{"id":90,"date":"2009-01-10T15:08:27","date_gmt":"2009-01-10T14:08:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=90"},"modified":"2010-12-20T14:11:44","modified_gmt":"2010-12-20T13:11:44","slug":"bruxelles-soundscapes-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/bruxelles-soundscapes-7\/","title":{"rendered":"Bruxelles Soundscapes 7"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\">Stilll\/Off<\/span>: An Experimental Pop Combination<\/p>\n<p><strong>J\u00e9r\u00f4me Deuson<\/strong> setzte mit seiner Band <em>Amute <\/em>auf den beiden Platten <em>&#8216;A Hundred Dry Trees&#8217; <\/em>und <em>&#8216;The Sea Horse Limbo&#8217;<\/em> einige willkommene Farbtupfer in die sonst weitgehend aseptische musikalische Welt der Laptopk\u00fcnstler. Warmer Gitarrensound aus der Fennesz&#8217;schen Schule vermischt sich mit Folktronics und teilweise opulenten Arangements; emotionale Aufwallungen und ausgesuchte Gasts\u00e4nger\/innen, wie man das aus dem Constellation-Umfeld kennt. Beide Platten erschienen auf dem kanadischen <em>Intr. Vision<\/em> &#8211; Label.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?page_id=258&amp;album=all&amp;gallery=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-334\" title=\"img_2116\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/img_2116-150x150.jpg\" alt=\"img_2116\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der lange angek\u00fcndigte dritte Streich wird diesen Fr\u00fchling auf <em>Stilll<\/em> ver\u00f6ffentlicht werden, das Label, das <strong>Deuson <\/strong>2005 zusammen mit <strong>Alain Lefebvre<\/strong> gr\u00fcndete, um die Br\u00fcsseler Tradition, ein Mikrokosmos des musikalischen Eklektizismus zu sein, fortzuf\u00fchren.<br \/>\nDer nun aus einem guten Dutzend Ver\u00f6ffentlichungen bestehende Katalog l\u00f6st mit K\u00fcnstlern aus der Post-Rock-, Ambient-, Electronica-, oder anderweitigen Subgenre-Szene das Versprechen ein, wobei ich vor allem den Sampler <em>&#8216;Illlysm&#8217;<\/em> (ein Statement von \u00e4hnlicher \u00dcberzeugunskraft wie die fr\u00fchen Crammed-Sampler) und die beiden belgischen Kultbands <em>Babils<\/em> (eine wirre Freakshow aus Psychedelic, Acid Rock und Folk dieser Urgesteine) und <em>De Portables<\/em> (die Meister der Ironie) empfehlen m\u00f6chte. Trotz Enthusiasmus und Zuversicht musste man Ende 2008 auf die Bremse treten, denn die Infrastruktur f\u00fcr (physische) Tontr\u00e4ger br\u00f6ckelt allerorts.<\/p>\n<p>Im Vergleich zum Endzwanziger <strong>Deuson<\/strong> hat <strong>Alain Lefebvre<\/strong> dies alles schon auf \u00e4hnliche Weise erlebt. Als Anh\u00e4nger des  Pr\u00e4-\/Punks, hatte er Ende der 1970er Jahre in Br\u00fcssel das Vergn\u00fcgen, alles was sp\u00e4ter Rang und Namen haben sollte, in den zahlreichen Clubs bestaunen zu k\u00f6nnen. Seine eigene Band, <em>Digital Dance<\/em>, brachte es, ohne letztlich den gro\u00dfen Durchbruch zu schaffen, zu Kultstatus in Belgien. Mit dem charismatischen S\u00e4nger <em>Jerry WX<\/em> (der 2000 starb), <em>Steph\u00e0ne Barbery <\/em>(heute bei <em>Ink<\/em>), <em>Jean-Marc Lederman <\/em>(sp\u00e4ter in der Band von <em>Fad Gadget<\/em>) und <em>Lefebvre<\/em> selbst, spielte man beispielsweise als Vorband von <em>Joy Division<\/em> oder <em>The Clash<\/em>. &#8216;Das war damals unkompliziert und unb\u00fcrokratisch&#8217;, so Alain, &#8216;man fragte und war engagiert. Br\u00fcssel war heruntergekommen, arm und das Leben billig. Man konnte mitten in der Innenstadt in einer riesigen Art Nouveau &#8211; Wohnung oder, alternativ, in einem Loft leben, ohne mehr als 200 Euro auszugeben und seinen eigenen Projekten nachgehen. Das Verdienen des Lebensunterhalts war Nebensache und nicht der Mittelpunkt wie heute. Es waren also die idealen Voraussetzungen gegeben, um eine Alternativkultur mit Clubs, L\u00e4den, Studios usw. entstehen zu lassen und unterschiedlichste Ideen zu verwirklichen. Das sprach sich auch im Ausland herum und zog die unterschiedlichsten Musiker, von Stars bis zu Au\u00dfenseitern nach Br\u00fcssel.&#8217;<\/p>\n<p><strong>Alain Lefebvre<\/strong> war dann schnell ein vielbesch\u00e4ftigter Musiker. Neben seiner eigenen Band spielte er Perkussion und Schlagzeug f\u00fcr beispielsweise <em>Isabelle Antena, Anne Clark, Benjamin Lew, Durutti Column oder Tuxedomoon<\/em>. Spuren im Ged\u00e4chnis haben vor allem <em>Vini Reilly<\/em> und <em>Tuxedomoon<\/em> hinterlassen, &#8216;exzellente Musiker, zu denen sich auch private Verbindungen entwickelten, die bis heute halten.&#8217; F\u00fcr <em>Les Disques Du Cr\u00e9puscule<\/em> war er in der Promotion t\u00e4tig und arbeitete f\u00fcr einige Jahre in deren japanischen Dependence. Ende der 1980er Jahre drifteten die meisten der Independentlabels in den Mainstream und in die Belanglosigkeit ab; f\u00fcr Alain wurden die Promotionarbeit und selbst die Tourneen in Japan zum Trott. Nach einem Auftritt mit Anna Domino hatte er genug. &#8216;Als ich die Schlagzeugst\u00f6cke nach der letzten Zugabe hinlegte, war ich \u00fcberzeugt, dass ich nie mehr Musik machen wollte.<\/p>\n<p>Wieder in Br\u00fcssel und nach einer l\u00e4ngeren sch\u00f6pferischen Pause, entdeckte er dann aber die Keyboards f\u00fcr sich und die Musik neu. Mit <em>Benjamin Lew<\/em> zusammen kreiert <strong>Alain Lefebvre<\/strong> als <em>Alinovsky <\/em>seltsame Ambient &#8211; Tonlandschaften; au\u00dferdem partizipiert er bei <em>Rob(u)rang<\/em> und beim <em>Gamial Trio<\/em>. Eine Soloplatte mit ausschlie\u00dflich eigener Musik schwebt ihm schon seit langem im Kopf herum.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch <em>OFF<\/em>. Bald nach der Gr\u00fcndung von <em>Stilll<\/em> mit <strong>Deuson<\/strong> stellte sich heraus, dass es keinen Sinn ergibt, die unterschiedlichen musikalischen Vorlieben nur in eine Marke flie\u00dfen zu lassen. <em>OFF<\/em> hat ein noch offeneres Raster, widmet sich Modern Jazz, Avant-Rock, Experimental Beats und Women Voices und ist in seiner Experimentierfreude vergleichbar mit <em>Rune Grammofon<\/em> (ein erkl\u00e4rtes Lieblingslabel Alains). Die bisherigen Ver\u00f6ffentlichungen machen deutlich, dass es sich dabei vor allem um Liebhaberprojekte handelt, in die jede Menge Herzblut  investiert wird, die aber in gleichem Ma\u00dfe unkommerziell sind.<\/p>\n<p><em>Blaine Reininger<\/em> ver\u00f6ffentlichte aus alter Verbundenheit sein neues Album auf <em>OFF, Toshinori Kondo<\/em> gleichfalls. Der avantgardistische Anteil des Oeuvres der belgischen Kultfigur <em>Pierre Vervloesem <\/em>wird hier betreut (der rockige von <em>Carbon 7<\/em>), ansonsten taucht man beim Checken des Katalogs in eine unbekannte Welt der musikalischen \u00dcberraschungen, so wie das sein sollte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/stilll.org\/\" target=\"_blank\">Stilll.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/offlabel\" target=\"_blank\">Myspace.com\/off<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stilll\/Off: An Experimental Pop Combination J\u00e9r\u00f4me Deuson setzte mit seiner Band Amute auf den beiden Platten &#8216;A Hundred Dry Trees&#8217; und &#8216;The Sea Horse Limbo&#8217; einige willkommene Farbtupfer in die sonst weitgehend aseptische musikalische Welt der Laptopk\u00fcnstler. 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