{"id":3376,"date":"2018-10-24T17:36:33","date_gmt":"2018-10-24T16:36:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=3376"},"modified":"2018-11-04T12:17:26","modified_gmt":"2018-11-04T11:17:26","slug":"ripples-october-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-october-2018\/","title":{"rendered":"Ripples October 2018"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Memories Live Longer Than Dreams: \u00c8LG, K\u00f6hn, Red Brut<\/em><\/span><\/p>\n<p>Die Holl\u00e4nderin <strong>Marjin Verbiesen<\/strong>, der Belgier <strong>J\u00fcrgen de Blonde<\/strong> und der Franzose <strong>Laurent G\u00e9rard<\/strong> konstruieren ihre Musik wie Tageb\u00fccher, die freilich schon halb zerschreddert sind: im Sinne des Post-Post-Modernismus sind die St\u00fccke oft nur von verblasster Natur, teilweise konkret, dann wieder so heftig collagiert und mit anderen Elementen \u00fcberlagert, dass die Wahrnehmung nur eine fragile und br\u00fcchige Ann\u00e4herung an die ohnehin zweifelhafte Realit\u00e4t sein kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3377\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elg-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elg-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elg.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Laurent G\u00e9rard<\/strong>, der als Musiker und K\u00fcnstler unter dem Namen \u00c8LG sein Unwesen treibt, ist in Metz aufgewachsen, studierte in Lausanne und fand dann seinen Weg \u00fcber Paris nach Br\u00fcssel; eine fragmentierte Stadt, die seinem Naturell offenbar perfekt entspricht. &#8220;Ich mag disparate Dinge, \u00fcberschreite Grenzen, ein bi\u00dfchen wie eine Form von Schizophrenie.&#8221; So diagnostisch wie pr\u00e4zise beschreibt es die Musik seiner neuen Platte <em>Vu du D\u00f4me<\/em>. \u00c8LG kann sich da noch weniger als bisher entscheiden, ob er sich in einem Studio f\u00fcr Elektroakustik vergraben oder doch lieber den verf\u00fchrerischen Chansons\u00e4nger geben soll. Beides findet bei <strong>G\u00e9rard<\/strong> parallel statt und l\u00e4sst eine nerv\u00f6se, aus dem Ruder gelaufene Kakaphinie entstehen, die f\u00fcr diejenigen unter uns, die von einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne und schnellem Gelangweiltsein geplagt sind, Balsam ist. Nach diversen Projekten, u.a. mit seinem Jugendfreund <strong>Damien Schultz<\/strong>, Op\u00e9ra Mort und Reines D&#8217;Angleterre &#8211; f\u00fcr letzteres arbeitete er mit <strong>Ch\u00e9dalia Tazart\u00e8s<\/strong> f\u00fcr zwei Alben zusammen, der als eine Art seelenverwandter Ziehvater betrachtet werden darf und selbst nach Jahren des Schweigens von einer j\u00fcngeren Generation wieder Aufmerksamkeit erf\u00e4hrt &#8211; findet \u00c8LG auf seinen Solover\u00f6ffentlichungen immer mehr zu seiner eigenen Sprache. Ankn\u00fcpfend an <em>Tout Poie<\/em> (Kraak) h\u00f6ren wir wieder die verf\u00fchrerische Mischung aus radikaler Tapemusik, abgefahrener Elektronik und eine dekonstruierte Form des franz\u00f6sischen Chansons. &#8220;Das ist f\u00fcr die einen zu experimentell, f\u00fcr die anderen zu zug\u00e4nglich&#8221;, so \u00c8LG. <strong>G\u00e9rard<\/strong> m\u00f6chte aber die &#8220;Arroganz der intellektuellen Eliten&#8221; unterwandern und das mit einem Augenzwinkern. Auf f\u00fcnf St\u00fccken unterwandert <strong>Catherine Hershey<\/strong> die knorrige Vokalkunst <strong>G\u00e9rards<\/strong> mit einem Touch l\u00e4ssiger Eleganz.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/ko\u0308hn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3378\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/ko\u0308hn-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/ko\u0308hn-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/ko\u0308hn-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/ko\u0308hn.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>J\u00fcrgen de Blondes<\/strong> Platte &#8211; <em>Kreis Pl\u00f6n<\/em> -, die schon 2017 erschienen ist, handelt von &#8221; Vergangenheit und Zukunft, Trennung und Wiedervereinigung, vom Trauern und Jubeln, vom Krach und Frieden&#8221;, so die Linernotes. Als Fantasiename f\u00fcr seine erste Ver\u00f6ffentlichung vor zwanzig Jahren ausgedacht, um f\u00fcr seine elektronische Musik ein irgendwie deutschklingendes Wort &#8211; \u201cdenn elektronische Musik war f\u00fcr mein Verst\u00e4ndis deutsch\u201d, zu finden, stellte sich heraus, dass <strong>K\u00f6hn<\/strong> sowohl ein nicht ungew\u00f6hnlicher deutscher Nachname ist und dass der Ort <strong>K\u00f6hn<\/strong> tats\u00e4chlich in Norddeutschland existiert. Ausserdem ist keun bzw. <strong>K\u00f6hn<\/strong> ausgesprochen fl\u00e4mischer Slang. Und so l\u00f6sen sich auf <em>Kreis Pl\u00f6hn<\/em> die Grenzen zwischen Imagination, Wahrnehmung und Erinnerung wunderbar auf: Die Sozialisierung in Br\u00fcgge, Feldaufnahmen von Kr\u00f6ten, die Vertonung von Inauguration of the Pleasuredom, das Entdecken der technischen M\u00f6glichkeiten in seiner Musik. Zwischen Wohnzimmeraufnhamen und Schnipseln von Liveauftritten, zwischen Feedbackexzessen und bad drugs, zwischen sanfter Melancholie, stolpernden Tanzbodenrhythmen und Shoegazing hat der Verstand ausreichend M\u00f6glichkeiten sich zu verlieren. Und doch h\u00e4lt <strong>J\u00fcrgen de Blonde<\/strong> aka <strong>K\u00f6hn<\/strong> das Ganze f\u00fcr uns irgendwie zusammen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/red-brut.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3379\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/red-brut-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/red-brut-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/red-brut-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/red-brut.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sozialisiert in Rotterdam und durch die Mitwirkung in verschiedenen Bands wie Sweat Tongue (wo sie Schlagzeug spielt und singt) und JSCA, die stark von der No New York- Szene der 1980er beinflusst sind, auf den Geschmack gekommen, beschreitet <strong>Marjin Verbiesen<\/strong> auf ihren Solopfaden als <strong>Red Brut<\/strong> ganz andere musikalische Wege. Wie eine anarchistisch-freie Form von Musique concr\u00e8te klingen ihre faszinierenden verschwurbelten Toncollagen. \u201cDie Musik ist eine Sammlung aus allem, was ich sehe, h\u00f6re und f\u00fchle\u201d, so Verbiesen. Bei Liveauftritten wie beim diesj\u00e4hrigen Kraak-Festival in Br\u00fcssel hat ihre Musik einen improvisierten Charakter. Ihr Fundus vorgefertigter Tapes kombiniert und mischt sie mit verschiedenen Tapedecks je nach Stimmung und spontaner Dramaturgie. Das Rohmaterial ist oft organischer Natur &#8211; Alltagsgegenst\u00e4nde, Aufnahmen von Pl\u00e4tzen oder Orten in der Stadt, vorbeifahrende Z\u00fcge, aber auch Melodien, auf verschiedenen Instrumenten (Gitarre, analoger Synthesizer?) gespielt tauchen auf und Marjin Verbiesen setzt auch ihre Stimme ein. Die gro\u00dfe Kunst der sieben St\u00fccke auf dem <strong>Red Brut<\/strong> &#8211; Debut ist die Dynamik der Kompositionen. Musik, die so facettenreich ist, dass man beim H\u00f6ren immer wieder Neues entdeckt. Direkt, roh und subtil driften und stolpert die Musik, um doch von manigfaltigen Rhythmen, schleifend und verhallt, zusammengehalten zu werden, bevor sie dann, psychedelisch-verzerrt, wieder einen ganz anderen Weg verfolgt.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/lachimie.bandcamp.com\/album\/vu-du-d-me\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00c8LG &#8211; vu du d\u00f4me (Gravats)<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kraak.net\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00f6hn &#8211; Kreis Pl\u00f6n (Kraak)<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kraak.net\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Red Brut &#8211; Red Brut (Kraak)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Memories Live Longer Than Dreams: \u00c8LG, K\u00f6hn, Red Brut Die Holl\u00e4nderin Marjin Verbiesen, der Belgier J\u00fcrgen de Blonde und der Franzose Laurent G\u00e9rard konstruieren ihre Musik wie Tageb\u00fccher, die freilich schon halb zerschreddert sind: im Sinne des Post-Post-Modernismus sind die St\u00fccke oft nur von verblasster Natur, teilweise konkret, dann wieder so heftig collagiert und mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,120],"tags":[712,1097,1103,1101,903,1102,1104,1100,1099,1098],"class_list":["post-3376","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-reviews","tag-chedalia-tazartes","tag-elg","tag-jurgen-de-blonde","tag-kohn","tag-kraak","tag-kreis-plon","tag-laurent-gerard","tag-marjin-verbiesen","tag-red-brut","tag-vu-du-dome"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3376","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3376"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3376\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3390,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3376\/revisions\/3390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3376"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3376"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3376"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}