{"id":451,"date":"2009-02-24T18:24:24","date_gmt":"2009-02-24T17:24:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=451"},"modified":"2024-01-05T22:36:01","modified_gmt":"2024-01-05T21:36:01","slug":"451","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/451\/","title":{"rendered":"Les Ann\u00e9es 70"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #00ff00;\">Chantal Akerman Collection<\/span><\/em><\/p>\n<p>In den letzten Jahren konnte man <strong>Chantal Akermans <\/strong>aktuelle Arbeiten &#8211; meist Installationen und Videos &#8211; vermehrt in internationalen Galerien sehen; ihr neuster Film &#8211; <em>&#8216;L\u00e1 &#8211; Bas&#8217; <\/em>von 2006 &#8211; lief hingegen au\u00dfer in Br\u00fcssel nur auf einigen Dokumentarfilmfestivals.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-752 alignleft\" title=\"dvd\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/dvd.jpg\" alt=\"dvd\" width=\"125\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/dvd.jpg 807w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/dvd-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/dvd-727x1024.jpg 727w\" sizes=\"auto, (max-width: 125px) 100vw, 125px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In den 1970ern Jahren wurde der cinematographische Teil der &#8211; nicht nur belgischen &#8211; Avantgarde von ihr wesentlich mitgepr\u00e4gt. Eine essentielle DVD-Box mit f\u00fcnf Filmen (und Extras) gibt nun die M\u00f6glichkeit wieder in diese eigen- und einzigartige Filmwelt Akermans einzutauchen. Au\u00dfer dem dreist\u00fcndigen Meisterst\u00fcck <em>&#8216;Jeanne Dielman, 23 Quai Du Commerce, 1080 Bruxelles&#8217;<\/em>. das drei Tage des klaustrophobischen Lebens einer belgischen Witwe in ihrer Wohnung zwischen Alltagsverrichtungen, bei denen sogar das Gem\u00fcsesch\u00e4len einen in den Bann zieht, und dem diskreten Empfang von solventen Herren, aufzeichnet, bekommt man nun die M\u00f6glichkeit die unbekannteren, gleicherma\u00dfen konsequenten und irritierenden Filme aus diese Phase zu sehen. Schon in den 70ern, als Experimentieren noch erlaubt war, waren diese zu unkonventionell f\u00fcr den Arthaus-Markt. <em>&#8216;Saute Ma Ville&#8217;<\/em>, ist ein kleiner, anarchistischer Kurzfilm, den Akerman mit 18 Jahren realisierte. Nachdem die \u00fcberdrehte Darstellerin (C. Akerman) in der K\u00fcche kocht, isst, Schuhe putzt, den Boden aufzieht, Zeitung liest und dazwischen den T\u00fcr -und den Fensterrahmen abklebt, dreht sie, aus der gleichen unbeschwerten Laune heraus,den Gasherd auf, setzt eine Zeitungsseite in Brand und sprengt sich und die K\u00fcche in die Luft. <em>&#8216;La Chambre&#8217;<\/em>, ein weiterer Kurzfilm, gibt einen Panoramoblick in ein Zimmer, das wie aus einer anderen Zeit mit Erinnerungsst\u00fccken gef\u00fcllt ist. Die langsame Kamerafahrt schwenkt schlie\u00dflich auf das Bett, auf dem die Protagonistin (C. Akerman) scheinbar regungslos liegt. Als die Kamera wieder bei ihr angelangt, sieht man sie einen Apfel essen. Scheinbar belanglos, sind die Bilder mit einer mysteri\u00f6sen Aura aus Vergangenheit und Morbidit\u00e4t aufgeladen.<\/p>\n<p><em>&#8216;News From Home&#8217; <\/em>handelt vom ersten Aufenthalt in New York. In der Tradition von <strong>Michael Snow<\/strong> und <strong>Jonas Mekas<\/strong> sieht man lange Einstellungen von einem leicht desolaten New York &#8211; Stra\u00dfenkreuzungen, ein Fast Food &#8211; Restaurant nach Betriebsschluss, Baustellen, U-Bahnstationen &#8211; und Fahrten, entfernte Blicke auf die Skyline. Der Soundtrack aus den Ger\u00e4uschen der Gro\u00dfstadt wird gebrochen, indem Chantal Akerman die Briefe, die ihre Mutter, scheinbar mehrmals pro Woche an sie schreibt, vorliest. <em>&#8216;Hotel Monterey&#8217;<\/em>, ein weiterer &#8216;New York-Film&#8217; kommt ohne Ton aus und fokusiert sich in einer statischen Einstellung auf die Empfangshalle des Hotels. Menschen kommen und gehen, benutzen den Lift, sind aus dem Bild. Alles bleibt fragmentarisch und die Leben verlieren sich. In <em>&#8216;Je Tu Il Elle&#8217; <\/em>schreibt eine junge Frau (C. Akerman), freiwillig in einem Raum eingeschlossen, zwanghaft Briefe an eine abwesende Freundin\/Geliebte, ist sp\u00e4ter mit einem Lastwagenfahrer unterwegs, trifft dann ihre Freundin. Der Film ist formal streng und kommt ohne Suspenseelemente aus. <em>&#8216;Les Rendez-Vous D&#8217;Anna&#8217; <\/em>handelt von einer Filmemacherin, die sich zwischen Deutschland, Br\u00fcssel und Paris bewegt und trotz Kontakte ihre Einsamkeit lebt.<\/p>\n<p><strong>Chantal Akermans<\/strong> Filme handeln bei weitem nicht nur, wie ihr nachgesagt wird, von weiblicher Emanzipation und sexualpolitischen Fragestellungen. Geboren 1950 in Br\u00fcssel als Tochter polnisch-j\u00fcdischer Eltern (die Gro\u00dfmutter wurde im KZ ermordet), wuchs sie im Einfluss von verschiedenen Kulturen, Sprachen und Interpretationen der Vergangenheit auf. Die subtilen Ausgrenzungen mittels Sprache, die sie, wie sie in einem Interview mit der Kunstzeitung ArtForum erz\u00e4hlt, in Belgien und Frankreich im Gegensatz zu New York, wo jeder seine Art von Englisch redet und es keine Rolle spielt, erlebte. Sie bezieht sich auf Deleuze, der in Bezug auf Kafka von einfacher und strenger Literatur schreibt. Ihre Bilder, vor allem die zu ihrem Markenzeichen gewordenden Frontaleinstellungen, sind von \u00e4hnlich trockener und soghafter Wirkung. Migration und Immigration, metaphysich und konkret sind wiederkehrende Themen in ihren Filmen; es geht um Erinnerung und letztlich um das Vergehen der (Lebens-) Zeit. Nirgendwo anders kann man das so unerbittlich und gekonnt verfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chantal Akerman Collection In den letzten Jahren konnte man Chantal Akermans aktuelle Arbeiten &#8211; meist Installationen und Videos &#8211; vermehrt in internationalen Galerien sehen; ihr neuster Film &#8211; &#8216;L\u00e1 &#8211; Bas&#8217; von 2006 &#8211; lief hingegen au\u00dfer in Br\u00fcssel nur auf einigen Dokumentarfilmfestivals.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-451","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=451"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4466,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/451\/revisions\/4466"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=451"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=451"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=451"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}