{"id":1754,"date":"2011-06-27T19:17:38","date_gmt":"2011-06-27T18:17:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1754"},"modified":"2014-01-04T20:18:04","modified_gmt":"2014-01-04T19:18:04","slug":"ripples-juni-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/ripples-juni-2011\/","title":{"rendered":"Ripples Juni 2011"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #00ff00;\">Pedro Hestnes<\/span> (1962-2011)<br \/>\n<\/em><br \/>\nMit nur 49 Jahren starb der portugiesische Schauspieler <strong>Pedro Hestnes a<\/strong>m 20.06.2011 in Lissabon. Hestnes war d a s\u00a0 Gesicht des neuen portugiesischen Kinos seit den 1990er Jahren. Die erste, jugendliche, m\u00e4nnliche Identit\u00e4tsfigur (<em>In\u00eas de Medeiros<\/em>, Jugendfreundin, die im gleichen Quatier aufwuchs, ist das feminine Pendant), die das lusitanische Kino seit<em> Rui Gomes<\/em> in <em>Paulo Rochas<\/em> neorealistischen Klassiker <em>Os Anos Verdes <\/em>aus den Sechzigern aufzuweisen hatte. Ganz anders als die beh\u00e4bigen, intellektuellen Gestalten fortgeschrittenen Alters, die in den Filmen <em>De Oliveiras<\/em> und <em>Monteiros<\/em> durch die Sujets schleichen, ist <strong>Pedro Hestnes<\/strong> intensive Verk\u00f6rperung des romantischen, stets verschlossenen, fragilen und verletzlichen Heldens, der letztlich immer auch Verlierer ist, von ein anderen, geheimnisvolleren Welt. Sie hat auch weder etwas mit den machohaften Attit\u00fcden der Nouvelle Vague &#8211; Protagonisten aus den 1960ern noch den nerdigen Typen des Independendkinos der 1990er gemein. Viele Filme, die er mit Regiesseuren wie <em>Pedro Costa<\/em>, <em>Jo\u00e3o Botelho<\/em>, <em>Teresa Villaverde<\/em> oder <em>Jo\u00e3o Canijo<\/em> drehte, spielten auch nicht in urbanen Metropolen und in Boh\u00e8mekreisen, sondern in abgeschiedenen, ruralen Landsstrichen. Die meisten der talentierten portugiesischen Filmemacher aus den 1990ern brachten es aus diversen Gr\u00fcnden nicht zu internationalem Ansehen, mit gro\u00dfer Versp\u00e4tung hat sich einzig <em>Pedro Costa <\/em>den fragw\u00fcrdigen (internationalen) Ruf des Geheimtipps unter Cineasten erworben. In seinem Debut <em>O Sangue\/Das Blu<\/em>t von 1989, einer geheimnisvollen Familiengeschicht, vom kongenialen Kameramann <em>Martin Sch\u00e4fer<\/em> in kontrastreiches monochrom getaucht, wirkt jedes Bild wie ein unterk\u00fchltes, unumst\u00f6\u00dfliches Statement. <strong>Hestnes<\/strong> brillierte mit <em>In\u00eas de Medeiros<\/em> in den Hauptrollen. Mit <em>Costa<\/em> zusammen definierten sie einen neuen Geist im portugiesischen Film, der zwar durchaus Verehrung f\u00fcr die experimentelleren Bereiche der Filmgeschichte zeigen durfte, aber vor allem auch von einem Punkspirit beseelt war. Bevor es <strong>Hestnes<\/strong> dann endg\u00fcltig zum Film zog, studierte er Theater, Architekur und Kunst; er war auch an einigen Theaterproduktionen beteiligt.<br \/>\nNeben <em>O Sangue<\/em> waren <em>Xavier<\/em>, <em>Agosto<\/em>, <em>A Idade Maior<\/em>, <em>Lobos<\/em> und <em>Body Rice<\/em> weitere wichtige Filme des Schauspielers <strong>Pedro Hestnes<\/strong>, die man aber au\u00dferhalb der portugiesischen Programmkinos h\u00f6chstens auf Festivals oder im Fernsehen zu sehen bekam. Schon schwer von der Krankheit gezeichnet, arbeitete er bis zuletzt mit der Regisseurin <em>Catarina Ruivo<\/em> an deren Film <em>Em Segundo M\u00e3o \/Aus Zweiter Hand<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/pedro_hestes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1798\" title=\"pedro_hestes\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/pedro_hestes-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><br \/>\n<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #00ff00;\">Nancy Elizabeth und\u00a0James Blackshaw im Maria Matos<\/span> <\/em><\/p>\n<p><em>Guitarra Portuguesa <\/em>und Movimento Perp\u00e9tuo, die ersten beiden Platten des Fado-Gitarristen <em>Carlos Paredes<\/em> von 1967 und 71 respektive, werden in einer exklusiven Vinyl-Ausgabe im November auf <em>Drag City <\/em>wiederver\u00f6ffentlicht: <em>Ben Chasny<\/em> aka <em>The Six Organs Of Admittance<\/em> war seit l\u00e4ngerer Zeit von dem portugiesischen Maestro so angetan, dass er sich mit den Labelchefs seit 2005 um die internationalen Rechte bem\u00fchte. Ein anderer Meister der Gitarre, der Brite <strong>James Blackshaw<\/strong> gastierte f\u00fcr ein rares, gemeinsames Projekt mit <strong>Nancy Elizabeth<\/strong> in Lissabon; im, ganz im Gegensatz zu den Erwartungen, modernen, zweckm\u00e4\u00dfigen <em>Maria Matos Teatro<\/em>. <strong>Blackshaw<\/strong>, der den ersten Teil des Konzertes solo bestritt, bevor es zu einigen St\u00fccken im Duett mit <strong>Nancy Elizabeth<\/strong> kam und diese dann den zweiten Part \u00fcbernahm, ist, wie er bekundete, gleichfalls ein Anh\u00e4nger <em>Paredes<\/em>. Seine Musik ist insofern nicht so weit von der <em>Paredes<\/em> entfernt, als dass sie virtuos, aber nicht angeberisch ist. Sie tr\u00e4gt einen \u00e4hnlichen Schimmer Melancholie in sich, ohne im Eigentlichen blue-note zu sein. Ansonsten, so kann man im Programmheft lesen, waren f\u00fcr <strong>James Blackshaw <\/strong><em>John Fahey<\/em>, <em>Derek Bailey<\/em>, <em>Robbie Basho<\/em> und auch die Protagonisten der <em>Minimal Music<\/em> wie <em>Reich<\/em>, Charlemagne <em>Palestine<\/em> oder <em>P\u00e4rt <\/em>in seiner Entwicklung von Bedeutung. Als er um die 20 Jahre alt gewesen sei, habe er entdeckt, dass man mit einer 12-saitigen Gitarre alle Vorlieben und Ideen umsetzen k\u00f6nne: Oberton-Musik, Drones, Minimal Music. Die meist um die zehn Minuten sich entfaltenen St\u00fccke des Abends sind streng durchkomponiert, ohne dass ihnen das anzumerken w\u00e4re. Mit einer Leichtigkeit offenbart <strong>Blackshaw<\/strong> seine Kunst die ganze Palette atmosph\u00e4rischer Spannungsebenen in ein St\u00fcck unterzubringen.<br \/>\n<strong>Nancy Elizabeth<\/strong> ver\u00f6ffentlichte zwei Alben auf dem <em>Leaf-Label<\/em>. <em>Battle and Victory <\/em>von 2007 ist ein opulent, exotisch instrumentiertes (weird-) Folk-Album; <em>Wrought Iron<\/em> von 2010 sp\u00fcrt hingegen mit einer reduzierten Anzahl akustischer Instrumente dem inneren des Tons nach und ist &#8211; dies eine Parallele zu <strong>James Blackshaw<\/strong> &#8211; von <em>Steve Reich<\/em> und <em>Minimal Music<\/em> beeinflusst. Offensichtlich werden diese Vorlieben allerdings weniger bei der Instrumentierung als beim Gesang, der Techniken der Choralmusik zitiert und oft repetiven Charakter hat.<br \/>\n<strong>Nancy Elizabeth<\/strong> wird oft im Zusammenhang\u00a0 mit <em>Joanna Newsom<\/em> erw\u00e4hnt (die Harfe auf der ersten Platte, unorthodoxer Gesangsstil); auf der B\u00fchne des <em>Teatro Maria Matos<\/em> konnte man allerdings noch eine ganz andere Seite <strong>Elizabeths<\/strong> kennenlernen. Die aus Lancashire stammende und in Manchester lebende Musikerin improvisierte an der Gitarre oder am Fl\u00fcgel und sang dazu. Die Setlist st\u00e4ndig umwerfend und die Techniker etwas in Stress versetzend, spielte sie Altes und Neues in ultra-reduzierter Form. Staubtrockener Humor, ein schrilles, ordentliches Ma\u00df Exzentrik und professionelle Zerstreutheit, diese Klischees erwartet man von einer Britin, trotzdem ist das, angesichts der beinahe weltumspannenden Gleichf\u00f6rmigkeit des K\u00fcnstlertyps, immer noch erfrischend. Kammer\/Hausmusik, Kunstlied, Anleihen an \u00fcberlieferte Volkslieder und die avantgardistische Interpretation und die Vermischung von allem passen bei <strong>Nancy Elizabeth<\/strong> perfekt zusammen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1800\" title=\"nancy&amp;james\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/nancyjames1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pedro Hestnes (1962-2011) Mit nur 49 Jahren starb der portugiesische Schauspieler Pedro Hestnes am 20.06.2011 in Lissabon. Hestnes war d a s\u00a0 Gesicht des neuen portugiesischen Kinos seit den 1990er Jahren. Die erste, jugendliche, m\u00e4nnliche Identit\u00e4tsfigur (In\u00eas de Medeiros, Jugendfreundin, die im gleichen Quatier aufwuchs, ist das feminine Pendant), die das lusitanische Kino seit Rui [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,120,633],"tags":[303,302,314,307,301,306,300,311,308,213,305,294,298,299,310,315,98,304,309,214,293,295,296,292,297,312,224,313,134],"class_list":["post-1754","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-reviews","category-ripples","tag-a-idade-maior","tag-agosto","tag-arvo-part","tag-ben-chasny","tag-body-rice","tag-carlos-paredes","tag-catarina-ruivo","tag-derek-bailey","tag-drag-city","tag-drone","tag-em-segunda-mao","tag-james-blackshaw","tag-joao-botelho","tag-joao-ganijo","tag-john-fahey","tag-leaf","tag-lissabon","tag-lobos","tag-maria-matos-teatro","tag-minimal-music","tag-nancy-elizabeth","tag-o-sangue","tag-pedro-costa","tag-pedro-hestnes","tag-portugiesisches-kino","tag-robbie-basho","tag-six-organs-of-admittance","tag-steve-reich","tag-teresa-villaverde"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1754","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1754"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1754\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2369,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1754\/revisions\/2369"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}