{"id":3387,"date":"2018-11-04T12:02:44","date_gmt":"2018-11-04T11:02:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=3387"},"modified":"2018-11-04T12:05:04","modified_gmt":"2018-11-04T11:05:04","slug":"ripples-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-3\/","title":{"rendered":"Ripples"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\">Keyed Out:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\">Simon Fisher Turner &amp; Klara Lewis &#8211; Care<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\">Tim Hecker &#8211; Konoyo<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/CARE.KlaraLewisSimonFisherTurner.Cover-350x350.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3384\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/CARE.KlaraLewisSimonFisherTurner.Cover-350x350-150x150.jpeg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/CARE.KlaraLewisSimonFisherTurner.Cover-350x350-150x150.jpeg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/CARE.KlaraLewisSimonFisherTurner.Cover-350x350-300x300.jpeg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/CARE.KlaraLewisSimonFisherTurner.Cover-350x350.jpeg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der musikalische Werdegang <strong>Simon Fisher Turners<\/strong> ist hinl\u00e4nglich bekannt &#8211; Popstar\/Glamrock-Ambitionen in der Adoleszenz, Filmkomponist unter anderem f\u00fcr Derek Jarman, das Ambient-Song &#8211; Projekt Deux Filles mit Colin Lloyd Tucker und zahlreiche Soloplatten, die stilistisch von subtiler Montagemusik zu new wavigen \u00e4therischen Neo-Klassik reichen. Aller Musik <strong>Fisher Turners<\/strong> ist eine leichte wie gleichzeitig tiefgr\u00fcndige Note eigen, ob das Konzept im experimentellen oder songorientierten Gebiet angesiedelt ist, spielt da nicht wirklich eine Rolle.<\/p>\n<p>Der Entdeckergeist steckte schon immer in ihm: Mit f\u00fcnfzehn alleine aus der Provinz nach London aufgebrochen, fand er eine Stadt im kulturellen Umbruch vor. Alles passierte zur gleichen Zeit statt und als neugieriger Mensch versuchte sich <strong>Simon Fisher Turner<\/strong> sowohl als Schauspieler, Radioproduzent, Musiker und vieles mehr. Letztlich, so <strong>Fisher Turner<\/strong>, rettete ihn die Musik vor all den Gefahren und Abgr\u00fcnden, die solch ein unsteter Lebenstil mit sich bringt. Hinsichtlich des Komponieres ist er ein \u201cManicac\u201d geblieben, \u00e4u\u00dfert in einem Interview f\u00fcr die franz\u00f6sische Zeitschrift Mouvement. \u201cIch achte st\u00e4ndig auf meine Umgebung mit gro\u00dfen Ohren. Alles in meinem Leben, au\u00dfer meine Kinder, ist zuf\u00e4llig. Die Aufnahmen aus der Umwelt schlummern oft f\u00fcr Monate in meinem Archiv, bevor ich sie dann eventuell als Basismaterial f\u00fcr St\u00fccke verwende.\u201d Die Ambition, Schauspieler zu werden, hat er aufgegeben, aber als Komponist interessiert ihn weiterhin stark der visuelle Aspekt. Ohne die Freiheit, die er f\u00fcr das Komponieren f\u00fcr die Filme von Jarman oder Tilda Swinton hatte, verachtet er allerdings den Job als Filmkomponist im Mainstreamkino und kreiert stattdessen lieber die Soundtracks f\u00fcr klassische Filme f\u00fcr das British Film Institute.<br \/>\n<strong>Klara Lewis, <\/strong>die Tochter von Graham Lewis, dem Wire &#8211; Gr\u00fcndungsmitglied, ist und durch zwei aus dem Elektronik &#8211; Drone-Sumpf herausstechende Platten, die trocken-subtile elektronische Kompositionen f\u00fcr imagin\u00e4re Tanzensembles suggerieren, postitiv in Erscheinung getreten.<br \/>\nMit\u00a0 <strong>Fisher Turner<\/strong> und <strong>Lewis<\/strong> haben sich also zwei seelenverwandte Klangk\u00fcnstler aus verschiedenen Generationen gefunden, die mit <em>Care<\/em> ein erstes gemeinsames Ausrufezeichen setzen: Bei den vier dramaturgisch sehr unterschiedlichen St\u00fccken der Platte treffen die harschen Br\u00fcche und aufgerauten Klangfl\u00e4chen von <strong>Lewis<\/strong> auf die surreal-melancholischen Miniaturen <strong>Fisher Turners<\/strong>, die als Intermezzo oder parallel eingeflochten sind: Eine Klavier-oder Gitarrenmelodie, Au\u00dfenaufnahmen, Gespr\u00e4chsfetzen\u2026Die Quellen, die Klangskulpteure also gerne verwenden, deren Komposition und Arrangement aber die grosse Kunst darstellt. Immer unterwegs, zwischen Bombay und Kyoto, zwischen London und Sao Paulo, reagiert <strong>Fisher Turner<\/strong> auf seine Umgebung, filtert und nimmt auf, Material, das er dann zu geisterhaften Melodien, verhuschten Miniaturen und pulsierenden Drones montiert. <strong>Klara Lewis<\/strong> arbeitet auch visuell und ihre doppelb\u00f6digen St\u00fccke, die zwischen schroff, melodi\u00f6s und kaum wahrnehmbar, subaquatisch und im verloren im Kosmos, pendeln, sind eine facettenreiche und willkommene Alternative zum, einerseits immer noch omnipr\u00e4senten Gehabe der m\u00e4nnlichen Hipster-Laptopartisten und, andererseits, hinsichtlich der musikalischen Qualit\u00e4t. Zwischen Klanglabor und Natur, organisch und elektronisch und oftmals ineinander verschmolzen entsteht so wunderbar-dynamische Musik, die dazuhin die irgendwo mitschwingende viuselle Komponente in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/tim-hecker.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3386\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/tim-hecker-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/tim-hecker-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/tim-hecker-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/tim-hecker.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die neueste Produktion des kanadischen Musikers <strong>Tim Hecker,<\/strong> der immer schon die Ambition hatte, die Grenzen, sowohl der popul\u00e4ren wie avantgardistischen elektronischen Musik auszutesten und zu \u00fcberschreiten, gab im f\u00fcr zeitgen\u00f6ssisch Herausforderndes bekannten Kulturtempel Culturgest im Herzen der Avenidas Novas in der portugiesischen Hauptstadt den Startschuss f\u00fcr die neue Spielsaison. F\u00fcr Konoyo tat er sich au\u00dfer mit der Weggef\u00e4hrtin <strong>Kara-Lis Coverdale<\/strong> mit Musikern von Tokyo Gakuso, die gerade ihr vierzigj\u00e4hriges Bestehen feiern konnten und Spezialisten f\u00fcr die traditionelle japanische Hofmusik Gagaku sind, zusammen.<br \/>\nGagaku, die aus China vor 1200 Jahren adaptierte und der japanischen angepasste Musikform, wird bis heute am kaiserlichen Hof und in shintoistischen Kultst\u00e4tten gespielt und kann sowohl Liedkunst, Instrumenalmusik wie Tanzmusik sein. Gagaku wird sehr langsam gespielt. Die Melodie wird haupt\u00ads\u00e4ch\u00adlich von der Stimme und den Blasinstrumenten getragen. Der Rhyth\u00admus wird nach bestimmten Mustern gespielt. Diese sind vor\u00adge\u00adgeben und k\u00f6nnen nicht ge\u00e4ndert werden. Die Saiten\u00adin\u00ads\u00adt\u00adru\u00admen\u00adte fungieren als Bindeglied zwischen Rhythmus und Schlag\u00adinstrumenten. Die Magie des Gagaku liegt in der Einzigartigkeit der Spielweise, die die Melodie \u00fcber die Kl\u00e4nge des sh\u014d tr\u00e4gt. Die Musik der Shinto ist meistens gesungen und nur durch wenige Instrumente unterst\u00fctzt. Sie bilden die einfachsten Kompositionen. Die auftretende Asymmetrie der Melodien ist in dieser Form ab\u00adso\u00adlut gewollt. Es scheint, als das die Musik ziellos und langsam und ornamenthaft um sich kreisen w\u00fcrde. Letztlich war sie darauf angelegt, den Alltag am Kaiserhof die komplexe Sch\u00f6nheit der Natur widerzuspiegeln.<br \/>\nDie, wenn auch komplexe Einfachheit, die die Musikform des Gagaku, auch der rein instrumentalen Variante voraussetzt, lie\u00df <strong>Hecker<\/strong> bei seinen Recherchen und Zusammentreffen mit dem Ensemble auch seine gewohnte Arbeitsweise \u00fcberdenken: Anstatt seine Musik zu verdichten und Layer \u00fcber Layer auf seinen Computer zu schichten, h\u00f6ren wir live und auf dem Album (Kranky) manchmal nur eine einsame Synthesizermelodie, die wie in Zeitlupe vor sich hin zu d\u00fcmpeln scheint, aber dann beim subtilen Einsatz des meisterlichen Konoyo Ensembles zu einem St\u00fcck von in sich ruhender, fragiler Sch\u00f6nheit wird. Und doch ist hier selbstverst\u00e4ndlich nichts simpel. Die d\u00fcstere Musik scheint tonnenschwer wie ein Monolith im Raum zu stehen und, wenn man diese Metapher weiterdenken m\u00f6chte, verschiebt sich nur milimeterweise: ein Sog, den man sich nicht entziehen kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/tim-hecker-vera-marmelo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3385\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/tim-hecker-vera-marmelo-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>(Foto: copyright Vera Marmela\/Comunidade Cultura e Arte)<\/p>\n<p><strong>Kara-Lis Coverdale<\/strong> zeichnete sich f\u00fcr die Ouvert\u00fcre verantwortlich, ihr kosmischen Ambientsynthesizerschlaufen wirkten etwas langatmig, aber ergaben im Kontext zum Hauptprogramm durchaus Sinn. Auf der B\u00fchne standen dann f\u00fcr das Hauptprogramm neben ihr (Synthesizer, Computer) <strong>Tim Hecker<\/strong> (Elektronik, Computer), <strong>Motonori Miura<\/strong> (Hichiriki), <strong>Manami Sato<\/strong> (Ryuteki) und <strong>Fumiya Otonashi<\/strong> (Sh\u00f5). Das Thema &#8211; ein tr\u00fcber Novermbermorgen &#8211; wurde vom B\u00fchnenbildner entsprechend d\u00fcster umgesetzt: Hinter sehr vielen Rauchschwaden und in rotes Licht getaucht, waren vom Ensemble praktisch nur die Konturen zu erahnen.<br \/>\nBis zum Schluss des Konzerts hat man die Musiker zwar immer noch nicht wirklich zu Angesicht bekommen, f\u00fchlt sich aber in den Innenhof einer japanischen Kultst\u00e4tte und dessen streng-perfektionistisch angelegten Garten hineinversetzt: Man fr\u00f6stelt leicht und hat seine Sinne gesch\u00e4rft. Das Zusammenwirken von der traditionellen Musik von Konoyo, die, um es zu erw\u00e4hnen, sich auch f\u00fcr eine Erneuerung des Gagaku verantwortlich zeichnen und elektronische Spielformen funktioniert sehr gut, auch weil die Grenzen und Unterschiede praktisch nicht mehr auszumachen und zu etwas Neuem geworden sind; ein Verdienst der hervorragenden Musiker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keyed Out: Simon Fisher Turner &amp; Klara Lewis &#8211; Care Tim Hecker &#8211; Konoyo Der musikalische Werdegang Simon Fisher Turners ist hinl\u00e4nglich bekannt &#8211; Popstar\/Glamrock-Ambitionen in der Adoleszenz, Filmkomponist unter anderem f\u00fcr Derek Jarman, das Ambient-Song &#8211; Projekt Deux Filles mit Colin Lloyd Tucker und zahlreiche Soloplatten, die stilistisch von subtiler Montagemusik zu new wavigen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,120,633],"tags":[1117,1116,538,1109,1113,1110,1105,1114,1115,1118,1111,1108,1107,1106,1112],"class_list":["post-3387","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-reviews","category-ripples","tag-care","tag-culturgest","tag-edition-mego","tag-fumiya-otonashi","tag-gagaku","tag-kara","tag-klara-lewis","tag-konoyo","tag-konoyo-ensemble","tag-kranky-records","tag-lis-coverdale","tag-manami-sato","tag-motonori-miura","tag-simon-fisher-turner","tag-tim-hecker"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3387"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3389,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3387\/revisions\/3389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}