{"id":1054,"date":"2010-01-10T19:08:49","date_gmt":"2010-01-10T18:08:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1054"},"modified":"2010-10-31T19:44:45","modified_gmt":"2010-10-31T18:44:45","slug":"1054","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/1054\/","title":{"rendered":"Bandes Sonores Fran\u00e7aises 4"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"color: #00ff00;\">Thierry M\u00fcller &#8211; Hors temps\/Out of time<\/span><br \/>\n<\/em><br \/>\nMitte der 1980er kursierte im Bekanntenkreis eine merkw\u00fcrdig aufgemachte Platte: <em>Ilitch &#8211; 10 Suicides<\/em>. Die collagenhaft aufgemachte H\u00fclle und das Beiheft spielten ironisch mit der dunkel-romantischen Idee, dem Leben irgendwie zu entkommen. Die Musik, eine schr\u00e4ge M\u00e8lange von kautrockigen Elektronikpassagen, improvisatorisch anmutende Gitarrenst\u00fccken und unterk\u00fchltem New Wave Disco. Musik, Bezugspunkte und Intellektualit\u00e4t passten gut in den Kreis der anderen gesch\u00e4tzten Vertretern der \u2018New French Music\u2019 &#8211; <em>Berrocal, Marcoeur, Ribeiro, Tazart\u00e8s, Heldon, DDAA <\/em>etc.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1130\" title=\"mueller\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/mueller-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/mueller-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/mueller-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/mueller.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Thierry M\u00fcller <\/strong>ist ein Mann, pr\u00e4destiniert f\u00fcr jedes Au\u00dfenseiterlexikon. Seit 1974, als er in Paris mit einem Kunststudium begann, experimentierte er auch mit musikalischen Ausdrucksformen. Beeinflusst von der Avantgarde der Neuen Musik &#8211; <em>Stockhausen, Xenakis, Cage <\/em>etc., aber auch von deutscher und franz\u00f6sischer Elektronikmusik, die ein Gegenst\u00fcck zu den vom Beat gepr\u00e4gten Gro\u00dfteil von Bands bildete, kreierte er mit dem Verst\u00e4ndnis seines eigenen (Kunst-) Wissens und dem ebenfalls stark Spuren hinterlassenden Pariser Umfeld von Beginn an sperrige, geheimnisvolle Musik, die sich Kategorisierungen stets entzog. Sein anderes Metier blieben aber immer graphische Arbeiten und Fotographie. <em>Periodikmindtrouble<\/em>, 1978 erschienen und <em>10 Suicides<\/em>, 1980, verwendeten Taperecorder-Manipulationen, Synthesizer, stark modulierte Gitarren als Instrumente, das zweite Album arbeitet auch mit verfremdeten Stimmen. Beide Platten passten mit ihrer dezenten Prog-Attit\u00fcde eigentlich gut in das Umfeld der damaligen experimentellen Musik, von <em>Heldon<\/em> \u00fcber <em>Art Zoyd<\/em> bis <em>Can <\/em>und <em>Neu<\/em>. Eine Besonderheit, und seiner k\u00fcnstlerischen Ausbildung geschuldet, waren die graphisch aufwendigen, umfangreichen Booklets, die scheinbar von der surrealistischen Collagenkunst gepr\u00e4gt, einen eigenen, irritierenden Stil hatten . F\u00fcr das Bandprojekt<em> Ruth <\/em>kollaboration <strong>Thierry M\u00fcller<\/strong> mit einigen anderen Musikern und die Platte, die 1985 ver\u00f6ffentlicht wurde, kann den New Wave- und Discoeinfluss jener Zeit , wenn auch nach eigenem Selbstverst\u00e4ndnis stark gebrochen, nicht verbergen: <em>Ruth<\/em> klang wie durchgeknallte Roboter-Sythniemusik, ironisch, k\u00fchl, lasziv gar, aber doch wieder zu verkopft, um wirklich den Massengeschmack zu treffen. Trotzdem, <em>Polaroid\/Roman\/Photo <\/em>wurde zu einem Insiderhit &#8211; den man heute auf einigen franz\u00f6sischen 80ern &#8211; New Wave &#8211; Samplern findet, und lieferte, so k\u00f6nnte man sagen, <em>Kas-Product<\/em> oder <em>Les Rita Mitsouko<\/em> die kostenlose Steilvorlage und Stilberatung, wie sich tats\u00e4chlich kommerzielles Potential aussch\u00f6pfen l\u00e4sst. Danach erschienen eine EP eines weiteren Projekts (<em>Crash<\/em> mit <em>Philippe Doray)<\/em> und einige stark limitierte Platten (eine war gar ein Unikat); <strong>M\u00fcller<\/strong> widmete seine Schaffenskraft aber verst\u00e4rkt graphischen Arbeiten und der Mitarbeit bei einem Pariser Verlag. Die musikalischen Projekte von 1974 &#8211; 84 sind auf dem ausgezeichneten Sampler <em>Thierry M\u00fcller &#8211; Rare &amp; Unreleased <\/em>(Fractal Records) angerissen.<br \/>\nIn der Zwischenzeit wurde <strong>M\u00fcller<\/strong> immer wieder von sich besser vermarktenden Kultmusikern wie <em>Steven Stapleton<\/em> bis <em>Thurston Moore <\/em>(der die Einnahmen von seinem Mainstream-Status scheinbar daf\u00fcr verwendet, diverse Labels mit Unverk\u00e4uflichem zu unterhalten) auf deren Reverenzlisten als wichtiger Einfluss erw\u00e4hnt; was nicht zuletzt wohl auch eine j\u00fcngere Generation interessiert und neugierig machte.<br \/>\n<em>Fractal <\/em>sorgte sich 2002 um sch\u00f6n aufgemachte Wiederver\u00f6ffentlichungen; <strong>Thierry M\u00fcller <\/strong>selbst, macht Musik inzwischen auch wieder f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit.<br \/>\n<em>Ilitch &#8211; Hors temps <\/em>(2004) und <em>Ilitch &#8211; Lena\u2019s Life &amp; Other Stories <\/em>(2007) sind zwei zeitgem\u00e4\u00dfe, \u00fcberzeugende Alben. Mit diversen G\u00e4sten (alten Bekannten und neu Auftauchenden) als offeneres Projekt wie fr\u00fcher realisiert, h\u00f6rt man in <strong>M\u00fcllers<\/strong>\u2019 aktueller Musik seine ihn pr\u00e4genden Einfl\u00fcsse &#8211; Minimal Music, Kraut, Elektronik etc.- weiter entwickelt, nicht im Nostalgischen schwelgend und in modernen Suiten collagiert. Diese bestehen aus grotesk- exzentrischen Songs und meist l\u00e4ngeren, dunklen, ins Abstrakte verfremdeten Instrumentalst\u00fccken. Auch eine Hommage an <em>Kraftwerk<\/em> wirkt nicht redundant, denn irgendwie umgibt <em>Ilitch<\/em> immer noch eine Aura des Futuristischen, was nach wie vor nicht die uninteressanteste Assoziation f\u00fcr Kunst und Musik sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ilitchmusic.com\" target=\"_blank\">ilitchmusic<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thierry M\u00fcller &#8211; Hors temps\/Out of time Mitte der 1980er kursierte im Bekanntenkreis eine merkw\u00fcrdig aufgemachte Platte: Ilitch &#8211; 10 Suicides. Die collagenhaft aufgemachte H\u00fclle und das Beiheft spielten ironisch mit der dunkel-romantischen Idee, dem Leben irgendwie zu entkommen. Die Musik, eine schr\u00e4ge M\u00e8lange von kautrockigen Elektronikpassagen, improvisatorisch anmutende Gitarrenst\u00fccken und unterk\u00fchltem New Wave Disco. 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