{"id":2377,"date":"2014-03-02T11:03:38","date_gmt":"2014-03-02T10:03:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2377"},"modified":"2014-07-04T14:30:48","modified_gmt":"2014-07-04T13:30:48","slug":"neue-produktionen-aus-portugal-joana-sa-filho-da-mae-noiserv-putas-bebadas-yong-yong","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/neue-produktionen-aus-portugal-joana-sa-filho-da-mae-noiserv-putas-bebadas-yong-yong\/","title":{"rendered":"Ripples M\u00e4rz 2014"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\">Neue Produktionen aus Portugal: Joana S\u00e1, Filho Da M\u00e3e, Noiserv, Putas B\u00eabadas, Yong Yong<\/span><\/p>\n<p>Die wundervolle, so geheimnisvoll wie abstrakte Musik, die <strong>Joana S\u00e1<\/strong> auf ziemlich schwer zug\u00e4nglichen Alben wie <em>Through The Looking Glass<\/em>, eine sehr freie Adaption <em>Lewis Carrolls<\/em>, mit Reverenzen an <em>Robert Schumann<\/em> und Literaten der Moderne, oder <em>Almost A Song<\/em>, mit dem Gitarristen <strong>Lu\u00eds Jos\u00e9 Martins<\/strong> dem geneigten Zuh\u00f6rer bescherte, findet auf dem aktuellen &#8211; <em>Elogio Da Desordem<\/em> &#8211; seinen, mit Sicherheit nur vorl\u00e4ufigen, H\u00f6hepunkt an mysteri\u00f6ser Verzauberung. Die Adaption\/Kombination\/Einbettung diverser Texte des momentan wohl interessantesten literarischen Allrounders Lusitaniens <strong>Gon\u00e7alo M. Tavares<\/strong> &#8211; <strong>Rosinda Costa<\/strong> zitiert Fragmente aus animalescos, o senhor Swedenborg, investiga\u00e7\u00f5es geom\u00e9tricas, um viagem \u00e0 \u00b4India &#8211; in die spr\u00f6den Pianokompositionen \u00fcben eine unwiderstehliche Faszination aus. <strong>S\u00e1<\/strong> erforscht das semi-pr\u00e4pariertes Klavier auf der Suche nach dem idealen Klang zwischen L\u00e4rm und Stille und konfrontiert\/erg\u00e4nzt das Instrument mit einer Sirenen\/Glocken-Installation, Toy Piano, Harmonium, Tubes und Noise-Boxes. Auch die Texte sind nur ein Bestandteil des gro\u00dfen Ganzen und vollst\u00e4ndig in die Komposition eingebettet, wie auch die Kategorisierungen wie Pianistin, Improvisatorin, Komponistin aufgehoben werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-2412 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/a1223825256_2-150x150.jpg\" alt=\"a1223825256_2\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/a1223825256_2-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/a1223825256_2-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/a1223825256_2.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nIm Sommer 2011 fanden im &#8211; ansonsten vom Lauf der Zeit bemerkenswert unber\u00fchrten, immer noch, aufgrund der hier zusammengetragenen botanischen Vielfalt, eine irgendwie koloniale Aura konservierenden Jardim da Estrela in Lissabons Westen von einer alteingesessenen Pastelaria\u00a0 &#8211; eine sp\u00e4tnachmittagliche Konzertreihe statt.<br \/>\n<strong>David Santos,<\/strong> der gerade unter seinem K\u00fcnstlernamen <em>Noiserv<\/em> ein Album ver\u00f6ffentlicht hatte, passte mit seiner entspannten, filigranen, immer etwas den blauschimmrigen Gem\u00fctszustanden des Lebens zugeneigten Musik perfekt zur Tr\u00e4gheit eines Lissabonner Sommernachmittags, der gleichzeitig mit einer kristallenen Helligkeit einhergeht.<br \/>\nNeben der bemerkenswerten, zwar kleinen aber multiaktiven Jazz- und Avantgardeszene, finden sich in einer globalisierten Welt, die auch vor dem Rand Europas nicht haltmacht, Vertreter s\u00e4mtlicher internationalen Subgenres. Vor allem hat sich die Free Folk-Szene, die nicht zuletzt durch die Aktivit\u00e4ten des <em>Animal Collective<\/em>-Mitglieds <em>Panda Bear<\/em>, der f\u00fcr einige Jahre in der Stadt lebte, inspiriert wurde, einen guten Ruf auch jenseits der Landesgrenzen erworben. Auf <em>Noiservs<\/em> zweitem Album <em>Almost Visible Orchestra<\/em> singen bei einem St\u00fcck <em>Luisa Sobral<\/em>, <em>Rita Redshoes<\/em>, <em>Minta<\/em> und Musiker von <em>You Can&#8217;t Win, Charlie Brown<\/em> &#8211; sozusagen die Cr\u00e8me de la Cr\u00e8me der heimischen Free-Folker &#8211; im Hintergrund. Ansonsten spielt <strong>David Santos<\/strong> im Alleingang Gitarre, Tasteninstrumente und Perkussion. Die feinen, melodischen, von subtiler Melancholie getragenen St\u00fccke werden durch Loops und Samples zeitgem\u00e4\u00df. Nicht nur aufgrund der \u00fcberlangen Songtitel und der inhaltlich etwas aus dem Ruder laufenden englischen Lyrics, verbreitet sich beim H\u00f6ren von AVO eine angenehm surreale Stimmung. Die Liebe zum Detail wurde auch bei der Covergestaltung nicht vernachl\u00e4ssigt, ein Puzzle; geradezu ideal, um den Nachmittag mit Musik, Spiel und M\u00fc\u00dfigang im Park zu verbringen.<\/p>\n<p><em>Putos B\u00eabadas<\/em> &#8211; die betrunkenen Halbw\u00fcchsigen &#8211; sind der Clique um das Cafetra-Label entsprungen, die sich in immer neuen Zusammensetzungen formiert, um jeweils einen anderen Musikstil zu huldigen. Auf ihrem ersten Album verbinden sie nun die Aufgekratzheit des melodischen Chaos-Punks von Os Passos de Volta mit durchgeknalltem Psychedelic-Rock, der ihre Musik in die N\u00e4he von solch Schwergewichten wie <em>Acid Mother Temple<\/em> r\u00fcckt. Feedback, Spacegitarren, in den Hintergrund gemischter Harmoniegesang und sonstige krautige Verflechtungen lassen nicht nur die ausgewiesenen Fachleute wie <em>Julian Cope<\/em> usw. jubeln.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit lusitanischer Musiker ist, seien sie noch so sehr internationalen Einfl\u00fcssen zugeneigt, der Bezug zur Tradition. <strong>Rui Carvalho<\/strong> durfte bis vor kurzem diesbez\u00fcglich zwar als g\u00e4nzlich unverd\u00e4chtig gelten, spielte er doch in diversen Punk- und Hardcore-Bands Gitarre. Seit er unter dem K\u00fcnstlernamen <em>Filho da M\u00e5e<\/em> sich neu erfunden hat und zwei Soloalben einspielte, hat sich bei seinen instrumentalen Gitarrenkompositionen die Wucht einer Metalband mit der Sch\u00f6nheit der klassischen Gitarre gepaart.<br \/>\nDie stark expressiven Kompositionen nehmen &#8211; bewusst oder unbewusst &#8211; Bezug auf die zeitlose Musik einer mythischen Figur wie <strong>Carlos Paredes<\/strong>, die auch andere Musiker, portugiesische wie <strong>Norberto Lobo<\/strong> oder ausl\u00e4ndische wie <strong>Ben Chasny<\/strong> oder <strong>James Blackshaw<\/strong>\u00a0 in den Bann gezogen hat. Eine luzide, unkitschige Sch\u00f6nheit wohnt in den St\u00fccken von <em>Cabe\u00e7a<\/em> inne &#8211; konsequent, minimal, opulent, konkret, unbestechlich, aufbrausend -, ein steter Kampf zwischen Emotionen und Technik. <strong>Carvalho<\/strong> ist im anderen Leben Archeologe, was den Musikkritiker von P\u00fablico zu Spektulationen \u00fcber Parallelen der Person <strong>Rui Carvalho<\/strong> und dessen Werk &#8211; Ausgtrabungen, Handarbeit, Geduld &#8211;\u00a0 hinrei\u00dfen lie\u00df. Auch die Themen von Cabe\u00e7a &#8211; Bipolarit\u00e4t, Katharse, D\u00e4monen, Meditation und ein Aufnahmeort von typisch portugiesischer Lautmalerei: O Convento Da Sauda\u00e7\u00e3o &#8211; O Espa\u00e7o Do Tempo d\u00fcrfen zu Spekulationen einladen.<\/p>\n<p><strong>Rodolfo Brito<\/strong> und <strong>Francisco Silva<\/strong> verlegten gerade ihren Wohnsitz von Lissabon nach Glasgow, wo sich auch ihr derzeitiges Label <em>Night School<\/em> befindet und wo man ein \u00e4hnlich aktives, der Gegenkultur zugeneigtes Umfeld vorfindet wie zuhause. Nach diversen Tapes, die allseits hoch gehandelt wurden und der nachtr\u00e4glichen Verewigung auf Vinyl ihres <em>Love<\/em> Albums, wurde das aktuelle auch am Clyde und nicht am Tejo aufgenommen. Die leicht psychedelisch angehauchten Collagen des Duos beschreiten den, noch nicht ausgetrampelten, Weg von solch subversiven Musiktheoretikern wie Hype Williams und Synthesizer-K\u00fcnstlern wie Laurel Halo. Die Musik auf <em>Greatest It&#8217;s<\/em> zieht einen durch diese typische Mischung obengenannter &#8216;Nostalgie trifft auf Zukunft&#8217; &#8211; Collagen in den Bann. Konsequent Lo-Fi, immer mit einer Affinit\u00e4t f\u00fcr Drones konzipiert, halten die St\u00fccke auch immer wieder in einem entspannten, gebrochenen schweren Dubgroove inne. So eine hippelige Stimmungslage, k\u00f6nnte man imagnieren, wie wenn man in der post-industriellen Landschaft Glasgows den Fluss entlang l\u00e4uft und der Himmel \u00fcber den in moderne Museen umgewandelten ehemaligen Docks permanent zwischen dunklen Wolkengebilden und grellen Sonnenstrahlen wechselt.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.noiserv.net\" target=\"_blank\">noiserv.net<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.cafetrarecords.blogspot.com\" target=\"_blank\">cafetra records<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.filhodamae.bandcamp.com\" target=\"_blank\">filhodamae.bandcamp.com<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nightschoolrecords.com\" target=\"_blank\">nightschool records<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.shhpuma-records.com\">shhpuma-records.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Produktionen aus Portugal: Joana S\u00e1, Filho Da M\u00e3e, Noiserv, Putas B\u00eabadas, Yong Yong Die wundervolle, so geheimnisvoll wie abstrakte Musik, die Joana S\u00e1 auf ziemlich schwer zug\u00e4nglichen Alben wie Through The Looking Glass, eine sehr freie Adaption Lewis Carrolls, mit Reverenzen an Robert Schumann und Literaten der Moderne, oder Almost A Song, mit dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,119,120],"tags":[647,638,645,307,650,361,306,643,636,649,652,284,642,655,294,635,639,640,653,644,646,651,641,648,637,654],"class_list":["post-2377","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-features","category-reviews","tag-acid-mother-temple","tag-almost-a-song","tag-almost-visible-orchestra","tag-ben-chasny","tag-cabeca","tag-cafetra-records","tag-carlos-paredes","tag-david-santos","tag-elogio-da-dsordem","tag-filho-da-mae","tag-francisco-silva","tag-glasgow","tag-goncalo-m-tavares","tag-greatest-its","tag-james-blackshaw","tag-joana-sa","tag-lewis-carroll","tag-luis-jose-martins","tag-night-school-records","tag-noiserv","tag-putos-bebados","tag-rodolfo-brito","tag-rosinda-costa","tag-rui-carvalho","tag-through-the-looking-glass","tag-yong-yong"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2377","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2377"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2377\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2422,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2377\/revisions\/2422"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2377"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2377"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2377"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}