Alésia Cosmos

July 22nd, 2018

So Far Again

“Mitte der 1970er Jahre war Strasbourg ein seltsamer Ort. Eine politisch sehr aktive Szene, insbesondere an der Fakultät für Architektur, und als starker Konstrast dazu, eine Stadt, die sich stark auf ihre elsässische Tradition berief und eine Gesellschaft, zu der man als den Dialekt nicht Beherrschender keinen Zugang fand”, erzählt Bruno de Chénerilles, den ich anlässlich der Wiederveröffentlichung des ersten Albums von Alésia Cosmos in seinem Studio Audiorama unweit des Rheinhafens treffe.

Die Kultur- und Politikinteressierten organisierten sich in den Siebzigern ihre eigenen Treffpunkte. Unter anderem entstand in Strasbourg eine kleine, aber sehr lebendige Free Jazz/Improvisationsszene. Bruno de Chénerilles, Marie-Berthe Servier und Pascal Holtzer – der spätere Kern von Alesia Cosmos – lernten sich in den Bars der elsässischen Metropole kennen und kanalisierten ihre verschieden Projekte – Musik, Theater, Fotographie – in ein gemeinsames: Alésia Cosmos.
Zu einer Zeit, in der sich nach Jahren der musikalischen Stagnation, die ihren dumpfen Ausdruck im Bombastrock und Disco fand, die Grenzen, angestoßen durch Punk, aufhoben und Avantgarde, Free Jazz, Experimenteller Rock usw. viele Musiker beeinflussten, war die Szene in Strasbourg, verglichen mit französischen Städten vergleichbarer Größe wie Nancy, Reims oder Amiens durchaus überschaubar. Letztlich kulminiert die Hinterlassenschaft der experimentellen, genreübergreifenden Musik in Strasbourg in den beiden Alben der Band, die einen ähnlichen Stellenwert im musikalischen Underground Frankreichs haben sollten wie die eines Albert Marcoeurs, eines Thierry Müllers oder die Gesamtkunstwerke DDAAs.

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Ripples

March 5th, 2016

Pierre von Kleist editions – Ein unabhängiger Verlag für Fotobücher

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Als vor sechs Jahren der Name und das Icon von Pierre Von Kleist auftauchte, gab es unter dem kleinen Zirkel derjenigen, die der Fotokunst nahestehen, einige Spekulationen. Wer könnte sich hinter diesem gezeichneten Konterfei auf einer Münze verbergen? Die altmodische Frisur und der breite Schnurrbart ließen auf eine leicht verschrobene Figur schließen. Und tatsächlich, die Website beschrieb Pierre von Kleist als einen leidenschaftlichen Sammler von Fotobüchern und Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Unglücklicherweise wurde der Großteil seines Bestandes Opfer eines Brandes. Die Suche im Internet führte zu einer Adresse in Lissabon.

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Bruxelles Soundscapes

April 26th, 2014

Das belgische Label Okraina

Philippe Delvosalles Label Okraina bezieht sich auf Boris Barnets gleichnamigen Film von 1933, einem, was Bildschnitt und Tonstruktur anbelangt, wegweisenden Werk. Der sowjetische Regiesseur erzählt Alltagsbegebenheiten, die sich in einem Quatier am Rande einer Großstadt abspielen, während im Hintergrund der 1. Weltkrieg ausbricht. Okraina bedeutet im Deutschen auch Stadtrand oder Peripherie. Dies ist neben der cineastischen Inspiration auch der Link bei der Namensfindung des Labels gewesen, wurden doch die Aufnahmen für die bisherigen drei ausgezeichneten Veröffentlichungen, unter anderem in der als Künstlerresidenz fungierenden Caveau Sauvage vor den Toren Brüssels in Leuwen und in Ghent während Liveauftritten eingespielt.

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Ripples März 2014

March 2nd, 2014

Neue Produktionen aus Portugal: Joana Sá, Filho Da Mãe, Noiserv, Putas Bêbadas, Yong Yong

Die wundervolle, so geheimnisvoll wie abstrakte Musik, die Joana Sá auf ziemlich schwer zugänglichen Alben wie Through The Looking Glass, eine sehr freie Adaption Lewis Carrolls, mit Reverenzen an Robert Schumann und Literaten der Moderne, oder Almost A Song, mit dem Gitarristen Luís José Martins dem geneigten Zuhörer bescherte, findet auf dem aktuellen – Elogio Da Desordem – seinen, mit Sicherheit nur vorläufigen, Höhepunkt an mysteriöser Verzauberung. Die Adaption/Kombination/Einbettung diverser Texte des momentan wohl interessantesten literarischen Allrounders Lusitaniens Gonçalo M. TavaresRosinda Costa zitiert Fragmente aus animalescos, o senhor Swedenborg, investigações geométricas, um viagem à ´India – in die spröden Pianokompositionen üben eine unwiderstehliche Faszination aus. erforscht das semi-präpariertes Klavier auf der Suche nach dem idealen Klang zwischen Lärm und Stille und konfrontiert/ergänzt das Instrument mit einer Sirenen/Glocken-Installation, Toy Piano, Harmonium, Tubes und Noise-Boxes. Auch die Texte sind nur ein Bestandteil des großen Ganzen und vollständig in die Komposition eingebettet, wie auch die Kategorisierungen wie Pianistin, Improvisatorin, Komponistin aufgehoben werden.

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Philip Jeck – Live in Liverpool
The Caretaker- Patience (After Sebald)
Richard Skelton – Verse Of Birds
Ela Orleans – Mars Is Heaven/Live
U.S. Girls – On Kraak/Live

Literarisch ist die Technik der Überlagerung von Fiktion und Realität gängiges Stilmittel, in die auch die naturwissenschaftlichen und metaphysischen Aspekte des Zusammenhangs von Erinnerung, Gedächtnis und Amnesie – wie z.B. von W.G. Sebald zur Meisterschaft gebracht – relevantes Gewicht haben können.
Wohl bedingt durch die mittlerweile unfassbar großen Tonarchive, die durch die neuen Speichermedien in den letzten Jahrzehnten entstanden und den scheinbar uneingeschränkten Zugang zu diesen Datenmengen, ist in der abstrakten Musik ein Subgenre gesprossen, dass sich an die schriftstellerischen Techniken anlehnt und biographisches und erfundenes Material/Quellen mischt und etwas Drittes generiert.
Philip Jeck war einer der Ersten, der das Thema (kulturelles) Gedächtnis in den Mittelpunkt seines musikalischen Oeuvres stellte.

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