{"id":1077,"date":"2010-01-10T18:52:35","date_gmt":"2010-01-10T17:52:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1077"},"modified":"2010-01-18T22:21:23","modified_gmt":"2010-01-18T21:21:23","slug":"o-futuro-da-saudade-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/o-futuro-da-saudade-3\/","title":{"rendered":"O Futuro da Saudade 3"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\"><em>MECANOSPHERE <\/em><\/span><\/p>\n<p><em>M\u00e9canosph\u00e8re<\/em> ist das Projekt des Franzosen <strong>Benjamin Brejon<\/strong> und des Portugiesen <strong>Adolfo Lux\u00faria Canibal<\/strong> und steht, so ihr unmissverst\u00e4ndliches Statement,\u00a0 \u201ef\u00fcr eine systematisch anti-postmoderne kritische musikalische Plattform\u201c.<br \/>\n<em>M\u00e9canosph\u00e8re<\/em> rezyklieren auf ihren mittlerweile drei Alben die Hinterlassenschaften und Inhalte, f\u00fcr die einst Bewegungen wie Dub, experimenteller Hip Hop, Musique Concr\u00e8te, Free Jazz oder Sound Poetry standen. Reduziert, ohne Computer, Beat Box oder Memory Sampler filtrieren sie die Essenz dieser Sub-Genres zu einer verdichteten, beinahe kathartisch anmutenden musikalischen und textlichen Sprache. Die St\u00fccke leben vom Aneinanderreiben der knochentrockenen, spr\u00f6den Drums Brejons, dessen free-jazzige Ausuferungen &#8211; er war nicht umsonst Sch\u00fcler Sunny Murrays &#8211; immer wieder das ansonsten monoton-tribalistische Grundger\u00fcst durchbrechen mit den franz\u00f6sisch und portugiesisch, stark von der experimentellen Literatur gepr\u00e4gten, meist fragmentarischen Texten Canibals, die dieser in hei\u00dfererem Sprechgesang herauspresst, fl\u00fcstert, gurgelt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1118\" title=\"MVC-832F\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/MVC-832F-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nZwischenzeitlich werden diese beunruhigenden, oftmals surrealen Botschaften vom Sound einfach \u00fcberbordert, die W\u00f6rter verbinden sich zu einem infernalen Soundmagma oder werden zerschreddert oder bis zur Unkenntlichkeit gedehnt.<br \/>\nDie Musik <em>M\u00e9canosph\u00e8res<\/em> ist keine saubere, sterile Elektronik im Sinne der retrofuturistischen und gleichfalls kommerziellen Idee der Kraftwerkschen Menschmaschine (worauf das Cover des Debuts anspielen mag), sondern hat mehr mit einem altersschwachen Maschinenpark gemein, aus dem in Schw\u00e4llen Schmutzpartikel entweichen.<br \/>\nKennengelernt hat man sich in Lissabon, 1998. <strong>Brejon<\/strong> spielte in einem offenen Bandprojekt, das sich mit improvisierter, rein instrumentaler Musik befasste. Bei einem Festival wohnte er dem Auftritt der portgiesischen Kultband <em>M\u00e3o Morta<\/em> bei und war von der Darbietung des S\u00e4ngers <strong>L\u00faxuria Canibal<\/strong> beeindruckt. \u201eEr zeigte eine v\u00f6llig \u00fcbersteigerte Performance, repetiv in der Gestik, von einer gewaltt\u00e4gigen, dichten und dunklen Brutalit\u00e4t bestimmt und doch gleichzeitig \u00e4u\u00dferst ironisch.\u201c Nachdem man in Kontakt kam und sich austauschte, kam es schlie\u00dflich zur Zusammenarbeit.Kurioserweise lebt der Franzose Brejon in Lissabon und der Portugiese Canibal in Paris, so sind die Zusammenk\u00fcnfte zwangsl\u00e4ufig sporadischer Natur und der Austausch von Ideen konzentriert und intensiv. Brejon arbeitet mit analogen Generatoren, einem Korg-MS-10 und elektronischen Perkussions an der Musik, w\u00e4hrend Canibal Spoken Word-Aufnahmen in verschiedenen Geschwindigkeiten aufnimmt, wonach beides zu einer Form von narrativem Drama zusammenflie\u00dft. Eklektizismus? Ja, obwohl im Zusammenhang mit ihrer Musik immer wieder\u00a0 Verweise auf Industrial und Free Jazz erfolgen. Brejon findet die Bezeichnung Industrial Music heutzutage nicht mehr zutreffend, obwohl, wie er sagt, \u201ees musikalisch sicherlich eine Verbindung zu einer Gruppe wie <em>Throbbing Gristle<\/em> gibt, die ja erstaunlicherweise eine improvisatorische Seite hatten.\u201c <em>M\u00e9canosph\u00e8re<\/em> grenzt sich aber eindeutig vom Pseudo-Mystizismus und der Ideologie vieler Gruppen aus der Industrial-Bewegung ab. \u201eEine perverse Seite gibt es zwar in den Texten; wir sind eine literarische Band, und bei Live-Auftritten versuchen wir eine Form von Schock und psychischem Auskotzen zu kreieren, aber es gibt kein Konzept und wir versuchen das Vordefinierte wie bestimmte Posen, Haarschnitte und die immer gleichen Abl\u00e4ufe zu vermeiden.\u201c<br \/>\n<strong>Adolfo L\u00faxuria Canibal<\/strong> ist das Pseudonym <strong>Adolfo Morais de Macedos<\/strong>. Sein Curriculum, geboren in Luanda, in Portugal ausgebildet zum Juristen mit Spezialgebiet Umweltschutzrechte, Arbeitsaufenthalten und Lehrt\u00e4tigkeit au\u00dfer in Lissabon auch z.B. in Stra\u00dfburg, liest sich so abenteuerlich wie seine k\u00fcnstlerische Vita: Gr\u00fcnder, S\u00e4nger, Texter von Auaufeiomau und <em>M\u00e3o Morta<\/em> (mit Alben wie \u201eM\u00fcller no Hotel Hessischer Hof\u201c und zahlreichen Kollaborationen, daneben Kolumnist f\u00fcr portugiesische Wochen- und Musikzeitungen, Mitarbeiter f\u00fcr Piratenradiosender und Autor von zwei Poesieb\u00fcchern.<br \/>\nAuf <em>Bailarina<\/em>, dem zweiten Album,\u00a0 ist das Duo um noch zwei weitere Drummer\/Perkussionisten verst\u00e4rkt worden: <em>Le Pilote Rouge<\/em> und <em>Scott Nydegger<\/em>, Letzterer hat z.B. schon mit den <em>Stooges<\/em> und <em>Violent Femmes<\/em> zusammengearbeit. Das Album, das thematisch sich an <em>Ballards<\/em> &#8211; <em>Crash <\/em>anlehnt, kreist um das Statussymbol Automobil als Metapher f\u00fcr Machismo und Erotik, Destruktion.<br \/>\nDie karge geknackte Alltagselektronik und andere Ger\u00e4tschaften im Hintergrund verheissen nichts Gutes. Die Sirenen der Blaulichter heulen, Beatmungsger\u00e4te r\u00f6cheln, Geigerz\u00e4hler knistern, merkw\u00fcrdige Brunftschreie und tribalistisches Trommeln geben den Takt an. Die n\u00fcchterne pathoslose Erz\u00e4hlweise des S\u00e4ngers klingt halluzinatorisch. Aus all diesen Elementen wird eine Art poetisch-gebrochner Endzeit-Dub zusammengeflickt, der perverserweise auch eine unterhaltende Komponente hat.<br \/>\nDas dritte Album\u00a0 <em>Limp Shop<\/em> -auf der die Band diesmal\u00a0 um &#8211; siehe oben &#8211; <strong>Gustavo<\/strong> <strong>Costa<\/strong>, <strong>Henrique Fernandes<\/strong> und J<strong>onathan Saldanha<\/strong>, also die Creme der portuenser Untergrunds &#8211; verst\u00e4rkt wurde, entwickelt ihre Vorstellung von einem Gesamtkunstwerk noch eine Stufe weiter. Text,- als starke Einfl\u00fcsse werden diesmal <em>Ballard, Deleuze, Sloterdijk, Stiegler<\/em> und <em>Khlebnikov<\/em> genannt &#8211;\u00a0 Muisk, Noise und Field recordings flie\u00dfen in eine einst\u00fcndige abstrakte, \u00fcberbordende Suite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MECANOSPHERE M\u00e9canosph\u00e8re ist das Projekt des Franzosen Benjamin Brejon und des Portugiesen Adolfo Lux\u00faria Canibal und steht, so ihr unmissverst\u00e4ndliches Statement,\u00a0 \u201ef\u00fcr eine systematisch anti-postmoderne kritische musikalische Plattform\u201c. 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