{"id":2384,"date":"2014-04-26T08:59:19","date_gmt":"2014-04-26T07:59:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2384"},"modified":"2018-01-13T11:35:19","modified_gmt":"2018-01-13T10:35:19","slug":"das-belgische-label-okraina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/das-belgische-label-okraina\/","title":{"rendered":"Bruxelles Soundscapes"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\">Das belgische Label Okraina<\/span><\/p>\n<p><strong>Philippe Delvosalles<\/strong> Label <strong>Okraina<\/strong> bezieht sich auf <em>Boris Barnets<\/em> gleichnamigen Film von 1933, einem, was Bildschnitt und Tonstruktur anbelangt, wegweisenden Werk. Der sowjetische Regiesseur erz\u00e4hlt Alltagsbegebenheiten, die sich in einem Quatier am Rande einer Gro\u00dfstadt abspielen, w\u00e4hrend im Hintergrund der 1. Weltkrieg ausbricht. <em>Okraina<\/em> bedeutet im Deutschen auch Stadtrand oder Peripherie. Dies ist neben der cineastischen Inspiration auch der Link bei der Namensfindung des Labels gewesen, wurden doch die Aufnahmen f\u00fcr die bisherigen drei ausgezeichneten Ver\u00f6ffentlichungen, unter anderem in der als K\u00fcnstlerresidenz fungierenden <em>Caveau Sauvage<\/em> vor den Toren Br\u00fcssels in Leuwen und in Ghent w\u00e4hrend Liveauftritten eingespielt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/okraina.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2401\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/okraina-150x150.jpg\" alt=\"okraina\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><\/p>\n<p><!--more--> Ausgesprochen sch\u00f6n ist auch die Gestaltung der im Doppel-10\u201d &#8211; Format erscheinenden Platten. <strong>Gw\u00e9nola Carr\u00e8re<\/strong>, die ansonsten bevorzugt als Kinder- und Erwachsenenbuchillustratorin arbeitet, zeichnet sich f\u00fcr die phantasievoll-fabirgen, leicht surrealen, Landschaften verantwortlich, die mich u.a. an eine Verbildlichung des versponnenen literatischen Universums eines Raymond Roussel denken lassen. Manche kennen Gw\u00e9nola Carr\u00e8res Arbeiten schon von den Platten eines anderen br\u00fcsseler Labels &#8211; <em>Humpty Dumpty<\/em> &#8211; und vom, leider verblichenen, Magazin <em>Plan B<\/em>.<\/p>\n<p>Altert\u00fcmliche Chansons und Interpretationen von <em>Brigitte Fontaine\/ Areski<\/em> und <em>J. Richepin\/J-M Senia<\/em> verwandeln sich bei der franz\u00f6sischen S\u00e4ngerin <strong>Eloise Decazes<\/strong> &#8211; ansonsten im Duo <em>Arlt<\/em>, einem charmanten, etwas konventionelleren Projekt, involviert &#8211; und dem dem Constellation-Umfeld zugeneigten kanadischen Gitarristen <strong>Eric Chenaux<\/strong> in etwas komplett Anderes und Zeitloses: etwas dunkel-Ironisches, wie wenn man durch den surrealen farbigen Wald des H\u00fcllenfotos l\u00e4uft und eine Metamorphose erf\u00e4hrt. Wo befinden wir uns nun? Im Mittelalter oder doch in den Sixties? Minimalistisch die Musik (Gitarre, Keyboards, Melodica), irgendwo Verlorenheit ausstrahlend, aber keinesfalls harmlos, der Gesang: die acht St\u00fccke im Tempo so gedrosselt, dass s\u00e4mtliche Assoziationen und unterstellte Querverbindungen ins Leere laufen. Mehr solchen sophistikaten Background, weitere solch dunkle Songs und die Neo-Chanson-Szene k\u00f6nnte einpacken.<\/p>\n<p><strong>La Ballade Au Beau Regard<\/strong> versammelt Beitr\u00e4ge, die in der K\u00fcnstlerresidenz <em>Ferme Du Bi\u00e9reau<\/em> in Louvain-La-Neuve unter der Schirmherrschaft von <strong>Paul LaBreque<\/strong> enstanden sind: <em>Larkin Grimm, Paul Metzger, Cam Deas, Jack Allett, Micah Blue Smaldone<\/em> loten alle Nuancen des Weird Folks und sonstiger Freeformen aus.<br \/>\n<strong>Larkin Grimms<\/strong> Beitr\u00e4ge &#8211; They Were Wrong und Be My Host -, zwei St\u00fccke von ihrem so ungew\u00f6hnlich wie uneinsortierbaren Album auf Young Gods &#8211; hier mit <strong>Anne Collet<\/strong> und <strong>Paul LaBreque<\/strong> in deutlich raueren Fassungen gespielt &#8211; zeigt ihre Musik in einem anderen Kontext. Zwischen den USA Europa und Irgendwo spiegelt ihre Musik die Sehnsucht nach einer neuen Art von Nomadenleben und Freiheit; eine vielleicht zu plumb unterstellte Interpretation und Verkn\u00fcpfung mit ihrer Biographie: sie wuchs, laut ihrer Website, in einer Hippie-Kommune auf; ihre Eltern wiederum waren in ihrer Jugend aus extrem engen Familienverb\u00e4nden\/Sekten gefl\u00fcchtet.<br \/>\n<strong>Cam Deas<\/strong>, Brite und Gitarrist, ist ein Neo-Faheyist und als solcher ist sein verschachtelter, dynamischer Free-Folk komplex und die Sinne ansprechend zugleich. Deas ist mit seiner Auffassung von Kunst nicht weit von der eines Landsmannes <strong>James Blackshaw<\/strong> entfernt, der mir an einem magischen Abend im <em>Teatro Maria Matos<\/em> in Lissabon diese Musik zwischen Improvisation und Komposition, Einfl\u00fcssen von Minimal Music und Drones n\u00e4herbrachte. Auch der kurze Ausschnitt von <strong>Jack Allett<\/strong> deutet an, dass er sich in genau diesem Genre zuhause f\u00fchlt.<br \/>\nAlternative-Country von <strong>Micah Blue Smaldone<\/strong> und <strong>Paul Metzger &amp; Guests<\/strong> l\u00e4ngere Ambient\/Noise-Improvisation runden die Kompilation ab.<br \/>\nDas neueste <strong>Okraina<\/strong>&#8211; Kleinod ist ein ansonsten nur als Tour-CD erh\u00e4ltlich gewesener Ausschnitt vom gemeinsamen Projekt von <strong>Ignatz<\/strong> (aka Bram Devens) und <strong>Harris Newman<\/strong> (verdienter Produzent von u.a. Constellation-Artists, Vic Chesnutt und ein altbekannter Zeitgenosse in Belgiens Outsiderzirkeln). Die Zusammenarbeit der beiden Gitarristen &#8211; auch ein Synthesizer kommt zum Einsatz &#8211; manifestiert sich in einer Musik, die nicht allzu weit entfernt von der Ignatz\u2019 ist. Allerdings wird den gewohnt psychotisch-klaustrophob-d\u00fcsteren, schwarz-humorigen, elektronisch entstellten Low-Fi-Balladen eine luftigere Note hinzugef\u00fcgt. Introspektion ist immer noch das Thema, aber weniger autistisch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.okrainarecords.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Okraina Records<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das belgische Label Okraina Philippe Delvosalles Label Okraina bezieht sich auf Boris Barnets gleichnamigen Film von 1933, einem, was Bildschnitt und Tonstruktur anbelangt, wegweisenden Werk. Der sowjetische Regiesseur erz\u00e4hlt Alltagsbegebenheiten, die sich in einem Quatier am Rande einer Gro\u00dfstadt abspielen, w\u00e4hrend im Hintergrund der 1. Weltkrieg ausbricht. Okraina bedeutet im Deutschen auch Stadtrand oder Peripherie. 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