{"id":2206,"date":"2013-04-29T16:45:44","date_gmt":"2013-04-29T15:45:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2206"},"modified":"2018-08-05T13:34:37","modified_gmt":"2018-08-05T12:34:37","slug":"ripples-april-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-april-2013\/","title":{"rendered":"Ripples April 2013"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><strong><em>Veronica Falls &#8211; @ Noumatrouff Mulhouse<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\"> <strong><em>Haiku Salut &#8211; Tricolore<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\"> <strong><em>Strange Idols &#8211; Idolatry<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\"> <strong><em>Bona Dish &#8211; The Zaragoza Tapes<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #00ff00;\"> <strong><em>The Pastels &#8211; Slow Summits<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<em>Cherry Red<\/em> ver\u00f6ffentlicht diese Tage eine opulente 5 CD-Box &#8211; <em>Scared To Get Happy, A Story Of Indie Pop 1980 &#8211; 89<\/em> -, die sich der exklusiv britischen, vom Glasgower <em>Postcard Records<\/em> und <em>Alan Horne<\/em> einige Jahre zuvor kreierten, mit Theorie und Romantik aufgeladenen Facette des Post-Punks widmet. Der allgegenw\u00e4rtigen Trostlosigkeit jener Zeit setzte man den Sound Of Young Scotland bzw. dann Young Britain entgegen: die Ann\u00e4herung an den idealen Popsong, gespielt mit der Energie des Punks.<br \/>\nDem Londoner Quartett <strong>Veronica Falls<\/strong>, das angesichts der Livepr\u00e4sentation des zweiten Albums <em>Something To Happen<\/em> auch im Mulhouser <em>Noumatrouff<\/em> konzertierte, darf nicht unterstellt werden, dem Genre Artpop revolution\u00e4r Neues hinzuf\u00fcgen zu wollen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/veronica-falls-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3344\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/veronica-falls-2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><!--more-->Die kurzen, schnellen im Harmoniegesang von S\u00e4ngerin und Gitarristin <strong>Roxanne Clifford<\/strong> und Gitarrist und S\u00e4nger <strong>James Hoare<\/strong> gesungenen, allerdings teilweise genialen, Schrammelpophymnen, stehen beinahe ungebrochen in der Tradition des 60er Jahre-Beats, den Girl Groups jener Zeit, <em>Velvet Underground<\/em> und Fr\u00fch-Achziger Bands wie <em>Shop Assistants<\/em>, <em>The Hangman&#8217;s Beautiful Daughter<\/em> und <em>Revolving Paint Dream<\/em>. So weit, so \u00fcberraschend. Andererseits verbirgt der samtene Gesang <strong>Cliffords<\/strong> in St\u00fccken wie <em>Beachy Head<\/em> oder <em>Found Love In A Graveyard<\/em> manch dunklen Inhalt und subtile Gemeinheit. Und Parallelen zu den Neo-Psychodelikern des Londoner <em>Wham! <\/em>und <em>The Living Room<\/em> &#8211; Umfelds der Fr\u00fchachziger, als das Motto <em>Art For All. All For Art<\/em> mit DIY-Emanzipation und politischem Protest einherging, kann angesichts vergleichbarer misslicher Zust\u00e4nde im Vereinigten K\u00f6nigreich und anderswo nicht ganz verkehrt sein.<br \/>\n<strong>Bona Dish<\/strong>, gleichfalls eine Londoner Band, die aus zwei weiblichen und zwei m\u00e4nnlichen Mitgliedern bestand, hatten drei\u00dfig Jahre zuvor ein \u00e4hnliches Konzept aufzuweisen. Die Rough Trade &#8211; Pionierzeit gerade um ein Jahr verpasst, waren sie zwar von den schr\u00e4geren Hinterlassenschaften des Punks, VU &amp; anderen Sixties-Bands und der Nouvelle Vague inspiriert, trotzdem spielten sie in erster Linie klassischen britischen Low-Fi Powerpop. Klassisch war auch ihre Halbwertszeit, gerade einige Kassetten umfasste ihr Oevre, das nun locker auf einem Album Platz findet, bevor sie wieder separate Wege gingen. Trotzdem kann man sein Geld f\u00fcr weit D\u00fcmmeres als diese Wiederver\u00f6ffentlichung ausgeben. <em>Dolly Mixture<\/em>, <em>Lora Logic<\/em> oder <em>Kleenex<\/em> hatten zu jener Zeit \u00e4hnliche Obsessionen, auch hinsichtlich DIY-Philosophie, Produktionsbedingungen und Modestil wie <strong>Bona Dish<\/strong> gehabt. So h\u00e4tten die St\u00fccke auf <em>Zaragoza Tapes<\/em> mit ihrem schr\u00e4gen Charme und den vereinzelten Ausfl\u00fcgen in das Gebiet des Experimentellen und Sperrigen, in Dub und Jazz, durchaus auch in den Kanon des Post-Punk aufgenommen geh\u00f6rt.<br \/>\nF\u00fcr die Zeit nach 2000 hoffnungslos old-school-m\u00e4\u00dfig und mit einer Leidenschaft f\u00fcr <em>Stu Sutcliffe<\/em>, <em>Syd Barrett<\/em>, <em>Orange Juice<\/em> und nicht zuletzt den Konzeptk\u00fcnstlern schlechthin unter den Indie-Bands\u00a0 &#8211; <em>Felt<\/em> -, deren Album <em>Strange Idols Pattern and Other Short Stories<\/em> bei der Namensfindung Pate stand, ausgestattet, gaben sich <strong>Strange Idols,<\/strong> die aus vier b\u00fccherwurmigen Jungs und einer adretten S\u00e4ngerin bestanden. Mit Gleichgesinnten wie <em>Saloon<\/em> und <em>The Long Blonde<\/em>s hatten sie es schwer genug gegen das in der Musikszene gerade wieder ungestraft durchgehende Mackertum anzukommen. Strange Idols standen f\u00fcr die Zeitdauer von drei Singles und einigen Demos f\u00fcr Leidenschaft und klassische Indie-Songs mit Substanz, die vom reizvollen gesanglichen Kontrast des Baritons des schottischen S\u00e4ngers und der kristallklaren s\u00fcdenglischen Vokalistin lebten und teilweise an die besten Momente <em>Edwyn Collins<\/em> und <em>Josef K&#8217;s<\/em> erinnern.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/haiku-salut.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-3336\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/haiku-salut-150x150.jpeg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Gemma Barkerwood<\/strong>, deren Schwester <strong>Sophie<\/strong> und <strong>Louise Croft,<\/strong> machten offenbar, nachdem sie in einer einheimischen Punkband in den Midlands spielten, eine seltsame Metamorphose durch. <strong>Haiku Salut<\/strong> hat sich demzufolge weniger historische als zeitlose Musik auf die Fahnen geschrieben. Auf ihrem Debutalbum \u00fcberrascht das Trio &#8211; Haiku, japanische dreizeilige Gedichte, Tricolore, got it? &#8211; mit seiner subtilen und famos wandelbaren, von kurzer Aufmerksamkeitsspanne bestimmten Salon-Kammer\/Hausmusik, einer teils melancholischen, teils beschwingt-treibenden M\u00e8lange aus akustischen &#8211; Gitarre, Akkordeon, Perkussion, Piano, Violine etc. und vereinzelten elektronischen Einsprengseln. Die drei Frauen sind un\u00fcberh\u00f6rbar von europ\u00e4ischen Filmkomponisten beeinflusst. Die permanent wechselnden Stimmungsbilder \u00fcben einen unwiderstehlichen Sog aus. Tricolore darf ganz unbescheiden neben den besten Alben des <em>Penguin Caf\u00e9 Orchesters<\/em>, der Fireside &#8211; EP von <em>Dolly Mixtures<\/em>, den fr\u00fchen Alben <em>Pascal, Comelades<\/em> und <em>Yann Tiersens<\/em> eingereiht werden.<br \/>\nZ\u00e4hlt man eine EP mit Filmmusik ( <em>The Great Wilderness<\/em>) und einer Kollaboration mit den wesensverwandten japanischen <em>Tenniscoats<\/em> nicht hinzu, dauerte es schlappe sechzehn Jahre, bis <strong>The Pastels<\/strong>, zweifellos eine der Pionierbands des Genres, sich zur\u00fcckmeldete.<br \/>\n<strong>The Pastels,<\/strong> eigentlich <strong>Stephen McRobbie<\/strong> und <strong>Katrina Mitchell<\/strong> im Kern plus jeweils befreundete Gastmusiker wie <em>Stefan Schneider<\/em>, <em>Ronald Lippok<\/em> oder <em>Norman Blake<\/em>, bewegen sich mit <em>Slow Summits<\/em>, das wieder von <em>John McEntire<\/em> mitproduziert wurde, stilistisch und inhaltlich nat\u00fcrlich nicht allzuweit von ihren fr\u00fcheren Platten und der Glasgower Tradition des Anorak-Pops weg. <strong>McRrobbie<\/strong> ist seines Zeichens u.a. Mitinhaber eines der besten Plattenladen der Insel, <em>Monorail<\/em>, das in einem sympathischen Backsteinbau unweit der Glasgower Innenstadt auch ein veganisches Caf\u00e9 mit Restaurant, eine Second-Hand Boutique und eine kleine B\u00fchne f\u00fcr Auftritte von Undergroundk\u00fcnstlern beherbergt. In den Achzigern betrieb er mit dem fr\u00fcheren Shop Assistans-Gitarristen und heutigen The Wire-Schreiber und Plattenversandspezialisten <em>David Keenan 53rd &amp; 3rd Records<\/em>; und heute alleine <em>Geographic Records <\/em>(Heimat f\u00fcr die feinen musikalischen Pinselstriche von u.a. <em>Maher Shalal Hash Baz<\/em>, <em>Nu Forest<\/em>, B<em>ill Wells<\/em> oder <em>Nagisa Ni-te<\/em>).<br \/>\nEr begeistert sich gleicherma\u00dfen f\u00fcr klassischen Sixties-Pop, Avantgarde, Jazz oder aktuell <em>Raime<\/em> und <em>Ela Orleans<\/em> und trotzdem sind <em>The Pastels<\/em> immer <em>The Pastels<\/em>. Slow Summits mit seinen nostalgischen, aber auch immer irgendwie der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entr\u00fcckten, versehentlichten Pophits erscheint in einer Zeit, in der die ehemaligen Vorreiter in verschiedenen Spielarten der K\u00fcnste durchaus wieder gefragt sind. Um Flugzeuge am Sommerhimmel, Friedh\u00f6fe, Regen, das Treten nach herumfliegenden Bl\u00e4ttern im November und andere, schwer romantische Begebenheiten und Dinge geht es bei den Songs auf Slow Summits, die jeweils von <strong>Stephen McRobbie<\/strong> oder <strong>Katrina Mitchell<\/strong> oder im Beiden interpretiert werden und deren traditionell melancholisches Flair durch die zus\u00e4tzliche Instrumentierung mit Fl\u00f6te, Trompete bis zur Orchestrierung teilweise so verdichtet ist, dass die Stimmung ins Zwischenlichtliche driften kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/capturedtracks.com\/catalog\/bona-dish\/ct-173-bona-dish-zaragoza-tapes-1981-1982-lpcd\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bona Dish <\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.cloudberryrecords.com\/blog\/?p=1802\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Strange Idols<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.haikusalut.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Haiku Salut<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.veronicafalls.com\/\">The Pastels <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veronica Falls &#8211; @ Noumatrouff Mulhouse Haiku Salut &#8211; Tricolore Strange Idols &#8211; Idolatry Bona Dish &#8211; The Zaragoza Tapes The Pastels &#8211; Slow Summits Cherry Red ver\u00f6ffentlicht diese Tage eine opulente 5 CD-Box &#8211; Scared To Get Happy, A Story Of Indie Pop 1980 &#8211; 89 -, die sich der exklusiv britischen, vom Glasgower [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,120,633],"tags":[529,507,528,135,518,421,524,521,530,503,506,513,520,527,514,523,511,510,519,525,531,517,248,512,516,502,522,526,505,515,501,508,504,509],"class_list":["post-2206","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-reviews","category-ripples","tag-53rd-3rd-records","tag-bona-dish","tag-david-keenan","tag-dolly-mixture","tag-edwyn-collins","tag-felt","tag-fireside-ep","tag-gemma-barkerwood","tag-geographic-records","tag-haiku-salut","tag-idolatry","tag-james-hoare","tag-josef-k","tag-katrina-mitchell","tag-kleenex","tag-louise-croft","tag-mulhouse","tag-noumatrouff","tag-orange-juice","tag-pascal-comelade","tag-postcard-records","tag-revolving-paint-dream","tag-rough-trade","tag-roxanne-clifford","tag-saloon","tag-slow-summits","tag-sophie-barkerwood","tag-stephen-mcrobbie","tag-strange-idols","tag-the-long-blondes","tag-the-pastels","tag-the-zaragoza-tapes","tag-tricolore","tag-veronica-falls"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2206","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2206"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2206\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3353,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2206\/revisions\/3353"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}