{"id":92,"date":"2009-03-30T15:09:24","date_gmt":"2009-03-30T14:09:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=92"},"modified":"2018-01-13T11:36:36","modified_gmt":"2018-01-13T10:36:36","slug":"bruxelles-soundscapes-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/bruxelles-soundscapes-8\/","title":{"rendered":"Bruxelles Soundscapes 8"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\">Tuxedomoon<\/span> &#8211; The Chronicles<\/p>\n<p>Als sich <strong>Steven Brown<\/strong> und <strong>Blaine Reininger<\/strong> 1976 an einem Community College in San Francisco im Kurs f\u00fcr &#8216;Elektronische Musik&#8217; kennen und bei der Pr\u00e4sentation der Abschlu\u00dfarbeiten sch\u00e4tzen lernten &#8211; ihre St\u00fccke hoben sich durch Exzentrik von der klassischen E-Musik-Linie der anderen ab &#8211; begann ein k\u00fcnstlerisches Projekt, das 2006 in sein drei\u00dfigstes Jahr gehen sollte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?page_id=258&amp;album=all&amp;gallery=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-362\" title=\"img_2135\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/img_2135-150x150.jpg\" alt=\"img_2135\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><\/p>\n<p><!--more-->San Francisco hatte Mitte der 1970er immer noch den Ruf &#8211; neben New York &#8211; die Boh\u00e8me-Stadt schlechthin in den USA zu sein. Die Geschichte der Au\u00dfenseiterbewegungen aus den F\u00fcnfzigern, Beat Poetry, Minimal Music um das Tape Music Center mit K\u00fcnstlern wie <strong>Pauline Oliveros, Morton Sobotnik, Ramon Sender<\/strong> oder der interdisziplin\u00e4ren Architektin <strong>Ann Halprin<\/strong>, wurde von radikalen Theatergruppen wie <em>Angels Of Light<\/em> weitergeschrieben, der Geist des Sp\u00e4thippietums schlie\u00dflich von dem des Punk abgel\u00f6st. Das Leben war noch billig und k\u00fcnstlerisch alles erlaubt. Das zog potentielle K\u00fcnstler und Musiker aus dem ganzen Land an. <strong>Steven Brown<\/strong> kam aus Chicago, <strong>Blaine Reininger<\/strong> aus Pueblo, Colorado und <strong>Peter Principle<\/strong>, der zum dritten festen Mitglied von <em>Tuxedomoon <\/em>werden sollte, aus New York. <em>Subterranean <\/em>und <em>Ralph Records<\/em> pr\u00e4gten den Sound dieser Jahre, <em>Re\/Search<\/em> versorgte die Szene mit Fanzines und ersten Buchver\u00f6ffentlichungen mit theoretischem Hintergrundwissen und promotete <strong>Ballard<\/strong> und <strong>Burroughs<\/strong>. <em>Tuxedomoon<\/em> passte perfekt in dieses Umfeld, aber schon 1981 zog es die europ\u00e4ischten und sogleich kosmopolitischten Friscoer in Richtung alten Kontinent, wo sie sich nach kurzen Etappen in London und Rotterdam f\u00fcr eine gute Dekade in Br\u00fcssel niederlie\u00dfen und gleicherma\u00dfen das Umfeld pr\u00e4gten wie von ihm beinflusst wurden.<\/p>\n<p>Anfang der 1980er war das sogenannte &#8216;Europa der offenen Grenzen&#8217; noch in weiter Ferne, jeder \u00dcbertritt in ein anderes Land ein Erlebnis und man reiste aus Kostengr\u00fcnden per Zug; all das untermauerte den mythischen Ruf des bohemienhaften, aber bettelarmen K\u00fcnstlerkollektivs. Und als die Mitglieder in den Neunzigern Br\u00fcssel verlie\u00dfen und sich auf alle Kontinente verstreuten, sah die Situation nicht wesentlich besser aus (<em>Reiningers<\/em> zu dieser Zeit todkranke Frau <em>JJ La Rue<\/em> z.B. musste sich illegal von einer gemeinn\u00fctzigen Organisation behandeln lassen, weil kein Geld vorhanden war).<\/p>\n<p>Von all dem erz\u00e4hlt <strong>Isabelle Corbisier<\/strong> in <em>&#8216;Music For Vagabonds &#8211; The Chronicles&#8217; <\/em>ausf\u00fchrlich. Selbst Fan in 1980ern und mit dem Vorhaben in das Musikbusiness einzusteigen, durchlebte sie nach einer Reise zu einem Konzert der Band in Lille, wie sie schreibt, einen psychischen Zusammenbruch bzw. eine Grenzerfahrung und wendete sich als Konsequenz ganz von der Musik ab, um einen akademischen Weg einzuschlagen. Beinahe zwanzig Jahre sp\u00e4ter, schon mit dem Gedanken im Kopf ein Buch \u00fcber Kunst, Zeit und Reisen zu schreiben, entdeckte sie per Zufall durch einen Freund die Band neu und pl\u00f6tzlich, so <strong>Isabelle Corbisier<\/strong>, war klar, dass die Protagonisten des Buches nur <em>Tuxedomoon<\/em> sein konnten. 2001 lernte sie die Musiker pers\u00f6nlich kennen und begleitete sie in ihrem musikalischen und tats\u00e4chlichen Nomadenleben. <em>&#8216;Music For Vagabonds&#8217;<\/em> bildet anhand von ausf\u00fchrlichen Interviews mit den Musikern und deren Umfeld, Zitaten, Recherchen, Fakten ein zuerst etwas chaotisch anmutendes, bei der Lek\u00fcre aber zunehmend Sinn ergebendes Patchwork an Informationen und pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccken ab.<\/p>\n<p>All die Geschichten vom kulturellen Aufbruch, der Romantik und der Scheu\u00dflichkeit des Reisens und Weltenbummelns, internen Eifers\u00fcchteleien, kreativen H\u00f6hefl\u00fcgen und Abst\u00fcrzen summieren sich zu einer unverzichtbaren Mischung aus Fanbuch und intellektuellem Reader \u00fcber Au\u00dfenseiterkunst. Erh\u00e4ltlich ist <em>&#8216;Music For Vagabonds&#8217;<\/em> als Book on Demand.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tuxedomoon &#8211; The Chronicles Als sich Steven Brown und Blaine Reininger 1976 an einem Community College in San Francisco im Kurs f\u00fcr &#8216;Elektronische Musik&#8217; kennen und bei der Pr\u00e4sentation der Abschlu\u00dfarbeiten sch\u00e4tzen lernten &#8211; ihre St\u00fccke hoben sich durch Exzentrik von der klassischen E-Musik-Linie der anderen ab &#8211; begann ein k\u00fcnstlerisches Projekt, das 2006 in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30,33],"tags":[],"class_list":["post-92","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bruxelles-soundscapes","category-tuxedomoon-the-chronicles"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3020,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92\/revisions\/3020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}