{"id":2214,"date":"2013-05-16T08:43:44","date_gmt":"2013-05-16T07:43:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2214"},"modified":"2018-08-05T13:33:25","modified_gmt":"2018-08-05T12:33:25","slug":"ripples-mai-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-mai-2013\/","title":{"rendered":"Ripples Mai 2013"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em><strong>Kr\u00e8ms Br\u00fbl\u00e9e &#8211; Ein Abend beim Donau-Festival<\/strong><\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\"> <em><strong>Mark Stewart, Manorexia, Matin Rev, Zoviet France, Girls Against Boys, David Yow<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p>Die inzwischen auch schon neunte Ausgabe des <em>Donau Festivals<\/em> in Krems, dessen Programm jeweils \u00fcber zwei verl\u00e4ngerte Wochenenden angelegt ist, stand heuer unter dem, zugegeben, etwas verhaltensoriginellen Motto <strong>Kr\u00e8ms Br\u00fbl\u00e9e<\/strong>. Der Anspruch und das Versprechen, innovative Kunstformen zwischen anerkannter Avantgarde und Subkultur in unterschiedlichen Kontexten zu pr\u00e4sentieren und B\u00fchne f\u00fcr sowohl querdenkende Frischlinge wie verdiente Underground-Haudegen zu bieten, wurde 2013 allerdings mehr denn je eingehalten. Auch der &#8220;time table&#8221; war aufgrund der im Vergleich zu den vergangenen Jahren beinahe verdoppelte Anzahl eingeladener K\u00fcnstler sehr eng gehalten. Einer der Schwerpunkte, performative Kunstformen jenseits des Theaters, die im Kontext zu bildender Kunst und Aktionismus agieren, wurde an den diversen Spielorten z.B. von <strong>Hans Peter Litscher<\/strong>, <strong>Saint Genet<\/strong>, <strong>Miasma<\/strong> oder <strong>Teresa Margolles<\/strong> (bleibend in Erinnerung ist mir ihre <em>MMK-Austellung<\/em> in Frankfurt, in der u.a angeblich von Leichenwaschungen gewonnenes Wasser durch den Raum dampfte. Hier variierte sie ihr Thema mittels einer Performance. Vier Nachkommen der Maya sprachen \u00fcber ihre Gewalterfahrungen und bestickten ein Tuch, das zuvor Fl\u00fcssigkeiten eines ermordeten Drogenkriegopfers absorbiert hatte).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/zovier-france.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3348\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/zovier-france-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more-->Musikalischer H\u00f6hepunkt der ersten Woche waren wohl eindeutig die Abende mit, einerseits, den innovativen Neut\u00f6nern von <strong>Raime<\/strong>, <strong>Laurel Halo<\/strong>, <strong>Actress<\/strong>, <strong>Hype Williams<\/strong> und, als gedachtes Gegenst\u00fcck, ein Art Kraut-Avantgarde-Historie-Abend mit <strong>Michael Rother<\/strong>, <strong>Zs<\/strong> und <strong>Beak<\/strong>.<br \/>\nSelbst wohnte ich in der zweiten Woche dem Programm der Kategorie verdiente Haudegen (siehe oben) bei. Nachdem man vom Wiener St. Joseph-Bahnhof gem\u00fctlich durch die unfassbar gr\u00fcn-\u00fcppige Peripherie gen Krems getuckert war, sch\u00fcttete es, dort angekommen, zuerst wie aus K\u00fcbeln. Am ersten Spielort, der Minoritenkirche, vermeintlich den Ausbr\u00fcchen des Wettergottes halbwegs trockenen Fu\u00dfes und unbeschadet entkommen, erwartete einen eine Naturgewalt anderer Art: <strong>Mark Stewart<\/strong> &amp; G\u00e4ste spielten auf. Die in den letzten Jahren wieder zahlreicher erscheinenden Platten sind von eher durchwachsener Qualit\u00e4t, aber live ist <strong>Mark Stewart<\/strong> wie zu <em>Learning To Cope With Corwardice<\/em> &#8211; Zeiten im wahrsten Sinne eine Wucht. Zuerst beschallte der alte Weggef\u00e4hrte <strong>Adrian Sherwood<\/strong> die in blaues Licht illuminierte Kirche mit <em>Bach<\/em>, der schleichend von fiesem Gefiepse und Dub-Fetzen abgel\u00f6st wurde. <strong>Mika Vainio<\/strong> (Pan Sonic) und <strong>Rusell Haswell<\/strong> (Edition Mego) loteten die akustischen Kapazit\u00e4ten der Kirche mit schwerem Gesch\u00fctz aus. Ihr extrem verdichteter, sehr lauter Soundteppich aus Noise, Heavy Metal, Industrial und Dub bereitete <strong>Mark Stewart<\/strong>, der als bulliger Hohepriester die Treppen des Kirchenschiffs mit einer afrikanischen Trommel herunterschwankte und hinter einem Bastelzimmertisch Platz nahm, den Background f\u00fcr seine w\u00fctend-ironischen Botschaften aus den Handb\u00fcchern der Verschw\u00f6rungs- und anarchistischen Theorien. Nebenbei streue er auch noch ein <em>Versatzst\u00fcck- Best of aus Pop Group und Mafia<\/em> &#8211; Songs und eigenen, selbstverst\u00e4ndlich zerschredderten Lieblingst\u00fccken, von <em>Brel<\/em> bis <em>Ari Up<\/em>, ein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/manorexia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3338\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/manorexia-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><br \/>\n<strong>J.G. Thirlwells&#8217;<\/strong> <em>Manorexia<\/em>-Projekt war dann in der Haupthalle in einem seiner sehr raren Liveauftritten zu erleben. Ohne eine Miene zu verziehen, dirigierte der Meister am Sampler und Mischpult im Hintergrund der B\u00fchne die kongenialen Musiker an Keyboard, Perkussion, Cello und Violinen. Von allem Bombast anderer Produktionen scheinbar befreit, ist die Dynamik und die sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne <strong>Thirlwells<\/strong> in dieser sch\u00f6n-aquatisch-geheimnisvollen Musik, die sich thematisch den Tiefen des Meeres und deren Zert\u00f6rung durch Umweltbelastungen widmet, nichtsdestotrotz omnipr\u00e4sent. Die kompositorische Handschrift <em>JGTs<\/em> in der Inszenierung bringt mit sich, dass immer damit gerechnet werden muss, dass ihm der Gaul doch irgendwann durchgeht, er in seinen <em>Venture Bros.<\/em>-Cartooncharakter zur\u00fcckverf\u00e4llt, das Tempo verf\u00fcnffacht und richtig laut wird.<br \/>\n<strong>Martin Rev<\/strong> gab in der Nachbarhalle den Rock&#8217;n -Roll-Punk. Harte Beats, fluoreszierende Brille und der Versuch beim verhallten Vocoder-Gesang auch noch die Rolle des fehlenden <strong>Alan Vega<\/strong> einzunehmen waren das Rezept, kontr\u00e4r zu den instrumentalen Filmkompostionen und Konzeptalben der letzten Jahre. Mark Stewart animierte es zum tanzen. Bei Suicide flogen fr\u00fcher die Flaschen und Schlimmeres, so f\u00fchlte sich damals das Punkpublikum konfrontiert. Heuer herrscht Rauchverbot und auf den Bierflaschen ist ohnehin Pfand.<br \/>\nDie geheimnisumwitternden Konezptk\u00fcnstler <strong>Zoviet France<\/strong> aus Newcastle, pers\u00f6nliche Favoriten seit omin\u00f6sen Kassettenzeiten, haben sich vergangenes Jahr nach einem aus dem Ruder gelaufenen Sabbatical wieder zusammengetan. Der Verzicht auf jegliche Werbung und das Spielen mit Anonymit\u00e4t hatte in den Achtzigern eine ungleich irritierendere Wirkung als heutzutage in Zeiten der sozialen Netzwerke, wo man eher durch \u00dcberpr\u00e4senz verloren geht. Die mysteri\u00f6se Faszination, die von den ambienten fragilen Musikgebilden von <strong>Mark Warren<\/strong> und Gr\u00fcndungsmitglied <strong>Ben Ponton<\/strong> ausgeht, ist dagegen ungebrochen. Auftritte von <strong>Zoviet France<\/strong> sind mehr als sp\u00e4rlich, so war Krems ein Muss f\u00fcr jeden Liebhaber der poetischen Variante des Industrials. Gleich geheimnisumwittert, von obskuren Kunstkontexten und Eigenbr\u00f6tlereien getragen wie ansonsten nur das amerikanische Kollektiv <strong>Biota<\/strong>, wirkte ihre Musik schon immer au\u00dferhalb aller Zeit und Moden angeordnet, was sie auch heute modern erscheinen l\u00e4sst. Die Assoziationen mit derelikten Industrielandschaften, die im Nord-Osten Englands jahrzehntelang bildlich den Niedergang ausdr\u00fcckten, stimmt heute noch genauso wie die mit der rauen Natur Northumberlands und die mit erfundenen, ethnologischen Kulturen. Die Verwahrlosung des Englischen Nordens wurde zwischenzeitlich mit, \u00fcber die National Lottery fianzierten, Museums- und Kulturprojekten \u00fcberdeckt. Nun, in der Krise werden die Budgets gek\u00fcrzt und alles ist wieder am Br\u00f6ckeln. <strong>Zoviet France<\/strong>: Die flie\u00dfend ineinander \u00fcbergehenden, organischen Klangfl\u00e4chen, ausfransend, flirrend, dronig, mit versteckten Melodien hinter dem Vorhang aus Zivilationskrach, wirken, vor allem auch durch den kalt-d\u00fcsteren Windhauch, den ihre diversen, selbstgebauten Objekte und Blasinstrumente vermitteln, wirkt immer wie eine Musik zum Ende der Zeit. Und die t\u00f6nt, zur allgemeinen Beruhigung, verf\u00fchrerisch.<br \/>\nMit ihrer knochentrockenen, von <em>Fugazi<\/em> und <em>Big Black<\/em> inspirierten, Verquickung von Punk und Hardrock, legten die wieder zuzammengekommenen Mitglieder von <strong>Girls Against Boys<\/strong> um Frontmann <strong>Scott McCloud<\/strong> die Grundlage f\u00fcr die manisch-transgressiven \u00dcbergriffe des Gastvokalisten <strong>David Yow<\/strong>. Der <strong>Jesus Lizard<\/strong>-Boss gab sich am sp\u00e4teren Nachmittag, als seine Serie von 82 Katzenzeichnungen im Kunstraum Stein er\u00f6ffnet wurde, noch \u00e4u\u00dferst handzahm, so hinterlie\u00df die Metamorphose auf der B\u00fchne umso mehr Eindruck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kr\u00e8ms Br\u00fbl\u00e9e &#8211; Ein Abend beim Donau-Festival Mark Stewart, Manorexia, Matin Rev, Zoviet France, Girls Against Boys, David Yow Die inzwischen auch schon neunte Ausgabe des Donau Festivals in Krems, dessen Programm jeweils \u00fcber zwei verl\u00e4ngerte Wochenenden angelegt ist, stand heuer unter dem, zugegeben, etwas verhaltensoriginellen Motto Kr\u00e8ms Br\u00fbl\u00e9e. 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