{"id":3291,"date":"2018-03-30T16:31:57","date_gmt":"2018-03-30T15:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=3291"},"modified":"2020-05-30T08:38:19","modified_gmt":"2020-05-30T07:38:19","slug":"ripples-march-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-march-2018\/","title":{"rendered":"Ripples March 2018"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Kraak Festival 2018 Bruxelles<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p>Im Bota(nique) bereitet man sich schon auf die Nuits Botanique vor und im AB (Ancienne Belgique) steht das BRDSST &#8211; Festival an, das den retro-futuristischen Geist der Birminghamer Formation Broadcast (und sprichw\u00f6rtlich den der jung verstorbenen S\u00e4ngerin Trish Keenan) weitertr\u00e4gt. Zuvor gibt man sich aber das jedes Jahr am ersten M\u00e4rzwochenende stattfindende Kraak-Festival mit seinem dichten Programm von Off-Stream K\u00fcnstlern, viele tats\u00e4chlich noch so unbekannt, dass man getrost von Underground sprechen kann. Die zwanzigste Ausgabe des seit einigen Jahren zum Dreit\u00e4ger gewachsenen und seitdem im Beursschouwburg verorteten Festivals startete am Eingang damit, dass man eine Vuvuzela ausgeh\u00e4ndigt bekommt, um unter der Regie von Mr. Pinkie Bowtie, der als Dirigent fungierte, die Festivalovert\u00fcre zu tr\u00f6ten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMAG0268-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3296\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMAG0268-1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Sandra Boss<\/strong>, d\u00e4nische Elektronikkomponistin, steht kurz darauf im Saal vor ihrem Tisch, auf dem Kassettenrekorder und allerhand analoges Ger\u00e4t bereitsteht, um damit ein experimentales Radioh\u00f6rspiel in Echtzeit zu produzieren. Testsignale, eine Kassettenaufnahme, auf der ein Sprecher Zahlen vorliest, Ger\u00e4usche, die beim Bet\u00e4tigen der Ein- und Ausschalttaste entstehen; obwohl die Komposition von Sandra Boss mit konkreten Quellen arbeiten, bringen subtile \u00dcberlagerungen die Wahrnehmung ins Schwimmen und die Technik metamorphisiert zur Kunst.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMAG0224.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3292\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMAG0224-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Lea Roger<\/strong> (Harfe, Ger\u00e4usche) und <strong>Celia Jankowski<\/strong> (Gesang, Perkussion, Ger\u00e4usche) sind <strong>Osilasi<\/strong>. Ihre halb-komponierte, halb-improvisierte Musik sch\u00f6pft aus vielen Quellen der musikalischen und performativen Klaviatur. Tribalistische Rhythmen, teilweise mit DIY-Instrumenten gespielt, bilden das Ger\u00fcst der langen St\u00fccke, die aber stets Freiraum f\u00fcr das Harfenspiel und andere subtile Elemente lassen. Merkw\u00fcrdige Esoterik trifft auf Experimentalmusik, ein Hauch 1960er-Avantgarde-Atmosph\u00e4re impr\u00e4gniert den Raum. Osilasi sind musikalisch bisweilen nicht weit von der \u00e4hnlich genre\u00fcbergreifende Musik des Kammerflimmerkollektivs entfernt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMAG0228.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3298\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMAG0228-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ka Baird<\/strong> legt dann mit einer hyperenergetischen Performance nach. Gr\u00fcndungsmitglied der Psych-Rock Band Spires That In The Sunset Rise, wechselt sie permanent zwischen nerv\u00f6sem Fl\u00f6tenspiel, Keyboard\/Samplings, hei\u00dfererem, animalischem Gesang und \u00e4hnlich veranlagtem ritualisitschen Ausdruckstanz. Abgedreht, schamanenhaft, schr\u00e4g und bisweilen nicht nur auf die inspirierende Art auf die Nerven gehend; ihr Auftritt l\u00e4sst das Publikum etwas ratlos zur\u00fcck.<br \/>\n<strong>Transport<\/strong> dann, eine Gro\u00dfformation inklusive auf dem Boden sitzenden Fl\u00f6tistinnen und S\u00e4ngerinnen, so nicht mehr seit den letzten Tagen des Freak Out-Zenits bei einem Umsonst &amp; Drau\u00dfen &#8211; Festival in den Siebzigern gesehen, haben sich unter anderem genau diesem Genre verschrieben. Krautrock, treibende Afro-Free-Jazz-Beats und tranceartige, hypnotische, ausufernde St\u00fccke lassen die Vermutung im Raum stehen, vor allem in Verbindung mit dem skurillen, lautmalerischen Gesang, dass man, wenn schon nicht in den Himmel, so doch zumindest in etwas h\u00f6here Sph\u00e4ren aufsteigen m\u00f6chte.<br \/>\nZur\u00fcck auf den Boden des Gouden Zaals brachte einen dann nach Mitternacht <strong>Stefan Jusher<\/strong> aka <strong>Jung An Tagen<\/strong> mit einer knochentrockenen Techno meets Darmst\u00e4dter Schule-Mischung aus dem Hause Mego.<br \/>\nDas <strong>SEF III<\/strong>-Kollektiv &#8211; <strong>Max Eilbacher<\/strong>, <strong>Alex Moskos<\/strong>, <strong>Duncan More<\/strong> &#8211; wirkt mit seiner messerscharfen Verbindung von absurden Texten, Noise und Collagen wie eine runderneuerte Ausgabe von Negativland, den Pionieren auf diesem Gebiet. Ein guter Einstieg am Samstagnachmittag f\u00fcr den Haupttag des Festivals.<br \/>\n<strong>Leila Bordreuil<\/strong>, in New York City lebende Franz\u00f6sin, lotet dann mithilfe ihres Instruments, dem Cello, den Grenzbereich zwischen vertrackter Konzeptkunst und improvisiertem Noise aus.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMAG0225.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3299\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/IMAG0225-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Red Brut<\/strong> aka <strong>Marun Verbiesen<\/strong> aus Rotterdam wird f\u00fcr die n\u00e4chste LP-Ver\u00f6ffentlichung von KRAAK verantwortlich zeichnen. Sie spielt in den vom 1970er &#8211; Underground und der No Wave-Szene inspierierten Bands Sweat Tongue und JSCA. <strong>Red Brut<\/strong> ist ihr eigenes Projekt, das, wie sie im Interview erz\u00e4hlt, eine Herzensangelegenheit und eine Art Tagebuch ist; die Songs jonglieren zwischen Erinnerung und Traum. Ihre, ganz dem DIY-Geist entsprungenen Musikcollagen, haben einen sympathischen Old-School-Charme: Schnipsel von auf dem Flohmarkt erstandenen Kassetten verschwurbelt sie mit allerhand Analogem und einem Korg-Synthesizer. Nett ist das nur beim Vordergr\u00fcndigen Zuh\u00f6ren, dahinter lauert der Abgrund.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMAG0231.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3293\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMAG0231-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Finlay Clark<\/strong>, <strong>Jessica Hickie-Kallenbach<\/strong> und <strong>David Kennedy<\/strong> sind die gar nicht so ruhigen <strong>Still House Plants<\/strong>. Man hat sich an der Art-School in Glasgow getroffen und gefunden. Ihre Musik kombiniert reduzierte, schroffe, jazzige Gitarrenriffs mit ebenfalls minimalistischen Drums und dem Gesang von Hickie-Kallenbach, der \u00fcberhaupt nichts mit dem Genre Jazz gemein hat, eher in der Tradition von New Wave-Ikonen wie Ari Up oder Lora Logic anzusiedeln ist. Ihr Debut-Tape von 2016 klingt wie eine Frischzellenkur f\u00fcr das ganze Genre, live wirkt das Trio \u00e4hnlich inspirierend.: Krach, Ruhe und Auslassung und ein erstaunliches Talent f\u00fcr Melodien; ganz sicherlich einer der H\u00f6hepunkte des Festivals.<br \/>\nVon dem Auftritt von <strong>Zarabatana<\/strong> kann man ohne Zweifel \u00c4hnliches behaupten. <strong>Bernardo Alvares<\/strong>, <strong>Carlos Godinho<\/strong> und <strong>Yaw Tembe<\/strong> aus Lissabon spielen spirituellen, rhythmusdominierten Freejazz mit feinen, ironischen Anspielungen auf Rituelles, Archaisches und Voodoo.<br \/>\nAngesagt sind derweil einmal wieder Synthie(pop)-Bands: <strong>Capelo<\/strong> &#8211; <strong>Michel Nyarwaya<\/strong> und <strong>Eve Decampo<\/strong> &#8211; aus Br\u00fcssel und <strong>Miaux<\/strong> aus Antwerpen bewiesen dies mit ihrer leicht hippen, leicht belanglosen Hommage an die vermeintlichen Vorbilder aus den 1980ern.<br \/>\n<strong>Lemones<\/strong> aus Br\u00fcssel zelebrieren am sp\u00e4teren Abend eine weitere Auflage der Marke: Absurde Rockmusik. Selbstgebastelte Instrumente, Krach und Persiflage; man denkt an die Butthole Surfers oder die Stra\u00dfburger Band Zad Kokar, die vergangenes Jahr das Publikum im Caf\u00e9 zum Tanzen brachten.<br \/>\nParadon&#8217;t anschlie\u00dfend bewiesen sich dann wiederum als intellektuelle Spa\u00dfbremse, die lieber Autechre und Stockhausen zitierten, als nochmals die Sau rauszulassen.<br \/>\nDer Ausklang am Sonntag wurde zuerst mit <strong>David Edrens<\/strong> Electronic Gamelan Music eingeleutet: auf einem Teppich sitzend ruft er esoterische Kl\u00e4nge auf dem Keyboard ab und l\u00e4sst das Publikum schon am fr\u00fchen Nachmittag in Tiefschlaf versinken.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMAG0276.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3294\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMAG0276-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Trompeter und Komponist <strong>Peter Zummo<\/strong> ist eine coole New Yorker &#8211; Socke: Arbeiten mit Elodie Lauten, David Behrman, zahlreiche Soundtracks, Musik f\u00fcr Choreographien und vor allem die Verbindung zu Arthur Russell und den Lounge Lizards brachten ihm einen verdienten Kultstatus ein. Seine aktuelle Band illustriert heute einen Streifzug durch sein Schaffen, in dessen Mittelpunkt eine Version des Song IV vom wichtigen Album Zummo with an X steht: abgebr\u00fcht und mit aller Ruhe der Welt ausgestattet r\u00e4umt Zummo den Mitmusikern so viel Platz ein, dass sich nach und nach extrem spannende Klangbilder entwickeln, deren Komplexit\u00e4t man erst nach und nach gewahr wird, so leichtf\u00fc\u00dfig scheinen sie daherzukommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kraak Festival 2018 Bruxelles Im Bota(nique) bereitet man sich schon auf die Nuits Botanique vor und im AB (Ancienne Belgique) steht das BRDSST &#8211; Festival an, das den retro-futuristischen Geist der Birminghamer Formation Broadcast (und sprichw\u00f6rtlich den der jung verstorbenen S\u00e4ngerin Trish Keenan) weitertr\u00e4gt. 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