{"id":45,"date":"2009-01-08T03:44:05","date_gmt":"2009-01-08T02:44:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=45"},"modified":"2010-12-20T14:12:14","modified_gmt":"2010-12-20T13:12:14","slug":"bruxelles-soundscapes-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/bruxelles-soundscapes-3\/","title":{"rendered":"Bruxelles Soundscapes 3"},"content":{"rendered":"<p>Blessed By Sleeplessness: <span style=\"color: #00ff00;\">Half Asleep<\/span><\/p>\n<p>\u201cLangsam begegnet eine Melancholie, die eine Melancholie durchquert, einer weiter entfernten Melancholie, die vergeht und sich in eine neue Melancholie verl\u00e4ngert \u201c                                                Henri Michaux, Erste Eindr\u00fccke<\/p>\n<p>Mit schon drei bei verschiedenen Mikrolabels in Br\u00fcssel und Frankreich erschienenen Alben ist <a href=\"http:\/\/www.halfasleep.be\" target=\"_blank\"><strong>Val\u00e9rie Leclerq<\/strong><\/a> alias <em>Half Asleep<\/em> f\u00fcr eine weitere Facette der gleicherma\u00dfen heterogenen wie individualistischen belgischen Szenerie verantwortlich. Tr\u00e4fen die (von der dortigen Presse behaupteten) Vergleiche mit der New Weird (?) Folkscene, dem m\u00fchsam heraufbeschworenen Hype 2007 ff., tats\u00e4chlich zu, w\u00fc\u00dfte man davon wahrscheinlich auch au\u00dferhalb des frankophonen Teils Europas.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?page_id=258&amp;album=all&amp;gallery=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-173\" title=\"img_2140\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/img_2140-150x150.jpg\" alt=\"img_2140\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der (musikalisch) reklusive, welt-verstreute Zirkel von Einzelg\u00e4ngerprojekten wie jene von <strong>C\u00e9cile Schott<\/strong> (Colleen), <strong>Islaya<\/strong>, <strong>Es<\/strong>, <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.thirdeyefoundation.com\/\" target=\"_blank\"><strong>Matt Elliott<\/strong><\/a>, <strong>Murcof<\/strong>, <a href=\"http:\/\/www.barkpsychosis.com\/\" target=\"_blank\"><strong>Bark Psychosis<\/strong><\/a> beispielsweise und die vornehmlich von Labels wie <em>Leaf<\/em>, <em>Fonal<\/em> oder <em>Ici D\u2019ailleurs<\/em> gehegt und gepflegt werden, scheint aber k\u00fcnstlerisch eher der ihrige zu sein. In der Musik <em>Half Asleep<\/em>&#8216;s gibt es zwar bisweilen durchaus folkige Anleihen, aber ebenso wie auch kleine satieeske Miniaturen auftauchen, haben die meist langsamen und mit Gitarre und Klavier gespielten St\u00fccke alle mehr als einen Hauch europ\u00e4ischer Strenge geatmet. Der spr\u00f6de, manchmal gar liturgisch schwere Grundton, und das dunkle Timbre der Stimme tun das \u00dcbrige. \u201c<em>Low<\/em> hatten sicherlich einen gro\u00dfen Einflu\u00df auf mich ausge\u00fcbt, indem sie mir den Mut gaben diese ruhige und langsame Musik zu spielen, die ich spielen wollte. Ich mag Tara Jane O\u2019Neill, sie ist aber mehr eine Klangforscherin und kreiert musikalische Landschaften, w\u00e4hrend ich mehr an Melodien interessiert bin. Strukturen sind sehr wichtig f\u00fcr mich; mit zwei oder drei Akkorden kann ich nicht zufrieden sein, ich w\u00fcrde immer den Eindruck haben, dass der Song nicht fertig ist und etwas fehlt. Es erscheint mir deshalb auch bizarr, wenn man meine Musik als einfach beschreibt. Vielleicht bringt man da Simplizit\u00e4t und Minimalismus durcheinander. Klassische Musik ist nicht auf blo\u00dfe Akkorde aufgebaut, sondern auf Variationen, auf erz\u00e4hlende Melodien, die sich st\u00e4ndig entwickeln. Das inspirierte mich auf die eine oder andere Weise. Ich habe keinen klassischen Background, ich kann Musik weder lesen noch schreiben, aber ich besuchte Musikstunden f\u00fcr f\u00fcnf Jahre als ich klein war. Dies war eine spezielle Schule, in der wir lernten zu h\u00f6ren und zu spielen, aber keine St\u00fccke zu lesen, es war eine sehr intuitive und spontane Ann\u00e4herung.\u201d Half Asleep&#8217;s Musik hat grunds\u00e4tzlich mehr eine \u00dcberwachheit als Somnolenz im Sinne. Diese scheinbar desperate Stimmung ist \u00e4hnlich den Geisterschiffelegien Elliotts&#8217; mit einem unwirklichen Unterton aufgeladen; die Geschichten Val\u00e9rie Leclerqus\u2019 sind zudem meist surreal-ironischen Gehaltes, so dass in der Kombination eine weitere Illusion einer leicht verschobenen Parallelwelt entsteht, die mich immer irgendwie an die Atomosph\u00e4re von Henry James\u2019 <em>Turn Of The Screw<\/em> erinnert (z.B. in der Interpretation von <strong>Nicos<\/strong>\u2019 <em>Secret Side<\/em>, in der der Gotikcharakter mit einer br\u00fcchigen Ambivalenz unterlegt ist). \u201cDie Texte sind fragmentiert und visuell. Ich bin fasziniert von absurden Dramaturgen und Schreibern wie Henri Michaux, Breton, Ionesco, aber auch Gombrowicz oder Harold Pinter. Alles dort ist fragmentarisch und rhythmisch. Ich denke, Rhythmus ist mit am wichtigsten, es gibt dem Ganzen Koh\u00e4renz und Fluss. Auf der Seite der weiblichen Schreiber w\u00fcrde ich Virginia Woolf oder Janet Frame erw\u00e4hnen, vielleicht Marina Tsvetaieva. Diese Schreiber haben mich sicherlich ber\u00fchrt und bewegt&#8230;Ich denke auch, dass Kristin Hersh eine briliante Texterin ist.\u201d<br \/>\nAlles beginnt mit dem Kontakt zu den umtriebigen Mikrokosmonauten von <em>matamore.recordings<\/em>., die 2000 noch vor allem Musik-, B\u00fccher- und Filmbestenlisten zwischen Luxemburg und der Wallonie hin- und hersenden, aber auf der Netzseite auch ein Forum f\u00fcr Musiker einrichten. Inzwischen auch zum Label erweitert ist ihnen au\u00dfer der Zweitauflage von &#8216;<em>Learning to Swim<\/em>&#8216; , dem zweiten Album von <em>Half Asleep<\/em>, die Ver\u00f6ffentlichung solch uneinsortierbarer Songpoeten wie V.O. (<strong>Boris Gronemberger<\/strong>, der sich bei Liveauftritten von <a href=\"http:\/\/www.francoizbreut.be\/\" target=\"_blank\"><strong>Fran\u00e7oiz Breut<\/strong><\/a> als s\u00e4mtliche Instrumente der Welt beherrschendes Universalgenie herausstellte), Raymondo oder den Post-Rockern Some Tweetlove zu verdanken. matamore.recordings. hat sich zudem die Passion bewahrt, regelm\u00e4\u00dfig Konzerte in Br\u00fcssel und das j\u00e4hrliche <em>Rh\u00e2\u00e2\u00e2-Festival<\/em> zu organisieren. F\u00fcr <strong>Val\u00e9rie Leclerq<\/strong> ergibt dann das Eine das Andere. \u00dcber die Internetseite entstehen Kontakte zu <strong>Delphine D\u00f4ra<\/strong>, die sp\u00e4ter zur Zusammenarbeit f\u00fchren sollte, und <em>Vincent<\/em> alias Dana Hilliot, einem der Betreiber von <em>Another Record<\/em> . Nach dem Zusenden einiger Demos erscheint dort das Debut &#8216;<em>Palms &amp; Plums&#8217;<\/em>. Das dritte Album (<em>We are Now Seated<\/em>) In Profile  wird bei dem schon semi-professionellen Toulouser Label <em>Unique Records<\/em> ver\u00f6ffentlicht, das Verbindungen zu den anderen beiden unterh\u00e4lt. \u201cDiese drei Labels haben alle ihren eigenen Geist, den sie auch verfolgen, aber das Spezielle ist, das sie alle drei von Musikern betrieben werden. F\u00fcr einen Musiker ist es gut zu wissen, dass er zu einem anderen Musiker spricht, die Freiheit und die geeignete Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt . Auch sind die K\u00fcnstler und Betreiber der kleinen Labels sehr realistisch. Man wei\u00df, dass man nicht reich werden wird, aber es geht darum, sich auf unserem bescheidenem Niveau an der Musik, die man liebt, zu erfreuen, und das w\u00fcrde man gegen nichts in der Welt eintauschen.\u201d<br \/>\nZugesicherte k\u00fcnstlerische Freiheit hei\u00dft allerdings nicht, dass sich auch das Geschlechterverh\u00e4tlnis angeglichen h\u00e4tte. \u201c Matamore  und Unique haben jeweils eine K\u00fcnstlerin in ihrem Katalog, und das bin ich! Bei  Another-Record gab es zwei Gruppen mit einer S\u00e4ngerin und existiert noch das side-project musique en marge , bei dem es sich um die drei \u201cgenialen\u201d k\u00fcnstlerinnen li, Sandra und Delphine D\u00f4ra handelt. Auch ist das Publikum, das zu den Auftritten kommt, fast ausschlie\u00dflich ein m\u00e4nnliches.\u201d<br \/>\nAuf der B\u00fchne wechselt sie zwischen Gitarre, Bass, Klavier und setzt ein Looppedal zur Variation ein. \u201cDas ist noch alles sehr ruhig und amateurhaft, aber ich f\u00fchle mich zunehmend wohler. F\u00fcr die Zukunft k\u00f6nnte es sein, dass ich das Konzept erweitere, z.B. mit einer Gruppe spiele oder mehr improvisatorisch vorgehe.\u201d<br \/>\nPalms And Plums (Another Record, 2003) und Just Before We Learned To Swim (matamore, 2005) sind \u201cklassische\u201d Wohnzimmerproduktionen, aufgenommen mit Mini-Disc-Rekorder und ein bis zwei Mikrophonen, und doch l\u00e4\u00dft sich schon die Komplexitit\u00e4t der Kompositionen, Melodien und inszenierte Stimmungswechsel in der Musik Val\u00e9rie Leclerqs heraush\u00f6ren. Das im Studio aufgenommene dritte Album (We Are Now) Seated in Profile  (unique records, 2005) erf\u00e4hrt durch eine dezente Erweiterung des Instrumentariums (einige Tupfer Trompete, Glockenspiel und Perkussion )und die Beteiligung von Schwester Oriane (die auch auf dem Debut und anfangs bei Auftritten partizipierte), Thomas Boudineau und Produzent Gilles Deles bei einigen St\u00fccken, eine selbstbewusstere Umsetzung. Die Art von Musik, die ihr vorzuschweben scheint, ist schon auf dem ersten Album klar herauskristallisiert. W\u00e4hrend f\u00fcr den Moment keine neuen Ver\u00f6ffentlichungen von Half Asleep geplant  sind, sind einige Ergebnisse von Kollaborationen mit befreundeten Musikern\/musizierenden Freunden schon dokumentiert. Mit der anarchistischen, auf ihre Art einem weiblichen Jad Fair nicht un\u00e4hnlichen, Delphine D\u00f4ra  entstand 2005  die EP For Christmas. \u201cDelph arbeitet auf eine sehr spontane Art und Weise, sie hat ihre v\u00f6llig eigene musikalische Welt, verr\u00fcckt und ber\u00fchrend zur gleichen Zeit, in der praktisch alles erlaubt ist. Ich sch\u00e4tze es sehr mit ihr zusammenzuarbeiten, das ist wie Alkohol trinken, die Selbstkontrolle wird beeintr\u00e4chtigt und die Verkrampftheit reduziert.\u201d Auf dem aktuellen Album besagter Delphine Dora (Delphine Dora &#8211; &amp; Friends , Greed Records) partizipiert neben ihr selbst auch Jullian Angel . Auch auf dessen eigenem, schwer psychedelisch-folkigen Album Life Was The Answer  steuert sie zwei Gesangparts bei. Schlie\u00dflich besteht, seit man sich auf dem Rhaaa -Festival 2005 kennenlernte, auch Kontakt zu Matt Elliott; bei einigen Auftritten in diesem Jahr spielte sie in seiner Band.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.halfasleep.be\" target=\"_blank\">halfasleep.be<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blessed By Sleeplessness: Half Asleep \u201cLangsam begegnet eine Melancholie, die eine Melancholie durchquert, einer weiter entfernten Melancholie, die vergeht und sich in eine neue Melancholie verl\u00e4ngert \u201c Henri Michaux, Erste Eindr\u00fccke Mit schon drei bei verschiedenen Mikrolabels in Br\u00fcssel und Frankreich erschienenen Alben ist Val\u00e9rie Leclerq alias Half Asleep f\u00fcr eine weitere Facette der gleicherma\u00dfen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,30],"tags":[26,25,28,22,27,24,29,23],"class_list":["post-45","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blessed_by_sleeplessness_half_asleep","category-bruxelles-soundscapes","tag-another-record","tag-bark-psychosis","tag-delphine-dora","tag-half-asleep","tag-matamorerecordings","tag-matt-elliott","tag-unique-records","tag-valerie-leclerq"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45"}],"version-history":[{"count":34,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1623,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45\/revisions\/1623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}