{"id":1716,"date":"2011-06-12T21:54:15","date_gmt":"2011-06-12T20:54:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1716"},"modified":"2011-06-14T09:07:29","modified_gmt":"2011-06-14T08:07:29","slug":"time-machine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/time-machine\/","title":{"rendered":"Time Machine"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><strong><em>Ein Interview mit Ela Orleans<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Surreal, verwirrend, hypnotisierend! Die Musik auf <em>Lost<\/em>, <strong>Ela Orleans<\/strong> Album f\u00fcr <em>La Station Radar<\/em>, ist eine seltsame idiosynkratische M\u00e9lange: sie vereint sanfte Melancholie, aus dem Kontext gerissene Schlager aus einer anderen Zeit und experimentelle Soundscapes. Unergr\u00fcndliches Fernweh, sublime Abenteuergeschichten, seien sie vielleicht auch nur erfunden, und ein gro\u00dfes Ma\u00df abstrakter Sophistication schwingen bei den St\u00fccken mit. Musik also, genau aus jenem Stoff gemacht, den wir, Armchair Travellers zumeist, lieben und doch selten zu h\u00f6ren bekommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1727\" title=\"Ela_Orleans\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Ela_Orleans1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Ela_Orleans1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Ela_Orleans1.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p><!--more--> <strong>Ela<\/strong>, die von sich sagt, dass sie von Musik, Ger\u00e4uschen, Stimmen und Krach besessen sei, spielt Gitarre, Geige, Keyboards, Sampler und singt. Angeregt wurden die Texte auf \u2018Lost\u2019 durch Robert Walser, Sarah Feasdale, Bruno Schulz und Bill Rivers.<br \/>\n<strong>Elas<\/strong> erstes Album &#8211; <em>High Moon Low Sun<\/em> &#8211;\u00a0 erschien noch weitgehend unbemerkt auf dem italienischen <em>Setola Di Maiale<\/em> &#8211; Label, das scheinbar keinerlei Promotion betrieb oder sonstiges Engagement an den Tag legte. Die Stimmung auf der Platte ist von \u00e4hnlich wolkenverhangener Natur wie bei <em>Lost<\/em>, die St\u00fccke sind \u00e4sthetisch noch eine Spur roher, existenzialistischer. Der Effekt der \u00fcbereinandergeschichteten Layers wirkt irgendwie wie leicht gegeneinander verschoben. Sentimentale, morbide Gassenhauer, aus einer Jukebox scheppernd, bitten zu einem zittrigen Danse Macabre Musicale. Aus dem Kontext gerissene Surfgitarren treffen auf obskure afrikanische Beats, monds\u00fcchtige Drones auf Chelsea Girls. All das Schwere wird von <strong>Elas<\/strong> spr\u00f6dem Humor in luftigere, unbeschwertere Stimmungsebenen gehievt.<br \/>\nVergleichbar in der Wirking mit den komplexen Mixen <em>Philip Jecks<\/em>, vermengt sie live eingespielte und am Computer nachbearbeitete Musik mit Material aus Plattensammlungen und sonstigen Quellen zu verborgenen, zu entdeckenden, intuitiven Assoziationsketten.<br \/>\nIn <em>Lost<\/em> investierte <strong>Ela Orleans<\/strong> noch mehr Energie und Arbeit. Das Album ist vielleicht der bislang wichtigste und pers\u00f6nlichste Meilenstein im musikalischen Werdegang der K\u00fcnstlerin, es ist aber bei weitem nicht der einzige. Seit einiger Zeit erscheint ihre Musik bevorzugt, beziehungsweise aus \u00dcberzeugung in sperrigen Formaten bei verschiedenen Mikrolabels &#8211; derzeit sind das z.B. <em>La Station Radar<\/em>, <em>Clan Destine<\/em>, <em>Night People<\/em>, <em>Beko<\/em>. Lo-Fi &#8211; \u00c4sthetik, eine punkige, unkommerzielle Ausrichtung und eine erstaunliche Kreativit\u00e4t im Verbreiten von Informationen und Aufbauen von Netzstrukturen ohne finanzielle Mittel sind die Themen, die die weltweit verstreuten Musiker und Labels eint. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit dem s\u00fcdfranz\u00f6sischen Label <em>La Station Radar<\/em>, eine Kooperation, die von gegenseitigem Respekt bestimmt ist. LSR wurde von <em>J\u00e9r\u00f4me<\/em> und <em>Fleur<\/em>, nachdem sie zuvor l\u00e4ngere Zeit in Glasgow lebten und von der dortigen sehr aktiven Szene inspiriert wurden, ins Leben gerufen. Ihre Ver\u00f6ffentlichungen &#8211; ausgezeichnete eklektische Sampler, eine Fake-Tape-Serie, und Projeke wie <em>Skitter<\/em> (ein weiterer Musiker, mit der Ela zusammenspielte), <em>Archers By The Sea<\/em>, <em>Dead Gaze<\/em>, <em>Horsehair Everywhere<\/em>, <em>Dirty Beaches<\/em> und <em>Jeans Wilder<\/em> sind fast alle hochkar\u00e4tig.<\/p>\n<p>Mittlerweile kann sie Glasgow und New York als wichtige Stationen in ihrer Lebenslauf betrachten, geboren wurde sie aber in Polen, genauer in Oswiecim\/Auschwitz. Das dortige Aufwachsen und das Leben im Kommunismus beschrieb sie in einem fr\u00fcheren Interview f\u00fcr das Impulse Magazine. \u2018Eine recht sch\u00f6ne, alte Stadt mit einer f\u00fcrchterlichen Vergangenheit. Aufzuwachsen im Kommunismus war tr\u00fcbe und zog einen herunter. Ich konnte Gruppenaktivit\u00e4ten nie ausstehen &#8211; Paraden, Sport, B\u00e4ume pflanzen etc. &#8211; ,andererseits kamen Leute aus aller Welt und paradoxerweise gab mir das Leben neben dem schrecklichsten Museum der Welt Hoffnung und weckte in mir den Wunsch andere L\u00e4nder und Kulturen kennen zu lernen. Trotz dem repressiven System f\u00fchlte ich mich in unserer Wohnung sicher mit meiner Musik und meinen B\u00fcchern. Meine Eltern feierten oft Parties und die Leute bei der Arbeit rauchten wie in Mad Men.\u2019<\/p>\n<p>Der Prozess Musik als Eskapismus und Ausdrucksform zugleich nutzen zu k\u00f6nnen begann f\u00fcr Ela Orleans sehr fr\u00fch. \u2018Die Faszination f\u00fcr Kl\u00e4nge ist sehr eng verbunden mit der Erfahrung Musik durch das Radio und das Kino zu erleben. Bei der W\u00e4rme und Art von Unendlichkeit f\u00fchlte ich mich immer gut und behaglich &#8211; und, vielleicht klingt das seltsam &#8211; wichtig. Mit acht Jahren ging ich in eine Musikschule. Ich war in der Violinenklasse. Belegte Chor-, Orchester-, Rhythmik-, Musiktheorie- und Pianokurse. Zuhause spielte ich auch Fl\u00f6te. Als Kind besch\u00e4ftigte ich mich haupts\u00e4chlich mit klassischer Musik und Nachkriegs-Chansoniers, aber auch mit Jazz und 60er- und 70er Rock. Allgemein hinkte ich dem allgemein Angesagten immer etwas hinterher.\u2019<\/p>\n<p>Waren westliche Einfl\u00fcsse in den 1980ern schon sp\u00fcrbar? \u2018Kommt darauf an.. Wir kannten Madonna und Michael Jackson&#8230; Ich kann nicht wirklich beurteilen was f\u00fcr andere sp\u00fcrbar war, weil ich ein Musiknerd war und immer seltsame Tapes (meistens illegal) hatte, ein Interesse, das\u00a0 ich mit niemanden teilen konnte. Ich h\u00f6rte eine ganze Menge wirklich rarer Sachen, auf die ich stie\u00df, wenn die sehr sp\u00e4ten, obskuren Radioshows liefen. Als ich in den sp\u00e4ten 1980er Sub Pop entdeckte, \u00e4nderte sich meine ganze Wahrnehmung f\u00fcr Musik. Meine Erfahrung war wahrscheinlich nicht so unteschiedlich von dem westlichen Nerd. Ich musste einfach h\u00e4rter daf\u00fcr arbeiten und tiefer graben um das herauszufinden.\u2019<\/p>\n<p>In Elas vielschichtiger Musik schwingt auch immer eine Art imagin\u00e4rer Soundtrack mit bzw. sind viele der St\u00fccke neben dem musikalischen Gehalt von einer beinahe filmmusikalischen Qualit\u00e4t, und die kommt nicht von ungef\u00e4hr. Im Internet findet man auch vereinzelte Beitr\u00e4ge, die f\u00fcr das polnische Fernsehen konzipiert wurden, was die Frage nahelegte, ob sie dort fest arbeitete und ob der dortige Zugang \u00fcber die Musikschule zustande kam?<br \/>\n\u2018Ich hatte keinen eigentlichen Job beim Fernsehen. Mein sehr guter Freund arbeitet f\u00fcr den interessantesten Fernsehkanal in Polen und gl\u00fccklicherweise vertraute er mir genug, um mir die Chance zu geben den Bereich f\u00fcr Soundtracks zu erkunden und dort zu arbeiten. Ich bekomme hin und wieder Projekte vermittelt und versuche es als Karriereoption zu sehen. Die Musikschule musste ich nach dem Unfall &#8211; eine Kopfverletzung, aus dessen Folge ich unter einem Post Concussion Sydrome litt- aufgeben, da es die strenge musikalische Erziehung zu bew\u00e4ltigen verunm\u00f6glichte. Also begann ich zu malen und ging sp\u00e4ter auf die Kunstschule. Danach ging ich zur Schauspielschule; ich dachte dort w\u00fcrden alle meine bisherigen Interessen gespflegt werden k\u00f6nnen. Ich dachte, ich k\u00f6nnte mich an Filmen beteiligen, \u00e4hnlich denen, die ich als Kind liebte. Ich fand bald heraus, dass ich ein grossen Illusion aufgesessen war.\u2019<\/p>\n<p>Wie waren Deine dortigen Erfahrungen? &#8216;Polnische Kunstschulen sind kostenlos, aber sehr rigide und nehmen deine ganze Zeit in Anspruch. Man f\u00fchlt sich eher in einem Erziehungslager als in einer Schule. Ich kann mich daran erinnern, sehr wenig zu schlafen, keine Zeit zum ausgehen zu haben und gewaltige Mengen Alkohol zu trinken, wann immer die Gelegenheit dazu da war. Die Schauspielschule war auch phyisch anstrengend. Ich traf eine Menge gro\u00dfartiger Freunde dort. Ich denke, alle Kunstschulen vermitteln Jugendlichen gef\u00e4hrliche, aber romantische Ideen vom im K\u00fcnstlerischen t\u00e4tig zu sein. Beim K\u00fcnstler sein geht es weniger um das in den der Kunst t\u00e4tig sein, sondern eher um die Kunst in Dir.<br \/>\nEs ben\u00f6tigt einige Zeit nach der Kunstschule um den Unteschied zu sehen.&#8217;<\/p>\n<p>Komponiertest Du zu dieser Zeit schon? \u2018Nein, ich schrieb, malte, zeichnete und schaute obsessiv Filme. Ich denke nicht mal meine engsten Freunde konnten sich das damals vorstellen. Ich auch nicht. Ich dachte ich bin eine Malerin. Allerdings arbeitete ich im Radio, sprach zwar nicht, aber legte Platten auf. Sogar als ich begann meine musikalischen Experimente aufzunehmen, sah ich das als Therapie und hatte nicht die leiseste Ahnung davon, dass jemals etwas ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnte.\u2019<br \/>\nWie kam dann schlie\u00dflich der Kontakt zu Glasgow zustande?<br \/>\n\u2018Durch die Schauspielschule. Ich wurde von meinen Freunden von der Royal Scottish Academy of Music and Drama eingeladen. Ich leitete zwei Programme dort, lernte viele Freunde kennen und entschied zu bleiben. Ich lebte dort (illegal) f\u00fcr drei Jahre, bediente \u00fcberwiegend, putzte in Hotels und begann mich f\u00fcr Kollagen zu interessieren. Und ich machte meine ersten musikalischen Schritte.\u2019<br \/>\nNormalerweise ist die musikalische Szene in Glasgow ber\u00fchmt f\u00fcr ihre sensiblen Indie-Gestalten als Kontrast zur rauhen Umgebung?<br \/>\n\u2018Ja, genau. Jeden Morgen servierte ich den Belle and Sebastian- artigen Leuten Kaffee, als ich im Grosvenor Care (gibt\u2019s nicht mehr) bediente. Ich fand Glasgow \u00fcberhaupt nicht rauh. Ich lebte im West End, nahe des Parks und der Universit\u00e4t, in einer Villa&#8230;, was in London f\u00fcr das Geld, das ich als illegale Imigrantin verdiente, v\u00f6llig unm\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Die Kunstszene ist sehr interessant und die Architektur &#8211; gro\u00dfartig: sehr dunkel und massiv. Das Wetter, nun gut&#8230;\u2019<\/p>\n<p>Wie kamst Du dann in Kontakt zum experimentelleren musikalischen Umfeld der Stadt?<br \/>\n\u2018Ich mochte schon immer Noise und hing als Fan mit Bands ab. Aus sentimentalen Gr\u00fcnden kaufte ich eine Geige und einige Tage sp\u00e4ter wurde ich von einem meiner Freunde gefragt einige Takte in einer unabh\u00e4ngigem Radioprojekt, das von Transmission Gallery gesendet wurde, zu spielen. Die Idee Geige im RADIO zu spielen, nachdem ich einige Jahre \u00fcberhaupt nicht mehr gespielt hatte, war so verr\u00fcckt, dass ich zusagen musste. Es lief dann sehr gut und ich \u00fcbte und spielte dann weiter mit diesen Leuten. Ich realisierte, dass ich von meiner muskalischen Vorstellungskraft mehr als von meinen F\u00e4higkeiten gebrauch machen konnte. Es war sehr befreiend und macht Spass. Sp\u00e4ter dann gr\u00fcndeten wir eine Band &#8211; Hassle Hound.\u2019<br \/>\nHassle Hound &#8211; Ela Orleans, Tony Swain, Mark Vernon &#8211; spielen eine stark von abenteuerlich-schrillen Samples (ja, die eigene Plattensammlung dient diesbez\u00fcglich als Archiv) und Loops gepr\u00e4gte Musik, die auch von der Spontaneit\u00e4t lebt &#8211; man trifft sich aus logistischen, geographischen Gr\u00fcnden nur selten &#8211; und der Unterschiedlichkeit der Mitglieder lebt. Auf Staubgold erschienen diverse Platten.<br \/>\nDie polnische Musikszene ist durch Labels wie Musica Genera in letzter Zeit wieder etwas mehr in den Fokus ger\u00fcckt. Gibt es noch Kontakte zur Heimat?<br \/>\n\u2018Ich zog mich vollst\u00e4ndig aus der polnischen Musikszene zur\u00fcck, als ich 2004 ging. Aber, um ganz ehrlich zu sein, begann der R\u00fcckzugsprozess schon als Teenager.\u2019<\/p>\n<p>N\u00e4chste Station: New York City. Schwerer Fall von Assoziations-overkill. Klassische Auswanderergeschichten, literarische, filmische, k\u00fcnsterlische Reflektionen, dramatisch, mythisch, romantisch, vielleicht gar langweilig?<br \/>\n\u2018F\u00fcr mich war es eher dramatisch als romantisch. Ich kam 2004 nach NYC, w\u00e4hrend der zweiten Amtszeit von George W. Bush und inmitten desastr\u00f6sen wirtschaftlichen und politischen Gepflogenheiten, die zu Reagan &#8211; Zeiten begannen und schmerzlich von der jetzigen Adiministration weitergef\u00fchrt werden. New York ist nicht die Stadt, die man von Godfather oder Mean Streets kennt. Cool, dass es keine Schie\u00dfereien gibt, wenn ich nach Hause laufe, denke ich&#8230; Die Leute in NYC sind froh \u00fcber die verbesserte Sicherheit auf den Stra\u00dfen. F\u00fcr mich ist es schwierig mich nicht so zu f\u00fchlen wie ich bei lebendigem Leib aufgefressen werde, wenn ich mich jeden Tag auf diese \u2018sicheren\u2019 Stra\u00dfen bewege. Ich finde auch, dass es auf genau diesen Stra\u00dfen jeden Tag Proteste geben m\u00fcsste, aber es gibt keine&#8230;&#8217;<br \/>\nWie ist Deine Geschichte?<br \/>\n\u2018Ich k\u00f6nnte mit einem sehr glamour\u00f6sen Bild aufwaten&#8230; Meine Geschiche geht in die Richtung von Gleichg\u00fcltigkeit und Entkr\u00e4ftung, verursacht gleichermasen durch das sich Bewegen mit den \u00d6ffentlichen Verkehrsmitteln, Einsamkeit, komplettes Fehlen von jeglicher sozialer Unterst\u00fctzung. Umgeben zu sein von einer unm\u00e4\u00dfigen Anzahl \u2018Networking Gadgets\u2019 verschlechtert mein Leben zus\u00e4tzlich.\u2019<br \/>\nIst das kulturelle Klima \u00e4hnlich?<br \/>\n\u2018Ich bin erschp\u00f6pft und dabei die Stadt zu verlassen. Da sind Dinge, die ich inspirierend finde: die <em>WNYC<\/em> und <em>Pacific<\/em> &#8211; Radiostationen, den <em>New Yorker<\/em>, einige Ausstellungen im <em>Metropolitan<\/em> und <em>Whitney<\/em> &#8211; Museum und vor allem: <em>Film Forum<\/em>, das beste Kino der Welt. Auch der untere Teil der Second Avenue, Jackson Heights und Brighton Beach &#8211; die am wenigsten gentrifizierten Orte von NYC. Und Harlem und <em>The Shrine<\/em>, wo ich Shows sah, die mich vor Freude weinen lie\u00dfen. Ein spezifisches kulturelles Klima ist mir nicht bewusst, um ehrlich zu sein. Es gibt Tonnen von Sachen, die ich jeden Tag ausfindig machen kann, alt und modern, heute dies, morgen jenes. Ich versuche so viele Dinge zu sehen wie ich kann, aber in letzter Zeit bin ich entweder zu m\u00fcde oder zu abgebrannt, oder beides.\u2019<\/p>\n<p>Wie steht es um die vielbeschworene Offenheit? Du tratst auch schon in Clubs wie <em>The Stone<\/em> und der <em>Knitting Factory<\/em> auf?<br \/>\n\u2018Man kann im <em>The Stone<\/em> nur auftreten, wenn man vom Kurator angefragt wird, der wiederum von <em>John Zorn<\/em> bestimmt wird (jeden Monat jemand anderes). Ich wurde von <em>Lukas Ligeti<\/em> angefragt, der mein Mentor an der New York Foundation for the Arts program for Immigrant Artists war.<br \/>\nDie <em>Knitting Factory<\/em>&#8230; Ich spielte dort zweimal. Beidesmal verschwand der Soundingenieur vor meinem Soundcheck und der Promoter lief mit dem Geld davon, bevor noch ich meinen Auftritt beendete. <em>Knitting Factory<\/em>, <em>Pianos<\/em>, <em>Glasslands<\/em> &#8211; das alles mag cool klingen, ist es aber nicht. Alles \u00fcberfl\u00fcssige Erfahrungen, verursacht durch eine unselige Figur namens Promoter. Als eine offene Person sollte ich eigentlich einige wirklich unfeine Worte ins Spiel bringen um diese Typen zu beschreiben, aber es k\u00fcmmert mich nicht mehr. Ich verlassedie Stadt ohnehin demn\u00e4chst.\u2019<br \/>\nMit der eklektischen, uneinsortierbaren Musik, die <strong>Ela Orleans<\/strong> komponiert, sollte sie eigentlich pr\u00e4destiniert sein, auf prestigetr\u00e4chtigen Avantgarde-Labels wie <em>Tzadik<\/em> zu ver\u00f6ffentlichen. Oder bevorzugt sie weiterhin die anarchische Einstellung von <em>La Station Radar<\/em> und <em>Night People<\/em>?<br \/>\n\u2018Ich denke nicht, dass ich ins <em>Tzadik<\/em>-Raster passen w\u00fcrde. Ich bin zu sehr Punk. Und ich hasse CD\u2019s. Ich liebe meine Labels: <em>La Station Radar<\/em>, <em>Night People<\/em> and <em>Clan Destine<\/em> Records und ich m\u00f6chte bei ihnen bleiben. Ich m\u00f6chte sie gr\u00f6\u00dfer werden sehen. Aber nicht zu gro\u00df, gerade so, dass ihren Werten treu bleiben k\u00f6nnen. Sie sind auch Punk und sie passen zu meinem unkompromisslosen Stil.\u2019<\/p>\n<p><em>Lost<\/em> ist ein gro\u00dfartiges Album \u00fcber das Leben an einem fremden Ort. Warst Du in der Entstehung beeinflusst von anderen K\u00fcnstlern, die als Zuwanderer schon \u00fcber dieses Gef\u00fchl sich ge\u00e4u\u00dfert haben, wie z.B. <em>Chantal Akerman<\/em>? \u2018Nein, gar nicht.\u2018Eher von <em>David Holzman\u2019s<\/em> Diary, physisches Erfahrungen \u00fcber das Leben in der Stadt, amerikanischen Dichtern, Beat Literature. Damals war ich enorm von den Shows westafrikanischer Musiker in Harlems <em>Shrine<\/em>, mein Lieblingsclub in NYC, beeinflusst.\u2019<br \/>\nWie entsteht deine Musik. Hast du bevor du beginnst schon ein genaues Konzept erarbeitet oder bevorzugst den improvisatorischen Prozess?<br \/>\n\u2018Beides. Ich lerne durch Fehler. W\u00e4hrend ich an einem Projekt arbeite mache ich auch jede Menge musikalischer Sketche, die sp\u00e4ter wiederum als Er\u00f6ffnung f\u00fcr ein neues Projekt werden. Es ist ein bi\u00dfchen wie ein Teufeskreis und eine Reise ins nirgendwo.\u2019<br \/>\nUnterscheidet sich die Arbeit f\u00fcr das Fernsehen grunds\u00e4tzlich?<br \/>\n\u2018Wenn ich f\u00fcr das Fernsehen arbeite, ist mir eine bestimmte Zeit vorgegeben. Manchmal sind es nur f\u00fcnf Sekunden und oft ist es schwieriger kreativ zu sein in solch einem minimalen Raum. Es ist viel rigoroser und verlangt Disziplin und Flexibilit\u00e4t. Auch ist der Prozess an sich unterschiedlich, die Erfahrung nutze ich dann f\u00fcr meine eigene Projekte.\u2019<br \/>\nDu arbeitest viel mit Layers. Ist das ein bi\u00dfchen wie an einer Kollage arbeiten oder malen?<br \/>\n\u2018Ziemlich. Oder Geschichten erz\u00e4hlen&#8230; Oder das Leben&#8230;\u2019<br \/>\nDie Samples die Du verwendest wirken oft wie eine Art melancholisches kollektives Ged\u00e4chtnis. Ist das ein intuitiver oder ein bewusster, ein abstrakter oder pers\u00f6nlicher Prozess?<br \/>\n\u2018Beides. Ich vertraue meiner Intuitution und meinem Geschmack. Und ich habe eine gro\u00dfes Empfinden f\u00fcr die Vergangenheit. Ich bin melancholisch und anstatt im Bett zu liegen und zu heulen lasse ich diesen Teil von mir das meiste meines kreativen Jobs tun.\u2019<br \/>\n<em>Abstrakt<\/em> bedeutet oft <em>pers\u00f6nlich<\/em> f\u00fcr mich, da ich ziemlich abgel\u00f6st von der Wirklichkeit bin. Literatur und Kino sind meine Lieblingswege von \u00f6den, primitiven und l\u00e4hmenden Aspekten des Lebens davon zu laufen (zum Beispiel Geld verdienen). Das komische ist, dass ich dazu tendiere von dem Abtauchen in die depressivste Literatur, die je geschrieben wurde, davon zu laufen. In anderen Worten: Ich k\u00f6nnte niemals \u00fcber Dinge, die mir nicht vertraut sind, singen.\u2019<br \/>\nDenkst du, dass eine schnelle Stadt wie NYC langsamere Musik provoziert?<br \/>\n\u2018New York schnell? Warst Du schon in New York? Die Leute stehen in der Mitte der Rolltreppen, die nach UNTEN gehen. Wenn du auf der Post bist f\u00fchlst du dich als w\u00fcrdest du von gel\u00e4hmte Schnecken bedient. Wenn du durch China Town gehen m\u00f6chtest, auf Zehenspitzen ist der Laufstil, denn du gezwungen bist zu w\u00e4hlen. Es braucht auch ewig und drei Tage bis dir Leute bezahlen, was sie dir schulden. Nein, New York ist \u00fcberhaupt nicht schnell. Es f\u00fchlt sich oft wie eine Wartehalle mit interessanten Leuten an, die du nie wieder sehen wirst. Ich verstehe aber, was du mich fragen m\u00f6chtest&#8230; Und ich muss sagen: Nein, ich glaube nicht.\u2019<\/p>\n<p>Wie siehst du deine Erfahrungen mit musikalischen Kollaborationen verglichen mit der isolierten Situation, wenn du Musik alleine komponierst?<br \/>\n\u2018Es geht um Freiheiten. Wenn ich mit anderen spiele, hat man mehr Spa\u00df usw. Wenn ich aber alleine bin habe ich mehr Kontrolle \u00fcber meine eigenen Ideen, wie sie ausgef\u00fchrt werden, was die letzte Entscheidung ist. Es ist auch billiger und einfacher zu reisen als ein Ein Mann &#8211; Orchester. Ich denke Soloarbeiten sind reflektiver, pers\u00f6nlicher und &#8211; in meinem Fall &#8211; fokusierter als Gruppenarbeiten.\u2019<br \/>\nWelche Kriterien sind f\u00fcr dich bei der H\u00fcllengestaltung ausschlaggebend?<br \/>\n\u2018Ich w\u00e4hle gute K\u00fcnstler aus. Aber ich versuche auch so klar wie m\u00f6glich zu sein wie ich meine Arbeit verpackt haben m\u00f6chte. Gew\u00f6hnlich habe ich eine grobe Idee oder ein Bild in meinem Kopf. Ich bin sehr gl\u00fccklich, was die \u00c4sthetik meiner Lables anbelangt und auch \u00fcber die Tatsache, dass ich Ideen diskutieren kann und Raum f\u00fcr Ver\u00e4nderungen ist.\u2019<br \/>\nIst der visuelle Aspekt wichtig f\u00fcr dich, wenn du auftrittst. Sind da die Erfahrungen von der Theaterarbeit von Vorteil?<br \/>\n\u2018Ich arbeite nicht f\u00fcr das Theater. Seitdem ich nach New York zog arbeitete ich als B\u00fchnenmanager f\u00fcr <em>ein <\/em>Theaterprojekt. Ich bezahle meine Rechnungen (und Steuern), indem ich als Bildhauerin, Malerin und K\u00fcnstlerin\/Personal Assistant arbeite. Wenn ich auf der B\u00fchne bin, k\u00fcmmere ich mich nur darum ob mein Equipment auf AN steht und problemlos funktioniert. Ich muss auch mein St\u00fcck Papier mit der Reihenfolge der Titel sehen. Ich habe f\u00fcrchterliches Lampenfieber und alles was ich m\u00f6chte, ist durch die Show ohne gr\u00f6\u00dfere Fehler zu kommen. Ich m\u00f6chte alles m\u00f6glichst einfach halten und Einfachheit ist der Aspekt, um den ich mich sehr k\u00fcmmere.\u2019<br \/>\nArbeitest du mit Projektionen und \u00e4hnlichem?<br \/>\n\u2018Nein. W\u00e4re da ein Film im Hintergrund w\u00fcrde mich das durcheinanderbringen und ich w\u00e4re unkonzentriert. Ich denke die Zeiten, als die Schatten von zwei Typen mit ihren Laptops zum Kaleidoskop wie Farbklekse im Hintergrund spielen, sind vorbei. Ich sah einen fantastischen Auftritt von Faust, die zu Nosferatu spielten vor einer Weile. Ich habe einige Ideen, aber ich m\u00fcsste eine Menge Zeit \u00fcbrig haben diese auszuarbeiten. In der Zwischenzeit bastele ich an Videos f\u00fcr die Songs meiner erscheinender Ver\u00f6ffentlichungen.\u2019<br \/>\nSind die zwei angek\u00fcndigten Platten musikalisch sehr unterschiedlich von den bisherigen?<br \/>\n\u2018Es sind mehr als zwei&#8230; <em>NEO PI-R<\/em> (Tape auf Clan Destine Records) ist im Mai erschienen. Das Album ist so low fi wie ich nur sein kann. Es sind 16 St\u00fccke, die ohne Computer auf einem 4-Track Rekorder mit einem Casio Keyboard, Tranistor Radio, Plattensammlung und Stimme entstanden sind. Alles ist ziemlich \u2018dancy\u2019 und ein bi\u00dfchen \u2018goth\u2019 und \u2018dub\u2019 manchmal. Meine Split-LP mit Dirty Beaches <em>Double Feature<\/em> ist im Juni auf <em>La Station Radar\/Atelier Ciseaux <\/em>und <em>Night People <\/em>erschienen. Die Musik kundschaftet das cinematographische und literarische Feld aus. Das Album ist weniger eklektisch und mehr komponiert, denke ich. Im September wird <em>Mars Is Heaven<\/em> erscheinen, eine einheitlichere Platte. Dann ist noch eine weitere Ver\u00f6ffentlichung f\u00fcr <em>Night People<\/em> geplant und eine Solo-LP f\u00fcr <em>Clan Destine Records<\/em>, zus\u00e4tzlich noch ein Projekt f\u00fcr <em>BEKO<\/em> (ihre letzte digitale Ver\u00f6ffentlichung) und es gibt einen Plan f\u00fcr eine Remix &#8211; LP. Ich werde auch an einem Remix f\u00fcr Holy Strays arbeiten. All dies sollte bis Fr\u00fchjahr 2012 erscheinen. Ich bin mir sicher, dass es einige \u00c4hnlichkeiten geben wird. Wenn ich an einer neuen Platte arbeite, denke ich nicht wirklich zu sehr daran was ich zuvor gemacht habe&#8230; Es ist vielleicht \u00e4hnlich wie ein neues Buch schreiben. Es wird einfach eine andere Geschichte werden.\u2019<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.elaorleans.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">http:\/\/elaorleans.wordpress.com\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.lastationradar.com\" target=\"_blank\">http:\/\/lastationradar.com\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.clandestinerecords.bigcartel.com\" target=\"_blank\">http:\/\/clandestinerecords.bigcartel.com\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.raccoo-oo-oon.org\/np\/\" target=\"_blank\">www.nightpeople<\/a><\/p>\n<p>Die englische Version des Interviews findet sich hier:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit Ela Orleans Surreal, verwirrend, hypnotisierend! Die Musik auf Lost, Ela Orleans Album f\u00fcr La Station Radar, ist eine seltsame idiosynkratische M\u00e9lange: sie vereint sanfte Melancholie, aus dem Kontext gerissene Schlager aus einer anderen Zeit und experimentelle Soundscapes. Unergr\u00fcndliches Fernweh, sublime Abenteuergeschichten, seien sie vielleicht auch nur erfunden, und ein gro\u00dfes Ma\u00df abstrakter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,119,160],"tags":[280,281,277,289,284,283,278,288,282,285,279,290],"class_list":["post-1716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-features","category-langwellen","tag-beko","tag-clan-destine-records","tag-ela-orleans","tag-filmmusik","tag-glasgow","tag-high-moon-low-sun","tag-la-station-radar","tag-lo-fi","tag-lost","tag-new-york","tag-night-people","tag-polen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1716"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1716\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1750,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1716\/revisions\/1750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}