{"id":1068,"date":"2010-01-08T18:43:58","date_gmt":"2010-01-08T17:43:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1068"},"modified":"2015-01-04T00:38:10","modified_gmt":"2015-01-03T23:38:10","slug":"david-maranha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/david-maranha\/","title":{"rendered":"O Futuro da Saudade 1"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #00ff00;\">David Maranha<\/span><br \/>\n<\/em><br \/>\nDie Stilmittel von Drones und Obert\u00f6nen in der aktuellen Musik wurde nun sogar von einer dem Metal entsprungenen Band wir <em>Sunn O&gt;&gt;<\/em> mit <em>Monoliths &amp; Dimensions<\/em> auf intelleltuell anspruchsvolles Niveau gehievt. Ein Jahrzehnt zur\u00fcck, hat eine Weiterentwicklung dessen, was Underground-Gr\u00f6\u00dfen wie <em>Tony Conrad<\/em>, <em>Maryanne Amacher<\/em>, <em>La Monte Young<\/em> oder Neut\u00f6ner wie <em>Charlemagne Palestine<\/em> und <em>Scelsi<\/em> in seinen Streichquartetten in den 1950ern und 60ern entwickelt hatten, au\u00dfer einigen verstreuten Post-Industrialisten kaum jemanden interessiert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1125\" title=\"MVC-841F\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/MVC-841F-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n<strong>David Maranha<\/strong> sah das von Beginn seines musikalischen Schaffens an anders, und wurde dann wiederum sofort als reiner Minimal Music &#8211; Nachkomme schubladisiert. Nun auch schon 25 Jahre als inzwischen anerkannter und auf internationales Rennom\u00e9e sto\u00dfender Vertreter der Lissaboner Experimentalszene t\u00e4tig, ist er derzeit an verschiedensten Projekten beteiligt. Anh\u00e4nger seiner Musik konnten, nachdem er Mitte des Jahrzehnts \u00fcberwiegend seinen hauptberuflichen Arbeit als Architekt nachkam, in den letzten drei Jahren ausgesucht gute Produktionen zur Geh\u00f6r bekommen. Seine Formation<em> Osso Ex\u00f3tico <\/em>nahm mit dem legend\u00e4ren Perkussionisten <em>Z\u2019EV<\/em> ein Album auf (Crouton), weitere Kollaborationen entstanden mit <em>Organ Eye<\/em> und <em>Verres Enaharmoniques<\/em>.<br \/>\n<em>Marches of The New World<\/em> (Grain Of Sound) ist ein Soloalbum mit G\u00e4sten, au\u00dferdem entstanden\u00a0 mit der Musikern der aktuellen Lissaboner Szene , <em>Curia<\/em> und <em>dru<\/em>. Mit klassischen oder traditonellen Instrumenten, die teilweise modifiziert sind, entwickelt <strong>Maranha<\/strong> immer wieder faszinierende, suggestive Variationen von Obertonmusik und Harmonien, die ritualistisch und verdichtet, scheinbar immer wieder versuchen in andere Sph\u00e4ren des Bewu\u00dftseins vorzusto\u00dfen, streng und in den besten Momenten von purer Sch\u00f6nheit.<img decoding=\"async\" title=\"Weiterlesen...\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/wordpress\/img\/trans.gif\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Die Lissaboner Musikszene mit Vorzeigelabels wie <em>Clean Feed<\/em>, <em>Headlights<\/em>, <em>Grain Of Sound<\/em>, <em>creative sources<\/em> etc. hat sich ver\u00e4ndert; <em>Ananana<\/em>, f\u00fcr die Pionierarbeit als Label, Vertrieb und Laden seit den 1990ern immens wichtig, schlo\u00df vergangenes Jahr seine Pforten. Neue Enthusiasten, wie die Betreiber der (Musik-) Galerie <em>ZDB<\/em>,\u00a0 <em>Flur<\/em> oder Veranstalter von j\u00e4hrlichen Experimental-Festivals \u00fcbernahmen. Und wie \u00fcberall, wenn die Vertriebsnetzwerke alternativer Kultur nicht mehr existent sind, wird man sein eigener Shop und verkauft die Musik via Internet.<\/p>\n<p>Von einer Szene der experimentellen Musik in Portugal zu reden, sei vermessen, sagt <strong>David Maranha<\/strong>, seines Zeichens Gr\u00fcnder und Hauptkomponist von <em>Osso Ex\u00f3tico<\/em>, ganz portugiesisch im Understatement ge\u00fcbt.<br \/>\nDas w\u00fcrde von ausl\u00e4ndischen Fanzines und Musikern vielleicht so gesehen, wohingegen man hier, spr\u00e4che man von den zahlreichen Projekten und Musikern wie <em>Em\u00eddio Buchinho, Nuno Rebelo, Anabel Duarte, Manuel Mota, Rafael Toral <\/em>oder den Pionieren <em>Telectu<\/em> meist auf Unwissen und Desinteresse sto\u00dfe. Davon abgesehen, kenne man sich untereinander so gut und das Umfeld sei dementsprechend \u00fcberschaubar, dass man kaum von einer gr\u00f6\u00dferen Bewegung ausgehen k\u00f6nne. Es mag allerdings sein, r\u00e4umt er ein, dass man als Au\u00dfenstehender die n\u00f6tige Distanz mitbringe, um \u00e4sthetische Parallelen und eine \u00e4hnliche Auffassung von Musik erkennen zu k\u00f6nnen, die einem selbst Involvierten verwehrt bliebe.<br \/>\n<strong>David Maranha<\/strong> begann 1985 zusammen mit <em>Bernardo Devlin<\/em> und <em>Ant\u00f3nio Forte<\/em>, zuerst unter verschiedenen Bandnamen, ab 1989 dann als <em>Osso Ex\u00f3tico<\/em> zu komponieren und Musik aufzunehmen. Die ersten beiden LPs <em>Osso Ex\u00f3tico I <\/em>(1990) und <em>Osso Ex\u00f3tico II<\/em> (1992) erschienen wie die erste CD <em>Osso Exotico III <\/em>(1992) auf dem eigen Label <em>Carbo Records<\/em>. Nachdem man aus finanziellen und organisatorischen Gr\u00fcnden das Label einstellen musste, sind in der bis heute in der immer noch Bestand habenden Kernformation <strong>David Maranha<\/strong>, <strong>Patr\u00edcia Mach\u00e1s<\/strong> (und teilweise <strong>Andr\u00e9 Maranha<\/strong>) auf verschiedenen Kleinlabels regelm\u00e4\u00dfig neue Kompositionen von <em>Osso Ex\u00f3tico<\/em>, Kollobaborationen oder Soloprojekte ver\u00f6ffentlicht worden.<br \/>\nKlassischerweise waren die ersten beiden Alben noch vom Suchen und Ausloten von Ausdrucksformen gepr\u00e4gt und im weitesten Sinne vom Post-Industrial beeinflu\u00dft; auf den folgenden CDs kristallisierte sich dann ein zunehmend unverwechselbarer Stil heraus, der in eine Form von Anti-\/Minimal Music m\u00fcndete.<br \/>\nGebraucht man den Begriff Minimal Music, impliziert dies selbstredend eine bestimmte Szene. Eine mehr oder weniger latente Seelenverwandtschaft zu \u00e4hnlich uneinsortierbaren US-amerikanischen Klangk\u00fcnstlern wie <em>Phill Niblock <\/em>(mit dem <strong>Maranha<\/strong> w\u00e4hrend eines Aufenthaltes als Stipendiat in New York zusammenarbeitete) oder <em>Maryanne Anmacher<\/em> mag in der Musik <strong>Maranhas <\/strong>sicherlich auszumachen sein, geht die US-amerikanische Linie der Minimal Music, angefangen von den Sixties-Aktivisten oftmals von einer formalen oder mathematisch inspirierten Grundidee aus, sind Maranhas Kompositionen von einem poetischeren, wenn auch nicht minder konsequenten\u00a0 Impetus inspiriert. Selbst f\u00fchlt sich\u00a0 Maranha im ihm attestierten Minimal Music- Genre auch nicht aufgehoben. \u201eAls ich mit der Musik begann, war ich \u00fcberhaupt nicht vom Minimalismus beeinflu\u00dft, ganz zu schweigen von der Szene aus den 60ern. Heute werde ich von Kritikern oft auf Parallelen angesprochen, obwohl in meinen Kompositionen z.B. gar keine repetiven und statischen Formen vorkommen. Ich verstehe, worauf man mit dem Vergleich letztlich hinauswill, w\u00fcrde mich aber definitiv nicht als Minimalisten bezeichnen. Ich bin in erster Linie an bestimmten Sounds interessiert und die Realisierung meiner Vorstellungen, einschlie\u00dflich der Instrumente und Mittel, kann in ganz verschiedene Richtungen ausufern.\u201c<br \/>\nDer Name <em>Osso Ex\u00f3tico <\/em>bezieht sich auf ein Gedicht des portugiesischen Surrealisten <em>Ant\u00f3nio Maria Lisboa <\/em>und wurde urspr\u00fcnglich ohne direkten Bezug zur damaligen Musik gew\u00e4hlt. Als man den Bandnamen allerdings sp\u00e4ter reflektierte, sah man in der Arbeitsweise mancher Surrealisten , in der verschiedene K\u00fcnstler zu einem gemeinsamen Projekt einen Beitrag leisten,\u00a0 aber durchaus einen logischen Zusammenhang.<br \/>\n<strong>David Maranha <\/strong>arbeitet wie sein Bruder <strong>Andr\u00e9<\/strong> und <strong>Patr\u00edcia Mach\u00e1s<\/strong> hauptberuflich als Architekt, was, wenn man so will, die Affinit\u00e4t f\u00fcr ungew\u00f6hnliche Lokationen bei Auftritten und Aufnahmen und die enge Beziehung von Raum und Klang in ihrer Musik erkl\u00e4ren mag.<br \/>\n\u201eDie Technik spielt dabei\u201c, so <strong>Maranha<\/strong>, \u201eeine untergeordnete Rolle und ist demzufolge spartanisch und simpel. Die Klangquellen sind ausschlie\u00dflich akustischer Natur und auf Manipulationen, Samplings und Computer verzichten wir gleichfalls. Allenfalls Kontaktmikrophone kommen zum Einsatz.\u201c<br \/>\n<em>Maranhas\/Osso Ex\u00f3ticos<\/em> Musik hat nichts mit der Hybridisierungstendenz der letzten eineinhalb Jahrzehnte gemein. Die Kombination aus Experimentiergeist und Starrk\u00f6fpigkeit f\u00fchrt zu einer Klarheit und Strenge in den Kompostionen und hat seine Referenzpunkte in der Moderne. In den komplexen Kompostionen destilliert Maranha mikrotonale und tonale Drones zu verdichteten Polyphonien von Obert\u00f6nen, die zu hypnotischen Klangfahrten werden k\u00f6nnen, in ihrer Sogwirkung nicht un\u00e4hnlich den Sp\u00e4twirken Scelsis oder den Arbeiten <em>Niblocks<\/em>; die Musik kann aber auch wie bei <em>9 Estreiras Para 1 Acorde De Piano<\/em> oder <em>Corrim\u00e3o\/Communidade das M\u00e3os<\/em> (for magnetic tape, hand read and percuted piano) ultrareduktionistisch und versponnen sein.<br \/>\nIst das nun eine imagin\u00e4re Musik , die nur gedacht, sich im Kopf selbst zusammensetzt oder ist<br \/>\nPortugal f\u00fcr den gemeinen Mitteleuroper schon terra exotica genug, um nicht jeder lusitanischen Alchemie<br \/>\nund Augenzwinkerei folgen zu k\u00f6nnen?<br \/>\nBei einem Auftritt in Paris 1999 zielt, w\u00e4hrend die Musiker spielen eine Art Zen-Bogensch\u00fctze auf eine Zielscheibe. Auf dessen Pfeil ist ein Text Becketts mikroskopisch klein kalligraphiert. Die Schrift wiederum\u00a0 wird auf eine Leinwand im Hintergrund der B\u00fchne projiziert. \u00dcber die lauten, oszilierenden Obertondrones (Violine, Harmonium, Hammond Orgel!) h\u00f6rt man das Spannen des Bogens, den Abschuss und den Einschlag des Pfeiles, was einen enormen akustischen Effekt hat.<br \/>\nBei der Live-Aufnahme zu Piano Suspenso verwendet <strong>David Maranha<\/strong> als Hilfsmittel Spielzeugmotoren aus dem Hauswarenladen, die als F\u00fchrung f\u00fcr den Geigenbogen, mit dener er die Saiten eines Fl\u00fcgels bespielt, dienen (und konterkarriert damit zugleich das Motto der<em> New York Electronic Performance<\/em>&#8211; Reihe, in deren Rahmen der Auftritt stattfindet und man computergenerierte Musik erwarten durfte).<br \/>\nF\u00fcr <em>Osso Ex\u00f3tico IV<\/em> erhielten die Musiker die Genehmigung die Orgeln der Kathedralen von Lissabon und Marvilla f\u00fcr Aufnahmen zu vewenden; das Ergebnis ist ein beinahe Messianisch-sakrales Werk, wenn auch, wie Maranha betont, religi\u00f6se Gesichtspunkte nicht im geringsten die Intention waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>David Maranha Die Stilmittel von Drones und Obert\u00f6nen in der aktuellen Musik wurde nun sogar von einer dem Metal entsprungenen Band wir Sunn O&gt;&gt; mit Monoliths &amp; Dimensions auf intelleltuell anspruchsvolles Niveau gehievt. Ein Jahrzehnt zur\u00fcck, hat eine Weiterentwicklung dessen, was Underground-Gr\u00f6\u00dfen wie Tony Conrad, Maryanne Amacher, La Monte Young oder Neut\u00f6ner wie Charlemagne Palestine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[70,69],"tags":[],"class_list":["post-1068","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-david-maranha","category-o-futuro-da-saudade"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1068"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1068\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2571,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1068\/revisions\/2571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}