{"id":2404,"date":"2014-05-22T15:08:01","date_gmt":"2014-05-22T14:08:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2404"},"modified":"2014-07-03T17:23:32","modified_gmt":"2014-07-03T16:23:32","slug":"ripples-mai-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-mai-2014\/","title":{"rendered":"Ripples Mai 2014"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><strong><em>Lissabonner April: Francesconi, Dirty Beaches, Excepter<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Das 1969 erbaute Veranstaltungshaus der Funda\u00e7\u00e3o Gulbenkian ist wie auch das Museum, das sich in einen gleichzeitig angelegten Park einf\u00fcgt, ein Meisterwerk an modernistischer Schlichtheit und Klarheit. Im \u201cGrande Audit\u00f3rio\u201d wurde am 1. und 2. April <strong>Luca Francesconis<\/strong> Oper <em>Quartett<\/em> aufgef\u00fchrt, die in Mailand Premiere hatte und in einer reduzierten Version auch in Portos Casa Da M\u00fasica in der Inszenierung von <strong>Nuno Carinhas<\/strong> pr\u00e4sentiert wurde. <strong>Francesconi<\/strong>, ehemals Berio- und Stockhausensch\u00fcler, zeichnet sich schon f\u00fcr diverse zeitgen\u00f6ssiche Opern verantwortlich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2409 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/00001461_0001-150x150.jpg\" alt=\"00001461_0001\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nDie Lissaboner Auff\u00fchrung wiederum lehnt sich mit der Inszenierung von <strong>La Fura Dels Baus<\/strong> und der musikalischen Leitung von <strong>Susanna M\u00e4lkki<\/strong> an die Urauff\u00fchrung an. Laut Pressemitteilung ist <em>Quartett<\/em> die technisch bislang komplexeste Darbietung der Gulbenkian-Musikabteilung. Den technischen Schwierigkeitsgrad erh\u00f6ht zus\u00e4tzlich die Koordination von <em>IRCAM Paris<\/em>, dem <em>Orchestra Gulbenkian<\/em> mitsamt Chor und multimedialen Einspielungen.<br \/>\n<em>Quartett<\/em> ist ein Text von <strong>Heiner M\u00fcller<\/strong>, der <strong>Chroderlos de Laclos<\/strong> Roman <em>Gef\u00e4hrliche Liebschaften<\/em> 1980 zu einem Dialog umgearbeitet hat, in dem die beiden Hauptfiguren einen exzessiven und permanenten Machtkampf um Liebe, Betrug und Lebens\u00fcberdruss ausfechten.<br \/>\nDa hat man noch die Verfilmungen von Frears und &#8211; die weit experimentellere &#8211; von Forman in Erinnerung, aber dies hier ist wieder ganz etwas anderes: Valmont und Merteuil, Vertreter der Oberklasse, wie <strong>\u00c0lex Oll\u00e9<\/strong> von La Fura Dels Baus das vermeintlich klassenk\u00e4mpferisch sieht, und in einer kosmopolitischen westlichen Stadt lebend, sind auch vom \u201crichtigen Leben\u201d isoliert. Sie sind eigentlich nur mit sich selbst besch\u00e4ftigt und veruschen ihre emotionale Leere durch gegenseitiges Drangsalieren und Betr\u00fcgen zu verdr\u00e4ngen.<br \/>\nDas B\u00fchnenbild wurde von <em>La Fura Dels Baus<\/em> auf einen im Raum schwebend-wirkenden schwarzen Kasten reduziert, hinter dem auf der R\u00fcckwand Bilder und Filme multimedial projeziert wurden. Diese meist graustichigen bis monochromen visuellen Bildfolgen scheinen von Dokumaterial von Fl\u00fcchtlingsgeschichten zusammengeschnitten worden zu sein (die andere, reale Welt). Oll\u00e9 erkl\u00e4rt das so: zuerst befinden sich Valmont und Merteuil in einer Zelle, einem W\u00fcrfel ohne Vorder-und R\u00fcckwand. Die Zelle isoliert die Beiden von der Au\u00dfenwelt und sie sind ein einem emotionalen Gef\u00e4ngnis gefangen. Das Exterriorale ist die Flucht ins Geistige mit seinen W\u00fcnschen, Begehren und Tr\u00e4umen. Der \u00dcbergang von der inneren zur \u00e4u\u00dferen Welt wird vom Musikalischen und Visuellen getragen.<br \/>\nWeit weniger sperrig wie man es von einer zeitgen\u00f6ssischen Oper erwarten k\u00f6nnte, aber mit L\u00e4ngen und Phasen, in der die Monotonie Vorrgang hat, was wohl der Dramaturgie des St\u00fccks geschuldet ist, bekriegen sich\u00a0 <strong>Robin Adams<\/strong> (Bariton) und <strong>Allision Cook<\/strong> (Mezzo-Sopran) &#8211; die Valmont und Merteuil geben &#8211; stimmlich und physisch bis aufs Blut, tauschen die Rollen (und Kleider) mehrmals und bezeugen genau die klaustrophobisch-schwarzmalerische Stimmung, die die visuelle Inszenierung vorgibt; und letztendlich kommt immer mehr der trockene Humor eines <strong>Heiner M\u00fcllers<\/strong> zum Vorschein.<\/p>\n<p>Der musikalische Grenzg\u00e4nger und nach der Aufgabe seines b\u00fcrgerlichen Jobs seit einigen Jahren nomadenhaft um die Welt ziehende <strong>Alex Zhang Hungtai<\/strong> aka <strong>Dirty Beaches<\/strong> residiert seit einigen Monaten in Lissabon, wo er vom alternativen Zentrum <em>Z\u00e9 Dos Bois<\/em> eine Residenz f\u00fcr einen K\u00fcnstleraufenthalt erhielt. Die portugiesische Hauptstadt wird, nachdem andere, lange erschwinglich gewesene Zentren wie Berlin langsam aber sicher auch f\u00fcr freischaffende K\u00fcnstler nicht mehr finanzierbar sind, in diesen Kreisen zunehmend attraktiver, da die Lebenshaltungskosten, auch aufgrund der Krise, die das Land in vielen Bereichen auch beinahe lahmlegt, sich noch nicht auf den EU-Durchschnitt<br \/>\neingependelt haben. Vom Punk-Crooner, den er auf zahlreichen Tapes und dem ersten Album gab, haben sich seine Interessen zunehmend in experimentellere Bereiche zwischen Ambient und Improvisierter Musik vorgetastet, wie man schon teilweise auf dem letzten Doppelalbum <em>Drifters\/Love Is The Devil<\/em> und der Filmmusik <em>Water Park<\/em> h\u00f6ren konnte.<br \/>\nIn einem Interview \u00e4u\u00dferte sich <strong>Zhang Hungtai<\/strong> begeistert \u00fcber die Atmosph\u00e4re und die in manchen Bereichen noch nicht vollkommen globalisierte Lebensweise der Portugiesen. In einsamen Streifz\u00fcgen in den Morgenstunden, nachdem er zuvor Musik spielte und aufnahm, erlebe er immer wieder faszinierende, manchmal beinahe zwischenweltlich angehauchte Momente. Zeugnis von seinem Leben in Lissabon sollte das, speziell f\u00fcr diesen Anlass geschriebene, St\u00fcck <em>Landscapes In The Mist<\/em>, im sch\u00f6nen <em>Teatro Maria Matos<\/em> geben. Eine Hommage an die Stadt Lissabon, d.h. f\u00fcr <strong>Zhang Hungta<\/strong>i, dass er seine Eindr\u00fccke in T\u00f6ne umsetzt und sie mit den Gef\u00fchlszust\u00e4nden seines diasporischesn Lebens konfrontiert oder angleicht. Die Frage nach Heimat ist f\u00fcr ihn, der in Tawain geboren, in Hawai aufgewachsen und dann in Kanada gelebt und B\u00fcrger geworden war, bevor er seinem inneren Drang nach Heimatlosigkeit folgte, zwiesp\u00e4ltig besetzt und wird von ihm im Grunde, aufgrund der zunehmenden nationalistischen Tendenzen, auch politisch abgelehnt. <em>Landscapes in the Mist<\/em>, ein St\u00fcck von der letzten Platte, ist nicht unbedingt das Naheliegendste, das einem zu Lissabon einf\u00e4llt, f\u00fcr <strong>Zhang Hungtai<\/strong> sind damit aber neben der inneren Befindlichkeit auch die erw\u00e4hnten \u201c spooky moments \u201c gemeint. Nur logisch, dass seine Musik immer mehr atmosp\u00e4risch innere Zust\u00e4nde auslotet. Auf der B\u00fchne des <em>Mario Matos\u2019<\/em> spielt er zusammen mit <strong>Shub Roy<\/strong> &#8211; Multiinstrumentalist und hier Gitarrist &#8211; und, den \u00fcber das ZDB kennen- und sch\u00e4tzen gelernten <strong>Andr\u00e9 Gon\u00e7alves<\/strong> &#8211; seines Zeichens T\u00fcftler und mit Synthesizermodulatoren musizierenden K\u00fcnstler, der sich ansonsten auch in der Bildenden Kunst wohlf\u00fchlt, eingebettet in einen dronigen-nebul\u00f6sen und sehr introspektiv-monotonen Ambientsound, neben Gitarre vor allem Saxophon.<\/p>\n<p>Dass die St\u00e4rken der New Yorker Band <strong>Excepter<\/strong>, wie ihr nachgesagt wird, vor allem bei Liveauftritten zum Zuge kommen, bewies ihr Besuch im multidiziplin\u00e4ren <em>Z\u00e9 Dos Bois<\/em> im Bairro Alto.<br \/>\nDas aktuelle Line-Up um den charismatischen \u201cManic Street Preacher\u201d <strong>John Fell Ryan<\/strong> mit <strong>John Nicholson<\/strong> (Synth., Electr., Guitar), <strong>John Williams<\/strong> (Synth., Electronics) und die in Lissabon fehlende <strong>Lala Ryan<\/strong> (Vocals, Synth., Electr., Perc.) amalgamisiert die fr\u00fcheren Ausfl\u00fcge in beinahe jedes experimentelle Feld der Musik zu einem kompakten Ganzen, das trotz allem \u00fcbereinandergelagerten und dichten Sound \u00fcberraschend zug\u00e4nglich ist. <strong>John Fell Ryan<\/strong>, mit ausladendem Sonnenhut und sich zum sich aufbauenden Rhythmusgeflecht in Zeitlupe in Trance tanzend, gibt den sonambulanten Beatnik des 21. Jahrhunderts, um dann seine literarischen Exkursionen im beschw\u00f6renden Sing Sang gegen die sich stetig weiter auft\u00fcrmenden Layers aus der Maschinenfabrik entgegenhallen zu lassen. <strong>Nicholson<\/strong> entlockt seiner mit diversen Ger\u00e4tschaften manipulierten Gitarre gar Seltsames und der Mann hinter den Maschinen <strong>John Williams<\/strong> ist ganz der coole New Yorker DJ, der das beste von Word Sound, tribalistische, verdubbte Psychedelica, No Neck Blues Band &#8211; Krauteskapaden und Popol Vuhiges mantraartiges Innehalten zu einer Art spirituellem Post-Industrial zusammenmixt. Mit den Tokyoter <strong>OOIOO<\/strong> ist die aktuelle Excepter Version vielleicht, wenn schon nicht mehr die hippste, gerade die zeitgem\u00e4\u00dfeste Live-Band.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lissabonner April: Francesconi, Dirty Beaches, Excepter Das 1969 erbaute Veranstaltungshaus der Funda\u00e7\u00e3o Gulbenkian ist wie auch das Museum, das sich in einen gleichzeitig angelegten Park einf\u00fcgt, ein Meisterwerk an modernistischer Schlichtheit und Klarheit. Im \u201cGrande Audit\u00f3rio\u201d wurde am 1. und 2. 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