{"id":2016,"date":"2012-10-16T16:15:12","date_gmt":"2012-10-16T15:15:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=2016"},"modified":"2014-01-04T20:15:56","modified_gmt":"2014-01-04T19:15:56","slug":"ripples-oktober-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-oktober-2012\/","title":{"rendered":"Ripples Oktober 2012"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em><strong>Go Kart Mozart &#8211; On The Hot Dog Streets<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><em>Malka Spigel &#8211; Every Day Is Like The First Day<\/em><\/p>\n<p>Ob <em>Pulp<\/em> die letzte letzte klassische Art School &#8211; Band war, die der Arbeiterklasse entsprang und noch etwas Relevantes zu sagen hatte, wie der Architekturkritiker <strong>Owen Hatherley<\/strong> in seiner liebenswert unpr\u00e4tensi\u00f6sen Hommage <em>Uncommon<\/em>\u00a0 (Zero Books ) behauptet, ist vielleicht nur der Affinit\u00e4t des Autors geschuldet, aber unbezweifelbar schrieb <strong>Jarvis Cocker<\/strong> , insbesondere auf\u00a0 <em>His &#8216;N&#8217; Hers<\/em> und <em>Different Class<\/em> noch \u00fcber\u00a0 komplexe Themen (Klassensystem, Geschlechterkampf, Acrylhemden&#8230; ).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2161\" alt=\"gokart\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/gokart-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/gokart-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/gokart.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Heutzutage sind die smarten Bands mit allen Wassern der Avantgarde und Pop-Art gewaschen, singen aber \u00fcber Apfelkuchensauce und Waldschrate. Zugegeben, in den 1980ern war es noch etwas einfacher, sich mit Einstellungen abseits des Mainstreams Geh\u00f6r zu verschaffen. In einer merkw\u00fcrdigen (und kurzen) Phase, in der die britische Musikpresse enormen Einfluss auf Plattenfirmen, Radio und Fernsehen hatte, wurde ein Exzentriker und das Leben der Boh\u00e8me propagierender Au\u00dfenseiter wie <strong>Lawrence<\/strong>, dem man nebenbei noch verschiedene Phobien nachsagte, mit seiner Band <em>Felt<\/em> zum Beinahe-Popstar. Das Konzept: 10 Alben in zehn Jahren ver\u00f6ffentlichen und sich dann aufl\u00f6sen. Die Musik: melancholische, fragile Gitarrenminiaturen, anfangs minimalistisch-klassisch, meditativ, sp\u00e4ter in Richtung cleveren Popsong tendierend. Als man den 10-Alben &#8211; Plan umgesetzt hatte und sich tats\u00e4chlich aufl\u00f6ste, \u00e4nderte sich auch die Musikwelt. Den erzkonservativen, regressiven <em>Bripop<\/em> und <em>Grunge<\/em>&#8211; Wellen setzte <strong>Lawrence<\/strong> mit <em>Denim<\/em> &#8211; und dann <em>Go Kart Mozart<\/em> beissende Ironie entgegen. Mit einer Verkl\u00e4rung des britischen Lifestyles der Sechziger konnte man ihm nicht kommen. \u00c4hnlich wie ein <strong>Dan Treacy<\/strong> oder ein <strong>Ed Ball<\/strong> erz\u00e4hlt <strong>Lawrence<\/strong> meist Working Class-Geschichten und persifliert die musikalischen Stile von f\u00fcnfzig Jahren Musikgeschichte. Mit <em>Denim<\/em> und vor allem <em>Go Kart Mozart<\/em> wendete er sich vom Gitarrenpop von <em>Felt<\/em> ab; es stehen Synthesizer und elektronische Spielereien im Vordergrund, die Songs sind aber weiterhin im klassischen Format aufgebaut. Bei Eingeweihten und der spezifizierten Presse stie\u00dfen die Platten auf meist positive Resonanz, kommerziell allerdings sind alle ein Desaster. Zwischenzeitlich st\u00fcrzt <strong>Lawarence<\/strong> in die Obdachlosigkeit ab und verbringt gar einige Zeit in die Psychiatrie. <strong>Paul Kelly&#8217;s<\/strong> Film <em>Lawrence Of Belgravia<\/em> erz\u00e4hlt in einer Mischung aus Hommage und Dokumention all diese Widerspr\u00fcchlichkeiten des K\u00fcnstlers und der Person <strong>Lawrence<\/strong>. <em>On The Hot Dog Streets<\/em> ist nun ein ziemlich \u00fcberraschendes Comeback (?) Obwohl sich konzeptuell nicht viel ver\u00e4ndert hat: die merkw\u00fcrdige Mischung aus aus Billigelektronik generiertem Bubblegum-Punk und bei\u00dfend-sarkastischen Texten kennt man so seit der ersten <em>Denim<\/em>-Platte, nichts desto trotz gelingt ihm auf jeder neuen Platte der eine oder andere Klassiker &#8211; hier <em>White Stilettos In The Sand<\/em> und <em>West Brom Blues<\/em>. <strong>Lawrence<\/strong> phantasiert sich, wie man in der der Pop-Art entsprungenen H\u00fcllengstaltung sehen und lesen kann, in eine ideale Welt, in der Labels <em>West Midland Records<\/em> hei\u00dfen (nicht zuletzt stammt der Meister selbst aus Birmingham) und die Bands <em>Zooney Higgs<\/em>, <em>Central Heating<\/em> oder <em>Rabbis Of Tomorrow<\/em>. Auch darf ein Manifest nicht fehlen. Das zwischen Selbstverweigerung, Arroganz und Luzidit\u00e4t pendelnde fragile Ego scheint intakt zu sein.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.cherryred.co.uk\" target=\"_blank\">A West Midlands Record, Cherry Red<\/a><\/p>\n<p>Die israelische Wave-Worldmusic-Gitarrenband <em>Minimal Compac<\/em>t residierte in den 1980ern in Amsterdam und war im Prinzip der Wegbereiter hin zur globalen Ausrichtung ihres damaligen Labels <em>Crammed Discs<\/em>. Die Bassistin &#8211; <strong>Malka Spigel<\/strong> &#8211; war bei den imposanten Auftritten meist f\u00fcr die stilleren, leicht lasziven Momente zust\u00e4ndig. Nachdem sie k\u00fcnstlerisch und privat mit <strong>Colin Newman<\/strong> zusammen fand, \u00e4nderten sich auch ihre musikalischen Pr\u00e4ferenzen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-2164\" alt=\"Spigel2\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Spigel2-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p><strong>Newman&#8217;s<\/strong> mehr als Suite als als Avantpop konzipiertes Solo-album <em>Commercial Suicide<\/em> pr\u00e4gte sie nicht unwesentlich mit, die Avantband <em>Githead<\/em> (mit Scanner) und drei von ambienten elektronischen T\u00f6nen dominierte Soloalben folgten \u00fcber die Jahre und stehen exemplarisch f\u00fcr das Soundbild des <em>Swim<\/em>-Labels. Unter dem K\u00fcnstlernamen <em>Maya Newman<\/em> arbeitet sie auch photographisch, ein Nachweis ihrer naturalistisch-abstrakten Photos kann man auf der H\u00fclle und im Booklet des aktuellen Albums betrachten. <em>Every Day Is Like The First Day<\/em> klingt nun wie die Quintessenz ihres musikalischen Werdegangs. Au\u00dfer <strong>Malka Spigel<\/strong> und <strong>Colin Newman<\/strong> gibt es die eine oder andere Unterst\u00fctzung von <strong>Roland Lippok<\/strong>, <strong>Andy Ramsay<\/strong>, <strong>Alexander Balanescu<\/strong> oder J<strong>ohnny Marr<\/strong>, dazu dezente Beitr\u00e4ge diverser Cellistinnen. Der kristallklare unterk\u00fchlte Gitarrensound ist immer noch schwer vom New Wave inspiriert, wie auch die schwelgerischen Melodien. Trotz der un\u00fcberh\u00f6rbaren Referenzen ist <em>Every Day Is Like The First Day<\/em> zeitlose Musik. <strong>Malka Spigels<\/strong> warme Stimme kontrastiert angenehm mit der Musik; ihre Texte, konkret-poetische Alltagsbetrachtungen und Situationsbeschreibungen, ein Travelogue f\u00fcr uns Armchairtraveller, zelebrieren nimmerm\u00fcde die Romantik des Reisens\/Nicht Sesshaften\/Verlorensein\/Verlust der Heimat\/Schutzsuchen. <a href=\"http:\/\/swimhq.com\" target=\"_blank\">Swim<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Go Kart Mozart &#8211; On The Hot Dog Streets Malka Spigel &#8211; Every Day Is Like The First Day Ob Pulp die letzte letzte klassische Art School &#8211; Band war, die der Arbeiterklasse entsprang und noch etwas Relevantes zu sagen hatte, wie der Architekturkritiker Owen Hatherley in seiner liebenswert unpr\u00e4tensi\u00f6sen Hommage Uncommon\u00a0 (Zero Books ) [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,120,633],"tags":[439,438,419,434,433,193,422,428,430,421,417,440,436,429,432,418,425,435,423,437,431,426,420,424,427],"class_list":["post-2016","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-reviews","category-ripples","tag-alexander-balanescu","tag-andy-ramsay","tag-cherry-red","tag-colin-newman","tag-crammed-disc","tag-dan-treacy","tag-denim","tag-ed-ball","tag-every-day-is-like-the-first-day","tag-felt","tag-go-kart-mozart","tag-johnny-marr","tag-lawrence-of-belgravia","tag-malka-spigel","tag-minimal-compact","tag-on-the-hot-dog-streets","tag-owen-hatherly","tag-paul-kelly","tag-pulp","tag-roland-lippok","tag-swim-records","tag-uncommon","tag-west-midlands-records-lawrence","tag-working-class","tag-zero-books"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2016"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2016\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2358,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2016\/revisions\/2358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}