{"id":2853,"date":"2016-12-15T12:16:12","date_gmt":"2016-12-15T11:16:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2853"},"modified":"2017-01-08T21:42:40","modified_gmt":"2017-01-08T20:42:40","slug":"ripples-dezember-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-dezember-2016\/","title":{"rendered":"Ripples Dezember 2016"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #00ff00;\">Teresa Villaverde &#8211; Eine Retrospektive<\/span><\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/agua-e-sal.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-2854 alignleft\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/agua-e-sal-150x150.jpg\" alt=\"agua-e-sal\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><\/p>\n<p>In der portugiesischen Hauptstadt l\u00f6st mittlerweile eines das andere hochkar\u00e4tige Filmfestival ab: Neben kleineren, die sich auf Subgenres spezialisiert haben und dem ganzj\u00e4hrigen, dem Mainstream fernen, exquisiten Programm der Cinemateca Portuguesa, ziehen die seit einiger Zeit j\u00e4hrlich stattfindenden Indie Lisboa, Doc Lisboa und das Lisbon &amp; Estoril Film Festival (LEFFEST) zunehmend auch eine internationale Kritikerriege an den Tejo.<br \/>\nW\u00e4hrend die Gentrifikation in Siebenmeilenstiefeln voranschreitet und auf ekelhafteste Weise die Altstadtviertel zu einer Art lusitanischem Disneyland umgekrempelt, wei\u00df die Kultur noch nicht so recht, wie reagieren. Das LEFFEST 2016, das sein Zentrum weniger in Estroil als in den beiden \u00fcbriggebliebenen Programmkinos Monumental und Nimas installiert hat &#8211; und somit im eigentlichen kulturellen Mittelpunkt der Stadt abseits der Touristentrampelpfade &#8211; setzte sich bei der Programmzusammenstellung auch der Kritik aus. Zu konzeptlos und gedr\u00e4ngt meinen manche, sei das Programm: neben den Wettbewerbsfilmen (meist portugiesiche Vorpremieren, von American Honey \u00fcber Elle und Dogs bis zu Bertrand Bonellos umstrittenem Nocturama und Jarmuschs Gimme Danger) waren Retrospektiven von Godard, Kusturica, Bonitzer und Teresa Villaverde; daneben auch eine Auswahl von Filmen Jerzy Skolimowski und andere Minireihen, zu sehen gewesen. <!--more--><br \/>\nSeja como for, die Filme von <strong>Teresa Villaverde<\/strong> &#8211; str\u00e4flich unterrepr\u00e4sentiert in den internationalen Kulturkinos &#8211; auf Leinwand sehen zu k\u00f6nnen, ist allein schon ein gro\u00dfes Verdienst.<br \/>\nMitte der 1980er Jahre war Portugal gerade in die Europ\u00e4ische Union eingetreten, aber noch nicht wirklich angekommen gewesen. Die Turbulzenzen der 1974er &#8211; Revolution mit seinen teils chaotischen politischen und sozialen Ver\u00e4nderungen, wurden auf Druck der USA und den m\u00e4chtigen westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder wieder in ruhigere Bahnen gelenkt; die Gro\u00dfgrundbesitzer, zuvor kurzerhand enteignet, mussten nicht mehr um ihr Hab und Gut f\u00fcrchten und die Nato nicht, dass Portugal sich dem Warschauer Pakt anschlie\u00dfen w\u00fcrde. Trotzdem, die j\u00fcngere Geschicht, die durch die Salazar-Diktatur bedingte Isolation und die Kolonialkriege waren noch lange nicht aufgearbeitet. Die in dieser Umbruchphase der Revolution adoleszenten sp\u00e4teren Filmemacher wurden durch die Ereignisse stark gepr\u00e4gt. <strong>Jo\u00e3o Botelho<\/strong>, <strong>Pedro Costa<\/strong>, <strong>Edgar P\u00eara<\/strong> beispielsweise. Und <strong>Teresa Villaverde<\/strong>, deren Debutfilm A Idade Maior sich anhand einer Familiengeschichte mit den R\u00fcckkehrern aus den afrikanischen Kolonien und den damit verbundenen Traumata f\u00fcr die Zur\u00fcckgebliebenen (Ehefrauen, Kinder) und die Unm\u00f6glichkeit vieler zum Krieg eingezogner M\u00e4nner wieder in den Alltag zur\u00fcckzukehren, auseinandersetzt. In den gro\u00dfen St\u00e4dten Portugals beispielsweise, wurde die im Land damals explodierende Drogenwelle auch durch diese R\u00fcckkehrer, die teilweise mit vierzig oder mehr Jahren ihre nicht bew\u00e4ltigten Erlebnisse mit Heroin therapierten und in die Obdachlosigkeit abglitten.<br \/>\n<strong>Teresa Villaverdes<\/strong> Filme sind z.B. Im Vergleich zu <strong>Costas<\/strong> an <strong>Straub\/Huilliet<\/strong> geschulte Spr\u00f6digkeit emotionaler, stark an den inneren Zust\u00e4nden der Protagonisten interessiert. Wobei sie die surrealen und symbolisch aufgeladenen Elemente als Stilmittel mit <strong>Costa<\/strong> teilt. Dessen gro\u00dfes Thema &#8211; die sozial benachteiligten und zu bestenfalls, wenn \u00fcberhaupt, zu Hilfskr\u00e4ften degradierten Einwanderer aus den fr\u00fcheren Kolonien, die im Bauwesen und als Reinigungskr\u00e4fte ausgebeutet werden, die die gro\u00dfen Einkaufszentren errichten und unterhalten, es aber es sich nicht leisten k\u00f6nnen mit dem Lohn ihr Leben zu bestreiten. So waren bis weit in die Neuziger Jahre an den Stadtr\u00e4ndern von Lissabon und teilweise auch in der Stadt Wellblechh\u00fcttensiedlungen omnipr\u00e4sent.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/os-mutantes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2855\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/os-mutantes-150x150.jpg\" alt=\"os-mutantes\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><br \/>\n<strong>Tereas Villaverde<\/strong> spielte schon als sehr junge Schauspielerin in J<strong>o\u00e3o C\u00e9sar Monteiros<\/strong>&nbsp; <em>\u00c0 Flor Do Mar<\/em> eine kleine Rolle und arbeitet immer schon auch als Texterin und Drehbuchautorin. Auch Dokumentarfilme bereichern ihr Ouevre. Die Spielfilme, vorallem die Trilogie, die in den 1990er entstanden ist &#8211; <em>A Idade Maior, Tr\u00eas Irm\u00e3os, Os Mutantes&nbsp;<\/em> handeln meist von Adoleszenten in schwierigen Lebensumst\u00e4nden. Traumatisiert, gestrauchelt, obdachlos oder in prek\u00e4ren Erziehungsanstalten eingesperrt, n\u00e4hert sie sich in ihrer Filmsprache &#8211; gleichsam rauh und behutsam &#8211; an diese extremen inneren Zust\u00e4nden, Verletzungen, \u00dcberschreitungen und Wendungen der Protagonisten an. Neben einigen bekannten portugiesischen Schauspielern wie <strong>Beatriz Bartada<\/strong>, <strong>Joaquim de Almeida<\/strong>, <strong>Maria de Medeiros<\/strong> oder <strong>Ana Moreira<\/strong> besetzt <strong>Teresa Villaverde<\/strong> die Rollen \u00fcberwiegend mit Laiendarstellern.<br \/>\n<em>Transe<\/em> (2008) ist ein in drastischen Bildern erz\u00e4hlter Film \u00fcber Menschenhandel, Prostitution und illegale Imigration. <em>\u00c0gua E Sal<\/em> (2001) dagegen &#8211; wie auch <em>Cisne<\/em> (2011) &#8211; wirkt introspektiver: Ein ruhiger, poetischer Film, der in meditativer Ann\u00e4herung die Gedanken der Hauptdarstellerin <strong>Galatea Ranzi<\/strong> begleitet, die an einem Haus am Meer versucht ein Projekt in die Wege zu leiten, aber nicht die innere Ruhe findet. Alles, was sie br\u00e4uchte, ist, dass die Zeit stehenbleibt. <em>Cisne<\/em> mit <strong>Beatriz Bartarda<\/strong> in der Hauptrolle setzt sich mit der Einsamkeit des K\u00fcnstlerdaseins auseinander. Im Hintergrund spielt wieder eine Geschichte von einem gestrauchelten Jungen, der ein Geheimnis mit sich tr\u00e4gt. Ein neuer Film &#8211; <em>Colo<\/em> &#8211; wird in diesen Tagen in Portugal anlaufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teresa Villaverde &#8211; Eine Retrospektive In der portugiesischen Hauptstadt l\u00f6st mittlerweile eines das andere hochkar\u00e4tige Filmfestival ab: Neben kleineren, die sich auf Subgenres spezialisiert haben und dem ganzj\u00e4hrigen, dem Mainstream fernen, exquisiten Programm der Cinemateca Portuguesa, ziehen die seit einiger Zeit j\u00e4hrlich stattfindenden Indie Lisboa, Doc Lisboa und das Lisbon &amp; Estoril Film Festival (LEFFEST) [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,633],"tags":[976,975,977,134],"class_list":["post-2853","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-ripples","tag-doc-lisboa","tag-indie-lisboa","tag-leffest","tag-teresa-villaverde"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2853","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2853"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2853\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2954,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2853\/revisions\/2954"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}