{"id":2987,"date":"2017-08-13T09:20:50","date_gmt":"2017-08-13T08:20:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2987"},"modified":"2020-05-30T08:40:52","modified_gmt":"2020-05-30T07:40:52","slug":"liverpool-the-pool-of-life-part-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/liverpool-the-pool-of-life-part-2\/","title":{"rendered":"Liverpool &#8211; The Pool of Life Part 2"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Eric\u2019s, Urban Decay, Writing On The Wall<\/em><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2990 size-full\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/roger-eagle.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"187\" \/><\/p>\n<p>Als <strong>Roger Eagle<\/strong> im Oktober 1976 mit <strong>Ken Testi<\/strong> den Club <em>Eric\u2019s<\/em> er\u00f6ffnete (sp\u00e4ter kam <strong>Pete Fulwell<\/strong> dazu), war noch nicht abzusehen, welchen Einfluss &#8211; nicht nur auf die Mersey-Side-Szene &#8211; das Kellerlokal in der Historie des Punks- und Postpunks haben sollte.<br \/>\nEigentlich S\u00fcd-Engl\u00e4nder, machte sich <strong>Eagle<\/strong> in Manchester in den fr\u00fchen sechzigern Jahren des letzten Jahrhunderts einen Namen als DJ und bekam die Entwicklung des Northern Soul hautnah mit. Er vermittelte dann auch Bands &#8211; unter anderem f\u00fcr die Konzerthalle The Stadium in Liverpool &#8211; und produzierte eines der ersten Musikfanzines \u00fcberhaupt, namens <em>The Last Trumpet<\/em>. <strong>Eagle<\/strong> zog dann selbst an den Mersey und beeinflusste die dortige Szene nachhaltig. Als gro\u00dfer Reaggaefan\u00a0 und &#8211; Kenner sah er die Verbindung zur aufkommenden Punk\/New Wave-Explosion, die in Liverpool auch noch mit den Einfl\u00fcssen aus der eigenen Vergangenheit und denen, die in die Hafenstadt von au\u00dfen hineingetragen wurden, gekoppelt war, voraus. Etwas au\u00dferhalb des Stadtzentrum, in den Stra\u00dfen um den Sefton-Park, lebte die Boh\u00e8me das Leben des K\u00fcnstlerdaseins und verfolgte einen ganz anderen Lebensentwurf als diejenigen, die in den harten Innercitystreets sozusagen um das eigene \u00dcberleben k\u00e4mpften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Mathew-Street im Herzen Liverpools ist unweigerlich und f\u00fcr alle Zeit mit <em>The Cavern<\/em>, den Fab Four und dem Mersey-Beat verkn\u00fcpft. In den siebziger Jahren gab es dort aber auch andere Anlaufpunkte wie z.B. das von einigen Freunden in einer ehemaligen Lagerhalle, die den alternativen Markt Aunt Twackers beherbergte, ins Leben gerufene kreativ-unkommerzielle Zentrum namens <em>The Liverpool School of Language, Music, Dance &amp; Pun<\/em>: Dabei handelte es sich um eine geniale Mischung aus Art School und Teestube, wo sich die sp\u00e4teren Protagonisten des Liverpool New Waves die Zeit vertreiben und \u00fcber waghalsige Projekte fabulieren konnten. Dies war ein sehr \u201cfreier\u201d Ort, es konnte alles oder nichts geschehen, gro\u00dfe Pl\u00e4ne ausgeheckt und verworfen werden. Man bewarb sich f\u00fcr ein Stipendium und studierte Theater, Musik oder Film, und, konnte die Zeit entweder vertr\u00e4umen oder die Welt ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Carl Gustav Jung<\/strong> beschrieb in einem seiner esoterisch-mysthischen Traumprotokolle die Stadt Liverpool. Obwohl er nie dort gewesen war, schienen die Details der Stra\u00dfenbeschreibungen genau auf die Stadt im allgemeinen und die Mathew Street &#8211; Gegend im Speziellen zuzutreffen. Dazu die detailiert geschilderte Atmosph\u00e4re einer nassen Nacht: D\u00fcster, dreckig, heruntergekommen; die Stimmung einer Stadt mit gro\u00dfem Hafen im Niedergang, die nur zugut das tats\u00e4chliche Liverpool in den siebzigern Jahren zu beschreiben schien. Nur die eigene Kreativit\u00e4t hatte man da gegen das Siechtum entgegenzusetzen. Kurzerhand riefen einige der in der <em>Liverpool School of Language, Music, Dance &amp; Pun<\/em> Abh\u00e4ngenden ein Jung Festival aus. Der B\u00fcrgermeister von Z\u00fcrich wurde eingeladen (und kam!), und ein holprig-improvisiertes Programm mit Livebands in der Stra\u00dfe und schr\u00e4gen, anarchischen Darbietungen wurde aufgef\u00fchrt. Auch fuhren zwei Kunststudenten im Vorfeld mit dem Auto von Liverpool nach Basel, um von Jung pers\u00f6nlich einen Stein, der urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Bau eines Turms auf dessen Grundst\u00fcck dienen sollte, entgegenzunehmen und nach Liverpool zu transportieren, mit dem Text von Jungs Liverpool-Traum bearbeiten zu lassen und beim Festival zu pr\u00e4sentieren. Der Stein wurde dann in eine Wand eingesetzt.<br \/>\nEbenfalls in der Mathew Street er\u00f6ffneten Geoff und Annie Davies 1976, nachdem sie schon seit 1971 in einer anderen Gegend der Stadt aktiv gewesen waren, den <em>Probe Record<\/em>s Shop, der, eng verbunden mit der aufbl\u00fchenden Szene um Eric\u2019s ein gleicherma\u00dfen eklektisches Sortiment anbot und\u00a0 gro\u00dfen Einfluss aus\u00fcben sollte. Sp\u00e4ter kam das Label hinzu &#8211; <em>Half Man Half Biscuit<\/em> wurde zu treuen Hausband. \u00dcber die Jahre musste der Laden mehrmals umziehen und trotzdem existiert Probe auch heute noch; nun in unmittelbarer Nachbarshaft zum <em>Blue Coat<\/em>, einem der \u00e4ltesten Kulturoasen von ganz Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2994 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/erics-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/erics-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/erics.jpg 615w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Zwischen Oktober 1976 und der \u00fcberraschenden Schlie\u00dfung nach einem omin\u00f6sen Polizeieinsatz im M\u00e4rz 1980 (wobei manche Eingeweihten behaupteten, der eigenliche Grund f\u00fcr die Aufgabe des Clubs w\u00e4re finanzieller Natur gewesen, da der enge Kreis der 50 treuen Stammg\u00e4ste die Ausgaben langfristig nicht decken konnte) war <strong>Roger Eagles<\/strong> <em>Eric\u2019s<\/em> stilpr\u00e4gend und einzigartig. Fr\u00fcher ging man in die Disco, ein Musikclub mit einem ausgesuchten Programm zwischen Punk, New Wave, Reaggae oder aber auch Jazz hatte zuvor keine Vorl\u00e4ufer, geschweige denn Tradition. Auch das Zusammenf\u00fchren von lokalen\u00a0 mit bekannteren, wegweisenden Bands war etwas Neues und wirkte in Liverpool als Initialz\u00fcndung f\u00fcr\u00a0 Leute wie J<strong>ayne Casey<\/strong>, <strong>Pete Burns<\/strong>, <strong>Mike Badger<\/strong>, <strong>Bill Drummond<\/strong>, <strong>Julian Cope<\/strong>, <strong>Ian McCulloch<\/strong> oder <strong>Pete Wylie<\/strong>, die dort abhingen, von <strong>Eagle<\/strong> zum Musikmachen animiert wurden und dann sp\u00e4ter tats\u00e4chlich oft selbst auf der B\u00fchne standen.<br \/>\nIn der Stadt war in dieser Zeit die Stimmung eine desperate und angespannte: der Niedergang der Docks und anderer Industrien wirkte sich krass aus. Massenarbeitslogikeit, Streiks, extreme Armut, Verwahrlosung waren die Folge, aber auch Widerstand und Solidarit\u00e4t waren in der Stadt zu sp\u00fcren. Ein Jahr sp\u00e4ter, 1981 im Juni, sollten die Toxteth &#8211; Riots die Stadt nochmals radikal ver\u00e4ndern ; die Auswirkungen sollten bis nach Brixton und Birmingham ausstrahlen. Gleichzeitig bewirkten die Missst\u00e4nde auch eine enorm kreative und unkonventionelle Reaktion, die von der Musik- bis zur Modeszene reichte. Thatcher erfand als Gegenmittel, sowohl des Aufbegehrens wie auch der damit einhergehenden Anarchie und Solidarit\u00e4t, den Posten des \u201cSpecial Minister\u201d und besetzte diesen mit Michael Heseltine, der, \u201ctoo little too late\u201d auf Tourismus, Wiederaufbau und Freizeitangebote als Gegenmittel zur allgemeinen Verarmung der Bev\u00f6lkerung setzte und mit allen Mitteln versuchte, den Widerstand zu brechen.<br \/>\n2011 wurde an gleicher Stelle in der Mathew Street <em>Eric\u2019s<\/em> neuer\u00f6ffnet und kurze Zeit wieder geschlossen. Obwohl die wirtschaftliche Situation &#8211; nach einem vermeintlichen Aufschwung, befeuert durch Immobilien und Billigjobs &#8211; in Zeiten des Austerit\u00e4tsprogramms beinahe wieder vergleichbar mit jener in den Siebzigern war (und ist) und die Reaktionen mit dem Sprie\u00dfen von DIY-Shops und alternativen Versuchen abseits des Hipstertums sp\u00fcrbar ist, hatte die Neuauflage au\u00dfer dem Namen keine Relevanz. Die Schnittstellen derjenigen, die etwas zur prek\u00e4ren Lage zu sagen haben, sind nun anderswo in der Stadt zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Liverpool 8 und andere Orte<\/em><\/span><\/p>\n<p>Auch in Toxteth, Liverpool 8 &#8211; unter diese Postleitzahl f\u00e4llt \u00fcbrigens nicht nur Toxteth, sondern auch der Queens Park und ein Teil des Georgian Quarters &#8211; hat sich vieles ver\u00e4ndert, aber manche Grundprobleme eben nicht: Immer noch st\u00f6\u00dft man allerorts auf Brachfl\u00e4chen, Verwahrlosung und Missst\u00e4nde, aber die Einwohner entwerfen wie eh und jeh Gegenmodelle wie z.B. Urban Gardening-Projekte oder unkommerzielle Treffpunkte. Von Gentifizierung kann man noch kaum reden, aber wer wei\u00df was die Zukunft bringen wird. Was die sozialen Brennpunkte anbelangt, gibt es jedenfalls weit prek\u00e4rere Viertel in der Stadt wie Norris Green oder Croxteth am Stadtrand oder Kensington, nicht weit von der Universit\u00e4t entfernt.<\/p>\n<p>Von den Everton Heights, vor einigen Jahren runderneuert und mit feinen Gartenanlagen versehen, die maroden Tower Blocks aus den Sechzigern zum gr\u00f6\u00dftein Teil niedergewalzt, hat man den besten Blick auf den River Mersey und die sich st\u00e4ndig erweiterende und verdichtende Sky-Line der Innenstadt. Neben den Three Grands kann man immer mehr Glast\u00fcrme und Hochh\u00e4user ausmachen, rechts sieht man wie der Flu\u00df in die Irische See m\u00fcndet und auf die Windr\u00e4nder der ausgebluteten Docks von Bootle. Everton, Walton und Anfield geh\u00f6ren zu den \u00e4rmsten Vierteln der Stadt, trotz allem Fu\u00dfballreichtum und dem ebenfalls renovierten Stanley &#8211; Park in der Mitte. Die Atomosph\u00e4re ist wie aus einer anderen Zeit, klassische englische Reihenhaussiedlungen, alle mit dem typischen roten Backstein erstellt und mit unterschiedlich farbigem Anstrich. Wie auch in Kensington oder Edge Hill sind viele boarded- oder bricked-up. Der Wind treibt Zeitungsbl\u00e4tter durch die Stra\u00dfen, eine Ecke weiter wirkt die Stille irritierend. Ein Erinnerungsmosaik.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2993 size-full\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/boarded-up.jpeg\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"181\" \/><\/p>\n<p>Vauxhall, wo sich die irischen Einwanderer zum gr\u00f6\u00dften Teil ansiedelten, galt mit seinen engen Tenaments als gro\u00dfer Slum. Heute ist die Hauptachse, die Scotland Road, Tag und Nacht dicht befahren und durchfr\u00e4st den Stadtteil wie auch die Einfahrten zu den Merseytunnels. Regeneration- Zones sind seit Jahrzehnten ausgeschrieben, und ganz allm\u00e4hlich kann man das eine oder andere Bauprojekt, wenn es auch nur ein Supermarkt sein sollte, ausmachen. Ansonsten wirkt die Gegend weiterhin wie eine Mischung aus Geisterstadt und etwas Bedrohlichem. Die Innenstadt &#8211; auch dort gab es in Teilen einen Jahrzehnte andauernden Verfall &#8211; sind entweder mit gigantischen Shopping-Projekten wie Liverpool 1 komplett ver\u00e4ndert worden oder haben wie die Neo-Griechischen, klassizistischen Bauten ihre etwas deplazierte, aber zeitlose W\u00fcrde bewahrt. Die St. Georges Hall oder die Walker Art Gallery beispielsweise geh\u00f6ren in gleichem Ma\u00dfe zum unverw\u00fcstlichen Stadtbild wie die Liverbirds oder der Pier Head. Das ehemalige Business-Viertel Moorfield mit seiner grandiosen Mischung aus klassischer Architektur, Pubs, Clubs und Kunst scheint gleichfalls unantastbar wie die Hope Street zwischen den beiden Gottesh\u00e4usern.\u00a0 Das Everyman Theatre und Bistro oder die Philharmonic Hall und\u00a0 das gleichnamige Pub haben ebenfalls die Zeit \u00fcberdauert.<\/p>\n<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Writing on the Wall<\/em><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2995 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/wow-2017-300x166.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"166\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/wow-2017-300x166.jpeg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/wow-2017-768x425.jpeg 768w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/wow-2017-1024x567.jpeg 1024w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/wow-2017.jpeg 1220w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.writingonthewall.org.uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">WOW<\/a>, 2017 in seinem achzehnten Jahr, ist ein alternatives Literaturfestival (das aber auch vom Britisch Arts Council unterst\u00fczt wird) und neben dem poetischen auch einen politischen Anspruch hat. Auch ist die Verbindung von internationalen und lokalen Autoren nicht allt\u00e4glich. Liverpool birgt mit seiner Geschichte und seinen enormen Konstrasten unersch\u00f6pfliche Reize und Geheimnisse, die viele dazu animiert, auf ihr Umfeld schriftstellerisch (oder anderweitig) zu reagieren. Von der Generation, die mit oder nach den Riots aufgewachsen ist, machten sich an der Schnittstelle von Underground- und etablierter Kultur vor allem drei Autoren von der Merseyside einen Namen. <strong>Kevin Sampson<\/strong>, <strong>Helen Walsh<\/strong> und <strong>Niall Griffiths<\/strong>. Das Trio \u00fcbte auch einen enormen Einfluss darauf aus, wie die Stadt abseits der Tourist Board &#8211; Brosch\u00fcren wahrgenommen wird.<br \/>\n<strong>Kevin Sampson<\/strong> schrieb in den Achzigern f\u00fcr angesagte Publikationen der Jugendkultur wie NME, The Face ID, aber auch f\u00fcr den Observer. In den Neunzigern kehrte er von London an die Merseyside zur\u00fcck und managte im Umfeld von Acid House-Hype und dem Club Cream The Farm, bevor er begann, Romane zu schreiben.\u00a0 Mit Awaydays &#8211; einer Geschichte, die im Umfeld von Tranmere Rovers-Hooligans spielt, landete er einen riesigen Erfolg. Die merkw\u00fcrdige Verbindung von Streetculture, Kleidern und Gewalt wird authentisch &#8211; aus eigener Erfahrung &#8211; in eine Story um Freundschaft und Liebe eingebettet. Die nachfolgenden B\u00fccher, die die Riots und Post-Punk (Stars are Stars), Gangstertum (Clubland) oder das Universit\u00e4tsleben (Freshers) als Background behandelten, untermauerten Sampsons Ruf authentisch die Sprache der Stadt und den zahlreichen Subkulturen zu sprechen.<\/p>\n<p>Weit weniger konventionell begann <strong>Helen Walsh<\/strong> ihre schrifstellerische Berufung in die Tat umzusetzen. Mit <em>Brass<\/em>, einem explosiven Debut, das, im Scouse-Slang geschrieben, auch eine gewisse Bereitschaft des Lesers f\u00fcrs Entkrypitisieren voraussetzt, beschreibt sie die Szene um das Universit\u00e4tsviertel und die Drogen\/Prostitutionsszene um die Kathedrale.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2992 size-full\" src=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/brass.jpg\" alt=\"\" width=\"182\" height=\"277\" \/><\/p>\n<p>Die neue Boheme trifft dabei auf die immer noch in \u00e4u\u00dferst prek\u00e4ren Umst\u00e4nden lebende Working Class.<br \/>\nDrastisch und in einer Sprache, die sich selbst wie ein Drogenrausch liest. Die folgenden B\u00fccher von Helen Walsh sind formal konventioneller geschrieben &#8211; <em>Once Upon A Time in England<\/em> ist im weitgehentsten Sinn eine Familiengeschichte und tr\u00e4gt auch autobiographische Z\u00fcge. <em>Go To Sleep<\/em>, die Schilderung einer postnatalen Depression, die sich durch monatelange Schlaflosigkeit zu einem seelischen Zusammenbruch ausw\u00e4chst, ebenfalls. Parallel dazu schildert sie eindr\u00fccklich die Arbeit der Protagonistin, einer Sozialarbeiterin im harten Liverpooler Norden. Beim <em>WOW<\/em>\u2014Festival diskutierte sie nach einer Lesung vor leider nur einer handvoll Zuh\u00f6rern im beliebten Everyman\u2019s Bistro \u00fcber Go To Sleep und ihren eigenen Werdegang. Walsh lebt mittlerweile in The Wirral, auf der anderen Seite von Liverpool, mit Kevin Sampson zusammen. Ihre Hauptthemen &#8211; Genderdebatten, Drogenpolitik, Sexualit\u00e4t, Klassengesellschaft &#8211; tauchen auch in Lemon Grove, einer weiteren Familiengeschichte, bei der sich nach und nach die Positionen verschieben (Ehepaar, Stieftochter, Freund) wieder auf.<br \/>\nInzwischen wechselte sie f\u00fcr ein Projekt auch ins Filmfach. The Violators behandelt die gleichen Themen wie ihre Romane. In einer Sozialhaussiedlung hat sich die Hauptdarstellerin (Lauren McQueen)gegen Einsch\u00fcchterungen und Missbrauch zu wehren. Sie trifft auf eine mysteri\u00f6sen Fremde (Brogan Ellis), die sie zu verfolgen scheint, und die, \u00e4hnliche Probleme, aus der Oberschicht stammt und mehr in die Geschichte verflochten ist als man zuerst erahnen konnte.<\/p>\n<p>Meist drastisch-poetisch geht es auch bei <strong>Niall Griffiths<\/strong>, der in Liverpool aufwuchs, zwischenzeitlich mit seinen Eltern nach Australien auswanderte und nun in Nord-Wales lebt, zu: <em>Grits<\/em>, <em>Sheepshagger<\/em> oder <em>Wreckage<\/em> verleitete die Kritiker Griffiths mit zeitgeistigen britischen Autoren in einen Topf zu werfen, wobei sp\u00e4testens <em>Kelly &amp; Victor<\/em>, eine intensive, auf gef\u00e4hrliche Weise romantische Liebesgeschichte inmitten einer rauen Stadt namens Liverpool im Umbruch zwischen Tradition und unsicherer Zukunft, und seine Reisef\u00fchrer, beweisen sollten, dass man es hier mit einem \u00fcber seinen eigenen Tellerrand hinausblickenden Autoren zu tun hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eric\u2019s, Urban Decay, Writing On The Wall Als Roger Eagle im Oktober 1976 mit Ken Testi den Club Eric\u2019s er\u00f6ffnete (sp\u00e4ter kam Pete Fulwell dazu), war noch nicht abzusehen, welchen Einfluss &#8211; nicht nur auf die Mersey-Side-Szene &#8211; das Kellerlokal in der Historie des Punks- und Postpunks haben sollte. Eigentlich S\u00fcd-Engl\u00e4nder, machte sich Eagle in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,160],"tags":[1014,1023,1012,1017,1018,228,1019,1021,1016,1013,1022,1020,1015],"class_list":["post-2987","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-langwellen","tag-carl-gustav-jung","tag-dance-and-pun","tag-erics","tag-helen-walsh","tag-kevin-sampson","tag-music","tag-niall-griffiths","tag-probe","tag-riots-toxteth","tag-roger-eagle","tag-the-liverpool-school-of-language","tag-urban-gardening","tag-writing-on-the-wall-festival"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2987"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3779,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987\/revisions\/3779"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2987"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}