{"id":1836,"date":"2011-11-25T10:55:36","date_gmt":"2011-11-25T09:55:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1836"},"modified":"2014-01-04T20:17:29","modified_gmt":"2014-01-04T19:17:29","slug":"ripples-november-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-november-2011\/","title":{"rendered":"Ripples November 2011"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Saint Ghetto 2011<\/em><\/span><br \/>\nJeweils drei Tage im November wird die Berner <em>Dampfzentrale<\/em> einmal nicht von Tanztheatern, Performances und Discoveranstaltungen, sondern von anders veranlagten, gerne auch Gestalten der schr\u00e4geren Art, heimgesucht. <strong>Saint Ghetto<\/strong> hei\u00dft das Festival, dessen Programm dieses Jahr zum vierten Mal von <em>Christian Pauli<\/em> und <em>Roger Ziegler<\/em> hochkar\u00e4tig zusammengestellt wurde. Nur <em>Marc Almond<\/em> gesellte sich dieses Mal zur Ahnengalerie der wegweisenden und genreerfindenden K\u00fcnstler aus einer anderen Zeit, die man in den vergangenen Jahren erleben durfte, u.a. <em>Brigitte Fontaine, Hermine, The Residents, The Fall, Nurse With Wound, Little Annie, Ch\u00e9dalia Tazart\u00e8s<\/em>. Ansonsten hie\u00df das Konzept: Gegenwartsmusik (wenn das auch, angesichts des plunderphonigen Zitierens beinahe aller K\u00fcnstler oft theoretischer Ansatz bleiben musste).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1846\" title=\"SaintGhetto\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/SaintGhetto-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><br \/>\n<!--more--> <em>Carla Bozulichs<\/em> dunkle Pr\u00e4riemusik pr\u00e4sentiert sich auf dem vierten Album <em>In Animal Tongue<\/em> und in der aktuellen Bandbesetzung noch entkernter und desperater als bisher. Das \u00fcberschaubare Publikum hielt strikten Abstand zur B\u00fchne; die gedimmte Beleuchtung und die Stehtischchen im Saal suggerierten die Atmosph\u00e4re eines nicht in Gang gekommenen Partykellertreffens. Frau <em>Bozulich<\/em> nahm&#8217;s mit Humor und sang, sozusagen als Alternativveranstaltung, dem Keyboarder ein Geburtstagsst\u00e4ndchen.<br \/>\nDie Musik von <em>Espen &amp; The Witch<\/em>, dem britischen Beitrag zum <em>Witch House<\/em> &#8211; Hype, wird vor allem durch die starke Pr\u00e4senz der S\u00e4ngerin und Perkussionistin <em>Rachel Davis<\/em> gepr\u00e4gt. Weniger furchteinfl\u00f6\u00dfend als vielmehr den romantisch-\u00e4therischen Sound von Goth-Light-Vorbildern wie <em>This Mortal Coil<\/em> und den <em>Cocteau Twins<\/em> aufgreifend, ist die Umsetzung im Live-Gewand erstaunlich perfekt. Die pantomimischen Anwandlungen des in Socken herumhampelnden Gitarristen untermauerten freilich den Hippie-Verdacht aufs Nachhaltigste.<br \/>\n<em>Volker Bertelsmann<\/em> aka <em>Hauschka<\/em> lie\u00df sich am Samstag im bestuhlten Turbinensaal beim Tastengreifen auf die Finger schauen. In der Avantgarde und der Minimal Music geschult, ist sein Ansatz mit den Techniken des <em>Pr\u00e4parierten Klaviers<\/em> zu komponieren ein eher Pop-beeinflusster. Seine Musik kl\u00e4nge beinahe franzs\u00f6sich, in der Tradition von K\u00fcnstlern wie <em>Pierre Bastien<\/em> und <em>Look De Bouk<\/em>, die wiederum stark von der <em>Art Brut<\/em> beeinflusst sind, in der spielerischen Art wie er mit schr\u00e4gen Elementen, die durch Manipulation der Tasten entstehen, umgeht. Allerdings gibt es bei <em>Hauschka<\/em> auch die perfektionistische, beinahe sterile Seite, die ihn auch zu einem einflussreichen Vertreter der Elektronikszene machte.<br \/>\nDas Konzept von <em>Anika<\/em> &#8211; <em>Annika Henderson<\/em>, <em>Beak &gt; und Portishead<\/em> &#8211; Schlagzeuger <em>Geoff Barrow<\/em> und drei weitere Musiker &#8211; klingt wie ein schlechter Witz: ein Repertoire von Balladen aus den 60ern, eine S\u00e4ngerin mit schwerer Zunge und Akzent, eine Band, die wie die damals von <em>Judy Nylon<\/em> <em><\/em> dubbig zerschreddert wird. Aber es funktioniert. <em>Annika Henderson<\/em> mimt das am Geschehen v\u00f6llig unbeteiligte Filmsternchen oder Model, das nebenbei sich auch noch zum Popstar berufen f\u00fchlt und mit \u00fcberbetontem &#8211; nat\u00fcrlich ebenfalls gefakten &#8211; teutonischen Akzent v\u00f6llig emotionslos die Lieder vom Verlust der Liebe oder der Einsamkeit vortr\u00e4gt; Blickkontakt zur Band oder gar zum Publikum k\u00e4me ihr aus Prinzip nie in den Sinn. Eingebettet in schwerem, experimentellem Dub und so entschleunigt, dass die Musik beinahe gefriert, kann man sich dem Groove nur schwerlich entziehen.<br \/>\n<em>Marc Almond<\/em> pr\u00e4sentierte zum Abschluss am Sonntag zwar nicht die insgeheim erhoffte Revue des experimentelleren, d\u00fcsteren Repertoires aus den 80ern, die er in England derzeit auff\u00fchrt, sondern ein Best Of seiner kommerziellen Hits; nichts desto trotz sah man einen Showman, der die Br\u00fcche und Abgr\u00fcnde seiner Vita scheinbar unverh\u00fcllt offenlegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Saint Ghetto 2011 Jeweils drei Tage im November wird die Berner Dampfzentrale einmal nicht von Tanztheatern, Performances und Discoveranstaltungen, sondern von anders veranlagten, gerne auch Gestalten der schr\u00e4geren Art, heimgesucht. Saint Ghetto hei\u00dft das Festival, dessen Programm dieses Jahr zum vierten Mal von Christian Pauli und Roger Ziegler hochkar\u00e4tig zusammengestellt wurde. 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