Ripples September 2010

September 17th, 2010

Dean & Britta – 13 Most Beautiful Songs


Andy Warhols Screen Tests, ein enzyklopädisches Ausmaß von 472 monochromen Filmportraits umfassendes Projekt, das zwischen 1964-66 entstand, ist ein Namedropping der Sixties-Avantgarde und bis heute an Coolness nicht zu überbieten. Die Hauptspielregeln Warhols für die vorgegebenen vier Minuten  – direkt in die Kamera zu schauen – wird von Ann Buchanan am konsequentesten und berührendsten umgesetzt – sie schaut ohne zu blinzeln, Tränen rollen erst aus ihrem  linken Auge, dann auch aus dem rechten. Edie Sedgwick, Mary Woronov, Paul America, Billy Name, Freddy Herko, Ingrid Superstar, Susan Bottomly, Jane Holzer, Richard Rheem, Dennis Hopper, Lou Reed und Nico sind die weiteren Filmspulen, die sich Dean Wareham vom Warhol-Museum in Pittsburgh für 13 Most Beautiful – Songs For Andy Warhol’s Screen Tests lieh.
Dean Wareham und Britta Phillips, zuvor beide bei Luna, Wareham auch bei Galaxie 500, also Projekten, die auch schon schwer VU-beeinflusst waren, geben als Duo und auf ihren Platten L’Avventura und Back Numbers eine intellektuelle, referenzgeschulte Version von Jane und Serge oder Bonnie und Clyde (oder umgekehrt). 13 Most Beautiful Songs, also die Vertonung der Filme, passt da perfekt in ihre Vita.
Mit eigenen Stücken und den ausgesuchten Versionen  von I’ll Keep It With Mine, It Don’t Rain in Beverly Hills oder dem VU-Bootleg-Stück Not A Young Man Anymore – klingt die Musik einerseits werksgetreu, aber durch die Zusammenarbeit mit Sonic Boom, der einen elektronischen Abstraktionsfilter bedient, zeitgemäß. All das müsste natürlich am besten live in der Kombination von Bild und Ton erlebt werden, wozu man in den kommenden Wochen dankenswerterweise die Gelegenheit hat.
Deanandbritta.com

The Music Of JG Thirlwell

Für die bislang überzeugendste visuelle Umsetzung/Interpretation von J.G. Ballards The Atrocity Exhibition von Jonathan Weiss schrieb ein anderer J.G., nämlich Thirlwell, den Soundrack für diese Chronik über den mentalen Zusammenbruchs eines Arztes, der seine Patienten in eine Serie von bizarren Aufführungen einbindet. Ein Konstrukt des Filmes –  bestehend aus einem an einen Antennenmast montierten Stuhl, ein TV – Gerät, einer  Satellitenschüssel und einer Art Gartenzaun – steht immer noch auf dem Dach von Thirlwells Brooklyner Apartment.

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