{"id":3970,"date":"2021-04-23T12:36:31","date_gmt":"2021-04-23T11:36:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=3970"},"modified":"2021-04-23T12:36:31","modified_gmt":"2021-04-23T11:36:31","slug":"ripples-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-20\/","title":{"rendered":"Ripples"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Mocke &#8211; Parle Grand Canard<\/em><\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Pierre Barouh &#8211; Le Pollen<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p>Von den Zusammenarbeiten mit Eloise Decazes, Claire Vailler oder Delphine Dora kennt man den unter dem K\u00fcnstlernamen <strong>Mocke<\/strong> aktiven Pariser, aber in Br\u00fcssel wohnenden, <strong>Dominique D\u00e9part<\/strong> als kongenialen Arrangeur, Gitarristen und Komponisten, der die exzentrisch-zarten Vertreterinnen des alternativen frankophonen Chansons und Rocks perfekt in Szene setzt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/mocke-grand....jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3971\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/mocke-grand...-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/mocke-grand...-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/mocke-grand...-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/mocke-grand....jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die jazzig, leicht verdreht-psychedlisch und folk-rockigen Songs spiegeln aber nur eine Seite des Musikers Mocke wider. Auf seinen drei rein instrumentalen Solo-Alben kommen zahlreiche andere stilistische Affinit\u00e4ten zum Vorschein. <em>Parle Grand Canard<\/em> wird von der 16-min\u00fctigen Suite Quel est ton parcours?, die die ganze erste Seite der LP einnimmt, dominiert. Melodisch, leicht, und subtil scheinen seine Vorlieben f\u00fcr klassische Komponisten (Britten, Schostakovitch) durch. Streicher, Piano und Ch\u00f6re verdichten die harmonische, introspektive Komposition und veredeln sie mit einem Hauch Andersweltlichkeit. Stilistisch noch offener sind die sechs k\u00fcrzeren Songs auf der zweiten Seite. Ausfl\u00fcge in osteurop\u00e4ische Folklore, ein kurzer Klezmer-Intervall, melancholische Ch\u00f6re, ein Waldhorn setzt Akzente und fragile bis kurz ins Rockige ausbrechende Gitarrenminiaturen lassen \u00fcber eine kurze Aufmerksamkeitsf\u00e4higkeit des Komponisten spekulieren, w\u00e4re da nicht die erste Seite des Albums.<br \/>\nAls schwer einsortierbaren Tausendsassa der Br\u00fcsseler Undergroundzirkel, der sich sympathischerweise nie ganz zwischen Avantgarde und Pop\/Chanson entscheiden kann und daher bevorzugt jeden Song auf zahlreiche Abwege f\u00fchrt, ohne eine gewisse beswingte Coolness und Leichtigkeite au\u00dfer acht zu lassen, toppt <em>Parle Grand Canard<\/em> das schon ausgezeichnete Vorg\u00e4ngeralbum St-Homard sogar noch.<\/p>\n<p>Nur die turbulente und chaotische Zeit des letzten Jahrhunderts, die in der Stunde Null m\u00fcndete und danach in den 1950er- und 1960er Jahren ein beinahe irrationales Aufbruchdenken bewirkte, das auch den K\u00fcnstlern Platz zum Experimentieren und Visionen umsetzen einr\u00e4umte (Donaueschingen, Weltausstellung Br\u00fcssel, John Cage Shock Tokyo etc.), konnte einen Werdegang wie den von <strong>Pierre Barouh<\/strong> in die Wege leiten.<br \/>\nIn der Zeit der Naziokupation wurden er und seine Geschwister von seinen Eltern von der Periferie von Paris in die Provinz geschickt, wo ein Untertauchen eher m\u00f6glich war.<br \/>\nNach dem Krieg arbeitete Bourouh als Sportjournalist und war selbst aktiver Volleyballer, bevor er dann ins Schauspielfach \u00fcberwechselte und gleichzeitig die Musik entdeckte. In Portugal kam er in Kontakt mit brasilianischen Exilanten und begann sich f\u00fcr Bossa Nova zu begeistern. In einer erworbenen M\u00fchle in Vend\u00e9e richtete er ein Tonstudio ein und gr\u00fcndete das legend\u00e4r werdende Saravah &#8211; Label, das neben den ersten Platten von Brigitte Fontaine oder Jaques Higelin, vor allem auch experimentellen Jazz wie Platten von Steve Lacy und Bossa Nova-K\u00fcnstlern wie Nana Vasconcelos ver\u00f6ffentlichte.<br \/>\nSelbst komponierte <strong>Pierre Barouh<\/strong> auch. Nach seinem Erfolg mit dem Titellied f\u00fcr <em>Claude Lelouchs<\/em> gleichnamigen Film <em>Un Homme Et Une Femme<\/em> &#8211; ein Duett mit <em>Nicole Croisille<\/em> &#8211; sind neben Filmmusiken und der Beteiligung an Theaterst\u00fccken, vor allem die nach der Heirat mit der japanischen Malerin Atsuko Ushioda in Tokio entstandene Musik interessant.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/pierre-barouh-le-pollen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3972\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/pierre-barouh-le-pollen-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/pierre-barouh-le-pollen-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/pierre-barouh-le-pollen-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/pierre-barouh-le-pollen.jpg 599w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das nun vom Genfer Label <em>WRWTFWW Records<\/em>, das auch schon die grandiose Vanity Records Box zug\u00e4nglich machte, wiederver\u00f6ffentlichte Kultalbum von 1982 <em>Le Pollen<\/em> ist ein Meilenstein dieser Zeit und symbolisiert vielleicht unbewusst das Ende einer \u00c4ra des optimistischen Fortschrittsdenkens. Die Zeiten wurden wieder angespannter. Die Beteiligung der Arbeiterschaft am Wirtschaftswunder und Wohlstand wurde radikal gekappt und die neoliberalistischen Ideen begannen sich zu konkretisieren; der Kalte Krieg wurde zunehmend hei\u00dfer und bedrohlicher.<br \/>\nzelebriert allerdings nochmals auf zug\u00e4ngliche Art den Eklektismus und die Neugierde f\u00fcr andere Kulturen. In Tokio mit einer exquisiten Schar von Vertretern der Jazz- und Elektronikszene (Toshinori Kondo, Keeichi Suzuki, Ryuichi Sakamoto uvm.) und G\u00e4sten (David Sylvian, Harumi Ohzora, Nanako Satoh) eingespielt, wirken die Songs unnachahmbar cool und intelligent. Typisch japanisch ohne Scheuklappen, ungeniert Genres wie Chanson, Ambient, Minimalism, Jazz oder gar Reaggae wechselnd, liegt \u00fcber der loungig wirkenden Atomosph\u00e4re der Musik ein Versprechen von europ\u00e4ischer Melancholie.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.objetdisque.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.objetdisque.org<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wereleasewhateverthefuckwewantrecords.bandcamp.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.wereleasewhateverthefuckwewantrecords.bandcamp.com<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mocke &#8211; Parle Grand Canard Pierre Barouh &#8211; Le Pollen Von den Zusammenarbeiten mit Eloise Decazes, Claire Vailler oder Delphine Dora kennt man den unter dem K\u00fcnstlernamen Mocke aktiven Pariser, aber in Br\u00fcssel wohnenden, Dominique D\u00e9part als kongenialen Arrangeur, Gitarristen und Komponisten, der die exzentrisch-zarten Vertreterinnen des alternativen frankophonen Chansons und Rocks perfekt in Szene [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,120,633],"tags":[1206,764,1323,598,1285,1321,1319,1315,1317,1316,1318,597,1324,1322,1320],"class_list":["post-3970","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-reviews","category-ripples","tag-bruxelles","tag-claude-lelouch","tag-donaueschingen","tag-japan","tag-john-cage","tag-kalter-krieg","tag-le-pollen","tag-mocke","tag-objet-disque","tag-parle-grand-canard","tag-pierre-barouh","tag-tokio","tag-un-homme-et-une-femme","tag-weltausstellung","tag-wrwtfww-records"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3970"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3970\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3973,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3970\/revisions\/3973"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}