{"id":2753,"date":"2016-03-05T21:08:56","date_gmt":"2016-03-05T20:08:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2753"},"modified":"2016-03-05T21:10:53","modified_gmt":"2016-03-05T20:10:53","slug":"ripples","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples\/","title":{"rendered":"Ripples"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><strong><em>Pierre von Kleist editions &#8211; Ein unabh\u00e4ngiger Verlag f\u00fcr Fotob\u00fccher<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/3_livros.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2757\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2757\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/3_livros-150x150.jpg\" alt=\"3_livros\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><br \/>\nAls vor sechs Jahren der Name und das Icon von <em>Pierre Von Kleist<\/em> auftauchte, gab es unter dem kleinen Zirkel derjenigen, die der Fotokunst nahestehen, einige Spekulationen. Wer k\u00f6nnte sich hinter diesem gezeichneten Konterfei auf einer M\u00fcnze verbergen? Die altmodische Frisur und der breite Schnurrbart lie\u00dfen auf eine leicht verschrobene Figur schlie\u00dfen. Und tats\u00e4chlich, die Website beschrieb Pierre von Kleist als einen leidenschaftlichen Sammler von Fotob\u00fcchern und Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Ungl\u00fccklicherweise wurde der Gro\u00dfteil seines Bestandes Opfer eines Brandes. Die Suche im Internet f\u00fchrte zu einer Adresse in Lissabon.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das passte es ganz gut, dass die Erfinder dieser Geschichte, die beiden Fotographen <strong>Andr\u00e9 Pr\u00edncipe<\/strong> und <strong>Jos\u00e9 Pedro Cortes<\/strong> eine Neuauflage des lange vergriffenen Buches <em>\u2018Lisboa, Cidade Triste, Cidade Alegre\u2019<\/em> von <strong>Victor Palla<\/strong> und <strong>Costa Martins<\/strong> von 1959 ank\u00fcndigten. Der sehr gesuchte Fotoband wurde sp\u00e4testens nachdem ihn <strong>Martin Parr<\/strong> in seiner Liste essentieller Fotob\u00fccher auflistete, zu abstrusen Preisen gehandelt. Pr\u00edncipe und Cortes fanden, als sie zusammen in London lebten, dass es, einerseits gerade in Zeiten der Buch- (und sonstigen) &#8211; Krisen n\u00f6tig w\u00e4re, einen Verlag zu gr\u00fcnden, der sich relevanten Fotob\u00fcchern verschreibt, und anderseits, dass wichtige B\u00fccher nicht nur f\u00fcr Sammler bestimmt sein sollten.<\/p>\n<p><strong>Victor Palla<\/strong> und <strong>Costa Martins<\/strong> lernten sich in den 1940ern Jahren kennen, als sie an den Schulen der Sch\u00f6nen K\u00fcnste in Lissabon und Porto Architektur studierten. Da sie beide zus\u00e4tzlich eine Leidenschaft f\u00fcr die Fotographie entwickelten, konzipierten und realisierten sie zwischen 1957-59 das Buch <em>\u2018Lisboa, Cidade Triste, Cidade Alegre\u2019<\/em>. Obwohl es unter Salazar in Portugal nicht einfach war, an Informationen aus dem Ausland zu gelangen, wussten Palla und Martins sehr gut \u00fcber die zeitgen\u00f6ssischen internationalen Kunstszenen Bescheid und waren neben ihrem Haupterwerb als Architekten auch in der philosophischen Kaffeehausszene von Lissabon, wo auch Galeriebesitzer und Cineasten verkehrten, involviert.<br \/>\nDie lose thematisch geordneten Fotos des Buches bilden in sowohl poetischer wie dokumentarischer Form eine beeindruckende Momentaufnahme der portugiesischen Hauptstadt in den F\u00fcnfzigern ab: Diese ist zweifellos schonungslos und hat nichts mit einer Postkartenidylle gemein. Die Staatstragenden des Estado Novo vermittelten im Ausland eine ganz andere Sichtweise des Lebens in Portugal. Begleitend zu den Fotos finden sich in <em>\u2018Cidade Triste, Cidade Alegre&#8217;<\/em>, Gedichte und Texte von u.a. <em>Alexandre O\u2019Neil, David Mor\u00e3o-Ferreira, Eug\u00e9nio De Andrade oder Jorge de Sena<\/em>. Die Fotographien &#8211; roh, grobk\u00f6rnig, mit starken schwarz\/wei\u00df &#8211; Kontrasten und ohne Blitz aufgenommen &#8211; wirken auch heute noch sehr modern und suggerieren eine romantische und wundersame, aber eben auch von Armut gezeichnete Stadt, die hier beinahe in einem cinematographischen Kontext erscheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/81208-45f174ae65a54f7985defc068f19bae4.jpeg\" rel=\"attachment wp-att-2754\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2754\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/81208-45f174ae65a54f7985defc068f19bae4-150x150.jpeg\" alt=\"81208-45f174ae65a54f7985defc068f19bae4\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Andr\u00e9 Pr\u00edncipe<\/strong> lernte <strong>Victor Palla<\/strong> Ende der 1990er kennen, als er w\u00e4hrend seines Studiums eine Dokumentation plante. Zuf\u00e4llig kamen sie im Gespr\u00e4ch auf das lange vergriffene Buch zu sprechen. Sp\u00e4ter, in London, als <strong>Pr\u00edncipe<\/strong> sich \u00fcber die Gr\u00fcndung eines Verlages kundig machte und <strong>Cortes<\/strong> seinen Master in Fotographie ablegte, wurde eine Neuauflage diskutiert, die dann nach Pallas\u2019 Tod 2009 in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschien. Das Buch wurde Ende 2015 nochmals aufgelegt.<\/p>\n<p>Rund zwanzig Fotob\u00fccher sind in dem kleinen Eigenverlag inzwischen erschienen. Die Titel sind mittlerweile nicht nur per Postversand, sondern auch in einigen ausgesuchten internationalen Buchl\u00e4den erh\u00e4ltlich. Neben B\u00fcchern der beiden Verlagsgr\u00fcnder <strong>Andr\u00e9 Pr\u00edncipe<\/strong> und <strong>Jos\u00e9 Pedro Cortes<\/strong>, erschienen auch Titel von u.a. <strong>Daniel Blaufuks, Marco Martins, Pauliana Valente Pimentel<\/strong> oder <strong>Pedro Letria<\/strong>. Das Motto &#8211; \u2018Das Fotobuch ist eine komplexe Kunstform, die Fotographie, Graphik, Kino, Literatur etc. verbindet.\u2019 ist eines, das sicherlich alle dort ver\u00f6ffentlichenden K\u00fcnstler, so unterschiedlich sie in ihrer Arbeitsweise auch sind, unterschreiben.<\/p>\n<p>Alle Titel von <em>Pierre von Kleist<\/em> sind aber &#8211; und dies darf als weiterer gemeinsamer Nenner betrachtet werden &#8211;\u00a0 auch eine Art Travelogue. <strong>Jos\u00e9 Pedro Cortes<\/strong> lebte f\u00fcr die Realisierung seine Serie \u2018sense of place\u2019 in unterschiedlichen St\u00e4dten, wo er Architektur, scheinbare Randerscheinungen an Nebenschaupl\u00e4tzen und &#8211; manchmal &#8211; Menschen in ihrem privaten bis intimen Umfeld portraitierte. Bei <em>\u2018Things Here And Things Still To Come\u2019<\/em> ist der Schauplatz Tel Aviv, wo Cortes vier Amerikanerinnen, die mit 18 Jahren entschieden haben, den Milit\u00e4rdienst in Israel zu leisten und die anschlie\u00dfend im Land geblieben sind, in ihren Wohnungen portraitiert und diesen Bildern Au\u00dfenaufnahmen der Stadt &#8211; Bauhausarchitektur und Baus\u00fcnden, verfallenene und neue Ecken, Palmen und Schrott &#8211; entgegenh\u00e4lt.<br \/>\n\u00c4hnlich ist <em>\u2018One\u2019s Own Arena\u2019<\/em> konzipiert. Die Orte des Nachtlebens der japanischen Stadt Toyama sind scheinbar menschenleer und fungieren f\u00fcr sich selbst. Pflanzen und Objekte sind dagegen mit einer \u00e4hnlichen Aura aufgeladen wie die Portraits von Frauen und M\u00e4nnern in Hotels und in ihrer Wohnung. \u2018<em>Costa\u2019<\/em> dagegen sammelt Bilder vom Hinterland der Costa Da Caparica im S\u00fcden von Lissabon. Die faszinierend-herbe und entv\u00f6lkerte Landschaft &#8211; im Gegensatz zum Trubel an den Str\u00e4nden &#8211; wirkt mit seiner verstreuten Ansammlung von Treibgut, H\u00fctten, Schrott, aber auch Sand, Schlangen und widerstandsf\u00e4higen Pflanzen und Str\u00e4uchern wie ein\u00a0 Ort der Meditation (oder der Apokalypse), je nach Betrachtungsweise.<\/p>\n<p><strong>Ant\u00f3nio J\u00falio Duartes<\/strong> Buch \u2018<em>Japan Drug\u2019<\/em> kompiliert Schwarz\/Wei\u00df-Arbeiten von einer Reise nach Japan 1997; <em>\u2018Tokyo Diaries\u2019<\/em> von <strong>Andr\u00e9 Pr\u00edncipe<\/strong> und dem Filmemacher <strong>Marco Martins<\/strong>, ist ein Buch mit Aufnahmen, die f\u00fcr einen Film gedacht waren. Neben schnapsschussartigen Stimmungsbildern, die Japan in unterschiedlichsten Facetten zeigen, ist das eigentliche Thema die Begegnung mit den japanischen Fotographen <em>Araki, Daido Moriyama, Takuma Nakahira, Hiromix, Kohei Yushiyuku<\/em> und <em>Kajii Syoin.<\/em><br \/>\n<strong>Andr\u00e9 Cepeda<\/strong> begab sich nach S\u00e3o Paulo (Rua Stan Getz), <strong>Pedro Letria<\/strong> nach Rhode Island in den USA, wo er ein Buch \u00fcber die portugiesischen Social Clubs (The Club) machte.<br \/>\nEin Skizzenbuch von <strong>Pedro Costa<\/strong>, das w\u00e4hrend der Entstehung von <em>&#8216;Casa De Lava&#8217;<\/em> entstand, war eines der ersten B\u00fccher von Pierre von Kleist editions; <strong>Pauliana Valente Pimentel<\/strong> betrachtet im leider vergriffenen Buch <em>\u2018Vol. 1\u2019<\/em> eine irritierende Lissaboner Szenerie aus Kitsch und Kunst und Boh\u00e8mian-Life.<\/p>\n<p>Dass sich <em>Pierre von Kleist<\/em> behaupten kann, liegt neben den minimalen Betriebskosten (der Verlag operiert aus der eigenen Wohnung heraus) auch daran, dass es <strong>Pr\u00edncipe<\/strong> und <strong>Cortes<\/strong> mit ihrer interdisziplin\u00e4ren Ausrichtung zunehmend gelingt, einen Fu\u00df in der Kunstszene zu bekommen und auch an den wichtigen Messen wie Unseen in Amsterdam oder Fotobook in Kassel pr\u00e4sent zu sein.<br \/>\n<strong>Jos\u00e9 Pedro Cortes<\/strong>\u2019 <em>\u2018One\u2019s Own Arena\u2019<\/em> war im Museu da Electricidade in Lissabon ausgestellt, genauso wie \u2018Antena 2\u2019 von Pr\u00edncipe in einer Galerie zu sehen war.<br \/>\n<strong>Andr\u00e9 Pr\u00edncipe<\/strong> zeichnet sich vergangenes Jahr auch f\u00fcr den Film <em>\u2018Campo de Flamingo Sem Flamingos\u2019<\/em> aus, der, zwar abstrakter, aber thematisch \u00e4hnlich wie <em>Miguel Gomes<\/em> in <em>\u2018As Mil E Uma Noites\u2019<\/em>, die Finanzkrise und die Troika als Thema im Hintergrund spielen l\u00e4sst. Die Manipulation und die \u00dcberlagerung der Tatsachen durch die Trash-Medien sind keine neue Erkenntis, machen aber die Dinge dadurch nicht ertr\u00e4glicher.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pierrevonkleist.com\" target=\"_blank\">pierrevonkleist.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pierre von Kleist editions &#8211; Ein unabh\u00e4ngiger Verlag f\u00fcr Fotob\u00fccher Als vor sechs Jahren der Name und das Icon von Pierre Von Kleist auftauchte, gab es unter dem kleinen Zirkel derjenigen, die der Fotokunst nahestehen, einige Spekulationen. Wer k\u00f6nnte sich hinter diesem gezeichneten Konterfei auf einer M\u00fcnze verbergen? 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