{"id":3320,"date":"2018-07-22T15:59:17","date_gmt":"2018-07-22T14:59:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=3320"},"modified":"2020-05-30T08:37:36","modified_gmt":"2020-05-30T07:37:36","slug":"alesia-cosmos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/alesia-cosmos\/","title":{"rendered":"Al\u00e9sia Cosmos"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>So Far Again<\/em><\/span><\/p>\n<p>&#8220;Mitte der 1970er Jahre war Strasbourg ein seltsamer Ort. Eine politisch sehr aktive Szene, insbesondere an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur, und als starker Konstrast dazu, eine Stadt, die sich stark auf ihre els\u00e4ssische Tradition berief und eine Gesellschaft, zu der man als den Dialekt nicht Beherrschender keinen Zugang fand&#8221;, erz\u00e4hlt <strong>Bruno de Ch\u00e9nerilles<\/strong>, den ich anl\u00e4sslich der Wiederver\u00f6ffentlichung des ersten Albums von <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong> in seinem Studio Audiorama unweit des Rheinhafens treffe.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/exclusivo.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3323\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/exclusivo-150x150.jpeg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/exclusivo-150x150.jpeg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/exclusivo.jpeg 227w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Kultur- und Politikinteressierten organisierten sich in den Siebzigern ihre eigenen Treffpunkte. Unter anderem entstand in Strasbourg eine kleine, aber sehr lebendige Free Jazz\/Improvisationsszene. <strong>Bruno de Ch\u00e9nerilles<\/strong>, <strong>Marie-Berthe Servier<\/strong> und <strong>Pascal Holtzer<\/strong> &#8211; der sp\u00e4tere Kern von <strong>Alesia Cosmos<\/strong> &#8211; lernten sich in den Bars der els\u00e4ssischen Metropole kennen und kanalisierten ihre verschieden Projekte &#8211; Musik, Theater, Fotographie &#8211; in ein gemeinsames: <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong>.<br \/>\nZu einer Zeit, in der sich nach Jahren der musikalischen Stagnation, die ihren dumpfen Ausdruck im Bombastrock und Disco fand, die Grenzen, angesto\u00dfen durch Punk, aufhoben und Avantgarde, Free Jazz, Experimenteller Rock usw. viele Musiker beeinflussten, war die Szene in Strasbourg, verglichen mit franz\u00f6sischen St\u00e4dten vergleichbarer Gr\u00f6\u00dfe wie Nancy, Reims oder Amiens durchaus \u00fcberschaubar. Letztlich kulminiert die Hinterlassenschaft der experimentellen, genre\u00fcbergreifenden Musik in Strasbourg in den beiden Alben der Band, die einen \u00e4hnlichen Stellenwert im musikalischen Underground Frankreichs haben sollten wie die eines <em>Albert Marcoeurs<\/em>, eines <em>Thierry M\u00fcllers<\/em> oder die Gesamtkunstwerke <em>DDAAs<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #00ff00;\"><strong>exclusivo!<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<p>Auf <em>exclusivo!<\/em>, dem ersten Album von <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong>, das 1983 auf dem eigenen <em>Plan\u00e9tarium<\/em>-Label (das im Grunde noch viel mehr als ein Label war, n\u00e4mlich Vertrieb, Konzertorganisation und Teil eines Netzwerkes) erschien, ist unschwer zu \u00fcberh\u00f6ren, dass <strong>Bruno de Ch\u00e9nerilles<\/strong> und <strong>Pascal Holtzer<\/strong> aus der freien, improvisierten Musik kommen. Man sp\u00fcrt aber genauso ihre Affinit\u00e4t f\u00fcr Rock, Blues und &#8211; ja &#8211; Funk! exclusivo! ist gepr\u00e4gt vom Aufbruchsgeist des Postpunk und gleichzeitig h\u00f6rt man die Offenheit f\u00fcr unterschiedlichste Quellen, die auch andere franz\u00f6sische Bands vom ansonsten weitgehend angloamerikanischen und britischen Geschmacksdiktat abhoben. Bruno besch\u00e4ftigte sich zu jener Zeit schon mit Tapecollagen, wobei ihm seine Arbeit am Theater zugute kam. Der mit der Musik abwechselnd kontrastierende und im Einklang variierende Gesang von Marie-Berthe und die der Zeit voraus gewesenen World Musik-Einfl\u00fcsse von Lofti Ben Ayed &#8211; die man ansonsten h\u00f6chstens bei der f\u00fcr ihre Grenzenlosigkeit bekannten Band <em>Aksak Maboul<\/em> h\u00f6rte &#8211; vereinten sich zu einer pulsiernden Musik, die auch heute noch kontempor\u00e4r klingt. Komponierte Grundstrukturen, meist von Bruno und Pascal, treffen auf wilde, freie Improvisationen und heben die Trennung mit Leichtigkeit auf.<br \/>\nTrotz der Bl\u00fctezeit der DIY-Labels und Vertriebe merkten die Mitglieder von <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong> allerdings schnell, dass die Promotion und der Verkauf nicht so einfach nebenbei zu bewerkstelligen waren. So suchte man f\u00fcr das zweite Album gezielt nach einem Label. Tapes wurden an die damals \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen gesandt und einer dieser war der Betreiber des <em>hat Art<\/em>&#8211; Labels. Bruno, der in der Zeit zwischen 1975 und 1978 auch einen Plattenladen im Zentrum von Strasbourg betrieb &#8211; &#8220;Es gab in der Stadt rein gar keine M\u00f6glichkeit zeitgen\u00f6ssische, nicht-konventionelle Musik zu kaufen&#8221; &#8211; war ein gro\u00dfer Fan der Free Jazz &#8211; Ver\u00f6ffentlichungen des Labels, die er neben anderen Avantgarde-Labels selbstvert\u00e4ndlich auch im Laden anbot. Hat Art hatte gerade eine Platte mit <em>Jac Berrocals Catalogue<\/em> (P\u00e9n\u00e9tration) ver\u00f6ffentlicht und das war Motivation genug, sich an das Label zu wenden. Die Zusage kam innerhalb einer Woche.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #00ff00;\"><strong>A\u00e9roproducts<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<p><em>A\u00e9roproducts<\/em>, das zweite <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong> &#8211; Album, erschien 1985 in der f\u00fcr das Label charakteristischen Kartonbox, die eine LP und ein zweite, einseitig bespielte, enthielt. Das Album darf als direkte Fortsetzung des Debuts gesehen werden, allerdings klingen die St\u00fccke, da sie, bis auf die &#8220;dritte Seite\u201d, ohne Zeitdruck in der Wohnung von Bruno, mitten in der Stadt, aufgenommen und produziert wurden, ausgereifter. Auch kommt Marie-Berthe Servier in ihrer Rolle als S\u00e4ngerin st\u00e4rker zum Zuge, da, im Gegensatz zum Debut, wo nur f\u00fcr ein St\u00fcck Lyrics geschrieben wurden, die Band verst\u00e4rkt mit Text arbeitete. Neben dem harten Kern &#8211; <strong>Bruno de Ch\u00e9nerilles<\/strong>, <strong>Pascal Holtzer<\/strong>, <strong>Marie-Berthe Servier<\/strong> &#8211; spielten im erweiterten Kreis von Alesia Cosmos wie schon auf dem Erstling <strong>Pierre Clavreux<\/strong> und <strong>Lofti Ben Ayed<\/strong> mit.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/aeoroproducts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3321\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/aeoroproducts-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/aeoroproducts-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/aeoroproducts-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/aeoroproducts.jpg 598w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><br \/>\nDie Erstauflage war aufgrund des professionelleren Vertriebs schnell vergriffen. &#8220;Wir spielten einige Konzerte als Trio und es erschien eine Zweitauflage. Ende 1986 l\u00f6ste sich die Band auf. Ich wei\u00df nicht mehr genau warum. Marie-Berthe ging nach Paris, Pascal und ich spielten in anderen Bands usw. 1989 wurde das Album, wie auch das von Catalogue aus dem Programm von <em>hat Art<\/em> genommen. Das war das, aber wir waren stolz darauf, auf dem gleichen Label wie <em>Cecil Taylor<\/em> oder J<em>ohn Cage<\/em> eine Platte ver\u00f6ffentlich zu haben.&#8221;<br \/>\nDie Wiederver\u00f6ffentlichung von <em>exclusivo!<\/em> erschien Ende 2017 auf dem US-amerikanischen <em>Dark Entries<\/em> &#8211; Label. Nun wird auch A\u00e9roproducts dies Ehre zuteil. Bruno hat das Masterband aufbereitet und es werden auch diverse unver\u00f6ffentlichte St\u00fccke zu h\u00f6ren sein. Das Album soll Ende des Jahres auf einem Label aus Rennes erscheinen.<br \/>\nDie damalige Fotosession f\u00fcr die H\u00fclle von A\u00e9roproducts wurde im Zoomuseum von Strasbourg geschossen. Pascal Holtzer hatte zur damaligen Zeit einen Freund mit Kontakten und so konnten er, Bruno und Marie-Berthe die exzentrischen Fotos in den Vitrinen des Museum, inmitten der ausgestropften Tierpr\u00e4parate inzenieren; eine Idee, die sich vorzustellen, heutzutage wohl allen Security Guards das Blut in den Adern gefrieren lie\u00dfe. Im ge\u00f6ffneten Maul des Krokodils platzierten die Drei \u00fcbrigens heimlich einen kleinen Stoffvogel, der dort einige Jahre unbemerkt \u00fcberlebte, so Bruno.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #00ff00;\"><strong>Alesia Cosmos 2018<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<p>Das wiedererwachte Interesse an der Musik <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong> hat trotz der vielen aktuellen Projekte, die die beiden Leitfiguren der Band &#8211; <strong>Bruno de Ch\u00e9nerilles<\/strong> und <strong>Pascal Holtzer<\/strong> &#8211; verfolgen, nat\u00fcrlich auch zur Folge, dass man \u00fcber ein zeitgen\u00f6ssisches Statement nachdenkt. &#8220;Wir haben genug neue St\u00fccke und h\u00e4tten auch Lust wieder etwas zusammen als <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong> zu machen. Unser eklektischer Stil, der sich auch unter anderem durch die Verwendung der zahlreichen und unterschiedlichen Instrumente erkl\u00e4rte, ist mit der heutigen Technik viel besser zu realisieren. Kommendes Fr\u00fchjahr planen wir einige Konzerte, hier im Studio, aufzuf\u00fchren. Wir k\u00f6nnen auch die Garage gegen\u00fcber, dort, wo tags\u00fcber Autos repariert werden, die wesentlich ger\u00e4umiger ist und wo wir auch schon Konzerte veranstalteten, nutzen. Die Studios hier im Zone d&#8217;Art &#8211; Bereich des Areals laden dann zu einem \u201cTag der Offenen T\u00fcre\u201d ein. Diese kleinen Events haben wir schon seit einiger Zeit kultiviert. Zu den Auftritten kommen zwar immer nur zwischen 20 und 30 Leuten, aber die Stimmung ist entspannt und die Leute genie\u00dfen den guten Sound. Anschlie\u00dfend bleibt dann immer Zeit, etwas zu trinken und sich zu unterhalten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/zone-dart.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3324\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/zone-dart-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Traum von uns w\u00e4re es, ein Mini-Festival mit <em>Jac Berrocal<\/em> und <em>Nurse With Wound<\/em> zu veranstalten. Es fehlt das Geld daf\u00fcr, aber wer wei\u00df&#8230;Vielleicht wird es im kommenden Jahr auch ein neues Album von <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong> geben.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #00ff00;\"><strong>Die Anf\u00e4nge &amp; die Vorl\u00e4ufer von Alesia Cosmos<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<p><strong>Bruno de Ch\u00e9nerilles<\/strong> begann in den 1960er Jahren &#8211; zusammen mit seinem Bruder &#8211; Gitarre zu spielen. \u201cMit ihm spielte ich in verschiedenen Bands, die sich meist auf Cover-Versionen bekannter Beat-Bands spezialisierten. Ich war dann aber sehr vom Britischen Blues und Free Jazz beeinflusst, <em>Archie Shepp<\/em> und <em>Coltrane<\/em> waren sehr wichtig f\u00fcr mich. Richtig Musik zu spielen begann ich aber Mitte der Siebziger als die Freie Musikszene in Strasbourg auf ihrem Zenit war und gut zu den politischen Zirkeln, die sich aus Kommunisten, Anarchisten und Freaks zusammensetze, passte. Ich studierte zu dieser Zeit, obwohl nicht wirklich ernsthaft, denn es war so viel anderes zu tun. Sp\u00e4ter begann ich Journalismusstudium, nur um bald festzustellen, dass ich kein Journalist werden sondern Musik machen wollte. Mein Plattenladen war eine Anlaufstelle f\u00fcr gleichgesinnte Musiker. Die Szene bestand aus vielleicht zw\u00f6lf Leuten und da kein Ort existierte, auch live zu spielen, versuchten wir das zu machen. Ich tr\u00e4umte davon all diese Leute zusammen zu bringen, deren Musik ich in meinem Laden anbot. Ich organisierte ca. zehn Konzerte in dieser Zeit und f\u00fcr das letzte versammelten sich alle zu einer Art Big Band. Trotz, dass ich durch die ganzen Egos etwas in meinem Enthusiasmus gebremst wurde, will ich die Zeit nicht missen. Ungef\u00e4hr zu dieser Zeit begann ich mit einem anderen Gitarristen &#8211; Michel Froehly &#8211; als Corbo Combo zu spielen. Michel kam vom Noise und unsere Musik war dementsprechend laut und chaotisch. Ich spielte auch Schlagzeug, Marie-Berthe schloss sich uns an und begann zu singen. Dann kam noch ein junger Saxophonist und manchmal ein Cellist dazu und pl\u00f6tzlich waren wir ein Quartet. \u201c<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #00ff00;\"><strong>Freies Theater<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<p>\u201cZu dieser Zeit trat auch ein Schauspieler (<em>Bernard Bloch<\/em>) mit uns in Kontakt. Er wollte eine radikale Version von Goethes Faust inszenieren und suchte daf\u00fcr eine experimentelle Band. Ohne Proben traten wir in Mulhouse in einem Keller auf. Der Schauspieler hatte kein Geld, aber immerhin einen Raum. So begannen wir mit ihm zusammen zu arbeiten und das war gro\u00dfartig. Er war der einzige Schauspieler auf der B\u00fchne und wir grupierten uns um ihn und spielten eine Mischung aus Punk, Rock und Freie Musik. Und das Publikum mochte es. Wir traten in Strasbourg f\u00fcr drei Wochen auf, dann an einem anderen Ort in der Stadt nochmals f\u00fcr zwei. Ohne jegliche Promotion waren alle Auff\u00fchrungen ausverkauft. Mulhouse (das damals viel ambitionierter und offener f\u00fcr experimentelle Str\u00f6mungen als Strasbourg war), Lyon und Stuttgart waren die anderen Auftrittsorte, wo das St\u00fcck einen \u00e4hnlichen Erfolg hatte. Danach wollte ich eigentlich in diese Richtung weiterarbeiten, aber die anderen Musiker wollten lieber wieder zur\u00fcck zur Musik und fanden das Projekt zu sehr im Theatergenre verhaftet. F\u00fcr mich \u00f6ffnete diese Erfahrung aber meinen Horizont etwas mit Text zu machen und ich begann mich mit dem Gedanken, f\u00fcr das Radio zu arbeiten, auseinanderzusetzen. \u201c<\/p>\n<p>\u201cMit Pascal Holtzer spielte ich dann unter dem Namen <em>Hamburger Blues Band<\/em>, wo wir unsere Roots ausleben konnten und zu uns gesellten sich noch andere Musiker. Mit <em>Michel Froehly<\/em> realisierte ich ein kurzes, f\u00fcr drei Auftritte dauerndes, Gitarren-noise-projekt: Danger.\u201d<\/p>\n<p><strong><em><span style=\"color: #00ff00;\">Interdiziplinarit\u00e4t &amp; Radio France Culture<\/span><\/em><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Obwohl ich in erster Linie Gitarrist war, spielte ich immer viele unterschiedliche Instrumente und es wurde mir klar, dass ich in erster Linie vom Klang der Instrumente fasziniert war und das Beherrschen der Instrumente zweitrangig war. Ich experimentierte mit Tapes. Bei den Auftritten \u201cscratchte\u201d ich unterschiedliches musikalisches Material und arbeitete immer mehr mit Text. Einen Beitrag schickte ich \u00fcber eine Freund, der bei Radio France arbeitete, an den Sender. Mein erstes Projekt, eine Art Sci-Fi-H\u00f6rspiel, wurde gleich akzeptiert und ich bekam daf\u00fcr Geld!. Danach machte ich eine ganze Menge anderer Projekte f\u00fcr das Radio in Paris, blieb aber in Strasbourg wohnen, um mit meinen Freunden Musik zu spielen. Ich begann auch damit im Studio zu arbeiten. Obwohl ich nie eine regul\u00e4re Ausbildung genossen habe, lernte \u201cby doing\u201d und von den gro\u00dfen Toningenieuren im Radiostudio unglaublich viel. Ich schaffte mir einen Revox Tape Recorder an, baute mir mein Studio und begann Tape Musik zu komponieren. Ich war an ganz unterschiedlichem interessiert und immer neugierig auf Neues. So kam ich auch in Kontakt mit Filmemachern und arbeitete mit Film.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/audiorama_mains.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3322\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/audiorama_mains-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><br \/>\nMan muss die Dinge immer selbst machen, man kann sich nicht auf die anderen verlassen. Ich arbeitete z.B. f\u00fcr knapp zehn Jahre als Tontechniker an den Theatern in Strasbourg und dann kam ich in Kontakt mit T\u00e4nzern. Mit Dance Theatres zusammen zu arbeiten ist sehr spannend. Ich war mit dem Ensemble zusammen auf der B\u00fchne und improvisierte. Hier gab es zur damaligen Zeit ca. 4-5 Komponisten, die \u00e4hnlich arbeiteten und anstatt, dass wir in Konkurrenz traten, blieben wir immer Freunde.<br \/>\nNach dem Aufl\u00f6sen von <strong>Al\u00e9sia Cosmos<\/strong> hatte ich im Vergleich zu anderen Musikern meines Alters den Vorteil, dass ich durch mein autodidaktisches Erlernen von allem was mit Sound zu hatte, begehrt war und mich nie \u00fcber fehlende Auftr\u00e4ge beklagen konnte.&#8221;<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #00ff00;\"><strong>Die schwierige Beziehung zum Elsass<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<p>&#8220;Ich arbeitete weiter und vor allem in Paris f\u00fcr verschiedene Radioprojekte und fragte mich irgendwann, warum ich immer noch in Strasbourg wohnte, wo ich doch nach wie vor keinen wirklichen Zugang oder eine Verbindung zur els\u00e4ssischen Kultur hatte. Als K\u00fcnstler verband ich diese Frage mit einem Projekt, das ich \u00fcber mehrere Jahre verfolgte. Ich begann mit Tonportraits im Norden von Strasbourg. Ich machte Feldaufnahmen, interviewte Einwohner und arbeitete mit Schulen zusammen &#8211; Workshops, wo die Kinder mit Sounds herumspielen konnten &#8211; und lud einen Fotographen ein. Danach war es schwierig an dieser Stelle aufzuh\u00f6ren. In Strasbourg was das Thema der Fluss, also der Rhein. Ich lud K\u00fcnstler aus Kehl ein und umgekehrt. Merkw\u00fcrdigerweise war es nicht \u00fcblich \u00fcber die Grenze zu gehen. Die Idee war also, den Fluss als etwas Verbindendes zu sehen. In S\u00e9lestat f\u00fchrten wir ein Konzert im Kraftwerk auf, danach widmete ich mich der Geschichte der els\u00e4ssischen Minenarbeiter. Das Projekt endete mit einem gro\u00dfen \u201cDrei &#8211; L\u00e4nder &#8211; Anlass\u201d\u00a0 <em><span style=\"color: #00ff00;\"><a style=\"color: #00ff00;\" href=\"http:\/\/www.audiorama.org\/opera3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Op\u00e9ra des Trois Pays<\/a> <\/span><\/em><span style=\"color: #00ff00;\"><span style=\"color: #000000;\">i<\/span><\/span>n Basel, Weil am Rhein und St. Louis\/Hunigue. Wir spielten auf einem Rheinschiff, im Theater in St. Louis und auf der Fahradbr\u00fccke, die Weil am Rhein und Hunigue verbindet. Die Konzerte waren aus k\u00fcnstlerischer Sicht erfolgreich; das Problem blieb allerdings die Koordination zwischen den L\u00e4ndern und Gemeinden. So gabe es f\u00fcr die Anl\u00e4sse z.B. keine Absprache beim Ticketverkauf.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/bc_perf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3326\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/bc_perf-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><br \/>\nIch begann auch zu Unterrichten. Und zwar zuerst zuk\u00fcnftige Musiklehrer. Um das seri\u00f6s machen zu k\u00f6nnen, dachte ich, dass ich zuerst mit Kindern zusammen arbeiten m\u00fcsste. Inzwischen bekomme ich Geld von der Gemeinde, z.B. hier im Stadtteil Meinau, wo ich jedes Jahr Workshops mit Ipads und Smartphones mache und mit den Kindern die manigfaltigen M\u00f6glichkeiten Sound und Musik zu kreieren, ausprobiere. Als Komponist ist es f\u00fcr mich nicht m\u00f6glich zu \u00fcberleben, aber noch wird in Frankreich die Vermittlung von Wissen, auch abseits des Maintreams, gef\u00f6rdert und unterst\u00fctzt.<br \/>\nF\u00fcr mich ist mein Werdegang, wenn ich dar\u00fcber nachdenke, immer noch seltsam. Ich habe nie konventionell Musik gelernt und jetzt unterrichte ich genau das. Es ist nicht wirklich das technische Ding, obwohl das nat\u00fcrlich wichtig ist, das ich vermittle, sondern was man mit seiner Kreativit\u00e4t mit den Tools anstellen kann. Ich war immer in alle Richtungen offen und das kommt mir immer noch zugute. Ich kann mich nach wie vor vor Auftr\u00e4gen kaum retten.\u201d<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #00ff00;\"><strong>Podcasts<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<p>Auf der Website von von Audiorama finden sich auch wunderbare Aufnahmen aus der Zeit von Plan\u00e9tarium &#8211; Liveauftritte von Joseph Racaille, Trio de Batteurs, Pt\u00f4se oder Un Drame Musical Instantan\u00e9, Interviews und mehr, die nun als Podcasts zur Verf\u00fcgung stehen. Dort werden, um wieder den Sprung in das Jahr 2018 zu machen, auch die aktuellen Mini-Konzerte und Projekte angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.alesiacosmos.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Al\u00e9sia Cosmos<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.darkentriesrecords.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dark Entries Records<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So Far Again &#8220;Mitte der 1970er Jahre war Strasbourg ein seltsamer Ort. Eine politisch sehr aktive Szene, insbesondere an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur, und als starker Konstrast dazu, eine Stadt, die sich stark auf ihre els\u00e4ssische Tradition berief und eine Gesellschaft, zu der man als den Dialekt nicht Beherrschender keinen Zugang fand&#8221;, erz\u00e4hlt Bruno de [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,119,160],"tags":[1078,1075,1079,1086,1077,1085,1082,1081,1080,1083,1084,1076],"class_list":["post-3320","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-features","category-langwellen","tag-aeroproductds","tag-alesia-cosmos","tag-bruno-de-chenerilles","tag-dark-entries-records","tag-exclusivo","tag-hat-art-records","tag-lofti-ben-ayed","tag-marie-berthe-servier","tag-pascal-holtzer","tag-pierre-clavreux","tag-planetarium","tag-strasbourg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3320","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3320"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3775,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3320\/revisions\/3775"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}