{"id":707,"date":"2009-06-16T20:27:54","date_gmt":"2009-06-16T19:27:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=707"},"modified":"2009-06-19T10:59:20","modified_gmt":"2009-06-19T09:59:20","slug":"british-ghost-stories-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/british-ghost-stories-2\/","title":{"rendered":"British Ghost Stories 2"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Matt Elliott &#8211; Something about Ghosts<\/em><\/span><\/p>\n<p>Als <strong>Matt Elliott<\/strong> beim zwanzigmin\u00fctigen Schlu\u00dfst\u00fcck <em>&#8216;The Maid We Messed&#8217;<\/em> nochmals in die Rolle (des einzigen Mitglieds) der <em>Third Eye Foundation<\/em> schl\u00fcpfte, konnte man die Entstehung elektronischer Musik in Echtzeit mitverfolgen. Beginnend mit unstrukturiert scheinendem, im Saal kaum wahrnehmbarem, Surren und Klicken wurden Layer um Layer mit Melodien und Beats zu einer melancholischen, immer dichter werdenden Himmelsfanfare \u00fcbereinandergeschichtet, bis alles irgendwo unter der Hallendecke zerbarst. Ein Fehler in der Konzentration und das St\u00fcck w\u00e4re implodiert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?page_id=258&amp;album=all&amp;gallery=2\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-843\" title=\"cctv\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/cctv-150x150.jpg\" alt=\"cctv\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>&#8216;The Maid We Messed&#8217; <\/em> war, laut <strong>Elliott<\/strong>, eine letzte Reminiszenz an die eigene musikalische Vergangenheit. Mit dem Umzug von Bristol nach Frankreich vollzog sich 2003 auch ein musikalischer Kurswechsel, der sich auf dem vorherigen Album <em>&#8216;The Mess We Made&#8217; <\/em> (Domino, 2003) abzuzeichnen begann. In der kargen Besetzung <strong>Elliott <\/strong>(Gesang, Gitarre) und <strong>Chris Cole<\/strong> (Cello) wurde zuvor an diesem Abend ein Auszug aus dem beinahe balladesken aktuellen Repertoire pr\u00e4sentiert: Verhuschte, desperate, an Seefahrerlieder und Choralges\u00e4nge gemahnende Einsamkeitsmonologe \u00fcber den Zustand im Allgemeinen (\u201cThe Kursk is dedicated to those lost at sea\u201d) und der Welt im Besonderen (\u201cA Waste Of Blood is dedicated to the memory of all the victims of the United States Of Americas foreign policy\u201d) sind das meist, die dramaturgisch allerdings \u00e4hnlich komplex wie die elektronischen St\u00fccke sich labyrinthisch verzweigen.<br \/>\nMitte der 90er Jahre, der gierige Popmarkt hat gerade den Manchester-Rave verdaut, streckt man die H\u00e4nde gen S\u00fcden und ruft Bristol zum Mekka des Hedonsimus aus. Wie gewohnt fallen die subtileren Ideen durch das Netz (vom Verm\u00e4chtnis des situationalistisch-inspirierten Anarcho Punk\/Dub eines <em>Mark Stewart<\/em> borgt man sich immerhin noch die fetten B\u00e4sse), was eine kreative Schattengesellschaft erst anspornt. <em>Flying Saucer Attack, Crescent<\/em> und <em>Philosopher\u2019s Stone <\/em>beispielsweise haben sich eher den Gitarren-Distortationen in der Tradition von <em>My Bloody Valentine <\/em>und dem britischen Au\u00dfenseiter- Songwritertum als getriphoptem Soul verschrieben. <strong>Matt Elliott<\/strong>, vielseitiger Instrumentalist und als Angestellter eines Plattenladens gleichsam musikhistorisch manigfaltig geschult, ist an diesen Projekten als Gitarrist, Schlagzeuger, Violinist, Pianist und Programmierer beteiligt und startet, nachdem der Name <em>The Third Eye Foundation<\/em> zuerst als Titel der ersten <em>Flying Saucer Attack<\/em>-Platte auftaucht, unter selbigem sein eigenes Projekt. 1996 erscheint mit <em>&#8216;Semtex&#8217;<\/em> (Linda\u00b4s Strange Vacation, 1996) das erste Album. Als der Jugend geschuldeter, merkw\u00fcrdiger, etwas unausgegorener Zwitter zwischen Gitarrenl\u00e4rm und experimentellem Drum\u2019n Bass ist die Musik gleichsam von zu d\u00fcsterem Gehalt, um die Dancefloorgemeinde anzusprechen. Der pastorale Gesang <strong>Debbie Parsons\u2019<\/strong> ist der Kommerzialit\u00e4t auch nicht eben f\u00f6rderlich. <em>&#8216;In Version&#8217;<\/em> (Linda\u00b4s Strange Vacation, 1996), Remixe von fr\u00fchen Kollaborationen, dreht die Originale karthartisch durch den Noise-Fleischwolf. Ghost, das erste Album f\u00fcr Domino 1997 birgt schlie\u00dflich schon den markanten <em>Third Eye Foundation<\/em>-Sound. Die dunkle \u201centertainment through pain\u201d- \u00c4sthetik, der vom Industrial entlehnte und vom Machismo entkernte Grundbaustein der Musik, mittels Sampler und Powerbook mit Beats angereichert und mit filigranen Arrangements kombiniert, l\u00e4\u00dft schon die letztlich in seiner Musik immer deutlicher hervorstechende lyrische Ader erkennen. <em>&#8216;You Guys Kill Me&#8217;<\/em> (Domino, 1998) <em>&#8216;Little Lost Soul&#8217;<\/em> (Domino, 2000) und <em>&#8216;I Poo Poo On Your Juju&#8217;<\/em> (s.o.) perfektionieren die schizophrene Idee, Drum\u00b4N\u00b4Bass f\u00fcr das stille K\u00e4mmerlein zu kreieren. Die St\u00fccke werden komplexer und dichter, der gebrochen-sakrale Grundton wird zu einem Hauch transzendenter Vagheit verfeinert.<br \/>\nAls Gl\u00fccksfall erweist sich in dieser Hinsicht die Zusammenarbeit mit dem K\u00fcnstler <em>Uncle Vania,<\/em> der <strong>Matt Elliott<\/strong> nach einem Konzert ansprach und sich anbot, die Musik visuell umzusetzen. Die Wachturm-artige \u00dcberh\u00f6hung, Anspielungen auf die Dekadenz der russischen Diaspora des letzten Jahrhunderts und der geisterhafte Unterton in den Kollagen f\u00fcr das Artwork von <em>&#8216;Little Lost Sou&#8217;<\/em>l, <em>&#8216;I Poo Poo On Your Juju&#8217;<\/em> und der Matt Elliott &#8211; Trilogie auf Ici D&#8217;ailleurs spiegeln die Intention der Musik.<br \/>\n<em>&#8216;Drinking Songs&#8217; <\/em>(Ici D\u00b4Ailleurs, 2005), <em>&#8216;Failing Songs&#8217;<\/em> (Ici D&#8217;Ailleurs, 2006) und schlie\u00dflich <em>&#8216;Howling Songs&#8217; <\/em>(Ici D\u2019Ailleurs, 2008) sind eine Fortf\u00fchrung von <em>&#8216;The Mess We Made&#8217;<\/em> und begeben sich wieder auf den Pfad der Geisterbeschw\u00f6rung, teilweise mit Unterst\u00fctzung weiterer Musiker: die Cellistin\/Violinistin <strong>Patricia Arquelles Martinez <\/strong>bringt gar Flamenco- und Klezmereinfl\u00fcsse ins Spiel. Dies sind die bisher ausgereiftesten Werk <strong>Elliotts<\/strong>. Die Idee \u201cto mix upbeat music with miserable lyrics\u201d wird zwar musikalisch nicht eingel\u00f6st &#8211; schlie\u00dflich war <strong>Elliotts <\/strong>Gro\u00dfmutter auch russisch-estnischer Abstammung &#8211; , die Tendenz hin zu einer fragmentarischeren, spr\u00f6deren Musiksprache ist aber wohl eine logische Weiterentwicklung. Der Kontakt zu <em>Ici D\u00b4Ailleurs<\/em> entstand \u00fcbrigens schon 1999, nachdem er <strong>Yann Tiersens <\/strong><em>&#8216;La Dispute&#8217; <\/em>f\u00fcr das sp\u00e4tere Album &#8216;I Poo Poo on Your Juju&#8217; remixte. Da die H\u00f6rerschaft ohnehin in Frankreich am aufmerksamsten ist und  Domino zusehends mit den Majors konkurriert, pa\u00dft einer wie Matt Elliott gut in das eklektische Programm von Tiersens Label in Nancy.<\/p>\n<p>Der kontinentale Boden scheint in jedem Fall ein fruchtbarer zu sein. Ein neues  Album , ein Soundtrack zu einer Ausstellung Uncle Vanias ist angek\u00fcndigt. Aber auch die Idee zur Zusammenarbeit mit franz\u00f6sischen und belgischen, \u00e4hnlich veranlagten K\u00fcnstlern scheint zu reifen, z.B. mit der jungen Br\u00fcsslerin Val\u00e9rie Leclerq  aka Half Asleep, deren Musik tats\u00e4chlich den Schwebezustand zwischen Wachsein und Schlaf auslotet; eine Seelenverwandtschaft, spielte in seiner Liveformation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matt Elliott &#8211; Something about Ghosts Als Matt Elliott beim zwanzigmin\u00fctigen Schlu\u00dfst\u00fcck &#8216;The Maid We Messed&#8217; nochmals in die Rolle (des einzigen Mitglieds) der Third Eye Foundation schl\u00fcpfte, konnte man die Entstehung elektronischer Musik in Echtzeit mitverfolgen. 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