Phew

September 11th, 2017

Phew – Pass No Past

Für die japanische Sängerin und Musikerin Phew sind lange Perioden des künstlerisch öffentlich nicht  ‘In – Erscheinung – Tretens ‘ nichts Außergewöhnliches.
Momentan kann man sich aber gerade wieder an regelmäßigeren Lebenszeichen erfreuen. Mit dem Solo-Album A New World und der gerade erschienenen Kompilation von home recordings Light Sleep schlägt Phew zudem auch wieder eine neue musikalische Richtung ein, die – analoge Elektronik und Stimmexperimente verbindend – zu den aufregensten Ergebnissen ihres Schaffens führt: weitgehendst instrumentale Musik; ungemein dichte Kompositionen, die sich vom meisten Vergleichbaren in Qualität und Konsequenz abheben. Auch scheint sich Phew nun als Solokünstlerin, die ihre Musik alleine in langen Jamssessions entstehen lässt, zu definieren. Die erste Platte – Aunt Sally – erschien 1979; es hat also etwas gedauert.


Man kann Phew darüber hinaus auch dieses Jahr vereinzelt auf europäischen Bühnen sehen.

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Eric’s, Urban Decay, Writing On The Wall


Als Roger Eagle im Oktober 1976 mit Ken Testi den Club Eric’s eröffnete (später kam Pete Fulwell dazu), war noch nicht abzusehen, welchen Einfluss – nicht nur auf die Mersey-Side-Szene – das Kellerlokal in der Historie des Punks- und Postpunks haben sollte.
Eigentlich Süd-Engländer, machte sich Eagle in Manchester in den frühen sechzigern Jahren des letzten Jahrhunderts einen Namen als DJ und bekam die Entwicklung des Northern Soul hautnah mit. Er vermittelte dann auch Bands – unter anderem für die Konzerthalle The Stadium in Liverpool – und produzierte eines der ersten Musikfanzines überhaupt, namens The Last Trumpet. Eagle zog dann selbst an den Mersey und beeinflusste die dortige Szene nachhaltig. Als großer Reaggaefan  und – Kenner sah er die Verbindung zur aufkommenden Punk/New Wave-Explosion, die in Liverpool auch noch mit den Einflüssen aus der eigenen Vergangenheit und denen, die in die Hafenstadt von außen hineingetragen wurden, gekoppelt war, voraus. Etwas außerhalb des Stadtzentrum, in den Straßen um den Sefton-Park, lebte die Bohème das Leben des Künstlerdaseins und verfolgte einen ganz anderen Lebensentwurf als diejenigen, die in den harten Innercitystreets sozusagen um das eigene Überleben kämpften. Read the rest of this entry »

The Liverpool Biennial 2016

Die Biennalen sind in der Stadt am Mersey die beste, meist gar einzige Gelegenheit, Zutritt zu den grandiosen Gebäuden aus einer anderen Zeit zu erhalten: Lagerhäuser, Department Stores, Brauereien, Industriedenkmäler – beinahe alle nicht denkmalgeschützten, laufen Gefahr dem Abrissbagger, der Spekulation oder dem gnadenlosen Metamorphoseprozess der Gentrifizierung zum Opfer zu fallen.
Diese architektonischen Zeugnisse einer großem Vergangenheit – auch einer dunkler Natur – Liverpool war “der” Umschlagplatz des Sklavenhandels – scheinen in einer Stadt des permanenten Umbruchs wie in der Zeit eingefroren.

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Nippon Connection

June 19th, 2016

16. Japanisches Filmfestival
Frankfurt am Main

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Ganz im Gegensatz zu den an visuellen Reizen überbordenden und permanent das Genre wechselnden Filmen, die sein Markenzeichen geworden sind, realisierte Sion Sono mit The Whispering Star eine meditativ-ruhige und ironische Zukunftsgeschichte, die seine Empfindungen auf die Katastrophe von Fukushima darzustellen versucht. In den verlassenen Sperrbezirken filmte er mit – zumeist – Laiendarstellern, aber auch dem (Erotik-) Star Megumi Kagurazaka, eine Parabel, die eifrig zitiert (z.B. bei Kubricks 2001), aber auch die typisch-surrealistische Handschrift, die mitunter zu seinem Markenzeichen geworden ist, nicht verleugnet. Die interstellare Postbotin Yoko, ein Android, reist durch Raum und Zeit und stellt Pakete innerhalb einer Lieferzeit von elf Jahren zu; diese, an Sonderlinge, die in den desolaten Landschaften überlebt haben. Die Pakete beinhalten persönliche, teils abstruse Gegenstände, die wiederum als Hommage an Yôko Ogawas Roman Das Museum der Stille gesehen werden dürfen. Die Wissenschaft mache ständig Fortschritte, trotzdem sei der Mensch bloß eine Art Gartenzwerg, der es im glücklichsten Fall gerade einmal auf 100 Lebensjahre bringe, meint Sion Sono.
Sein zweiter Film – Love & Peace – vermischt dann wieder in gewohnter Weise alle möglichen Filmsparten zu einer überdrehten, wilden Komödie. Read the rest of this entry »

Ripples

March 5th, 2016

Pierre von Kleist editions – Ein unabhängiger Verlag für Fotobücher

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Als vor sechs Jahren der Name und das Icon von Pierre Von Kleist auftauchte, gab es unter dem kleinen Zirkel derjenigen, die der Fotokunst nahestehen, einige Spekulationen. Wer könnte sich hinter diesem gezeichneten Konterfei auf einer Münze verbergen? Die altmodische Frisur und der breite Schnurrbart ließen auf eine leicht verschrobene Figur schließen. Und tatsächlich, die Website beschrieb Pierre von Kleist als einen leidenschaftlichen Sammler von Fotobüchern und Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Unglücklicherweise wurde der Großteil seines Bestandes Opfer eines Brandes. Die Suche im Internet führte zu einer Adresse in Lissabon.

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