{"id":1357,"date":"2010-08-09T12:50:20","date_gmt":"2010-08-09T11:50:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1357"},"modified":"2010-08-13T17:56:40","modified_gmt":"2010-08-13T16:56:40","slug":"o-futuro-da-saudade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/o-futuro-da-saudade\/","title":{"rendered":"O Futuro Da Saudade 4"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>Pop Dell\u2019Arte &#8211; No Way Back<\/em><\/span><\/p>\n<p>R\u00fcckblick. Wir befinden uns Mitte der 1980er Jahre in Portugal. Es geht um Popmusik. In Lissabon und Porto gibt es zwar schon einschl\u00e4gige Schallplattenl\u00e4den, die die ganze Palette an t\u00f6nenden Idiosynkrasien aus dem Ausland feilbieten, aber eigene Vetreter zeitgem\u00e4\u00dfer Au\u00dfenseitermusik sind nicht auszumachen. Gerade hat man eine jahrzehntelange Diktatur abgesch\u00fcttelt und die interventionistischen Liedermacher vom Schlage Lu\u00eds C\u00edlia, Jos\u00e9 Maria und \u00dcbervater Jos\u00e9 Afonso waren bis zur Pefektion darin geschult Inhalte poetisch so zu verschl\u00fcsseln, dass sie die Zensurbeh\u00f6rden \u00fcberlasen. Man spielt immer noch eine Art internationalisitsche Weltmusik mit lusitanisch-folkoristischen, aber vor allem auch afrikanischen und brasilianischen Einfl\u00fcssen; diese pr\u00e4gt auch in den 1980ern zuerst einmal die \u00d6ffentlichkeit. Fado wiederum, die erkl\u00e4rte <em>portugiesische Musik schlechthin,<\/em> ist ersteinmal indiskutabel, hatte das Regime doch jahrzehtelang die drei gro\u00dfen F&#8217;s &#8211; Fado, Fu\u00dfball und F\u00e1tima &#8211;\u00a0 im Ausland unverfroren ausgeschlachtet, und, ganz nebenbei, f\u00fchlte sich auch die eine oder andere Fado-Gr\u00f6\u00dfe\u00a0 in der N\u00e4he der Macht nicht unwohl.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1381\" title=\"pop_dell_arte\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/pop_dell_arte-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>So sto\u00dfen die f\u00fcnf Enthusiasten, die sich im Lissaboner Stadtteil Campo De Ourique zusammentun, um ein ganz anderes musikalisches Konzept unter dem Namen <em>Pop Dell\u2019Arte<\/em> zu verfolgen, ersteinmal auf Unverst\u00e4ndnis, das aber auch andere bisher noch nicht geoutete Gleichgesinnte, wie sich zeigt, \u00fcberzeugen und anziehen sollte. Mit einem Sound, gespeist aus Post-Punk, futuristischer Elektronik und unterk\u00fchltem, artifiziellem Disco verk\u00f6rperen sie, insbesondere deren charismatischer Vokalist <strong>Joa\u00f5 Peste<\/strong>, anstatt bierernster Sozialkritik mehr als nur einen Hauch von Dekadenz, Androgynit\u00e4t und sonstiger Uneinsortierbarkeit. Wie bei allen guten Projekten scheiden sich bei <em>Pop Dell\u2019Arte <\/em>die Geister. Heftige Reaktionen der Medien und des Publikums, von Scharlatanerie &#8211; und Dilettantismusvorw\u00fcrfen bis zur Bezichtigung des Genialen begleiten ihre ersten Auftritte und Ver\u00f6ffentlichungen &#8211; solch emotionale Ausbr\u00fcche w\u00fcrde man sich heute w\u00fcnschen. Die Single <em>Sonhos Pop<\/em> und das folgende Album <em>Free Pop<\/em> besetzen in Portugal die Begriffe Avantgarde-Pop\/Untergrund\/Au\u00dfenseitermusik \u00fcberhaupt zum ersten Mal. Peste gr\u00fcndet sein eigenes Label &#8211; <em>Ama Romanta <\/em>&#8211; , das sich au\u00dfer der Musik auch vertrackten philosophischen Diskursen, beeinflusst von der Frankfurter Schule widmet (Paquete de Oliveira). Musikalisch vereinigt sich bei <em>Ama Romanta<\/em> in den wenigen Jahren, in denen das Label Mitte bis Ende der 1980er existiert, alles was bis zur heutigen Zeit seine Spuren in den verschiedenen experimentellen Szenen hinterlassen wird. Mler If Dada aka Anabela Duarte und Nuno Rebelo, Anamar, Vitor Rua, M\u00e3o Morta aka Adolfo Lux\u00faria Cabral, Sei Miguel, Nuno Canavarro, Rafael Toral etc. Anfang der 1990er dr\u00fcckt Peste auf die Bremse und widmet sich der Band, die aber nach <em>Ready Made<\/em> (1993) gleichsam eine Pause einlegt und seitdem nur sporadisch, in verschiedenen Besetzungen und mit Peste als einzigem verbliebenen Original von sich reden macht. Nach <em>Sex Symbol<\/em>, dem dritten Album, das ketzerisch auf einem Major erscheint, zeugen au\u00dfer einer EP 2002 nur noch eine Kompilation <em>POPlastik<\/em> 2006 von weiteren Aktivit\u00e4ten. Nichst desto trotz feiern Pop Dell Arte 2010 25-j\u00e4hriges Jubli\u00e4mum und das wird mit einem neuem Album begangen.<br \/>\n<em>Contra-Mudum<\/em> klingt so aktuell als w\u00e4ren sie nie weg gewesen. Pestes\u2019 Gesang, eine zweifelsfrei gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige Mischung aus comichaft-\u00fcberzognener Geschlechterverwirrung und Theatralik, l\u00e4uft kaum Gefahr mit einem anderen verwechselt zu werden. Die Texte ironisieren popgeschichtliche Phrasen, babylonisch in Pseudo-Englisch, Portugiesisch, Italienisch, Franz\u00f6sisch oder gleich in eine Phantasiesprache transferiert; Slogans sind scheinbar beliebig aneinandergereiht und doch ist das nat\u00fcrlich clever konstruiert. Warhol und Duchamp (siehe Ready Made als Albumtitel) sind die erkl\u00e4rten pr\u00e4genden Einfl\u00fcsse aus der Kunst, Rimbaud, Burroughs, Brel, Kraftwerk, Bowie in Berlin, Nina Simone weitere \u2018Helden\u2019. <em>Pop Dell Artes<\/em>\u2019 Musik kann auch 2010 m\u00fchelos als zeitgem\u00e4\u00df, vielleicht schon gar als zeitlos, schubladisiert werden, wenn\u2019s einem beliebt, da ihr Markenzeichen, diese stringente Montage aus Loops, Samples und Zitaten von Chanson bis Industrial derma\u00dfen trocken und rhythmisch-futuristisch daherkommt, dass sie keiner Gattung zugerechnet werden kann.\u00a0 Bis zum Drei\u00dfigsten dann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/popdellarte\" target=\"_blank\">Pop Dell&#8217;Arte<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pop Dell\u2019Arte &#8211; No Way Back R\u00fcckblick. Wir befinden uns Mitte der 1980er Jahre in Portugal. Es geht um Popmusik. 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