Ripples March 2018

March 30th, 2018

Kraak Festival 2018 Bruxelles

Im Bota(nique) bereitet man sich schon auf die Nuits Botanique vor und im AB (Ancienne Belgique) steht das BRDSST – Festival an, das den retro-futuristischen Geist der Birminghamer Formation Broadcast (und sprichwörtlich den der jung verstorbenen Sängerin Trish Keenan) weiterträgt. Zuvor gibt man sich aber das jedes Jahr am ersten Märzwochenende stattfindende Kraak-Festival mit seinem dichten Programm von Off-Stream Künstlern, viele tatsächlich noch so unbekannt, dass man getrost von Underground sprechen kann. Die zwanzigste Ausgabe des seit einigen Jahren zum Dreitäger gewachsenen und seitdem im Beursschouwburg verorteten Festivals startete am Eingang damit, dass man eine Vuvuzela ausgehändigt bekommt, um unter der Regie von Mr. Pinkie Bowtie, der als Dirigent fungierte, die Festivalovertüre zu tröten.

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Ripples February 2018

February 28th, 2018

Auf der Suche nach dem Inneren des Tons: Ameel Brecht und Joana Gama


Beim Kraak – Festival 2017 in Brüssel mildert Ameel Brecht, seines Zeichens Mitglied der transgressiven Formation Razen das harte Herunterkommen nach zwei Tagen eklektischen musikalischen Überschwangs mit introspektiven, traurigen, komplett aus der Zeit gefallenen Songs, die er mit Gitarre und Mandoline vorträgt – während an diesem verregneten Sonntag noch manche den Brunch im Beurschouburg-Café goutieren.

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Ripples May 2017

May 1st, 2017

Eloïse Decazes & Eric Chenaux – La Bride


Die Pariserin Eloïse Decazes und der Kanadier Eric Chenaux – beides kreativ äußerst umtriebige Zeitgenossen – hattten mit ihrem brillianten Debut als Duo die Ehre den Startschuss für Philippe Delvosalles Okraïna – Label zu geben. Nun erscheint der Nachfolger auf dem gleichsam empfehlenswerten Lausanner Label Three : Four Records. Decazes und Chenaux; das ist ein eingenwilliges Duo: Die Lieder/Chansons, die ihnen als Rohmaterial für Experimente und Entfremdungen dienen, haben ihren Ursprung teilweise im Mittelalter – einige zeitgenössische Quellen wie Areski sind die Ausnahme – und werden entkernt und zu etwas Zeitlosem metamorphisiert: Eine halluzinierende Musik, die letztendlich zu gebrochen und abstrakt ist, um noch in das Genre Folk oder Songwritertum zu passen. Chenaux, eng mit dem zwischen Konvention und Experiment schwankenden Constellation-Label verbunden, geht hier andere Wege und entfernt sich weitgehend von der Rolle des “klassischen” Gitarristen. Decazes gibt sich vergleichsweise zahm mit ihrem Projekt Arlt (mit Sing Sing), aber zeigt außer mit Chenaux vor allem auch in Verbindung mit Delphine Dora aus welchem Holz sie geschnitzt ist, Die Interpretationen von Berios Folksyklus suchen bezüglich Abenteuerlust und Subtiliät ihresgleichen.
La Bride greift die Tradition von experimentellen französischen Chansoniers / Chanteusen, die in den Siebzigern mit Brigitte Fontaine/Areski oder Laurence Vanay begann und in den Achzigern von, u.a. Jac Berrocal (Hotel Hotel), Sophie Jausserand/Guigou Chenevier (A L’Abri des Micro-Climats)oder Hélène Sage weitergeführt wurde, auf und begeht doch wieder andere Wege. Die Gitarre eiert psychedelisch-brüchig, irgendwelche Überbleibsel von Blues- oder Folksongs werden zu Partikeln zerlegt und dann wieder zu Drones zusammengeleimt. Eloïse Decazes interpretiert und rezitiert ihre Geschichten von heute und aus einer anderen Zeit in einer Weise, die an eine etwas unheimliche, moderne Moritatensängerin denken lässt. Sanfheit wird zu Abstraktheit, Sophistication wechselt zum Nicht-Fassbaren und teilweise bedarf er überhaupt keiner musikalischen Unterstützung mehr, weder Leierkasten noch Saiteninstrument.
Three:Four Records

Okraïna Review

Ripples April 2017

April 3rd, 2017

Kraak Festival Bruxelles 2017

 

Kraak: Den belgischen Spezialisten für alles, was kulturell “offstream” anzusiedeln ist, gelingt seit Jahren das eigentlich schwer vorstellbare Jonglieren mit unterschiedlichen musikalischen Avantgardedisziplinen und Mikroszenen. Mit der seltsam-schönen Musik von z.B.  Calhau!, Sea Urchin oder Typhonian Highlife war 2016 wieder ein außergewöhnliches Labeljahr gewesen. Und 2017 verspricht ähnlich aufregend zu werden. Die Zeitschrift The Avant Guardian kann sich mit seinen Themenschwerpunkten und exklusiven, anderswo nicht zu findenden Interviews mehr als sehen lassen und das außergewöhnliche Konzertprogramm, für das sich Kraak in verschiedenen belgischen Städten verantwortlich zeichnet, sucht seinesgleichen.
Höhepunkt der konzertanen Aktivitäten ist ohne Zweifel das jährliche Festival, das nun seinen Platz im Beursschouburg, dem Theater an der Börse, inmitten in der ansonsten immer noch erstaunlich untrendigen, verwitterten Innenstadt, in der trotz erhöhten Sicherheitsbedingungen mit Straßensperren und massiver Militärpräsenz, sich abends alle Schichten und Szenen zum Ausgehen treffen.
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Ripples Januar 2017

January 2nd, 2017

Joana Guerra, Julia Kent – Ao Vivo Igreja de St. George
joana-guerra

Der Mond der Erde so nah wie seit 1948 nicht mehr und ein sternenklarer nächtlicher Himmel über Lissabon; der Tejo schimmert dunkel und ist ungewöhnlich still, von der Wasseroberfläche steigt leichter Dunst auf. Kann es da noch eine atmosphärische Steigerung geben? Na ja, zum Beispiel, wenn man sich auf dem Weg zur Igreja dos Ingleses beim Parque da Estrela über den Friedhof vortastet und vereinzelten dunklen Gestalten begegnet, die die gleiche Idee zu haben scheinen; nämlich an diesem Novemberbend einem Doppelkonzert der beiden Violoncellistinnen Julia Kent und Joana Guerra beizuwohnen. Read the rest of this entry »