{"id":3392,"date":"2018-11-17T10:51:18","date_gmt":"2018-11-17T09:51:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=3392"},"modified":"2018-11-17T11:28:24","modified_gmt":"2018-11-17T10:28:24","slug":"ripples-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-4\/","title":{"rendered":"Ripples"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>C\u00e2ndido Lima &#8211; Oceanos<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\"><em>Telectu &#8211; Belzebu<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\"><em>Dwart &#8211; Taipei Disco<\/em><\/span><\/p>\n<p>Unter den in Portugal, inzwischen auch im Bereich der experimentellen Musik, zahlreich gewordenen Festivals, hat sich das <strong>Outfest<\/strong> in Barreiro einen besonderen Stellenwert erworben. Seit 2004 veranstaltet das kleine Team in der ehemaligen Industriestadt, die sich nach langem wirtschaftlichen Niedergang gerade wieder neu erfindet, auf der s\u00fcdlichen Seite des Tejo au\u00dfergew\u00f6hnliche Konzerte im Oktober.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_0063-e1542447579639.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3397\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_0063-e1542447579639-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die zum gr\u00f6\u00dften Teil noch nicht luxussanierte Industriearchitektur ist ein Gl\u00fcck f\u00fcr die nach besonderen Spielst\u00e4tten suchenden Organisatoren und die H\u00f6rerschaft. Hipster und Poser sucht man unter den in der Stadt sich st\u00e4ndig von einem Ort zum anderen bewegenden Publikum beinahe vergeblich, die bleiben in den aus dem boden sprie\u00dfenden Barbershops und schwedischen Kaffeeketten in Lissabon unter ihresgleichen. So richtet sich das <strong>Outfest<\/strong> an Neugierige, die sich entweder gleich in Barreiro einquatiert haben oder den Weg mit der F\u00e4hre von Lissabon als romantische Zugabe, mit dem Risiko die letzte Fahrt zu verpassen, sehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/outfest-2018.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3395\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/outfest-2018-150x136.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"136\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieses Jahr konnte man sich hinsichtlich der einheimischen Au\u00dfenseiter auf den neusten Stand bringen: Der Perkussionist und Klangartist <strong>Jo\u00e3o Pais Filipe<\/strong> zum Beispiel oder die \u201cSupergroup\u201d <strong>Toda Mat\u00e9ria<\/strong> &#8211; <strong>Joana da Concei\u00e7\u00e3o<\/strong> von T<strong>ropa Macaco<\/strong>, <strong>Maria Reis<\/strong> von <strong>Pego Monstro<\/strong>, S<strong>ara Gra\u00e7a<\/strong> und <strong>Sara Zita<\/strong> &#8211; <strong>N\u00eddia<\/strong>, schr\u00e4ger Cutting &#8211; Edge Dancefloor , die auf den Spuren von Delia Derbyshire wandelnde <strong>Clothilde<\/strong>, <strong>Rafael Toral<\/strong>, die uneinsortierbaren <strong>HHY &amp; The Macumbas<\/strong> gaben sich neben internationalen K\u00fcnstlern wie <strong>Burnt Friedman<\/strong>, <strong>Lea Bertucci<\/strong> oder <strong>Jimi Tenor<\/strong> dieses Jahr die Ehre. Und, nicht zuletzt, die Legenden <strong>Telectu<\/strong> und <strong>C\u00e2ndido Lima.<\/strong><br \/>\nOhne auf die gerade im elit\u00e4ren Zirkel der Neuen Musik wichtigen Kontakte und Verbindungen z\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, arbeitete der agile, inzwischen achzigj\u00e4hrige und h\u00f6chstens wie sechzig aussehende, <strong>C\u00e2ndido Lima<\/strong> als eine Art Bildungsbeauftragter f\u00fcr das Radio und Fernsehen und als Lehrer f\u00fcr Musik an diversen Universit\u00e4ten. In Braga und Porto studierte er neben Piano und Komposition auch Philosophie und Humanwissenschaften. Dass er sp\u00e4ter auch Kurse bei <strong>Xenakis<\/strong> und <strong>Gilbert Amy<\/strong> belegte, wird nicht an die gro\u00dfe Glocke geh\u00e4ngt und dass er als Vertreter der Neuen Musik in Portugal in den 1970ern praktisch ein Solit\u00e4r war und bis heute geblieben ist, ist f\u00fcr ihn nur ein Nebendetail.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/candido-lima.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3393\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/candido-lima-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Umso sch\u00f6ner, dass sein zentrales Werk <em>Oceanos<\/em> (Grama) vor kurzem eine Wiederver\u00f6ffentlichung erfahren hat und im Auditorium der Bibliteca Municipal nun auf Zuh\u00f6rer mit offenen Ohren stie\u00df. Das sp\u00e4t-modernistische elektroakustische Werk von 1979 kann auch heute noch begeistern und ist, wenn nicht von einem g\u00e4nzlich zeitlosen Charakter, so doch ein Zeitdokument aus einer \u00c4ra, als man trotz Fragen und Problemen \u00e4hnlicher Gr\u00f6\u00dfenordnung wie heute, den Blick noch nach vorne richtete.<br \/>\nAls sich einige Jahre nach dem 25. April 1974, mit etwas Verz\u00f6gerung gegen\u00fcber dem westlichen Europa, nach und nach eine Rockmusikszene in Portugal entwickelte, partizipierten <strong>Jorge Lima Barreto<\/strong> und <strong>V\u00edtor Rua<\/strong> f\u00fcr kurze Zeit in der aufstrebenden Band <em>GNR<\/em>, nur um dann einen deutlich radikaleren Weg einzuschlagen (mit <strong>Alexandre Soares<\/strong> begab sich noch ein weiteres Mitglied von <em>GNR<\/em> auf Abwege und gr\u00fcndete mit <strong>Ana Deus<\/strong> <em>3 Tristes Tigres<\/em>).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/telectu.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3396\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/telectu-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/telectu-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/telectu-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/telectu.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das erste gemeinsame Album von <strong>Barreto<\/strong> und <strong>Rua<\/strong> als <em>Telectu<\/em> &#8211; das Debut war eine Soloplatte von <strong>Rua<\/strong> &#8211; gilt als Pionierwerk der elektronischen, vom Minimalisums beeinflussten Musik in Portugal und war lange Zeit vergriffen; die CD-Wiederver\u00f6ffentlichung auf <em>Ananna<\/em> 1991 ist auch nicht mehr erh\u00e4ltlich. Sp\u00e4ter tendierte die Band, die von 1982 bis 2002 existierte, in eine jazzigere, NY-Downtown &#8211; Richtung, aber <em>Belzebu<\/em> klingt auch heute noch wie wenig anderes. Zu Beginn der 1980er Jahre lie\u00dfen sich auch die gro\u00dfen portugiesischen St\u00e4dte nach Jahren der Quasi-Isolation w\u00e4hrend der Diktatur mit einem Schlag von den Subkulturen und Szenen, vor allem den britischen, inspierieren und in Lissabons Bairro Alto entstand ein reges Nachtleben. Der Kleiderladen <em>Clich\u00e9<\/em> hatte pl\u00f6tzlich auch die Ambition Platten zu ver\u00f6ffentlichen und trat mit <strong>Lima Barreto<\/strong> und <strong>Rua<\/strong> in Kontakt (die anderen Ver\u00f6ffentlichungen der kurzen \u00c4ra als Label waren Lizenzen von <em>Ana da Silva (Raincoats)<\/em>, <em>Young Marble Giants<\/em>, <em>David Thomas,<\/em> <em>Pigbag<\/em> und <em>Material<\/em>.<\/p>\n<p>Die jetzige Neuauflage des Albums, die mit einer Bonus-CD der urspr\u00fcnglich angedachten Version von <strong>Belzebu<\/strong>, die nur aus einem durchgehenden, flirrenden, oszillierenden Ton bestand, ist auf dem neuen Label des Plattenladens Flur <em>Holuzam<\/em> (nachdem man mit dem Dancefloor-orientierten Pr\u00edncipe Discos und Cutting-Edge &#8211; K\u00fcnstlern wie <em>N\u00eddia<\/em> sich schon einen Namen machte) erschienen. Auf der in Sessions entstandenen zweiten, der Vinyl- Version von Belzebu h\u00f6rt man den Ton immer noch im Hintergrund, die Musik st\u00f6\u00dft aber in andere Bereiche vor: treibende Synthesizer- und Gitarrenkaskaden, filigrane, melancholisch aufgeladene Einsch\u00fcbe und Einfl\u00fcsse aus der nicht-westlichen Musik, wie man sie sp\u00e4ter, in Verbindung mit abstrakter elektronischer Musik, auch bei anderen portugiesischen K\u00fcnstlern wie <em>Nuno Canavarro<\/em> und <em>V\u00edtor Joaquim<\/em> h\u00f6ren konnte. Beim Outfest pr\u00e4sentierte <strong>V\u00edtor Rua<\/strong> das Album zusammen mit <strong>Ant\u00f3nio Duarte<\/strong>, der den Part des verstorbenen <strong>Jorge Lima Barreto<\/strong> \u00fcbernahm. Weitere Auftritte sind geplant.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/dwart.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3394\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/dwart-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/dwart-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/dwart.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der selbige <strong>Ant\u00f3nio Duarte<\/strong> nahm Ende der1980er Jahre, als er als Expat in Hongkong und Macau lebte und an den freien Wochenenden auch in das inspirierende Chaos der n\u00e4chsten chinesischen Gro\u00dfstadt Guangzhou eintauchte, st\u00e4ndig Material mit seinem portablen DAT-Ger\u00e4t auf. <strong>Taipei Disco<\/strong> ist eine Hommage an ein zum Nachtclub umgeformtes Kino, das kantonesischen und westlichen Pop spielte. Die beiden Versionen &#8211; Studio und live &#8211; von <em>Taipei Disco <\/em>mit ihren von einer Rhythmusbox und Synthieschlaufen gepr\u00e4gten Sound, klingen wie Vertreter der experimentellen deutschen Welle; unterk\u00fchlter, motorischer Wave. Das dritte St\u00fcck &#8211; <em>Red Mambo<\/em> &#8211; wurde mit excellenten Musikern der caboverdianischen Band eingespielt und hat dementsprechend einen jazzigen, afrikanischen Touch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flur.pt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">flur<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>C\u00e2ndido Lima &#8211; Oceanos Telectu &#8211; Belzebu Dwart &#8211; Taipei Disco Unter den in Portugal, inzwischen auch im Bereich der experimentellen Musik, zahlreich gewordenen Festivals, hat sich das Outfest in Barreiro einen besonderen Stellenwert erworben. 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