{"id":86,"date":"2009-01-10T15:06:25","date_gmt":"2009-01-10T14:06:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=86"},"modified":"2024-01-05T22:36:20","modified_gmt":"2024-01-05T21:36:20","slug":"bruxelles-soundscapes-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/bruxelles-soundscapes-5\/","title":{"rendered":"Bruxelles Soundscapes 5"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\">Fran\u00e7oiz Breut<\/span>: La Gravit\u00e9 Des Sentiments<\/p>\n<p>Mit einer scheinbar aus Spontaneit\u00e4t und Selbstmacherethos gen\u00e4hrten Passion f\u00fcr das Singen ausgestattet, l\u00e4\u00dft sich die franz\u00f6sische S\u00e4ngerin <strong>Hermine Demoriane <\/strong>in der ersten H\u00e4lfte der 1980er Jahre von einem ausgesuchten Kreis von Musikern zwei Platten schreiben und Klassiker arrangieren, die subversiv die Aufhebung der Dualit\u00e4t von Ich- und Lebenstrieb betreiben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?page_id=258&amp;album=all&amp;gallery=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-149\" title=\"img_2114\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/img_2114-150x150.jpg\" alt=\"img_2114\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Beim Stra\u00dfburger Auftritt, ungef\u00e4hr zwanzig Jahre sp\u00e4ter, hat <em>Fran\u00e7oiz Breut<\/em> wohl \u00c4hnliches im Sinn. Die fragilen Konstruktionen ihres mittlerweile drei Alben * umfassenden Repertoires, das zu komponieren sich ebenfalls die zeitgen\u00f6ssische Creme des alternativen Songwritertums berufen f\u00fchlte, werden von <em>Boris Gronemberger<\/em> (Gitarre, Vibraphon, Gesang), <em>Luc Rambo <\/em>(Keyboards, Synthesizer, Percussion) und <em>Sacha Toorop <\/em>(Drums) karg in Szene gesetzt, w\u00e4hrend die Interpretin die Lieder mit einer widerspr\u00fcchlichen Mischung aus leidenschaftlichem Understatement und ironischer Distanz illustriert. Sie hat daf\u00fcr alle Zeit der Welt. Zwischen den St\u00fccken, die ohnehin meist die Kunst der Langsamkeit und Unaufgeregtheit zelebrieren, legt sie auf einem antiken Plattenspieler, scheinbar nach dem Zufallsprinzip, Sprech- und Ger\u00e4uschplatten auf, bis die Band einsetzt und doch einen thematischen Bogen spannt.<\/p>\n<p>Wenn man in Cherbourg, wo <em>Fran\u00e7oiz Breut <\/em>ihre Kindheit verbringt, aufs Meer schaut und die Sinne pl\u00f6tzlich \u00fcberwach sind, lassen sich vielleicht die Radiowellen jenseits des Kanals auffangen. Sicherlich hat man aber ausreichend Distanz zu Paris. Die BBC, Internationales \u00fcberhaupt, aber auch die Platten ihrer Eltern mit bretonischer Volksmusik sind f\u00fcr die Edukation ihrer musikalischen Vorlieben ebenso pr\u00e4gend wie die Musik von France Inter. In Nantes studiert sie Ende der 1980er Jahre an den Beaux Arts und lernt<em> Dominique An\u00e9 <\/em>kennen, der gerade zu so etwas wie einem franz\u00f6sischen Popstar aufsteigt. Eigentlich mit den Verzweigungen der Bildenden Kunst hinreichend ausgelastet, l\u00e4sst sie sich vom Musikmachen \u00fcberzeugen. Bei <em>An\u00e9<\/em> als Begleits\u00e4ngerin und als Gestalterin einiger Plattenh\u00fcllen involviert, verl\u00e4uft die Emanzipation vom Mentor dann z\u00fcgig und sie sucht und findet ihren eigenen Weg.<\/p>\n<p>Schon <em>&#8216;Fran\u00e7oiz Breut&#8217; <\/em>(19979, das juvenile Debut, das praktisch noch ausschlie\u00dflich von <em>An\u00e9<\/em> geschrieben und produziert wird, klingt erstaunlich abgekl\u00e4rt. Ohnehin zum Fragmentarischen tendierend sind die St\u00fccke auch musikalisch auf das Essentielle beschr\u00e4nkt. Gitarre, dazu einige Tupfer Pastellfarbe mittels Keyboard, Trompete und Violoncellos sind ausreichend. Wie eine noch weiter entkernte Kammermusik flie\u00dft die Musik als Unterlegung des Sprechgesangs <em>Breuts<\/em> dahin, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. Das steht kaum in der Tradition franz\u00f6sischer Chansons. Ungleich auch dem bourgeoisen hippieesken Nomadentum des alternativen Folks, das mit <em>Coco Rosie<\/em>, <em>Devendra Banhart<\/em> oder <em>Cat Power<\/em> seine eigenen Stars kreierte, wird hier dem Existentialismus gefr\u00f6nt. Die Irrungen und Wirrungen der Liebe sind &#8216;das&#8217; Thema.<\/p>\n<p>Drei\u00dfigtausend Tage ist ein durchschnittliches (europ\u00e4isches?) Leben lang. <em>&#8216;Vingt A Trente Mille Jours&#8217;<\/em> l\u00e4sst selbstverst\u00e4ndlich offen, ob uns das beruhigen oder das F\u00fcrchten lehren soll. Musik und Text sind tiefblau, aber eine spr\u00f6de N\u00fcchternheit in der Stimme der S\u00e4ngerin h\u00e4lt alles im Vagen. <em>&#8216;Vingt A Trente Mille Jours&#8217;<\/em> (2000), in gr\u00f6\u00dferer Besetzung und bei einigen St\u00fccken mit Arrangements des <em>Budapest Symphony Orchestras<\/em> eingespielt, ist dynamischer und aufwendiger produziert, am mittlerweile perfektionierten Amateurismus <em>Breuts <\/em>\u00e4ndert sich aber wenig. <em>&#8216;Sans Souci&#8217;<\/em>, der alte <em>Peggy Lee <\/em>&#8211; Klassiker rei\u00dft kurz aus der Nachdenklichkeit, bevor dann wieder <em>&#8216;L&#8217;heure bleue&#8217;<\/em> anbricht. Auf <em>&#8216;Une Saison Vol\u00e9e&#8217;<\/em>, dem dritten Album (2005), fungieren als St\u00fcckeschreiber die schwedisch-franz\u00f6sischen <em>Herman D\u00fcne<\/em>, <em>Jaime Christobal<\/em>, <em>Federico Pellegrini<\/em>, <em>Fabio Viscogliosi<\/em>, <em>J\u00e9rome Mini\u00e8re<\/em>, <em>Philippe Poirier<\/em>, <em>Deziel<\/em> und <em>An\u00e9<\/em>. Es wird mit Musikstilen experimentiert und <em>Fran\u00e7oiz Breut<\/em> singt au\u00dfer in Franz\u00f6sisch auch in Englisch, Italienisch und Spanisch. Dazu gibt&#8217;s den wackligen <em>Hardy <\/em>&#8211; Klassiker <em>&#8216;Le Premier Bonheur Du Jour&#8217;<\/em> als Draufgabe. <em>Joey Burns<\/em> ist bei einigen St\u00fccken als Musiker beteiligt, <em>Howe Gelb <\/em>widmet ihr einen Song und pl\u00f6tzlich gilt sie mit ihrer Trilogie \u00fcber &#8216;la gravit\u00e9 des sentiments, une soif d&#8217;amour et de vie&#8217; bei nicht wenigen als Erneuerin der franz\u00f6sischen Musikszene.<\/p>\n<p>Seit 2000 wohnt <em>Fran\u00e7oiz Breut<\/em> in Br\u00fcssel, um sich neben der Musik verst\u00e4rkt der Illustration zu widmen. Zeugnis davon findet man au\u00dfer in diversen Buchpublikationen auch in den Textheften der Platten. &#8216;Ich verf\u00fcge \u00fcber ein sehr gutes visuelles Ged\u00e4chnis, die Texte, die ich singe, verwandeln sich automatisch in Bilder.&#8217; Als Br\u00fcsseler hat man wiederum an unterschiedlichsten Eindr\u00fccken keinen Mangel. Auch m\u00fcsste man eigentlich von einer permanenten Identit\u00e4tskrise geplagt sein. Nicht nur ist die Stadt im Zustand einer st\u00e4ndigen Rekonstruktion und dementsprechend chaotisch; als Hauptstadt von EU-Europa, Belgien und Flandern und geographisch im fl\u00e4mischen Norden lokalisiert, ist sie aber doch ein eigenst\u00e4ndiger Distrikt und, obwohl offiziell zweisprachig, Franz\u00f6sisch nat\u00fcrlich die Sprache der meisten Einwohner. <em>Benjamin Lews<\/em> halluzinatorische &#8216;elektronische Landschaften&#8217; haben die bitters\u00fc\u00dfe Melancholie des Fernwehs oder auch nur die der billigen Aparthotels der Zugewanderten konserviert. Nimmt man <em>Fran\u00e7oiz Breuts<\/em> Musik als aktuellen Stimmungsbarometer, hat sich an dieser Grundstimmung der Stadt wenig ge\u00e4ndert.<br \/>\n* <em>&#8216;\u00c0 L&#8217;Aveuglette&#8217; <\/em>hei\u00dft das aktuelle, vierte Album, das im November 2008 erschien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fran\u00e7oiz Breut: La Gravit\u00e9 Des Sentiments Mit einer scheinbar aus Spontaneit\u00e4t und Selbstmacherethos gen\u00e4hrten Passion f\u00fcr das Singen ausgestattet, l\u00e4\u00dft sich die franz\u00f6sische S\u00e4ngerin Hermine Demoriane in der ersten H\u00e4lfte der 1980er Jahre von einem ausgesuchten Kreis von Musikern zwei Platten schreiben und Klassiker arrangieren, die subversiv die Aufhebung der Dualit\u00e4t von Ich- und Lebenstrieb [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30,37],"tags":[],"class_list":["post-86","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bruxelles-soundscapes","category-francoiz-breut"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=86"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4468,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/86\/revisions\/4468"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=86"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=86"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=86"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}