch sehr jung, stehen nach drei Alben schon in der widerspenstigen, britischen Tradition von “lachenden Außenseitern” wie John Greaves, Gordon Sharp und Graham Sutton, was beileibe nicht die schlechteste Gesellschaft ist.

These New Puritans