{"id":1,"date":"2009-01-07T20:11:07","date_gmt":"2009-01-07T19:11:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?p=1"},"modified":"2009-04-04T17:48:51","modified_gmt":"2009-04-04T16:48:51","slug":"hallo-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/hallo-welt\/","title":{"rendered":"Bruxelles Soundscapes 1"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #00ff00;\">Br\u00fcssel<\/span> &#8211; Die heterotope Stadt<\/p>\n<p>Br\u00fcssel, Belgien, 1977. <strong>Marc Hollanders<\/strong>&#8216; und <strong>Vincent Kenis&#8217;<\/strong> Gruppe mit dem mysteri\u00f6sen Namen <em>Aksak Maboul<\/em> rei\u00dft thematisch, in aller Form des inszenierten Gr\u00f6\u00dfenwahns an, was dann wenig sp\u00e4ter in Grossbritannien intellektuell en vogue sein wird, als Punk vom Working Class Hero zum Art School Studenten transferiert wird: Eklektizismus, Internationalismus, freie und spielerische Vermischung von Formen, Kulturen und Genres &#8211; so wird dies in den Anmerkungen zu <em>&#8216;Onze Danses Pour Combattre La Migraine&#8217;<\/em>, dem ersten Album, treffend zusammengefasst.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/?page_id=258&#038;album=all&#038;gallery=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-133\" title=\"img_2085\" src=\"http:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/img_2085-150x150.jpg\" alt=\"atomium 1\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Danach, und bis Mitte der 80er Jahre, ist Br\u00fcssel tats\u00e4chlich die ideale Stadt, um sich nochmals an den versch\u00fcttet gegangenen Kunsttheorien und Utopien des auslaufenden Jahrhunderts abzuarbeiten &#8211;  Situationismus, Lettrismus, Debord, Dada, Artaud, Surrealismus, Futurismus, Heartfield beispielsweise &#8211; und diese musikalisch mit den Visionen des New Wave und neuen technischen M\u00f6glichkeiten zu konfrontieren.<\/p>\n<p>Die ersten Ver\u00f6ffentlichungen von Hollanders <a href=\"http:\/\/www.crammed.be\/\" target=\"_blank\">Crammed Disc<\/a> sind  in ihrer Vielfalt der Stile und Originalit\u00e4t vergleichbar mit der Aufbruchzeit von Rough Trade in Londons Westen: Blueprints und Referenz f\u00fcr Vieles, was noch kommen wird. Die beiden <em>Aksak Maboul<\/em>-Alben (<em>&#8216;Onze Danses Pour Combattre La Migraine&#8217; <\/em>eine meisterliche Dekonstruktion aller Stile und gleichermassen eine Hommage an die Unbeschwertheit wie die Melancholie, <em>&#8216;Un Peu De L&#8217;Ame Des Bandits&#8217;<\/em>, Hollander und Kenis um die RIO\/Recommended Musiker Leigh, Chenevier, Cutler, Frith, Berckmans, Jauniaux erweitert, und direkt die kammerrockmusikalischen Wurzeln <em>Univers Zeros<\/em>&#8216; und <em>Art<\/em> <em>Zoyds<\/em>&#8216; aufnehmend), die luzid-seltsamen Stimmungsbilder eines Benjamin Lew, die New Wave &#8211; Rock &#8216;n Roll &#8211; Popartisten <em>Honeymoon Killers<\/em>, die schr\u00e4ge Torchs\u00e4ngerin <em>Hermine<\/em>, <em>Minimal Compact<\/em>, <em>Deyhim\/Horowitz<\/em> und viele mehr.<\/p>\n<p>Am 1. Oktober 1980 findet <a href=\"http:\/\/www.tuxedomoon.com\/\" target=\"_blank\"><em>Tuxedomoons<\/em><\/a> erster europ\u00e4ischer Auftritt im legend\u00e4ren <em>Plan K <\/em>in Br\u00fcssel statt. Die ehemalige Zuckerfabrik, unweit des Kanals im Industriegebiet der belgischen Hauptstadt gelegen, dient seit knapp einem Jahr <strong>Michel Duval<\/strong>, <strong>Annik Honor\u00e9 <\/strong>und <strong>Bennoit Hennebert<\/strong> als bevorzugter Ort um Parties und Konzerte zu veranstalten. <em>Les Disques Du Cr\u00e9puscule<\/em> wird Anfang der 1980er ins Leben gerufen und was zuerst als <em>Factory Benelux<\/em> konzipiert ist, schl\u00e4gt schnell einen anderen, konsequenten Weg ein. In dieser Zeit ist Br\u00fcssel f\u00fcr die florierende Punk-, und sp\u00e4ter New Wave &#8211; Szene Gro\u00dfbritanniens erster Anlaufpunkt auf dem Kontinent. F\u00fcr <strong>Alain Lefebvre<\/strong>, zu jener Zeit einer der ersten Punk und New Wave &#8211; Fans in Belgien, sp\u00e4ter selbst Musiker und au\u00dfer seiner eigenen Band <em>Digital Dance <\/em>in zahlreichen internationalen Projekten involviert (und bei <em>LDDC<\/em> in der Promotion t\u00e4tig), ist in der Stadt vieles m\u00f6glich. &#8220;Br\u00fcssel war heruntergekommen, die Wohnungen ganzer Stra\u00dfenz\u00fcge standen leer und die Mieten waren extrem billig. Ende der 1970er\/Anfang der 1980er Jahre spielten alle angesagten Gruppen in Br\u00fcssel und dies hinterlie\u00df Spuren. Der eingeschleppte Virus griff auch auf die einheimische Szene \u00fcber. Gruppen, Labels, Aufnahmestudios und L\u00e4den sprossen, aber auch internationale Musiker nutzten die Stadt als Basis und als Ort, um Musik aufzunehmen. &#8221;<\/p>\n<p><em>&#8216;From Brussels With Love&#8217;<\/em>, eine Kassettenbeilage f\u00fcr den <em>N.M.E.<\/em> kompiliert und um textlastige Theorie erg\u00e4nzt, ist f\u00fcr <em>LDDC<\/em> dann der offizielle Startschuss und gibt die Richtung vor, die sp\u00e4ter Labels wie <em>Touch<\/em> und <em>Leaf<\/em> mit einer \u00e4hnlichen Verschmelzung von \u00c4sthetik und Musik verfolgen werden. Und auch heute noch erscheint das, was f\u00fcr diesen Sampler an Ideen zusammengetragen wurde, aktuell, clever und letztlich zeitlos; was auch immer uns das \u00fcber die letzten drei\u00dfig Musikgeschichte sagen will. <em>Wim Mertens, Michael Ny<\/em>man, <em>Glenn Branca, Marc Ribot, Cabaret Voltaire, Current 93, The Pale Fountains, Ludus, Arthur Russel, Isabelle Antena <\/em>und <em>Tuxedomoon <\/em>(die au\u00dfer der Balletmusik &#8216;<em>Devine&#8217; <\/em>, einigen 12-inches und diversen Soloprojekten zwar keines der &#8220;wichtigen&#8221; Alben an <em>Cr\u00e9puscule <\/em>abtreten, aber trotzdem eng mit dem Label verbunden bleiben) sind einige der Stilisten, die den Hipfaktor zwischen Kunst und Philosophie, zwischen Pop und Avantgarde, stetig neu bestimmen und vor allem auch, wir schreiben die 1980er, mit der entsprechenden Verpackung versehen. <em>LDDC <\/em>expandiert zwischenzeitlich nach England, den U.S.A. und Japan, erweitert die T\u00e4tigkeiten um Buchproduktionen, Videos, bis, konsequenterweise, zu Ausfl\u00fcgen in die Modewelt. Dann wird der Einfluss und Wirkungskreis der Independents zunehmend von Majors, die die Indies kopieren und mit ungleich gr\u00f6\u00dferen Budgets operieren, wieder eingeschr\u00e4nkt. Nachdem es \u00fcber die Jahre zunehmend ruhiger um <strong>Duval<\/strong> und Co. wird, liegt das Unternehmen seit 2004 brach.<\/p>\n<p>Weiter s\u00fcdlich in der Wallonie verschreibt sich der in experimentellen Nischen abseits der Popul\u00e4rkultur geschulte <strong>Alain Neffe<\/strong> Anfang der 1980er ganz dem tats\u00e4chlichen Untergrund. <a href=\"http:\/\/http:\/\/www.myspace.com\/insanemusiccontact\" target=\"_blank\"><em>Insane Music<\/em><\/a> wird zu einem einflussreichen Label der &#8220;Kassettent\u00e4ter-Szene&#8221; (<em>Tago Mago, Ding Dong, We Never Sleep, Cause &amp; Effect, 235 <\/em>und <em>Jar <\/em>muss man gleichfalls Reverenz erweisen). <em>Pseudo Code, Human Flesh, Bene Gesserit <\/em>oder <em>Cortex <\/em>sind einige Projekte, f\u00fcr die <strong>Neffe <\/strong>verantwortlich zeichnet und die sich im faszinierenden Grenzbereich von Post-Industrial, elektronischen Beats, Pop und Lyrik bewegen. Vor allem die beiden Samplerreihen &#8216;<em>Insane Music For Insane People&#8217; <\/em>sowie <em>&#8216;Home Made Music For Home Made People&#8217; <\/em>sind enorm einflussreich, da sie die internationale Creme des Undergrounds kompilieren. Musikalische Zusammenarbeiten funktionieren, indem Kassetten zwischen K\u00fcnstlern hin- und hergeschickt werden und jeweils weiterbearbeitet werden. <em>Bene Gesserit <\/em>(<strong>Alain Neffe<\/strong> und seine Partnerin <strong>Nadine Bal<\/strong>) erwirbt Kultstatus in der Szene, nicht nur aufgrund der Musik, aber auch wegen eines inszenierten Verwirrspieles: Man gibt vor, eine Schweizer Band zu sein. Auf dem ersten Tape ist auch eine Kontaktadresse in der Schweiz angegeben, die des befreundeten Tape &#8211; Labels <em>Calypso Now<\/em> in Biel, was die Neugierde zuhause in Belgien weckt. Mit der Vokalartistin <strong>Anna Holmer<\/strong> gr\u00fcnden <strong>Neffe<\/strong> und <strong>Bal <\/strong>sp\u00e4ter das sporadisch aktive Trio <em>Chopstick Sisters<\/em>. Nachdem die Qualit\u00e4t der Kassettenlabels durch die \u00fcblichen Nachahmer schnell verw\u00e4ssert wird, werden die Aktivit\u00e4ten von <em>Insane<\/em> sp\u00e4rlicher und mit dem Aufkommen der CD und einer Abkehr vom Individuellen, taucht man schlie\u00dflich wieder in die Obskurit\u00e4t ab.<\/p>\n<p><em>Crammed Disc<\/em> pflegt seit einigen Jahren seinen Backkatalog (und mit der Reunion von <em>Tuxedomoon <\/em>versucht man nochmals aktiv Vergangenheit und Zukunft in Einklang zu bringen), ist aber, wie man gemeinhin wei\u00df, vor allem zu einem der etabliertesten World Music &#8211; Labels in Europa aufgestiegen. Der Nachlass (?) von <em>Les Disques Du Cr\u00e9puscule <\/em>wird kompetent von <strong>James Nice<\/strong>, einem Schotten, der in den wegweisenden Jahren selbst in den Reihen des Labels stand, betreut und st\u00e4ndig um verschollen geglaubte Rarit\u00e4ten erweitert. Sein Versuch, in den 1990ern Jahren einem &#8216;richtigen&#8217; Beruf (Anwalt) nachzugehen, hat er, wie soviele andere der damals Infizierten, wieder der Romantik der Selbstausbeutung und seinem Label mit dem bezeichnenden Namen <a href=\"www.ltmrecordings.com\" target=\"_blank\"><em>Les Temps Moderne<\/em><\/a> geopfert. <strong>Alain Neffe<\/strong> erf\u00e4hrt verst\u00e4rkte Aufmerksamkeit an seiner Musik und seiner Philosophie, nicht nur von Nostalgikern, die ihre Jugend nochmals heraufbeschw\u00f6ren wollen, sondern auch von einer jungen Generation, die von den analogen Sounds fasziniert ist. Ein Gro\u00dfteil des Repertoires ist nun auf CD-R erh\u00e4ltlich und es entstehen auch neue Projekte. Die Kommunikation, die fr\u00fcher durch den Versand  und Empfang von Kassetten stattfand, l\u00e4uft heute, da hat man als der Avantgarde entsprungener K\u00fcnstler keine ideologischen Bedenken, \u00fcber My Space.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Br\u00fcssel &#8211; Die heterotope Stadt Br\u00fcssel, Belgien, 1977. Marc Hollanders&#8216; und Vincent Kenis&#8217; Gruppe mit dem mysteri\u00f6sen Namen Aksak Maboul rei\u00dft thematisch, in aller Form des inszenierten Gr\u00f6\u00dfenwahns an, was dann wenig sp\u00e4ter in Grossbritannien intellektuell en vogue sein wird, als Punk vom Working Class Hero zum Art School Studenten transferiert wird: Eklektizismus, Internationalismus, freie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30,17],"tags":[44,41,39,40,45,46,43,8,42,38],"class_list":["post-1","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bruxelles-soundscapes","category-die_heterotope_stadt","tag-alain-neffe","tag-crammed","tag-debord","tag-heartfield","tag-insane-music","tag-kassetten-tater","tag-les-disques-du-crepuscule","tag-marc-hollander","tag-tuxedomoon","tag-vincent-kenis"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1"}],"version-history":[{"count":53,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":592,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1\/revisions\/592"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mikro-wellen.net\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}