{"id":3543,"date":"2019-06-19T15:26:43","date_gmt":"2019-06-19T14:26:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=3543"},"modified":"2020-01-27T16:25:18","modified_gmt":"2020-01-27T15:25:18","slug":"ripples-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-7\/","title":{"rendered":"Ripples"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Nippon Connection 2019<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\"><em>Snapshots<\/em><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3545 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_0320-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rudelkaraoke, Kockkurse, Live-Konzerte, der Kimono &#8211; Workshop, eine Nudelbar oder aber auch eine Einf\u00fchrung in die Untertitelung von japanischen Filmen, egal, alle Tickets waren bei der 19. Ausgabe der <strong>Nippon Connection<\/strong> mehr oder weniger in k\u00fcrzester Zeit vergriffen. Und nicht viel anders sah es &#8211; beruhigenderweise &#8211; beim eigentlichen Business des sich \u00fcber sechs Tage erstreckenden Festivals aus: um die hundert neue Produktionen wurden im Mousonturm, der Naxoshalle, dem Mal Sehn&#8217; Kino und ein Retroprogramm mit Filmen mit der Schauspielerin Ayako Wakao im Deutschen Filmmuseum gezeigt. Japanische Filme sind in den westeurop\u00e4ischen Gro\u00dfst\u00e4dten inzwischen hip, finden demnach auch vermehrt den Weg in die Programmkinos und das ist ohne Zweifel das Verdienst der immer noch weitgehend ehrenamtlich t\u00e4tigen Crew von Nippon Connection.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3546 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_0325-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>Als \u00fcbergeordnetes Thema hat man sich dieses Jahr auf Au\u00dfenseiter geeinigt. Und das kommt nicht von ungef\u00e4hr, ist es doch um den kollektivistischen Gedanken des japanischen Volkes auch schon besser gestanden. Zunehmend werden Einfl\u00fcsse und Probleme aus dem Ausland absorbiert &#8211; \u00dcberalterung, Vereinsamung, die Sehnsucht aus dem Hamsterrad auszubrechen, die Zunahme der psychischen Krankheiten &#8211; sind Themen, die auch in den Filmen zum tragen kommen.<br \/>\nDie ungemein erfolgreichen Gro\u00dfproduktionen der Marke Herz-Schmerz-Geschichten sind weiter unter der Rubrik <strong>Nippon Cinema<\/strong> zusammengefasst, die experimentelleren Varianten kann man in der Naxoshalle unter dem Banner <strong>Nippon Visions <\/strong>sehen. Tradition beim Festival haben nat\u00fcrlich auch die <strong>Anime-<\/strong>Filme und als neue Rubrik hat man dieses Jahr <strong>Nippon Docs<\/strong> &#8211; Dokumentarfilme &#8211; eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Den Nippon Cinema Award gewann <strong>Hideki Takeuchis<\/strong> Fly Me To The Saltama, eine mit einer ordentlichen Portion Kitsch garnierte, \u00fcberdrehte Kom\u00f6die, gekonnt inszeniert und genau nach dem Erfolgsrezept konstruiert, um einen gro\u00dfen Publikumshit zu landen und die Zuschauer so zu r\u00fchren, dass die Taschent\u00fccher bem\u00fcht werden. Andere, \u00e4hnlich gestrickte, Mainstreamproduktionen wie Asako I &amp; II von <strong>Ryusuke Hamaguchi<\/strong>, Marriage Hunting Beauty von <strong>Akiko Oku<\/strong> oder Room Laundering von <strong>Kenji Katagiri<\/strong> w\u00e4ren auch w\u00fcrdige Preistr\u00e4ger in dieser Hinsicht gewesen. Den Nippon Visions Audience Award sicherte sich <strong>Seiji Tanaka<\/strong> mit seiner zwischen Gangster- und Slackermovie angelegten Geschichte um die bizarre Verbindung von zwei Arbeitskollegen in einem Badehaus: der eine Auftragskiller, der andere gerade von der Uni abgegangen und aufgrund keines besseren Jobangebots hier gelandet.<br \/>\nDie Jury entschied sich f\u00fcr Sea von <strong>Kensei Takahashi<\/strong> als Preistr\u00e4ger und f\u00fcr einen wesentlichen ernsteren Film \u00fcber einen jungendlichen Au\u00dfenseiter, der eine Vergewaltigung einer Klassenkameradin in der Schule beobachtet und Jahre danach erneut mit der Situation konfrontiert wird.<br \/>\nDen Doc Award gewann <strong>Ian Thomas Ash<\/strong> f\u00fcr Sending Off, einem Film \u00fcber ein Hospiz auf R\u00e4dern.<br \/>\n<strong>Hirobumi Watanabes<\/strong> Life Finds A Way kn\u00fcpft an sein Deb\u00fct And The Mud Ship Sails Away an. Lakonisch, schwarz-humorig wird der vermeintlich unaufgeregte Alltag des Protagonisten beschrieben, der scheinbar keine gr\u00f6\u00dferen Ambitionen hat, au\u00dfer Weggef\u00e4hrten den einen oder anderen Seitenhieb auszuteilen und unter einem saftigen Kreativstau leidet. Diesesmal ist der Au\u00dfenseiterheld Watanabe selbst: Die Tage vertr\u00f6delnd, seine Umwelt mit Monologen nervend und anstatt an seinem neuen Film zu arbeiten, vor dem Fernseher und der Fu\u00dfball- WM versackend, bleibt er mit diesem selbst-ironischen Film seiner Linie treu. Zweifellos in der Tradition von US-amerikanischen Regisseueren wie Jarmush oder Korine stehend, ist er hier um einiges bissiger &#8211; und vor allem komischer &#8211; als seine in die Jahre gekommenen Vorbilder.<br \/>\nVom <strong>Skip City &#8211; Festival<\/strong>, das in Saitama seit 2004 stattfindet und sein Programm jungen Talenten widmet konnte man zwei starke (Kurzfilm-) Beitr\u00e4ge sehen, die Frauenfiguren in den Mittelpunkt stellten. Who Knows About My Life von <strong>Teppei Isobe<\/strong> und She Is Alone von <strong>Akiko Ashizawa<\/strong>, das ein beunruhigendes Bild vom Schulwesen in Japan heraufbeschw\u00f6rte, wo Suizidversuche, Selbstverletzungen, Erpressung und Manipulation an der Tagesordnung sind.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3547 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_0328-e1560953932840-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>And Your Bird Can Sing von <strong>Sho Miyake<\/strong>, eine im sommerlichen Hokaido angesiedelte Dreiecksgeschichte, \u00fcberzeugte durch die starken Schauspielerleistungen: die federleichte, trotzdem mit einer Prise Melancholie unterlegte Geschichte nach einem Roman von Yasushi Sato handelt von drei Mittzwanzigern, die versuchen, den Leistungsdruck und die Erwartungshaltung der Gesellschaft noch etwas aufzuschieben. Anstatt Karriere zu machen, ziehen sie lieber durch die Clubs, verlieben sich und halten sich mit Gelegenheitsjobs \u00fcber Wasser.<br \/>\nBlue Hour von <strong>Ryuto Kondo<\/strong> ist ein weiterer sympathischer Film \u00fcber zwei Freundinnen, die im Japan von 2019 versuchen mit langweiligen Jobs, Beziehungskrisen und das &#8211; gl\u00fccklose &#8211; Verdr\u00e4ngen der Vergangenheit und Herkunft zurande zu kommen. In einer spontanen Reise aus dem Moloch in die Provinz zu ihrer Familie wird Sunada von ihrer Freundin begleitet und in ihr Leben, von dem sie vielleicht einst gefl\u00fcchtet war, zur\u00fcckkatapultiert. Eine h\u00fcbsche Momentaufnahme und eine Geschichte, die auch sonstwo in der Welt h\u00e4tte angesiedelt sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Kazuya Shiraishi<\/strong> widmet Koji Wakamatsu, einem, neben Masao Adachi und Haruhiko Arai, der wichtigsten Au\u00dfsenseiter und Undergroundfilmer, die sich zwischen Trash und politischer Agitation bewegten, der Sechziger in Tokio, seinen neuen Film Dare To Stop Us. Erz\u00e4hlt wird das alles alerdings aus der Sicht vom Megumi, eine der wenigen Frauen im Business, die sich die Anerkennung im M\u00e4nnerbund hart erarbeiten musste (und sich aufgrund einer Schwangerschaft suizidierte).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3544 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_0319-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p><strong>Kosai Sekine<\/strong>, geboren 1976, ist ein vielseitiger Regisseur. Neben Werbefilmen und Musikvideos widmet er sich dem Dokumentarfilm und neuerdings dem Spielfilm. Tower of The Sun, das anl\u00e4sslich der Weltausstellung von 1970 in Osaka erstellte Kunstwerk von Taro Okamoto dient dem ehemaligen Philosophiestudenten Sekine als Ausgangspunkt zu einem filmischen Essay \u00fcber die Geschichte und Kultur Japans. Durch Interviews mit K\u00fcnstlern und Geisteswissenschaftler n\u00e4hert er sich dem Schaffen Okamotos an.<br \/>\nIn seinem beklemmenden Langfilmdebut Love At Least thematisiert er die in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung verdr\u00e4ngte und drastisch zunehmende Anzahl von Menschen, die psychisch erkranken. Am ehesten werden Depressionen, Psychosen und eine Unkompatibilit\u00e4t mit der st\u00e4ndig zunehmenden Leistungsdruck mit Metaphern des \u00dcbersinnlichen und Spukhaften erkl\u00e4rt. Der instabilen, hypersenssiblen Yasuku &#8211; und auch, wie sich herausstellt, ihrem scheinbar funktionierenden Freund\/Weggef\u00e4hrte Tsunaki &#8211; gelingt es nicht die an sie gerichteten und ihren eigenen Erwartungen gerecht zu werden. Die Versuche k\u00f6nnen nur in einer Eskalaltion und dem Abbruch der Beziehung zur Au\u00dfenwelt enden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nippon Connection 2019 Snapshots &nbsp; Rudelkaraoke, Kockkurse, Live-Konzerte, der Kimono &#8211; Workshop, eine Nudelbar oder aber auch eine Einf\u00fchrung in die Untertitelung von japanischen Filmen, egal, alle Tickets waren bei der 19. Ausgabe der Nippon Connection mehr oder weniger in k\u00fcrzester Zeit vergriffen. 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