{"id":1275,"date":"2010-05-04T14:14:54","date_gmt":"2010-05-04T13:14:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1275"},"modified":"2014-04-26T09:01:55","modified_gmt":"2014-04-26T08:01:55","slug":"the-music-of-jg-thirlwell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/the-music-of-jg-thirlwell\/","title":{"rendered":"The Music Of JG Thirlwell"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #00ff00;\">The Music Of JG Thirlwell<\/span><\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr die bislang \u00fcberzeugendste visuelle Umsetzung\/Interpretation von <strong>J.G. Ballards<\/strong> <em>The Atrocity Exhibition<\/em> von <strong>Jonathan Weiss<\/strong> schrieb ein anderer <strong>J.G.<\/strong>, n\u00e4mlich <strong>Thirlwell<\/strong>, den Soundrack f\u00fcr diese Chronik \u00fcber den mentalen Zusammenbruchs eines Arztes, der seine Patienten in eine Serie von bizarren Auff\u00fchrungen einbindet. Ein Konstrukt des Filmes &#8211;\u00a0 bestehend aus einem an einen Antennenmast montierten Stuhl, ein TV &#8211; Ger\u00e4t, einer\u00a0 Satellitensch\u00fcssel und einer Art Gartenzaun &#8211; steht immer noch auf dem Dach von Thirlwells Brooklyner Apartment.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1282\" title=\"J.G.Thirlwell\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/J.G.Thirlwell-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/J.G.Thirlwell-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/J.G.Thirlwell-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/J.G.Thirlwell.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Melbourne 1960 geboren, zog J.G. Thirlwell schon mit 18 Jahren, nachdem er zuvor kurz in die Kunstschule schnupperte, nach London, wo er bei einer Plattenkette als Verk\u00e4ufer arbeitete und mit <em>Nurse With Wound <\/em>&#8211; Kopf \/ <em>Steven Stapleton <\/em>in Kontakt kam und mit dem er die ersten musikalischen Aufnahmen realisierte. Nebenbei wurde er von diversen Exil &#8211; Australiern &#8211; <em>Birthday<\/em> <em>Party und co <\/em>&#8211; und von in London regelm\u00e4\u00dfig gastierenden Vertretern der New Yorker No-Wave-Szene mit gleichsam ausgesucht \u00fcblem Leumund sozialisiert. Schon damals gab Thirlwell nicht nur den genialen Heimwerker, sondern spielte auf seinen Aufnahmen auch jedes Instrument und sang jede Stimme selbst. Das sprach sich herum und seine Allrounder-Qualit\u00e4ten brachten ihm Engangements und Produzentent\u00e4tigkeiten bei u.a. bei <em>The The<\/em>, <em>Soft Cell<\/em>, <em>Einst\u00fcrzende Neubauten<\/em>, <em>Coil <\/em>und dem <em>Some Bizarre Label<\/em>, also den Protagonisten der hedonistischen Fraktion des 1980-ies &#8211; Undergrund, ein. Letztlich ungl\u00fccklich in Thatcherland zog er 1983 nach New York, der Stadt, die seiner chronischen k\u00fcnstlerischen Nervosit\u00e4t und kurzen Aufmerksamkeitsf\u00e4higkeit am n\u00e4chsten kam. <em>Foetus<\/em> , sein Alter Ego, wurde f\u00fcr Liveauftritte zur Band; die Attit\u00fcde auf der B\u00fchne &#8211; \u00fcberzogen-ironische\/kathartische Kraftmeiereien &#8211; erwiesen sich allerdings zunehmend als redundant.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Weggef\u00e4hrten meist in dieser Sackgasse verharrten,\u00a0 begeht Thirlwell seit den 1990ern unterschiedlichste k\u00fcnstlerische Pfade, die an seine fr\u00fchen Experimente andocken und ihn wieder als einen der einfallsreichsten und &#8211; das wird sich wohl erst sp\u00e4ter zeigen &#8211; einflussreichsten Vertreter der nicht akademischen Avantgarde auszeichnen.<\/p>\n<p>Die fr\u00fchen Aufnahmen, urspr\u00fcnglich auf verstreuten Kult-Samplern wie <em>An Afflicted Mans Musica Box <\/em>bzw. \u00fcberhaupt noch nie offiziell erschienen, sind vor einiger Zeit im Package <em>Limp <\/em>(CD, Buch, DVD) kompiliert von Thirlwell wieder zug\u00e4nglich gemacht worden: <em>Limp &#8211; Minimal Compositions, Instrumentals and Experiments 1980 &#8211; 1983<\/em>. Inspiriert von Post-Punk, Minimal-Music, der Seriellen Neuen Musik, <em>Reich<\/em>, <em>Glass<\/em>, <em>Cage<\/em>, <em>Stockhausen<\/em>, Filmklassikern wie <em>Bunuel<\/em> und Serien wie <em>The Prisoner<\/em> und <em>The Avengers<\/em> , sind dies Thirlwells mittels Kassettenrekordern und diversem Billigger\u00e4tetum der Pr\u00e4-Personal Computer\/Midi-\u00c4ra idiosynkratische Abstraktionen und Reaktionen auf diese Einfl\u00fcsse, was nun zeitversetzt betrachtet schlichtweg die Avantgardestr\u00f6mungen der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts waren.<\/p>\n<p>Obwohl seine Musik schon einen st\u00e4ndigen Bilderfluss suggeriert und eine zus\u00e4tzliche visuelle Komponente eigentlich nicht n\u00f6tig h\u00e4tte, ist das Genre Filmmusik aber nat\u00fcrlich eine offensichtliche Versuchung, die Kompositionen um eine zus\u00e4tzliche Kunstform zu bereichern. Die Cartoon-Serie <em>The Venture Brothers<\/em> liefert dazu wie schon <em>The Atrocity Exhibition <\/em>das ideale Versuchsfeld. In einer Art Zuammenstauchung von m\u00f6glichst vielen Elementen in m\u00f6glichst kurzer Zeit wird man mit den gemeinhin erwarteten, einschl\u00e4gig \u00fcberdrehten Scores begl\u00fcckt, die ihre Vorbilder weniger in den klassischen Soundtracks der anarchistischen <em>Walt Disney<\/em> &#8211; Produktionen suchen als in den freien <em>Spirou <\/em>&#8211; Adaptionen des verblichenen Nato &#8211; Labels und nat\u00fcrlich <em>John Zorns<\/em> Interpretaionen von <em>Godard<\/em> und <em>Spillane<\/em>, und nicht zuletzt <em>Naked City<\/em>. Thirlwell will sich aber selbstverst\u00e4ndlich einer kleinen Verbeugung vor den gro\u00dfen Meistern des Genres,\u00a0 Morricone und Rota beispielsweise, deren stilistische Handgriffe immer wieder als\u00a0 kleine Parikel ins Gesamtkonstrukt eingestreut werden, nicht enthalten.<\/p>\n<p>Von sich selbst sagt Thirlwell, dass er nur schwer seinen Hang zum Bombast im Zaume zu halten\u00a0 vermag &#8211; was mitunter durchaus <em>tongue in cheek<\/em> zu verstehen sein d\u00fcrfte, beweist er durch mit u.a. <em>Limp <\/em>Gegenteiliges, nichts destotrotz, bei seinem Projekt <em>Steorid Maximus<\/em> kann er diese Disposition voll ausleben. Ein Bigband-Orchester, das seine St\u00fccke in der Manier von Foetus-Produktionen umsetzt, also halsbrecherisches Tempo, strenge Schnitte, genial arrangierte \u00dcberleitungen, brachiale Auswuchtungen, aber eben auch ein geh\u00f6riges Ma\u00df an Ambiguit\u00e4t, dass die Musik in verschiedene Kontexte stellt. Bei Auff\u00fchrungen von <em>Steorid Maximus<\/em> gibt Thirlwell standesgem\u00e4\u00df den weirden Zampano am Dirigentenpult.<\/p>\n<p>JG Thirlwell macht seinem Ruf, ein wandelndes musikalisches Kompendium zu sein, auch bei <em>Manorexia<\/em>, einem weiteren nun \u00fcber drei Alben gef\u00fchrten Ableger seiner selbst, alle Ehren. Die ruhigeren, aber trotzdem \u00e4u\u00dferst dynamischen instrumentealen St\u00fccke, die ihren Ursprung in einem Elektronik- und Sample-gepr\u00e4gten Konzept, das er 2000 ins Leben rief, haben, wurden nun f\u00fcr das dritte Album, das auf Tzadik erschien, in ein kammermusikalisches Format gebrach. Die geheimnisvolle Musik von <em>Manorexia <\/em>spiegelt das Thema des Albums &#8211;\u00a0 The Mesopelagic Waters, die unerforschten Tiefen des Meeres mit ihren gleichsam unbekannten Lebewesen &#8211; wider. Neuere Auftragsarbeiten f\u00fcr das <em>Kronos Quartet<\/em> oder die Installationen mit <em>Michael von Hauswolf <\/em>zielen in eine \u00e4hnliche, zwar nach wie vor freigeistige, aber auch das Hochkultur &#8211; geschulte Publikum, ansprechende Richtung.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.foetus.org\" target=\"_blank\">foetus<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Music Of JG Thirlwell F\u00fcr die bislang \u00fcberzeugendste visuelle Umsetzung\/Interpretation von J.G. Ballards The Atrocity Exhibition von Jonathan Weiss schrieb ein anderer J.G., n\u00e4mlich Thirlwell, den Soundrack f\u00fcr diese Chronik \u00fcber den mentalen Zusammenbruchs eines Arztes, der seine Patienten in eine Serie von bizarren Auff\u00fchrungen einbindet. 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